Partizipation im Sinne gleichberechtigter Teilhabe/Teilnahme an einem Vorhaben, Mitbestimmung, Beteiligung und Anrecht auf Ertrag ist ein demokratiepolitisches Grundprinzip. In seinen Ausprägungen hat es unterschiedlichste Gestalten. Es reicht von plebiszitären Methoden (z.B. Volksbefragung) bis hin zu konkretem, planerischen Mitgestalten auf lokaler Ebene. In der Arbeit wird Partizipation als Grundprinzip vorgestellt, notwendige Bedingungen zur Implementierung diskutiert und Arten von Partizipation unterschieden. Beispielhaft werden Methoden vorgestellt, die in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen zum Einsatz kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie der Partizipation
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Wozu Partizipation?
2.3. Partizipationsformen
2.4. Rahmenbedingungen eines Partizipationsprozesses
2.5. Nutzen der Partizipation
2.6. Grenzen der BürgerInnenbeteiligung
3. Beteiligung der bolivianischen Zivilgesellschaft an der Armutsbekämpfung
3.1 Partizipation der „Armen“
3.2 Weshalb Bolivien?
3.3 Lebenssituation in einem Barrio am Beispiel El Alto
3.4 Partizipative Maßnahmen zur Armutsreduzierung
3.5 Die beteiligten Akteure
3.6 Zwischenergebnisse
3.7 Resümee des partizipatorischen Armutsbekämpfungsprogramms
4. BürgerInnenbeteiligung in Wien Alsergrund
4.1 Organisation, Struktur und Akteure des LA-21 Prozesses
4.2 Welche BürgerInnen beteiligen sich in Alsergrund?
4.2.1 Wo bleiben die benachteiligten Menschen?
4.2.2 Weshalb beteiligen sich Menschen am LA-21 Prozess?
4.3 Die Partizipation beeinflussende Faktoren in Alsergund
4.3.1 Finanzierung
4.3.2 Organisation und Struktur
4.3.3 Politik und Verwaltung
4.3.4 BürgerInnen
4.4 Resümee des LA-21 Prozesses Wien Alsergrund
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das demokratiepolitische Grundprinzip der Partizipation in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen, wobei das primäre Ziel darin besteht, Bedingungen für eine erfolgreiche Implementierung zu identifizieren und die Vor- sowie Nachteile verschiedener Beteiligungsformen in unterschiedlichen sozioökonomischen Kontexten zu analysieren.
- Vergleichende Analyse von Partizipationsmodellen in der Entwicklungszusammenarbeit (Bolivien) und lokaler Agenda-Prozesse (Wien).
- Untersuchung der strukturellen Bedingungen, Machtasymmetrien und finanziellen Rahmenbedingungen für Beteiligungsprozesse.
- Reflektion über Erfolgsfaktoren und Grenzen der BürgerInnenbeteiligung im Hinblick auf Empowerment und Demokratisierung.
- Herausarbeitung der Motivationsfaktoren für BürgerInnen bei der Mitgestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfelds.
Auszug aus dem Buch
3.3. Lebenssituation in einem Barrio am Beispiel El Alto
El Alto ist ein slumähnlicher Stadtteil von La Paz, der größten Stadt Boliviens (1,5 Mio. Einwohner) Das Durchschnittsalter liegt bei 12 Jahren, 38 % verfügen über keinen Stromanschluss, 46% keine Wasserversorgung, 86% keine Abwasserentsorgung, 67% verfügen über kein Abfallsammelsystem und 95 % keine befestigte Strassen. Die BewohnerInnen eines barrios immigrierten vom Land, meist sogar von denselben Dörfern, zu denen sie auch noch regelmäßige Verbindung aufrechterhalten. Oft werden dort noch Felder bearbeitet, zum Säen und Ernten, zu Festen oder Verwandtschaftsbesuchen kehrt man wieder zurück.
Barrios erwecken oft den Eindruck eines in städtische Umgebung verpflanzten Dorfes. Kulturelle Traditionen werden weitergelebt. Jedes Barrio, egal wie groß, beansprucht eine eigene Schule, ein eigenes Gesundheitsversorgungszentrum oder Versammlungszentrum. Versuche von NGOs aus Kosteneffizienzgründen mehrere barrios gemeinsam zum abgestimmten Aufbau von Versorgungsinfrastruktur zu gewinnen, scheiterte am Widerstand der VertreterInnen. Menschen beteiligen sich zwar an Aktivitäten für das Barrio, wie Baumpflanzungen, Straßenverbesserungen, Müll einsammeln, die Solidarität reicht aber nicht über die kulturell homogene Barriogrenze hinaus. Die BewohnerInnen sind schlecht, meist gar nicht ausgebildet, haben daher kaum Zugang zum offiziellen städtischen Arbeitsmarkt. 90% besitzen ein eigenes Haus oder Grundstück, als wichtigstes Vermögen „asset“. Die Unterkunft wird teilweise weitervermietet oder als Werkstätte für ein Kleinstunternehmen genutzt (Nijenhuis 2002 und Schalkwijk 2002).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die weite Verbreitung von Partizipationsansätzen ein und stellt die Forschungsfrage nach den Voraussetzungen, Vor- und Nachteilen von Beteiligungsprozessen.
