Harry Pross - Ein Leben für freie Medien und unzensierte Meinungen


Magisterarbeit, 2004

129 Seiten, Note: 2,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben und Werk
2.1. Leben
2.1.1. Kindheit und Jugend
2.1.2. Der berufliche Weg: Zwischen Praxis und Theorie
2.1.3. Beurteilung durch Kollegen und eine kurze Zusammenfassung seines Lebens
2.2. Eine Einführung in das Werk
2.2.1. Versuch der Beschreibung seines Gesamtschaffens
2.2.2. Nähere Vorstellung ausgewählter Werke
2.2.2.1. ’Vor und nach Hitler’
2.2.2.2. ‘Die Protestgesellschaft: von der Wirksamkeit des Widerspruchs’
2.2.3. Zusammenfassung

3. Theoretische Annahmen
3.1. Begriffe aus dem Kommunikationsbereich
3.1.1. Einführung
3.1.2. Zeichenbegriffe
3.1.3. Protest und Anarchie
3.1.4. Rituale
3.2. Zum Begriff und zur Bedeutung der Signalökonomie für Pross
3.3. Zusammenfassung

4. Der Kampf um Meinungsfreiheit im 20. Jahrhundert
4.1. Aufgaben der Medien aus Sicht von Pross
4.2. Behinderungen der Meinungsfreiheit und die Folgen: Historische Beispiele im Kontext der Zeit
4.2.1. Medienlenkung und Pressekonzentration 1900 bis 1945
4.2.2. Eine Bilanz der nationalsozialistischen Presseunfreiheit und der Neubeginn infolge der Lizensierungszeit
4.2.3. Kulturkritik und Fernsehen – als Beispiel: Adolf Grimme
4.2.4. Adenauers Staatsfernsehen und das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes
4.2.5. Die Abkehr vom obrigkeitsstaatlichen Denken der Medien? – Die Spiegelaffäre
4.2.6. Konzentrationsprozesse im Pressewesen: Beispiel: ‘Ein-Zeitungs-Kreise’
4.3. ‘Der Mensch im Mediennetz’
4.3.1. Qualitätsverluste und die Abkehr von ‘primärer’ Kommunikation
4.3.2. Das Bildmedium als Übermittler von Ritualen
4.3.3. Die Kommerzialisierung des Fernsehens und das ‘Duale System’
4.3.3.1. Zur grundlegenden Entwicklung
4.3.3.2. Kritische Beobachtung und Sichtweise von Pross
4.4. Auseinandersetzung des Verfassers dieser Arbeit bezüglich der Pross’schen Wahrnehmung der Wirklichkeit (Zusammenfassung)

5. Würdigung und Kritik zum Leben und Schaffen des Intellektuellen Pross
5.1. Engagement für Medienfreiheit und Demokratie
5.2. Engagement für soziale Gerechtigkeit und Dialog der Wissenschaften
5.3. Beurteilung von einigen Werken durch Rezensionen mit Kommentaren des Verfassers dieser Arbeit

6. Fazit: Pross = Optimist – Pessimist, Realist - Idealist?

Literaturverzeichnis:

1. Werke von Pross

2. Sekundärliteratur

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

„Jeder Mensch braucht Raum, um sich entwickeln zu können. Das gilt nicht nur für den horizontalen Raum seiner Bewegungen auf der Erde, sondern auch für den seiner Gedanken.”[1]

Da Harry Pross fast ausnahmslos seine Bücher mit mindestens einem aussagekräftigen Zitat eingeleitet hat, kann dies am Anfang einer Arbeit über ihn natürlich auch nicht anders sein.

