Die folgende Referatsausarbeitung hat das Thema „Kriminalität im Hell- und Dunkelfeld“. Unter dieser Überschrift wird als thematischer Schwerpunkt der Frage nach-gegangen, was wird unter dem Begriff Kriminalstatistik verstanden, welche Arten von Erhebungen im Hell- und Dunkelfeld gibt es, welche Aussagekraft obliegt den einzelnen Statistiken bzw. Untersuchungen und wie werden diese erhoben. Besonderes Augenmerk richtet die Arbeit auf die polizeiliche Statistik (PKS), welche als das populärste, aber auch als das meist umstrittenste Messinstrument für Kriminalität gilt. Der Prozess der Datenerfassung, vorhandene Fehlerquellen und verzerrende Faktoren sowie eine daraus resultierende Beurteilung finden ebenfalls Eingang in die vorliegende Arbeit. Die Dunkelfeld-Forschung wird gleichsam dargestellt und auf ihre Aussagekraft und Bedeutung als „Messinstrument“ der Kriminalität hin untersucht und diskutiert.
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Inhaltsverzeichnis
1. Definition des Begriffs „Kriminalstatistik“
1.1 weitere Definitionen (s. a. Abb. 1)
2. Offizielle (jährliche) Statistiken
3. Wozu Kriminalstatistiken - Aussagekraft der Statistiken
3.1 Fehlerhafte Datenerfassung
3.2. Selektionsprozesse
3.2.1. Erste Stufe: Bürger (informelle Sozialkontrolle)
3.2.1.2. Anzeigebereitschaft/Anzeigeverhalten
3.2.2. Zweite Stufe: Polizei (formelle Sozialkontrolle)
3.2.3. Dritte Stufe: Justiz (formelle Sozialkontrolle)
4. Dunkelfeldforschung
4.1 Wie erlangt man Kenntnisse zum Dunkelfeld?
4.2 Wieso ist es überhaupt von Interesse das Dunkelfeld zu erhellen?
5. Zusammenfassung, Ergebnis und Einordnung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Aussagekraft offizieller Kriminalstatistiken, insbesondere der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), und beleuchtet die Diskrepanz zwischen registrierter Kriminalität und dem tatsächlichen Kriminalitätsaufkommen, auch als Dunkelfeld bezeichnet.
- Kritische Analyse polizeilicher und justizieller Erfassungsmethoden.
- Untersuchung von Selektionsprozessen entlang der strafrechtlichen Kette.
- Die Rolle der Dunkelfeldforschung für ein vollständigeres Kriminalitätsbild.
- Einfluss von Labelingprozessen und sozialen Faktoren auf die Kriminalstatistik.
- Diskussion der Grenzen und Manipulationsanfälligkeit statistischer Erhebungen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Erste Stufe: Bürger (informelle Sozialkontrolle)
Wie eingangs schon dargestellt, kommen bei weitem nicht alle Straftaten bzw. Delikte zur Anzeige und tauchen daher auch in keiner der behördlichen Statistiken auf. Für die Diskrepanz zwischen tatsächlich begangenen Straftaten und den letztlich angezeigten ist die Bevölkerung bzw. der Bürger mitverantwortlich. Er hat es in der Hand, ob er eine bemerkte oder beobachtete Straftat bei der Polizei zur Anzeige bringt oder nicht. Abhängig von der Internalisierung der Werte und Normen sowie von der damit einhergehenden empfundenen moralischen und sozialen Verantwortung, entscheiden verschiedenen Personen in ähnlichen Fällen anders bzw. bringen manche eine Tat zur Anzeige und manche nicht. Über die intrapersonellen Entscheidungen und Beweggründe hinaus hängt die Wahrscheinlichkeit einer Strafanzeige aber auch von äußeren Bedingungen ab.
Die Sichtbarkeit von Delikten ist ein entscheidender Einflussfaktor, welcher bestimmt, ob eine kriminelle Handlung zur Anzeige kommt oder nicht. Je nachdem, wie „offen“ eine Straftat verübt wird, bzw. wo, wie und wann sie ausgeführt wird und um welche Tat es sich dabei handelt, hat sie unterschiedliche Chancen entdeckt und angezeigt zu werden. Es ist folglich davon auszugehen, dass verschiedenen Formen abweichenden Verhaltens in puncto Sichtbarkeit „benachteiligt“ sind. Darunter lassen sich (rechtlich) einfache Delikte wie beispielsweise Diebstahl oder Gewalt subsumieren. Diese Arten von Straftaten sind gegenüber schwerer bemerk- und abgrenzbaren Delikten, wie Betrug, Wirtschafts- oder Umweltdelikte, leicht als solche zu identifizieren. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die gut sichtbaren Delikte, wie Diebstahlsdelikte, Gewaltdelikte oder Raubdelikte, zu einem großen Teil im öffentlichen Raum ereignen. Dies lässt den Schluss zu, dass diese Kriminalitätsformen öfters zur Anzeige kommen und damit in der PKS gehäufter auftreten (vgl. Kury, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition des Begriffs „Kriminalstatistik“: Dieses Kapitel definiert Kriminalstatistik als amtliche Aufzeichnung staatlicher Ermittlungs- und Strafverfolgungstätigkeit und grenzt den Begriff auf die polizeilichen Datenwerke ein.
1.1 weitere Definitionen (s. a. Abb. 1): Hier wird zwischen Hellfeld-, Graufeld- und Dunkelfeldkriminalität als Erscheinungsformen von Kriminalität unterschieden.
