Mit der Verbreitung der Internetnutzung haben sich neue Kommunikationsformen im virtuellen Raum entwickelt, die je nach Typ synchron oder asynchron sind. Bei vielen Menschen haben diese Formen rege Nutzung im Alltag zur Folge. So löst in vielen Fällen die E-Mail den traditionellen Brief ab und Überseekonferenzen werden nicht länger per Telefon, vielmehr im Chat geführt. Während bei anderen Massenmedien die Rezeption eher passiv erfolgt, haben wir bei der Internetkommunikation aktive Anwender, die zur Konstruktion der medialen Inhalte beitragen. Alle netzbasierten Kommunikationsformen weisen spezielle Merkmale auf.
Nach einer allgemeinen Darstellung der verschiedenen Kommunikationsformen der Faktor Anonymität in der Kommunikationssituation diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf den Bereich der Chats gelegt wird. Schwerpunktmäßig werden die sprachlichen und nicht-sprachlichen Besonderheiten der Internetkommunikation aus linguistischer Sicht vorgestellt und in ihrer Funktion hinterfragt. Zudem wird der vieldiskutierten Frage nachgegangen, ob Internetkommunikation Isolation zur Folge hat.
Es wird versucht, alle Punkte mit anschaulichen Beispielen zu belegen, so dass das Verhältnis von theoretischen Aspekten und praktischen Anteilen ausgeglichen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kommunikationsformen im Internet
2.1 E-Mail
2.2 Instant Messaging
2.3 Mailing-Listen
2.4 Newsgroups / Forum
2.5 IRC / Chat
3 Anonymität in der Kommunikationssituation
3.1 Bedeutung der Nicknames
3.2 Netiquette und Flames
4 Sprachliche und nicht-sprachliche Besonderheiten
4.1 Sprachliche Besonderheiten
4.1.1 Sound- und Aktionswörter
4.1.2 Tilgungen und Reduktionen
4.1.3 Assimilation
4.2 Nicht-sprachliche Besonderheiten
4.2.1 Emoticons
4.2.2 Akronyme
4.2.3 ASCII-Art
4.2.4 Kryptonyme
5 Isolation durch Internetkommunikation?!
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die besonderen Merkmale der Internetkommunikation aus einer linguistischen Perspektive und analysiert, inwieweit die Nutzung digitaler Kommunikationsformen soziale Auswirkungen wie Isolation auf den Anwender haben kann.
- Systematische Darstellung gängiger Kommunikationsformen im Internet.
- Untersuchung der Anonymität und ihrer Bedeutung für die Identitätsdarstellung (Nicknames).
- Analyse sprachlicher Phänomene wie Soundwörter, Tilgungen und Assimilation.
- Erforschung nicht-sprachlicher Elemente wie Emoticons, Akronyme und ASCII-Art als Ersatz für nonverbale Kommunikation.
- Kritische Diskussion über den Zusammenhang zwischen Internetnutzung und sozialer Isolation.
Auszug aus dem Buch
4.1.3 Assimilation
Neben oben angesprochener Tilgung und Reduktion gibt es eine weitere Art von Auslassung, die bei Internetkommunikation deutlich wird. Dabei handelt es sich um Assimilation. Assimilation ist ein Merkmal der gesprochenen Sprache. „Im Lautkontinuum fließen verschiedene Lautbewegungen ineinander und überlagern sich. Dabei gleichen sich entgegengesetzte Tendenzen einander an, intensivere können schwächere zurückdrängen oder unterdrücken, zeitlich getrennte fallen zusammen.“ (Lewandowski 1994, 98). Auch hier werden vorsätzlich Grammatikregeln missachtet. Überwiegend werden die beschriebenen Formen von jüngeren Kommunikationsteilnehmern in die Sprache integriert, wodurch sie sich von der Sprache der Erwachsenen abgrenzen wollen.
Henne deutet diese Missachtung als „Kampf gegen Zwänge und Konventionen der Gesellschaft“ (Henne 1986, 75), der die „erstarrte[n] Regeln des Sprachstils“ (Henne 1986, 75) beinhaltet.
