Deutsch-italienische Kulturinstitute - Ziele und Aufgaben


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ziele und Aufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik

2. Die historischen deutsch-italienischen Beziehungen
2.1 Wichtige Etappen der deutsch-italienischen Kulturbeziehungen
2.1.1 Die Nachkriegsjahre: Italiener zu Gast in Deutschland
2.1.2 Das deutsch-italienische Kulturabkommen von

3. Kulturinstitute in Deutschland und Italien
3.1 Die Goethe-Institute
3.2 Kulturinstitute des italienischen Außenministeriums
3.3 Società Dante Alighieri
3.4 Deutsch-italienisches Zentrum Villa Vigoni
3.5 Sonstige Zusammenarbeit in Wissenschaft und Bildung

4. Resümee und Ausblick: Die Zukunft der Kulturinstitute

Bibliographie

Einleitung

Nirgendwo in der Welt unterhält Deutschland so viele kulturelle Institutionen wie in Italien, auch die Zahl italienischer Kultureinrichtungen in Deutschland ist enorm.[1] Dies spricht für die intensiven Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich.

Neben wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aspekten gilt die auswärtige Kulturpolitik als Dritte Säule[2] der Außenpolitik. Nicht nur Zusammenarbeit in Wirtschaft und Sicherheitsfragen bestimmen das Bild eines Landes. Besonders seine kulturellen Besonderheiten können auf ausländische Partner interessant, erfreulich oder sogar bedrohlich wirken. Daher ist es für einen Staat wichtig, ein möglichst reales Bild seinerselbst darzustellen. Diese Aufgabe kommt den Vermittlerorganisationen zu, die staatlich oder nichtstaatlich nach ihren Maximen Kulturarbeit in fremden Ländern leisten.

In der vorliegenden Hausarbeit sollen im Besonderen die Kulturinstitute im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen, die Deutschland und Italien jeweils im anderen Land betreiben bzw. um kulturelle Einrichtungen, die sich der jeweiligen Kulturvermittlung verschrieben haben.

Zunächst soll dazu die Auswärtige Kulturpolitik mit ihren Zielen und Aufgaben allgemein betrachtet werden. Bevor die Kulturinstitute an sich im Mittelpunkt stehen, werden einleitend darauf die historischen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich aufgezeigt.

Anschließend sollen ausgewählte Kultureinrichtungen mit ihren Aufgaben und Besonderheiten umfassend erläutert werden.

Im Resümee werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick in die Zukunft der Kulturinstitute beendet die vorliegende Abhandlung.

1. Ziele und Aufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik

In der Gegenwart nähern sich souveräne Staaten im Zuge der Globalisierung zunehmend an und ähneln einander immer mehr in Politik, Wirtschaft und auch Gesellschaft. Nationale Zuständigkeiten gehen in übernationale Organisationen wie EU und NATO über, womit ein Verlust von traditionellen Staatssymboliken und Zeichen der eigenen Souveränität wie Landesgrenzen oder nationale Währungen einher geht. Aufgrund der ansteigenden Kooperationen ist daher anzunehmen, dass kulturelle Angelegenheiten zukünftig an Bedeutung zunehmen. Bei der Zusammenarbeit in Handel und Politik wird der kulturelle Aspekt als Bestandteil nationaler Identität immer wichtiger werden.[3] Dies gilt nicht nur für Kulturgüter und sinnstiftentende Künste, sondern insbesondere für Kultur nach der Definition von Clifford Geertz.[4]

Im politischen Sprachgebrauch wird die Auswärtige Kulturpolitik (AKP) oft auch als dritte Säule der deutschen Außenpolitik neben Sicherheitspolitik und Außenwirtschaftspolitik bezeichnet.

Die Aufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik stellen sich folglich als komplex und höchst relevant für die internationale Zusammenarbeit dar.

