Die Fragen und Unsicherheiten bezüglich des richtigen Zeitpunktes für die Einschulung trugen zur Entwicklung zahlreicher diagnostischer Verfahren bei - zwei Verfahren wurden für diese Arbeit herausgesucht, die aufgrund ihres zeitlichen Abstands interessante Erkenntnisse versprechen: einerseits der relativ alte Reutlinger Test für Schulanfänger (RTS), andererseits das neueste formelle Verfahren der Schuleingangsdiagnostik: das Kieler Einschulungsverfahren (KEV). Beide bieten sich - da unterschiedlich konzipiert - für einen Vergleich an. Nach der knappen Einleitung sollen im zweiten Teil einige Vorbemerkungen zur Schuleingangsdiagnostik gemacht werden: Was heißt Diagnostik und was hat es mit dem Schuleingangsalter auf sich? Im dritten Teil sollen dann die Konzeptionen der Schuleingangsdiagnostik (Was ist ein Test? Was ist der RTS? Was ist das KEV?) vorgestellt werden. Im vierten Teil soll es dann zu einem Vergleich der wesentlichen Merkmale der beiden Tests kommen; gefolgt von einem kurzen Resümee.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schuleingangsdiagnostik
I. Zum Begriff Diagnostik
II. Zum Begriff des Schuleingangs
3. Konzeptionen der Schuleingangsdiagnostik
I. Zum Begriff Test
II. Der Reutlinger Test für Schulanfänger (RTS)
III. Vom Test zum Verfahren: das Kieler Einschulungsverfahren
4. RTS und KEV im Vergleich
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen vergleichenden Überblick über die Schuleingangsdiagnostik anhand zweier unterschiedlicher Verfahren zu geben. Dabei wird untersucht, wie sich der klassische „Reutlinger Test für Schulanfänger“ (RTS) von dem neueren „Kieler Einschulungsverfahren“ (KEV) hinsichtlich ihrer Konzeption, Methodik und diagnostischen Reichweite unterscheidet und welche Paradigmenwechsel diese Entwicklung widerspiegeln.
- Grundlagen und Definitionen der pädagogischen Diagnostik im Kontext des Schuleingangs
- Strukturelle Analyse und Funktionsweise des Reutlinger Tests (RTS)
- Ganzheitliche Erfassungskonzepte am Beispiel des Kieler Einschulungsverfahrens (KEV)
- Vergleichende Gegenüberstellung von Schulreife-Konzepten und Schulfähigkeits-Konzepten
- Diskussion von Vor- und Nachteilen beider Verfahren in Bezug auf Entscheidungsfindung und Zeitaufwand
Auszug aus dem Buch
II. Der Reutlinger Test für Schulanfänger (RTS)
Entwickelt wurde dieser Test zwischen 1963 und 1968 in einem Forschungsprojekt an der PH Reutlingen mit der Zielsetzung nicht nur zu selektieren, sondern auch entsprechende Hilfs- und Fördermaßnahmen einzusetzen, weshalb die Frage entscheidend ist, „ob im Falle einer Zurück-stellung genügend gefördert werden kann“ (Kratzmeier, 1975, 4)? Im Vordergrund steht die Begabungskapazität der Kinder, die durch anregungsarme Milieus verkümmern kann: „Der RTS sollte nicht dazu dienen, leistungsschwache Kinder von der Schule fernzuhalten, sondern individuelle Starthilfen für sie zu ermöglichen“ (Kratzmeier, 1975, 13). Durchzuführen ist der als Spiel simulierte Test als 30-35 minütige Einzel- oder Gruppenuntersuchung (max. 8-10 Kinder) etwa „2 bis 8 Wochen vor Schuleintritt oder innerhalb von 2 Wochen nach der Schulaufnahme“ (Kratzmeier, 1975, 5). Konzipiert ist der Test in 10 Untertests, die feststellen sollen, ob das Kind den didaktischen Ansprüche gewachsen ist - dies geschieht durch zeichnerische Kontrolle der Differenzierungsfähigkeit. „Die Differenzierungsfähigkeit wird also in fast jeder Aufgabe des RTS auf eine jeweils andere Art geprüft, um zu einer tragsicheren Aussage...zu gelangen“ (Kratzemeier, 1975, 4). Aufgebaut ist der Test in den drei Teilen Form, Verhältnis und Inhalt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Relevanz der Schuleingangsdiagnostik und skizziert den geplanten Vergleich zwischen dem Reutlinger Test (RTS) und dem Kieler Einschulungsverfahren (KEV).
2. Schuleingangsdiagnostik: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Diagnostik und Schuleingang, wobei insbesondere die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Komplexität der Einschulungsentscheidungen beleuchtet werden.
3. Konzeptionen der Schuleingangsdiagnostik: Es erfolgt eine theoretische Einordnung von Testverfahren und eine detaillierte Vorstellung der beiden Untersuchungsgegenstände, RTS und KEV.
4. RTS und KEV im Vergleich: In diesem Hauptteil werden die beiden Verfahren hinsichtlich ihres Entstehungszeitpunktes, ihrer theoretischen Konzepte, ihrer Methodik, ihrer Aufgabenstellungen sowie der Entscheidungsfindung gegenübergestellt.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass sich in der Entwicklung von RTS zu KEV ein Paradigmenwechsel hin zu einer ganzheitlichen, systemischen Persönlichkeitsbeurteilung vollzogen hat.
Schlüsselwörter
Schuleingangsdiagnostik, Reutlinger Test, RTS, Kieler Einschulungsverfahren, KEV, Pädagogische Diagnostik, Schulreife, Schulfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Lernprozess, Diagnostisches Verfahren, Fördermöglichkeiten, Testgütekriterien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert und vergleicht zwei unterschiedliche Verfahren zur Schuleingangsdiagnostik: den klassischen Reutlinger Test (RTS) und das moderne Kieler Einschulungsverfahren (KEV).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffe der Diagnostik, das Konzept der Schulreife versus Schulfähigkeit sowie die praktische Anwendung und Auswertung von standardisierten Testverfahren bei Schulanfängern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die pädagogische Diagnostik über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat, indem die spezifischen Ansätze der beiden ausgewählten Verfahren gegenübergestellt werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Konzeptionsanalyse, die auf den entsprechenden Handbüchern und fachspezifischer Fachliteratur zur pädagogischen Diagnostik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die theoretischen Annahmen der beiden Tests, analysiert die praktische Durchführung (Einzeluntersuchung, Elterngespräche, Unterrichtsspiel) und bewertet die jeweilige Entscheidungslogik bei der Einschulung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Schuleingangsdiagnostik, Paradigmenwechsel, Differenzierungsfähigkeit, Reife vs. Fähigkeit sowie die ganzheitliche Erfassung von Schülerpersönlichkeiten.
Worin liegt der Hauptunterschied in der Konzeption zwischen RTS und KEV?
Während der RTS primär auf einen messbaren Punktwert und die Differenzierungsfähigkeit fokussiert, zielt das KEV auf eine ganzheitliche Erfassung der personalen Systemkomponenten (Kognition, Emotion, soziales Verhalten) ab.
Wie unterscheidet sich die Entscheidungsfindung bei den beiden Verfahren?
Beim RTS basiert die Entscheidung auf einer quantitativen Punkte-Summe, wohingegen beim KEV keine Punkte vergeben werden; stattdessen trifft der Prüfer eine Entscheidung basierend auf dem qualitativen Gesamteindruck.
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- David Liebelt (Author), 2009, Schuleingangsdiagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123521