Wie kaum ein zweiter deutscher Kommunikations- und Medienwissenschaftler hat sich Pross mit dem Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Politik über mehrere Jahrzehnte durch reichhaltig gesammelte Erfahrung aus Theorie und Praxis gleichermaßen auseinandergesetzt. „Sein Hauptthema war die Wechsel- beziehung zwischen Politik und Publizistik”[2], sein Lebensthema aber das der Meinungsfreiheit.[3] Von der Politikwissenschaft blieb Harry Pross bislang nahezu unbeachtet. Aufgrund dieser Ausgangslage bietet es sich in besonderer Weise an, diese Lücke mit der vorliegenden Arbeit zu schließen. Die Gründe, weshalb er auch für die politikwissenschaftliche Forschung von Interesse sein kann, liegen auf der Hand: Bereits Mitte der 70er Jahre stellte H.P. fest, dass das bewusste Eintreten einer Gesellschaft für Demokratie und dabei insbesondere für Meinungsfreiheit sehr stark davon abhängig ist, inwieweit Medien- schaffende die Möglichkeit haben, frei agieren zu können. Er ist davon überzeugt, dass die ökonomischen und politischen Verhältnisse die Medien- entwicklung beeinflussten, aber auch umgekehrt gelte, dass Wirtschaft und Politik von den Medien nicht als unabhängig angesehen werden können.[4] Dabei sollten die Medienträger nicht einzeln betrachtet, sondern im Zusammenhang untereinander berücksichtigt werden.[5]

Das Auftreten des Rundfunks[6] Mitte der 20er Jahre hat nach Pross eine schnellere und vielseitigere Information ermöglicht, was nicht ohne Rückwirkung auf die Presse geblieben sei. Ebenso habe die Ausbreitung des Fernsehens in der Bildberichterstattung neue Maßstäbe gesetzt. Auch dies war ein Vorgang, der unvermeidlicherweise den (Bild-)Journalismus in der Presse verändern musste.[7] Das Auftreten jeden neuen Mediums in der Menschheitsgeschichte veränderte laut Pross den ganzen publizistischen Prozess, da dieser nur als Ensemble aller Medien aufgefasst werden könne. Der neu hinzugekommenen Informationstechnik mussten sich daher auch die Politiker wiederholt anpassen.[8]

Pross kann als ein beispielgebender Wissenschaftler, harter Analysierer und sachkundiger Beobachter bei der Ausbildung und Weiterentwicklung der Kommunikationsgeschichte für die Bundesrepublik und darüber hinaus gelten. Aus den eben genannten Gründen soll dieser ungewöhnlich vielseitige Mensch und Wissenschaftler im Mittelpunkt dieser Magisterarbeit stehen. Trotz seiner unbestrittenen Verdienste für die Forschung und Praxis, die es im weiteren zu untersuchen gilt, möchte ich das Werk von Pross auch unter kritischen Gesichtspunkten würdigen und einige Rezensionen seiner Werke dabei heranziehen. Die Fragestellung bei diesen Überlegungen lautet: Was sind die grundlegenden Theorien und Überzeugungen von Pross bezogen auf das Verhältnis zwischen Medien, Politik und Öffentlichkeit, und wie hat sich die Kommunikationskultur unter Berücksichtigung zeitlicher Veränderungen insgesamt bis heute fortentwickelt? War am Ende des 20. Jahrhunderts die Meinungsfreiheit in Deutschland mehr vorhanden als zu Beginn? Stimmen die dabei von Pross aufgestellten Thesen mit der Wirklichkeit überein?

An dieser Stelle noch einige Bemerkungen zum didaktischen Vorgehen: Als erstes werden einige Lebensdaten und -erfahrungen näher beschrieben, um wesentliche Beweggründe für das reichhaltiges Schaffen und die theoretischen Überzeugungen von Pross zu gewinnen. Als Literaturgrundlage hierfür kann seine 1993 erschienene Biographie Memoiren eines Inländers herangezogen werden.[9] Im nachfolgenden Kapitel wird auf sein Gesamtschaffen einzugehen sein und zwei Bücher sollen exemplarisch näher vorgestellt, die für sein Leben und Werk mir besonders typisch erscheinen: Das erste vorgestellte Buch in 2.2.2.1. steht stellvertretend für die Auseinandersetzung des Autors mit der deutschen Geschichte und der damals vorherrschenden Gegenwart, während sich im anderen Buch die im Laufe des Lebens von Pross entwickelten Kommunikations- und Medientheorien verbinden mit seiner engagierten Sichtweise bezogen auf eine offene und demokratische Gesellschaft. Die von mir im Rahmen dieser Magisterarbeit vorgenommene Analyse seines Gesamt- werkes und einzelner Texte hieraus, kann allerdings schon aus Platzgründen nur unvollständig vorgenommen werden.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den grundlegenden Theorien von Harry Pross, die es näher zu betrachten und zu beschreiben gilt. Dies ist sehr entscheidend für das Verständnis der Gesamtarbeit, um seine Art der Beobachtung und Kritik der Medien- und Kommunikationspraxis, die zum überwiegenden Teil auf Deutschland bezogen ist, besser zu verstehen. Im folgenden und umfangreichsten Kapitel 4 dieser Arbeit geht es zunächst darum (4.1.), die Aufgaben der Medien aus der Sichtweise des Publizisten darzulegen. Die dahinterliegende Fragestellung lautet, inwieweit seine Idealvorstellungen von freier Meinungsäußerung im Deutschland des 20. Jahrhunderts übereinstimmten oder davon abgewichen sind. An ganz konkreten Beispielen soll anschließend dargelegt werden, welche Einschränkungen bzw. befürchteten Einschränkungen von Meinungs- oder Medienfreiheit es gegeben hat und welche Folgen dies nach sich zog. Harry Pross hat sehr vieles davon in seinen Büchern Zeitungsreport und Der Mensch im Mediennetz behandelt. Darüberhinaus sollen aber auch andere Quellen (beispielsweise Noelle- Neumann, Hickethier, Stöber, Glotz) mit herangezogen werden, um ein besseres Gesamtbild von den behandelten Geschehnissen zu bekommen und dadurch seine kritischen Sichtweisen besser zu verstehen oder aber infrage zu stellen.