In der Konzeption 2000, die die damalige Regierung im Juli 2000 vorlegte, wurden die bewährten Ziele und Grundsätze der Auswärtigen Kulturpolitik wie folgt dargelegt, um deren Gültigkeit vor dem Hintergrund gegenwärtiger und künftiger Entwicklungen zu überprüfen, weiter zu entwickeln und, wenn nötig, neu fest zu legen:

- AKP ist integraler Teil der Außenpolitik, mit denselben Interessen wie z.B. Friedenssicherung, Konfliktverhütung, Verwirklichung der Menschenrechte
- Wertorientierte Kulturarbeit: eindeutiger Standpunkt der AKP in Fragen der Demokratieförderung, Armutsbekämpfung, Schutz natürlicher Ressourcen etc.
- AKP als Vermittler des deutschen Kulturstaats im Dialog mit der internationalen Gemeinschaft
- Förderung des Dialogs, Austauschs und Zusammenarbeit zwischen Kulturen im Dienst der zwischenstaatlichen Verständigung[5]

Im Focus all dieser Grundsätze steht die Vermittlung eines bestimmten Deutschlandbildes. Besonders für eine Nation mit problematischer Vergangenheit wie die Deutschlands ist es von unüberschätzbarem Interesse, ein modernes, weltoffenes und demokratisches Selbstverständnis in der Welt zu präsentieren. Dazu gehören europäische Grundsätze der Demokratie und Völkerverständigung, als auch die Maxime der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als Bündnispartner.

Die Vermittlung und das Bekanntmachen eines realistischen Bildes deutscher Geschichte und Gegenwart, als auch der deutschen Kultur in der Welt, fernab von Vorurteilen und Stereotypen ist also Hauptaufgabe der Auslandskulturpolitik.

Das Interesse am Bestehen eines wahrheitsgetreuen Deutschlandbildes in der Welt begründet sich vor allem aus der Notwendigkeit an ausländischen Partnern und Netzwerken, die eine fruchtbare Zusammenarbeit in Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ermöglichen.

Zielgruppen und Medien der AKP sind dementsprechend breit gefächert und finden sich in der Öffentlichkeit, von Schulkindern bis zu Senioren, in Funktionseliten und Entscheidungsträgern in ebendiesen Bereichen der Wirtschaft, Kultur und Politik.

Je nach Adressat wird Präsenz in den breiten Massenmedien gezeigt, Ausstellungen, Vortragsreihen und Projektwochen organisiert oder Workshops, Plena und Kongresse abgehalten.

Die Umsetzung der AKP des Bundes obliegt vorwiegend den vom Auswärtigen Amt finanzierten Kulturmittlern, darunter die Goethe-Institute, der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, und der Deutsche Akademische Austauschdienst, DAAD.[6]

Daneben wird die Auslandskulturpolitik von verschiedenen privatrechtliche Organisationen, Stiftungen und Institutionen gestaltet. Diese Mittlerorganisationen garantieren mit ihrer weitgehend freien Programmgestaltung nach eigenen Zielsetzungen und Schwerpunkten die Kulturfreiheit, die in der Konzeption 2000 betont wird.

In Deutschland gäbe es keine Staatskultur, Pluralismus und regierungsferne Organisation bürgten für die Vielfalt und Unabhängigkeit der Kulturarbeit im Ausland.[7]

Daher genießt die Arbeit der nicht-staatlichen Mittlerorganisationen einen besonderen Status, der in späteren Kapiteln dieser Arbeit noch erläutert werden soll.

Bevor einige wichtige Stellvertreter dieser Mittlerorganisation zwischen Deutschland und Italien vorgestellt werden, möchte ich zuvor einleitend die langen und wechselvollen Beziehungen zwischen den beiden europäischen Nachbarn beleuchten.

2. Die deutsch-italienischen Beziehungen

Weit zurück in vergangene Jahrhunderte reichen die deutsch-italienischen Beziehungen:

Seit dem 13. Jahrhundert gilt die italienische Literatur als vorbildhaft; Petrarca stößt auch in deutschen Gebieten die Diskussion um eine einheitliche Nationalsprache an.

