Arnaldo Momigliano skizziert in seinen Aufsätzen „Ein Vorspiel zu Gibbon im 18. Jahrhundert“ und „Gibbons Beitrag zur Historischen Methode“ die Situation der Geschichtswissenschaft zu Beginn des 18. Jahrhunderts, stellt die Auseinandersetzung zwischen philosophischen Historikern und Antiquaren dar und ordnet Gibbons wissenschaftliche Stellung in diesen Zusammenhang ein. Anhand der Untersuchung von
Gibbons Quellen und den historischen Werken, die Einfluss auf Gibbons Arbeit gehabt haben können, arbeitet Momigliano die Wesensmerkmale von Decline and Fall of the Roman Empire heraus. Besonders Gibbons universalhistorische, transkontinentale Perspektive auf der Basis der dem Werk vorangegangenen renaissance orientale, dem zunehmenden Studium orientalischer Sprachen und Geschichte, sowie die Fähigkeit Gibbons, traditionelle historische
Gelehrsamkeit mit philosophischer Geschichtsschreibung zu vereinen, führen zu Momiglianos Einschätzung, dass Gibbon etwas Neues in seiner Zeit schuf und sein Werk bis heute große wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung besitzt.
Im Folgenden wird die argumentative Vorgehensweise Momiglianos in den beiden Aufsätzen erläutert und im Zusammenhang dargestellt, wobei ich die mir am wichtigsten erscheinenden Punkte hervorhebe. Zum Schluss folgt eine Beurteilung der Darstellung des Autors.
Inhaltsverzeichnis
- Die Wende in der Geschichtsschreibung
- Philosophische Historiker und Antiquare
- Gibbons Synthese von Gelehrsamkeit und Philosophie
- Der Einfluss der Orientalistik
- Einflussreiche Historiker und Denker
- Die Neuartigkeit von Gibbons Werk
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Essay erläutert Arnaldo Momiglianos Argumentation in seinen Aufsätzen über Edward Gibbon und die Geschichtswissenschaft des 18. Jahrhunderts. Der Fokus liegt auf der Darstellung der wissenschaftlichen Entwicklung dieser Zeit und Gibbons Stellung innerhalb dieses Kontextes.
- Die Entwicklung der Geschichtsmethodik im 18. Jahrhundert
- Die Auseinandersetzung zwischen philosophischen Historikern und Antiquaren
- Gibbons Synthese von antiquarischer und philosophischer Geschichtsschreibung
- Der Einfluss der Orientalistik auf Gibbons Werk
- Gibbons Beitrag zur Geschichtswissenschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Der Essay beginnt mit der Beschreibung der sich verändernden Geschichtswissenschaft am Ende des 17. Jahrhunderts, die sich durch eine strengere Quellenkritik und neue Themen auszeichnete. Die Spannung zwischen philosophischen Historikern und traditionellen Gelehrten wird beleuchtet, wobei die wechselseitige Abhängigkeit beider hervorgehoben wird. Es folgt eine Darstellung von Gibbons Werk im Kontext dieser Debatte, unter Betonung seiner Synthese von Gelehrsamkeit und Philosophie. Die Bedeutung der aufkommenden Orientalistik und deren Einfluss auf Gibbons "Decline and Fall" wird erörtert, ebenso wie der Einfluss anderer wichtiger Historiker und Denker auf Gibbons Werk. Die Einzigartigkeit und der Einfluss von Gibbons "Decline and Fall" auf die Geschichtsschreibung werden abschliessend behandelt.
Schlüsselwörter
Edward Gibbon, Geschichtswissenschaft, 18. Jahrhundert, Philosophische Geschichtsschreibung, Antiquare, Orientalistik, Quellenkritik, Decline and Fall of the Roman Empire, Arnaldo Momigliano, Zivilisation, Dekadenz.
Häufig gestellte Fragen
Was war Edward Gibbons bedeutendstes Werk?
Sein Hauptwerk ist „Decline and Fall of the Roman Empire“, in dem er den Untergang des Römischen Reiches aus einer universalhistorischen Perspektive analysiert.
Welche Neuerung brachte Gibbon in die Geschichtswissenschaft ein?
Gibbon gelang die Synthese aus traditioneller, antiquarischer Gelehrsamkeit (Quellenarbeit) und der modernen, philosophischen Geschichtsschreibung der Aufklärung.
Welchen Einfluss hatte die Orientalistik auf Gibbons Arbeit?
Durch das Studium orientalischer Sprachen und Geschichte konnte Gibbon eine transkontinentale Perspektive einnehmen, die weit über die klassische europäische Historie hinausging.
Wer waren die "Antiquare" im 18. Jahrhundert?
Antiquare waren Gelehrte, die sich akribisch mit Originalquellen, Inschriften und Münzen beschäftigten, oft aber ohne den größeren philosophischen oder historischen Zusammenhang zu erklären.
Was kritisiert Momigliano an der Geschichtsmethodik dieser Zeit?
Arnaldo Momigliano beleuchtet die Spannung zwischen reiner Datensammlung (Antiquare) und spekulativer Deutung (Philosophen) und zeigt auf, wie Gibbon diesen Konflikt löste.
- Arbeit zitieren
- Chrstiane Baltes (Autor:in), 2004, Gibbon und die Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123557