Der Pross’schen Kritik an der Kommerzialisierung und der ‘Beherrschung der Welt’ durch die Neuen Medien ist im Kapitel 4.3. nachzugehen: Wieso sollen die Menschen sich am Ende des 20. Jahrhunderts in einem Mediennetz verfangen haben? Im Kapitel 5. geht es schließlich darum, das gesellschaftliche Engagement von Pross zu untersuchen und unter der Berücksichtigung von Rezensionen zu einer eigenen Einschätzung zu gelangen. Im Fazit wird abschließend die interessante Frage zu beantworten sein, ob H.P. als Wissenschaftler und Mensch als ein Optimist oder Pessimist, Realist oder Idealist anzusehen ist. Bereits an dieser Stelle der Magisterarbeit sei gesagt, dass der Verfasser dieser Arbeit zwar darum bemüht ist, eine zutreffende Antwort auf diese Fragestellung nach seinen Erkenntnissen zu geben, andererseits aber auch weiß, dass Harry Pross’s Leben und Werk keineswegs als frei von Widersprüchen bezeichnet werden kann und es daher ratsam ist, dass jeder - der sich mit den Gedanken und Erfahrungen von H.P. auseinander setzt - sich selbst eine Meinung zu dieser Frage bilden sollte.

2. Das Leben und Werk von Harry Pross

2.1. Leben

2.1.1. Kindheit und Jugend: Zwischen heiler Welt und Kriegswirren

Harry Pross wurde am 2. September 1923 in Karlsruhe-Rheinhafen geboren. Ein dummes Datum wie er meint, da seine Eltern für die Geburtstagsanzeige etliche Millionen berappen mussten (aufgrund der extremen Geldentwertung im Deutschen Reich zu dieser Zeit).[10] Harry wohnte mit seiner Familie auf dem Gelände einer Fabrik, da sein Vater dort ein mittelständisches Unternehmen mit ungefähr 300 Angestellten führte. Über seine Mutter berichtet er, dass er ihr stundenlang beim Klavierspielen zuhören konnte.[11] Der spätere Publizist wuchs also - zusammengefasst beschrieben - in einem wohlbehüteten, gutbürgerlichen Elternhaus auf.

Den Beschreibungen seiner Memoiren folgend, baute der kleine Harry bereits einen recht engen Kontakt zu ‘seinen’ Fabrikangestellten auf und lernte dabei mit anderen Menschen gut zu kommunizieren.[12] Bei einem Gesprächsvortrag im Jahr 2003 in Heidelberg, hob er die Bedeutung dieser Menschen für sein späteres Leben und Schaffen in besonderer Weise nocheinmal hervor: Sie hätten ihm zu der unverschämten Gewissheit verholfen, dass ihm überhaupt nichts passieren könnte. Alles was er später geworden sei, verdanke er im Grunde diesem Fabrikhof mit seinen Menschen.[13] Literarisch interessierten ihn als Kind ausschließlich Tierbücher und so war er naheliegenderweise auch Mitglied im Tierschutzverein gewesen. Wenn sein Vater mit ihm zur Jagd ging, ließ er sich dann auch lieber von den Naturerlebnissen der Sümpfe und Urwälder im Altrheinrevier anregen, als vom väterlichen Abschießen von Tieren.[14]