Als Land der Ästhetik und Künste wird Italien ab dem 16. Jahrhundert in Deutschland wahrgenommen: neben den Schriftstellern lassen sich auch Maler, Bildhauer und Architekten von italienischen Vorbildern inspirieren.

Seit dem 18. Jahrhundert entwickelte sich mit dem Klassizismus eine regelrechte „Italienbegeisterung“, man betrieb klassische Studien und langsam begann sich eine Art Tourismus gen Süden zu entwickeln.[8]

Eine lange Tradition verbindet also beide Länder, seit jeher bereichern sie sich in den verschiedensten Künsten und Wissenschaften. Genannt seien hier etwa literarische Werke von Goethe, Heine und Hesse; italienische Maler und Musiker inspirierten neben deutschen auch Künstler vieler anderer Länder und Epochen.

Der deutsche Nachbar war vor dem Krieg der größte Handelspartner Italiens, wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern hatten eine große Bedeutung und auch lange Tradition.

Doch sind die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien noch durch so viel mehr geprägt und gezeichnet, vielmehr sind sie „das Resultat und quasi die Summe ihrer vielschichtigen, historisch gewachsenen Realkontakte und wechselseitigen Perzeptionen.“[9]

Als europäische Nachbarn waren die beiden Nationen ihrem Gegenüber nicht immer freundschaftlich gesinnt und diese Erfahrungen haben sich im kollektiven Gedächtnis der beiden Kulturen eingebrannt.

Neben Bündnissen, Kriegen, Siege und Niederlagen gehen in diesen historischen Fundus auch gemeinschaftliche Erlebnisse wie Besetzungen, Kriegsgefangenschaften, Migration, Reisen und Arbeitsaufenthalte ein und bestimmten bis heute die Ressentiments gegenüber dem Nachbarland.

Zweimal haben Deutsche und Italiener im 20. Jahrhundert mit- und gegeneinander Krieg geführt. Die tiefsitzenden Erinnerungen an Italien als vorübergehenden Bündnispartner und späteren alliierten Kriegsgegner haben ein bestimmtes Bild der Italiener in deutschen Köpfen entstehen lassen. Erlebnisse aus Kriegszeiten, Berichte von Massakern und Besetzungen formten andererseits ein entsprechendes Deutschlandbild in der italienischen Rezeption.

Nach der Niederlage des Dritten Reiches fand sich Deutschland in einer verheerenden Verfassung des Landes und dessen Bewohnern wieder. Von Kriegsschäden und langer Mangelversorgung gebeutelt, bauten die Deutschen mit Hilfe und unter Aufsicht der alliierten Besatzungsmächte ihr Land mühsam wieder auf.

Nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 war es die italienische Regierung unter Führung von Alcide De Gasperi, die sehr bald für den Wiedereintritt Deutschlands in die Gemeinschaft der europäischen Nationen eintrat. Schon im Jahre 1952 stattete De Gasperi als erster ausländischer Regierungschef der Bundesregierung einen amtlichen Besuch ab und signalisierte so den Willen zur Verständigung mit dem einstigen wichtigsten europäischen Nachbarn.[10]

Italien erkannte als einer der ersten europäischen Staaten die Notwendigkeit eines gemeinsamen Weges mit Deutschland.

2.1 Wichtige Etappen der deutsch-italienischen Kulturbeziehungen

Bis 1949 gestaltete sich der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Italien

einseitig, denn von deutscher Seite konnte keine kontinuierliche, vom Staat geförderte

Kulturexpansion erfolgen: es gab noch keinen deutschen Staat, und belastet mit dem nationalsozialistischen Erbe war die gesamte Kulturpolitik in eine tiefe Krise gestürzt.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 normalisierten sich die kulturellen Beziehungen zwischen den Ländern langsam. Doch noch wurde von italienischer Seite alles, was aus Deutschland kam, kritisch als von vornherein suspekt und problembelastet empfunden. Der Beginn der deutschen auswärtigen Kulturpolitik war dabei geprägt von einem Besinnen auf klassische Kulturwerte, mit dem Ziel, das beschädigte Deutschlandbild in der Welt und vor allem in den europäischen Nachbarländern, darunter Italien, wiederherzustellen.

