Ausgehend von den Entwicklungen innerhalb der Literatur- und Kulturwissenschaft der letzten Jahrzehnte ist der Feminismus bzw. die feministische Literaturwissenschaft in der Verpflichtung eine neue Richtung einzuschlagen, sich neu zu definieren. Seit Beginn der postmodernen Geistesströmung (Baudrillard, Foucault, Derrida), die das Subjekt und Identität als solche aus einer pluralistischen Sichtweise heraus in Frage stellen, ist es notwendig duale Betrachtung und klare Abgrenzungen des Ich’s zu überdenken. In der vorliegenden Arbeit versuche ich zunächst den Standpunkt der Feministischen Literaturwissenschaft, bzw. die Misere des Feminismus an sich im Zeichen der Postmoderne zu skizzieren und abschließend zu analysieren, welches Konzept postmoderner und post- oder neofeministischer Identität und Simulation der Text darbietet.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung- Abriss über den postmodernen Feminismus
2. Frauenbilder im Roman
2.1 Emanzipation und gesellschaftliche Grenzen- Frauen der 1920er/30er Nona & Lily Foster
2.2 Sylvia Foster- stille Emanzipation
2.3 Religion und weibliche Identität- Molly Foster
2.4 Die Ehe: Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Emanzipation - Helen Stone
2.5 Sylvia Fisher- eine postmoderne Identität der Frau
3. Männer im Roman
3.1 Edmund Foster- Patriarchalische Leitfigur und Sinngebende Instanz
3.2 Ehe als Destruktion weiblicher Identität am Beispiel von Reginald und Helen Stone
3.3 “Someone named Fisher”- postmoderne Simulation einer Partnerschaft
4. Archetypen
4.1 Ruth & Naomi- eine alternative Familienstruktur
4.2 Lot’s Frau- die namenlose Randidentität
5. Initiationsprozesse im Roman
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht feministische Aspekte in Marilynne Robinsons postmodernem Roman "Housekeeping". Ziel ist es, die Entwicklung der weiblichen Identität im Kontext postmodernen Denkens und der Dekonstruktion traditioneller Rollenbilder zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit der Roman eine alternative, transzendente feminine Identität entwirft.
- Analyse verschiedener Frauenbilder im Roman als Spiegel unterschiedlicher Stadien der Emanzipation
- Untersuchung der Rolle männlicher Figuren und deren Einfluss auf die weibliche Identitätskonstitution
- Deutung archetypischer Bezüge und deren Bedeutung für die Emanzipation der Protagonistinnen
- Darstellung von Initiationsprozessen als Weg hin zu einer pluralistischen und postmodernen Identitätsauffassung
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Hauses
Sie glaubt an einen linearen Lebensweg, an Vorbestimmtheit, und Tod wird bezeichnenderweise in ihrer Vorstellungsweise mit einem Haus verglichen, in dem alles was man im Leben verloren hat angestaut auf einen wartet.
That is to say that she conceived of life as a road down which one traveled [...] and that one’s destination was there from the very beginning, a measured distance away, standing in the ordinary light like some plain house where one went and was greeted by respectable people and was shown to a room where everything one had ever lost or put aside was gathered together, waiting.
Die Bedeutungen des Hauses, welches ja, wie auch im Titel suggeriert wird, für Hausarbeit bzw. für die domestizierte Weiblichkeit steht, wird hier als „Haus“ des Todes geschildert. Als Symbol der letzten Ruhestätte, als Symbol des Todes wird an dieser Stelle suggeriert, dass die Identität der „Hausfrau“ eine Hüterin des toten Raumes, eine im Totenreich angesiedelte Figur darstellt. Tod, also das Ende des Identitätsprozesses, kann nur in Verbindung mit dem Prädestinationsglauben ertragen werden. Das Haus kann somit nur als Domäne weiblicher Existenz identitätsstiftend sein, als der religiöse Glaube an Prädestination und ein Fortbestehen im Jenseits unterstützend herangezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung- Abriss über den postmodernen Feminismus: Die Einleitung verortet das Thema im postmodernen Diskurs, der dualistische Geschlechterkategorien infrage stellt und Identität als dezentrierten, dynamischen Prozess begreift.
2. Frauenbilder im Roman: Dieses Kapitel klassifiziert die weiblichen Charaktere anhand verschiedener Stadien der Emanzipation, von der traditionellen Rolle der Hausfrau bis hin zu postmodernen, mobilen Identitätsentwürfen.
3. Männer im Roman: Die Untersuchung zeigt auf, dass männliche Charaktere primär ordnende oder patriarchalische Funktionen übernehmen, deren Verlust für die Frauen oft den Zusammenbruch ihrer bisherigen Identität bedeutet.
4. Archetypen: Hier werden biblische und archetypische Motive analysiert, um zu verdeutlichen, wie die Protagonistinnen versuchen, sich von vorgegebenen Mustern zu lösen und eigene, alternative Familien- und Identitätsstrukturen zu finden.
5. Initiationsprozesse im Roman: Das Kapitel beschreibt den Prozess, in dem die Hauptfigur Ruth durch den Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen und die Akzeptanz einer transzendenten Wahrnehmung eine neue, pluralistische Identität entwickelt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Robinsons Roman zwar das Potenzial einer weiblichen Identität außerhalb dualistischer Kategorien aufzeigt, dies jedoch letztlich an den Begrenzungen von Sprache und materieller Realität scheitert.
Schlüsselwörter
Postmoderner Feminismus, Housekeeping, Marilynne Robinson, Identitätskonstitution, Weiblichkeit, Dekonstruktion, Emanzipation, Archetypen, Transzendenz, Simulation, Identitätsprozess, Geschlechterdiskurs, Postmoderne, patriarchale Strukturen, Initiationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung weiblicher Identität in Marilynne Robinsons Roman "Housekeeping" unter Berücksichtigung postmoderner feministischer Theorieansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Dekonstruktion konventioneller Rollenbilder, die Funktion archetypischer Motive, die Rolle patriarchaler Strukturen und der Übergang zu einer transzendenten, postmodernen Identität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Romanfiguren versuchen, sich von dualistischen Geschlechterkategorien zu lösen und welche Möglichkeiten sowie Grenzen für eine weibliche Identitätsentwicklung im Roman dargestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die den Text durch postmoderne theoretische Linsen (wie Baudrillard, Foucault, Derrida) interpretiert und archetypische sowie dekonstruktivistische Ansätze einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Frauenbilder, die Untersuchung der Funktion männlicher Akteure, die Interpretation archetypischer Symbole und die detaillierte Betrachtung der Initiationsprozesse der Protagonistinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Postmoderner Feminismus, Identitätskonstitution, Dekonstruktion, Transzendenz, Simulation und die spezifische Auseinandersetzung mit Robinsons Werk "Housekeeping".
Warum spielt das "Haus" eine so zentrale Rolle für die weibliche Identität im Roman?
Das Haus steht symbolisch für die domestizierte Weiblichkeit und gesellschaftliche Normen; seine Auflösung oder der Verlust der darin verankerten Identität markiert den Wendepunkt im Emanzipationsprozess der Figuren.
Welche Bedeutung hat das biblische Motiv von Lots Frau in diesem Kontext?
Es dient als Archetyp für die am Verlust der Vergangenheit festhaltende, namenlose Frau, deren Identität an das Zurückblicken und damit an einen Stillstand gebunden ist, was im Kontrast zu den emanzipatorischen Bestrebungen der Protagonistinnen steht.
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- Jana-Katharina Müftüoglu (Author), 2006, Feministische Aspekte in Marilynne Robinsons postmodernem Werk: Housekeeping, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123148