1936 erlebte er die Rückkehr des Militärs in die Stadt [Einmarsch von Truppen in das bislang entmilitarisierte Rheinland]. Nach zwölfjähriger Schulzeit (war um ein Jahr gekürzt worden), legte Pross 1942 sein Abitur ab, ehe er zum Militär musste.[15] Da der NS-Staat auf körperliche Ertüchtigung großen Wert legte, er sich allerdings als relativ unsportlich erwies, war er umso mehr darauf bedacht, Anerkennung von seiner sozialen Umgebung auf andere Art und Weise zu bekommen: Beim Luftgewehrschießen hatte er zum Beispiel mehr Erfolg und da ihn der Umgang mit Pferden sehr interessierte, gelang es ihm auch, das Reitabzeichen zu erwerben. Auf das mit zwei gekreuzten Lanzen auf goldenem Schild der blauen Jungvolkkluft abgebildete Symbol war er besonders stolz. Die kindliche Vorliebe für solche ‘Markierungen’, meint Pross verallgemeinernd, seinen damals wie heute wohl ähnlich.[16] An Funktionen nahm er als Schüler das Amt des Klassensprechers wahr und wurde zum Jugendführer über zehn Grundschüler im Jungfähnlein.[17] Pross war aufgrund der NS-Propaganda Reichsgläubiger und militärbewusster Jungnazi nach den Verlautbarungen in seinen Memoiren gewesen. Auch als junger Erwachsener war ihm - wie vielen anderen Deutschen seiner Zeit auch - nicht klar, dass ein menschen- verachtendes Regime (welches systematischen Völkermord beging) sein Leben mit beeinflusste: Angelernte Verhaltensweisen im NS-Staat waren anschleichen und lauschen, niemals dem Feind gegenüber offen auftreten oder anreden, Befehle ausführen ohne nachzufragen und das eigene Urteil stets unterdrücken. Der anders- und abartige Feind war bei allen Spielen im Geiste stets anwesend, auch wenn nur gegen eine gleichartige Jungenschaft gekämpft wurde. Dies sei eine böse Sache gewesen, wie es sich bald herausstellte.[18]

Die Eltern von H.P. übten intern deutliche Kritik am NS-Regime. Sein Vater sagte zum Progrom an den Juden im Jahr 1938, dass die Juden gleichberechtigte Deutsche seien und nur eine andere Religion hätten. Harry fragte ihn daraufhin unwissend, warum sie dann unser Unglück sein sollten. Und Vater antwortete „weil man sie durch Verfolgung dazu macht”.[19] Da sich die Familie 1939 schon ein neues Auto leisten konnte, fuhren sie mit diesem gemeinsam in die Sommerferien an die Ostsee. Als auf der Autobahn bei Kassel Militärkolonnen ihnen entgegenkamen, meinte Harrys Vater nichts Gutes ahnend: „Da könnt ihr sehen, wozu der Kerl [Hitler] hat Autobahnen bauen lassen.”[20] Einige Jahre später schrie Harrys Mutter unvorsichtigerweise vor Zeugen 1944 zur Haustür hinaus: Diese Mörder! Jetzt schicken sie die Kinder noch in den Krieg, als sein 18-jähriger Bruder zum Waffendienst einberufen wurde. Diese Aussage hätte für die Familie unangenehme Folgen nach sich ziehen können, blieb aber zum Glück ‘ungehört’.[21]