2.1.1 Die Nachkriegsjahre: Italiener zu Gast in Deutschland

In der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1950er Jahren verdichteten sich die deutsch-italienischen Wege zusehends, als in der Bundesrepublik durch den Wirtschaftsboom tausende neue Arbeitsplätze entstanden. Da die deutsche Arbeitnehmerschaft vollbeschäftigt war, einigten sich Italien und Deutschland auf den Austausch geeigneter Arbeitskräfte, die vor allem in Süditalien unter Arbeitslosigkeit litten.[11]

Die wirtschaftliche Annäherung Deutschlands an Italien und die Migration einheimischer Arbeitskräfte zog im Laufe der Zeit auch deutlich eine kulturelle Annäherung nach sich.

So stellten sich neben den wirtschaftlichen Herausforderungen auch die Frage nach dem Umgang mit den neuen italienischen Arbeitskollegen und Nachbarn, den sogenannten Gastarbeitern.

An eine Diskussion über Zuwanderung und Integration der Migranten wie in der Gegenwart war damals nicht zu denken. Man hielt an der Annahme fest, die italienischen Arbeiter würden nachdem sie ihre Dienste für die deutsche Wirtschaft abgeleistet hatten, wieder in ihre Heimat zurück kehren. Daher erklärt sich auch die offizielle und später umstrittene Bezeichnung „Gastarbeiter“ – die italienischen Arbeitskräfte sollten nur für eine absehbare Zeit zu Gast in Deutschland sein. Dass die meist männlichen Arbeiter ihre Familien nachholen und sich nach und nach eine eigene Existenz in Deutschland aufbauen würden, hatte die deutsche Regierung nicht als Möglichkeit erwogen.

Erst zwanzig Jahre nach der Ankunft der ersten Gastarbeiter begann die Politik, sich ernsthaft mit den Problemen der Einwanderer zu beschäftigen.[12]

[...]


[1] Vgl. Hanke, 2002, S.175

[2] Maaß, 2005, S.21

[3] Vgl. Roeck/Liermann, 2002, S. 3

[4] Vgl.Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1987, S.99

[5] Vgl. Auswärtiges Amt, Kulturabteilung: Auswärtige Kulturpolitik – Konzeption 2000. S.1

[6] Hindrichs, 2002, S.53

[7] Vgl. Auswärtiges Amt, Kulturabteilung: Auswärtige Kulturpolitik – Konzeption 2000., S.2

[8] Vgl. Baasner/Thiel, 2004, S. 43ff

[9] Petersen, 1993, S.5

[10] Vgl. Petersen, 1993, S.9

[11] Vgl. Hindrichs, 2002, S.80

[12] Vgl. Hindrichs, 2002, S.82

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Deutsch-italienische Kulturinstitute - Ziele und Aufgaben
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Seminar: Die deutsch-italienischen Beziehungen
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V123447
ISBN (eBook)
9783640285501
ISBN (Buch)
9783640286034
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch-italienische Kulturinstitute, Società Dante Alighieri, Goethe Institut, Villa Vigoni, Kulturwissenschaft, Kulturinstitut, Kulturpolitik, Kulturbeziehungen, deutsch-italienische Beziehungen, Italien, Kulturvermittlung, interkulturelle Kommunikation, Auswärtige Kulturpolitik, Kulturarbeit, Kulturkontakt
Arbeit zitieren
BA Carolin Behrens (Autor), 2008, Deutsch-italienische Kulturinstitute - Ziele und Aufgaben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123447

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