2. Offizielle (jährliche) Statistiken: Das Kapitel erläutert die Reduktion statistischer Fälle entlang der strafrechtlichen Kette mittels des Trichtermodells und führt die wichtigsten Statistiken ein.
3. Wozu Kriminalstatistiken - Aussagekraft der Statistiken: Die Hauptfunktionen wie Leistungsnachweis und Kriminalitätsbeobachtung werden diskutiert, wobei die Schwächen und Grenzen der Datenerfassung hervorgehoben werden.
3.1 Fehlerhafte Datenerfassung: Hier werden behördliche Manipulationen, fehlerhafte Aufzeichnungen und gesetzliche Vorgaben als Ursachen für Verzerrungen in der Statistik identifiziert.
3.2. Selektionsprozesse: Dieses Kapitel stellt die theoretische Grundlage dar, nach der der Selektionsprozess in drei Stufen unterteilt wird.
3.2.1. Erste Stufe: Bürger (informelle Sozialkontrolle): Die Analyse konzentriert sich auf die Rolle des Bürgers bei der Anzeigenerstattung und die Bedeutung der Sichtbarkeit von Delikten.
3.2.1.2. Anzeigebereitschaft/Anzeigeverhalten: Einflussfaktoren auf die Anzeigebereitschaft wie Medieneinfluss, Milieuzugehörigkeit und das Vertrauen in die Polizei werden untersucht.
3.2.2. Zweite Stufe: Polizei (formelle Sozialkontrolle): Das Kapitel thematisiert den polizeilichen Alltag, Selektionsmechanismen und die Bedeutung von Strafwürdigkeitserwägungen.
3.2.3. Dritte Stufe: Justiz (formelle Sozialkontrolle): Hier wird die weitere „Bereinigung“ der Fälle durch Staatsanwaltschaft und Gerichte sowie die damit einhergehende Entdramatisierung des Kriminalitätsbildes dargestellt.
4. Dunkelfeldforschung: Es wird die Notwendigkeit der Dunkelfeldforschung erläutert, um das Bild der tatsächlich begangenen Straftaten zu vervollständigen.
4.1 Wie erlangt man Kenntnisse zum Dunkelfeld?: Dieses Kapitel stellt Methoden wie Täter- und Opferbefragungen vor und diskutiert deren methodische Herausforderungen.
4.2 Wieso ist es überhaupt von Interesse das Dunkelfeld zu erhellen?: Es wird begründet, warum die Aufhellung des Dunkelfeldes für Prävention und wissenschaftliche Theorien wie die Gleichverteilungs- und Reaktionstheorie essenziell ist.
5. Zusammenfassung, Ergebnis und Einordnung: Das abschließende Kapitel kritisiert die mangelnde Vollständigkeit der Kriminalitätsdokumentation und fordert eine grundlegende strukturelle Änderung der Erhebungsmethoden.
Schlüsselwörter
Kriminalstatistik, Dunkelfeld, Hellfeld, PKS, Trichtermodell, Selektionsprozesse, informelle Sozialkontrolle, formelle Sozialkontrolle, Kriminalitätsfurcht, Anzeigeverhalten, Labeling, Dunkelfeldforschung, Polizeiliche Kriminalstatistik, Strafverfolgungsstatistik, Kriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert kritisch das Bild der Kriminalität in Deutschland, wie es durch offizielle Kriminalstatistiken gezeichnet wird, und untersucht die zugrundeliegenden Selektionsprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), das Trichtermodell der strafrechtlichen Verfolgung, die Bedeutung der Dunkelfeldforschung sowie die Rolle von Sozialkontrolle und Labeling.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Aussagekraft offizieller Statistiken einzuschätzen, deren Fehlerquellen aufzuzeigen und zu verdeutlichen, warum sie kein vollständiges Bild der Kriminalitätswirklichkeit liefern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf kriminologische Literatur und theoretische Ansätze, um die statistischen Erhebungsprozesse und die Entstehung des Dunkelfeldes zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die verschiedenen Stufen der statistischen Selektion: angefangen bei den Bürgern (Anzeigeverhalten), über die Polizei bis hin zur Justiz, sowie die Methoden der Dunkelfeldforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Kriminalstatistik, Dunkelfeld, Selektionsprozesse, PKS, Sozialkontrolle und Labeling.
Warum wird die PKS im Text kritisch betrachtet?
Die PKS wird als „populärstes, aber auch umstrittenstes Messinstrument“ bezeichnet, da sie durch zahlreiche Selektionsmechanismen, Fehlerquellen und politische Instrumentalisierung verzerrt wird.
Welche Rolle spielt die „kalte Einstellung“ in der polizeilichen Arbeit?
Die „kalte Einstellung“ beschreibt das Phänomen, dass Anzeigen wegen Strafwürdigkeitserwägungen nicht weiterverfolgt werden, was laut Autor besonders im Kontext sozialer Integration bedenklich ist.
Warum ist das Dunkelfeld für die Kriminalistik so wichtig?
Das Dunkelfeld ist wichtig, da die offiziellen Statistiken nur einen Teil der Kriminalität erfassen; nur durch dessen Erforschung lassen sich Tendenzen der tatsächlichen Kriminalitätslage ableiten.
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- Dipl.-Päd. Florian Dirr (Author), 2004, Kriminalität im Hell- und Dunkelfeld - Kriminalitätsstatisktik im Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123315