Zum ersten Mal trat für Pross selbst die Verlogenheit des ganzen Nazi-Systems mit seinem riesigen Propagandaapparat zu Tage, als er die aktuellen Zeitungen aus der Heimat mit den unmittelbar gemachten Erfahrungen an der Front verglich.[22] 1942 wurde er nach Weißrussland abkommandiert und erfuhr am eigenen Leibe die Folgen des furchtbaren Krieges: Ein Granatsplitter traf ihn am Kopf. Zwei Jahre später handelte sich Pross durch eine sowjetische Panzerfaust eine schwere Armverletzung (rechter Ellbogen zerschmettert) ein. In einem Lazarett in Schlesien sollte sein Arm amputiert werden, da an eine Reparatur nicht zu denken war. Seine Mutter ließ dies nicht zu und sagte dem Stabsarzt eindringlich: Der Arm bleibt dran! Der Arzt akzeptierte dies schließlich und meinte nur, dass er nicht viel Freude mehr daran haben werde. Aufgrund dieser Verletzung bezieht Pross seitdem eine Rente. Zur eigenen Handschrift hat er seitdem nie wieder zurückgefunden, doch die Lust auf das Leben ging ihm deshalb nicht gänzlich verloren.[23] Aber ein Schicksalsschlag war es für ihn trotzdem, denn „mit 21 hatte der Verwundete Abschied genommen von allem, wozu der Mensch zwei gesunde Arme braucht”.[24] Eigentlich hatte er sich fest vorgenommen, mit dem Studium der Zoologie zu beginnen, was aber aufgrund seiner schweren Verletzung nicht mehr in Betracht kam.[25]

Zum Untergang des 1000jährigen Reiches, welches H.P. immerhin bereits nach 12 Jahren überstanden hatte, sagt er rückblickend, dass seine Symbole keinen Wert mehr hatten und die ganze Gewalt mit den Fahnen, Uniformen und Orden auf einmal verschwunden war. Ein gutes Gefühl stellte sich Anfangs bei ihm trotzdem nicht ein - im Gegenteil - er fühlte sich beschissen, da der Eigenverantwortlichkeit seiner Gedanken durch den antrainierten Gehorsam im NS-Staat noch deutliche Grenzen gesetzt waren.[26] Der Neuanfang war für den jungen H.P. wie für viele andere seiner Generation meint er „eine Zeit der Lebensgier und der Deckerinnerungen, um eigenes Versagen abzudecken und zu verharmlosen”.[27] Aus dieser von ihm so dargelegten, schwierigen Ausgangslage heraus, lässt sich auch sein außerordentlich großes Engagement für demokratische Werte erklären, was er im Laufe seines Leben unter Beweis stellen konnte.

2.1.2. Der berufliche Weg: Zwischen Praxis und Theorie

Im Wintersemester 1945/46 entschied sich H. Pross - nachdem es ihm aus praktischen Gründen nicht mehr möglich war, das Verhalten von Tieren näher zu erforschen - für ein sozialwissenschaftliches Studium an der Universität Heidelberg und arbeitete nebenher als freier Journalist.[28] Am 9. November 1945 hielt er seine erste öffentliche Rede für den Demokratischen Verein Karlsruhe, die auch von der lokalen Zeitung veröffentlicht wurde. Hierin forderte er die Beteiligung der Jugend am demokratischen Aufbauprozess.[29] Offenbar sehr beeindruckt hatte ihn eine Rede - wenn auch nicht die Person - Karl Jaspers zur Wiedereröffnung der Universität, denn in seinen Memoiren gab er einige Zeilen davon wieder:

„Wahrheit ist nicht da als fertige Ware (...) Gewaltig ist auch der Unterschied an Art und Maß der Schuld. Niemand ist schuldlos (...) Deutschland kann nur wieder zu sich kommen, wenn wir Deutschen in der Kommunikation zueinander finden (...) Einheit durch Zwang taugt nichts; sie verfliegt als Schein in der Katastrophe. Einmütigkeit durch Miteinanderreden und Verstehen, durch gegenseitiges Dulden und Nachgeben führt zur Gemeinschaft, die standhält.”[30]

