Arnaldo Momigliano skizziert in seinen Aufsätzen „Ein Vorspiel zu Gibbon im 18. Jahrhundert“ und „Gibbons Beitrag zur Historischen Methode“ die Situation der Geschichtswissenschaft zu Beginn des 18. Jahrhunderts, stellt die Auseinandersetzung zwischen philosophischen Historikern und Antiquaren dar und ordnet Gibbons wissenschaftliche Stellung in diesen Zusammenhang ein. Anhand der Untersuchung von
Gibbons Quellen und den historischen Werken, die Einfluss auf Gibbons Arbeit gehabt haben können, arbeitet Momigliano die Wesensmerkmale von Decline and Fall of the Roman Empire heraus. Besonders Gibbons universalhistorische, transkontinentale Perspektive auf der Basis der dem Werk vorangegangenen renaissance orientale, dem zunehmenden Studium orientalischer Sprachen und Geschichte, sowie die Fähigkeit Gibbons, traditionelle historische
Gelehrsamkeit mit philosophischer Geschichtsschreibung zu vereinen, führen zu Momiglianos Einschätzung, dass Gibbon etwas Neues in seiner Zeit schuf und sein Werk bis heute große wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung besitzt.
Im Folgenden wird die argumentative Vorgehensweise Momiglianos in den beiden Aufsätzen erläutert und im Zusammenhang dargestellt, wobei ich die mir am wichtigsten erscheinenden Punkte hervorhebe. Zum Schluss folgt eine Beurteilung der Darstellung des Autors.
Inhaltsverzeichnis
1. Gibbon und die Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert
1.1 Einleitung
1.2 Die Wende in der Geschichtsschreibung
1.3 Das Spannungsfeld zwischen philosophischen Historikern und Antiquaren
1.4 Die Synthese von Gelehrsamkeit und Philosophie bei Gibbon
1.5 Die Bedeutung der Orientalistik für das Werk
1.6 Beurteilung der historischen Methode
1.7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die argumentative Vorgehensweise von Arnaldo Momigliano in seinen Aufsätzen zu Edward Gibbon, um dessen wissenschaftliche Rolle im geschichtswissenschaftlichen Umbruch des 18. Jahrhunderts zu definieren.
- Die Entwicklung der modernen Geschichtsschreibung im 18. Jahrhundert
- Das Spannungsverhältnis zwischen Antiquaren und philosophischen Historikern
- Die methodische Synthese von Quellenkritik und philosophischer Erzählweise bei Gibbon
- Der Einfluss der zeitgenössischen Orientalistik auf Gibbons Universalgeschichte
- Die Bewertung von Gibbons Werk "Decline and Fall" im intellektuellen Kontext seiner Zeit
Auszug aus dem Buch
Die Auseinandersetzung zwischen philosophischen Historikern und den sogenannten traditionellen érudits
Die Auseinandersetzung zwischen philosophischen Historikern und den sogenannten traditionellen érudits war von Vorbehalten auf der einen Seite und Verachtung auf der anderen bestimmt. Während Paciaudi in seiner Monumenta Peleponnesia 1761 von einer Angst vor einer „Invasion der heiligen Bezirke der Geschichte durch eine fanatische Bande von Philosophen“ (S. 240) redet, spricht Momogliano davon, dass die Antiquare zunehmend zum Ziel der Angriffe und der Ironie der Philosophen wurden. Nichtsdestotrotz existierte eine Abhängigkeit in der Beziehung zwischen antiquarischen und philosophischen Geschichtswissenschaftlern. Die philosophischen Historiker waren auf die antiquarischen Werke ihrer Vorgänger angewiesen und mussten deren Gelehrsamkeit als wichtiges Werkzeug ihrer eigenen Arbeit anerkennen. Momigliano beschreibt dieses Verhältnis sehr plastisch: „Die Ehe von Gelehrsamkeit und Philosophie war ein stürmisches Verhältnis, voller Streit, gegenseitiger Anklagen und vorläufiger Trennungen; aber wie viele andere stürmische Ehen war sie stabil und fruchtbar.“ (S. 226)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gibbon und die Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert: Diese Einführung erläutert die Rezeption Momiglianos und skizziert Gibbons Stellung innerhalb der zeitgenössischen Debatten über historische Methode.
1.1 Einleitung: Hier wird der Untersuchungsgegenstand definiert und die argumentative Struktur der Arbeit vorgestellt.
1.2 Die Wende in der Geschichtsschreibung: Dieses Kapitel behandelt den Übergang von der antiken Vorbildhaftigkeit hin zu einer neuen, quellenkritischen Forschung, wie sie Momigliano beschreibt.
1.3 Das Spannungsfeld zwischen philosophischen Historikern und Antiquaren: Der Abschnitt beleuchtet die produktive, wenngleich konfliktgeladene Abhängigkeit zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Schulen.
1.4 Die Synthese von Gelehrsamkeit und Philosophie bei Gibbon: Hier wird dargelegt, wie Gibbon die kritische Forschung der Antiquare mit der universalgeschichtlichen Perspektive der Philosophen verband.
1.5 Die Bedeutung der Orientalistik für das Werk: Es wird analysiert, wie orientalische Studien Gibbons Verständnis der Zivilisation und seine transkontinentale Perspektive prägten.
1.6 Beurteilung der historischen Methode: Dieser Teil ordnet Gibbons Vorgehensweise im Vergleich zu Zeitgenossen wie Robertson und Winckelmann ein.
1.7 Fazit: Die abschließende Würdigung fasst die Innovationskraft Gibbons für die Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts zusammen.
Schlüsselwörter
Edward Gibbon, Arnaldo Momigliano, Geschichtsschreibung, Aufklärung, Antiquare, Historische Methode, Quellenkritik, Zivilisation, Universalgeschichte, Orientalistik, Decline and Fall, Philosophie, Kirchengeschichte, Wissenschaftsgeschichte, 18. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wissenschaftliche Bedeutung von Edward Gibbon basierend auf den Aufsätzen des Historikers Arnaldo Momigliano.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Transformation der Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert, das Spannungsfeld zwischen Quellenkritik und Philosophie sowie die methodische Einzigartigkeit Gibbons.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erläuterung der argumentativen Vorgehensweise Momiglianos und die Einordnung von Gibbons Werk "Decline and Fall" in den wissenschaftshistorischen Kontext.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftshistorische Analyse, die auf einer kritischen Auswertung und Synthese der Texte von Arnaldo Momigliano basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den methodischen Wandel der Epoche, die Rolle der Orientalistik sowie die intellektuellen Wurzeln und Einflüsse auf Gibbons Geschichtsverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Historische Methode, Quellenkritik, Universalgeschichte, Zivilisation und die Synthese von Gelehrsamkeit und Philosophie.
Warum war das Verhältnis zwischen Antiquaren und Philosophen so schwierig?
Es war geprägt von gegenseitiger Verachtung und Vorbehalten, wobei die Philosophen die Detailarbeit der Antiquare zwar nutzten, aber deren akademische Engstirnigkeit ablehnten.
Wie gelang es Gibbon, seine Kritiker zu entwaffnen?
Gibbon bot durch die detaillierte Offenlegung seines Belegmaterials eine transparente Grundlage, die eine fundierte Überprüfung seiner Thesen ermöglichte.
- Citation du texte
- Chrstiane Baltes (Auteur), 2004, Gibbon und die Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123557