Bei den Assimilationen können zwei verschiedene Typen unterschieden werden:
1. Apostrophierte Formen
2. Neugebildete Formen, deren Grundlage zwei Wörter sind, wobei das zweite durch –e ersetzt wird
Die am häufigsten benutzte apostrophierte Form sind Zusammensetzungen mit dem Pronomen „es“. In den Verbindungen wird das „e“ durch ein Apostroph ersetzt. Dabei hat sich der Apostroph als Schriftzeichen, der den Ausfall eines Lautes kennzeichnet, in der Schriftsprache etabliert. Dieser Beitrag aus einem Internetforum von Pro7 zeigt die Auffälligkeit: „Ich kann dir ja ein Photo von mir mailen wenn du`s nicht glaubst.“ Weitere Beispiele, die mittlerweile in die Umgangssprache integriert sind, sind folgende „Wie geht`s?“ (Wie geht es?), „mach`s“ (mach es) und „tu`s“ (tu es). Diese Liste wird ständig erweitert. Neue Assimilationen bilden sich gegenwärtig mit den anglodeutschen Verben, deren Vorkommen oben angesprochen wurde. Die apostrophierten Verbformen weisen starken Appellcharakter auf. Sie können als Befehle beschrieben werden, z.B. „mail`s“ (mail es).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz der Internetkommunikation und Darlegung der methodischen Vorgehensweise der Arbeit.
2 Kommunikationsformen im Internet: Überblick über gängige digitale Werkzeuge wie E-Mail, Instant Messaging, Mailing-Listen, Foren und Chats sowie deren Funktionsweisen.
3 Anonymität in der Kommunikationssituation: Diskussion über den Identitätsverlust bzw. die Neugestaltung der Identität durch Nicknames sowie die Rolle von Netiquette und Konflikten (Flames).
4 Sprachliche und nicht-sprachliche Besonderheiten: Detaillierte linguistische Analyse der durch Internetnutzung geprägten Sprachformen und visuellen Ausdrucksmittel.
5 Isolation durch Internetkommunikation?!: Kritische Auseinandersetzung mit der Hypothese, dass die Nutzung digitaler Medien zu Vereinsamung oder sozialer Isolation führt.
6 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Einordnung der Internetkommunikation als neues, unterstützendes Medium der menschlichen Kommunikation.
Schlüsselwörter
Internetkommunikation, Chat, E-Mail, Anonymität, Nicknames, Netiquette, Flames, Emoticons, Akronyme, ASCII-Art, Kryptonyme, Assimilation, Lautkürzungen, soziale Isolation, linguistische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Besonderheiten der Internetkommunikation, insbesondere die sprachlichen und nonverbalen Ausdrucksformen sowie die Auswirkungen auf das soziale Miteinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen verschiedene Kommunikationsplattformen, das Phänomen der Anonymität, spezifische linguistische Anpassungen in Foren und Chats sowie die Frage nach Vereinsamung durch Internetnutzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die spezifischen Merkmale der netzbasierten Sprache und die Rolle der Identität im virtuellen Raum zu erforschen und die Hypothese der sozialen Isolation zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretischer Ansatz gewählt, der auf linguistischer Literatur basiert und durch anschauliche Beispiele aus Chatprotokollen und Internetforen belegt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Kommunikationstypen, die Diskussion über Anonymität und Identitätsinszenierung sowie eine umfangreiche Untersuchung sprachlicher und nicht-sprachlicher Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Internetkommunikation, Netiquette, Emoticons, Akronyme, Anonymität und soziale Integration definiert.
Warum spielt die Anonymität eine so große Rolle bei der Identitätsgestaltung?
Die Anonymität bietet den Nutzern die Freiheit, sich durch Nicknames kreativ neu zu erfinden und soziale Interaktionen zu erleben, die in der realen Welt physisch an die Identität gebunden sind.
Wie werden nonverbale Aspekte der Kommunikation im Internet kompensiert?
Dies geschieht durch die Verwendung von Emoticons, Soundwörtern und Aktionswörtern, die Gefühle und Stimmungen in den rein textbasierten Raum übertragen.
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- Dr. Silke Dormeier (Autor), Frank Esser (Autor), 2003, Besonderheiten der Internetkommunikation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12329