2. Theorie der Partizipation: Das Kapitel definiert Partizipation als Teil des Demokratisierungsprozesses, beleuchtet Gründe für die Anwendung sowie formale und informale Beteiligungsformen und diskutiert den Nutzen sowie die Grenzen der Bürgerbeteiligung.
3. Beteiligung der bolivianischen Zivilgesellschaft an der Armutsbekämpfung: Es wird analysiert, wie in Bolivien durch Gesetze wie das „LPP“ Partizipation institutionalisiert wurde, um Armut zu bekämpfen, wobei strukturelle Hindernisse und die Rolle der Akteure kritisch reflektiert werden.
4. BürgerInnenbeteiligung in Wien Alsergrund: Dieses Kapitel wertet den LA-21 Prozess im 9. Wiener Gemeindebezirk aus, untersucht die Organisationsstrukturen sowie Faktoren, die die Partizipation fördern oder hemmen, und bewertet die Erfahrungen aus Sicht der beteiligten BürgerInnen.
5. Schlussbetrachtung: Die abschließende Betrachtung vergleicht die zwei Pilotbeispiele, betont die Notwendigkeit flexibler Partizipationsmodelle und unterstreicht die Relevanz der BürgerInnenbeteiligung für eine effektivere Politikgestaltung trotz bestehender Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Partizipation, Bürgerbeteiligung, Demokratisierung, Armutsbekämpfung, Bolivien, Wien Alsergrund, Empowerment, Lokale Agenda 21, Planungs- und Entwicklungsprozesse, Sozialkapital, Zivilgesellschaft, Dezentralisierung, Good Governance, Projektmanagement, Mitsprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Partizipation in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen und untersucht diese anhand zweier unterschiedlicher Praxisbeispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Partizipation, deren Rolle bei der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern sowie die Praxis der BürgerInnenbeteiligung bei der nachhaltigen Stadtentwicklung in Wien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, notwendige Bedingungen für eine erfolgreiche Implementierung von Partizipationsprozessen zu diskutieren und zu analysieren, wie Beteiligung zur Lösung sozioökonomischer Herausforderungen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die vergleichende Untersuchung und Auswertung bestehender Evaluationsergebnisse von Partizipationsprojekten in Bolivien und Wien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische fundierte Einordnung von Partizipationsformen sowie die detaillierte empirische Betrachtung der bolivianischen Armutsbekämpfung und des LA-21 Prozesses in Wien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Partizipation, Empowerment, Zivilgesellschaft, Demokratisierung, Planungsprozesse und Bürgerbeteiligung charakterisiert.
Warum wird speziell Bolivien als Fallbeispiel gewählt?
Bolivien wird gewählt, da es ein radikales und institutionalisiertes Modell zur Partizipation in einem ökonomisch schwierigen Umfeld darstellt, was einen starken Kontrast zur Situation in Industrieländern bietet.
Welche Rolle spielen OTBs im bolivianischen Kontext?
Die OTBs (Organizaciones Territoriales de Base) fungieren als gesetzlich verankerte basisdemokratische Vereinigungen, die den direkten Kontakt zwischen der Bevölkerung und der Kommunalverwaltung ermöglichen und somit zur Transparenz beitragen.
Was sind die Haupterkenntnisse zum LA-21 Prozess in Alsergrund?
Es zeigt sich, dass Prozessstrukturen durch offene Projektgruppen und eine gleichberechtigte Kommunikation institutionalisiert werden können, wobei die soziale Selektivität der Beteiligung weiterhin eine Herausforderung darstellt.
Wie unterscheidet sich die Partizipation in Bolivien von der in Wien?
Während in Wien der Fokus auf der Partnerschaft und nachhaltigen Stadtentwicklung liegt, vollzieht sich die Partizipation in Bolivien stärker auf einer Ebene der existenziellen Mitverantwortung und der direkten Mitsprache bei der Ressourcenverteilung.
- Citation du texte
- MSc Alex Glas (Auteur), 2007, Partizipation in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123270