Für die damals junge Erwachsenengeneration kam die Auseinandersetzung mit der Frage, ob und inwieweit man ein gefügiger Bestandteil des vergangenen Regimes war, durch die neue Lebenssituation unter der Besatzungsherrschaft automatisch auf. Es war die Zeit, wie Pross sie empfand, die Sprache wiederzufinden, den sichernden Blick auf die Mithörer zu unterlassen und unbefangen miteinander umzugehen. Gleichwohl war auch unter der Besatzung die freie Sprache nichts Selbstverständliches (Allgemeines dazu in 4.2.2.).[31] Über seine Studienjahre 1945-49 äußert sich Pross aus der lebenserfahrenen Perspektive eines 75jährigen, dass sie trotz Hunger, Lungenerkrankungen und offener Kriegswunde für ihn schieres Glück bedeuteten. Er schrieb erste Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, kleine Radiobeiträge und nahm 1948 ein Zeitungsvolontariat für die Rheinpfalz auf.[32] Der dortige Chefredakteur schickte ihn zu einem Kriegsverbrecherprozess nach Rastatt. Ihn beeindruckten die von den französischen Besatzungstruppen aufgestellten afrikanischen Parade- soldaten auf den Treppen und vor den Türen des Schlosses mehr als die Verhandlung selbst. Sein dazu verfasster Text erschien nicht, sondern wurde von der Redaktion verworfen und bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben. Aufgrund dieser Negativerfahrung heraus, erwuchs bei ihm erst recht ein starkes Interesse an der Analyse von (politischer) Symbolik, da er zensierte Meinungen (aufgrund seines zweifellos vorhandenen ‘Widerspruchsgeistes’) unter keinen Umständen niemals mehr hinnehmen wollte.[33] Er entsann sich seinerzeit an einen Text von Mitscherlich und Weber, deren Intention für sein späteres Denken und Schaffen offensichtlich von grundlegender Bedeutung war - wie die spätere Betrachtung seines Schaffens es zeigen wird [vgl. dazu etwa das direkte Zitat von Pross in Kapitel 4.4.]. H.P. zitiert Mitscherlich und Alfred Weber (1946) mit den Worten:

„Jeder Führerclique, die auf bürokratischer Zusammen- fassung großer Massen ruht, stehen heute sämtliche modernen technischen Nachrichtenmittel täglicher ja stündlicher Massenbeeinflussung zur Verfügung, die, geschickt verwendet, zur Emotionalisierung und Urteilslähmung benutzt werden und die Ausschaltung der Spontanität und Urteilsbildung des Einzelnen, die in der bürokratischen Großformation [an die Massen- medien ist hierbei zu denken] schon vorgebildet scheint, vollenden können.”[34]

Pross schreibt weiter, er hätte mit seinem Artikel den Einfluss der Szenerie auf die Urteilsbildung verständlich machen wollen, was aber offensichtlich unerwünscht gewesen war. Folglich entwickelte er daraus für sich sein Lebensthema[35], nämlich das der Meinungsfreiheit.[36]

Bereits im Mai 1949 legte er seinen Dr. phil. durch eine soziologische Dissertation ab. Sein Betreuer war der von ihm sehr geschätzte Lehrer Hans von Eckardt.[37] Sein Thema hieß: Nationale und soziale Prinzipien in der Bündischen Jugend. Des weiteren hatte er die Fächer. Allgemeine Staatslehre, Neuere Geschichte und Psychologie studiert.[38] Ein anderer Lehrer für Pross war der Soziologe und Kulturwissenschaftler Alfred Weber (Bruder des bereits 1920 verstorbenen Max Weber). H.P. sagt über ihn, dass er mit seinen ungestümen öffentlichen Auftritten sowohl Engagement verkörperte, als auch Distanz auf den Punkt brachte.[39] Er lehrte sowohl Freiheit und Menschlichkeit, als auch skeptische Selbstverantwortung.[40] Als erstes forderte A. Weber von seinen Studenten jene Geradlinigkeit ab, die in der Hitlerjugenderziehung zwar theoretisch gefordert, „aber in der Lüge des Systems verbogen worden war”.[41]

H.P.’s beruflicher Weg gestaltete sich sehr abwechslungsreich, was anhand der folgenden Aufzählung gut erkennbar ist:

1949-52 war er Redakteur für die Wochenzeitschrift Ostprobleme (im Auftrag der amerikanischen Propaganda)[42], 1952/53 unternahm er einen Studien- aufenthalt in die USA[43] und war daran anschließend als Deutschland- korrespondent für die holländische Wochenzeitung Haagse Post von Bonn aus tätig[44]. 1955-60 leitete H.P. die Redaktion der angesehenen Monatszeitschrift: Deutsche Rundschau in Stuttgart, deren entschiedenen Kampf gegen jede Art von Totalitarismus er konsequent fortsetzte.[45] Aufgrund unbedachter Äußerungen in einem Leserbrief verlor Pross seinen Redaktionsstuhl allerdings wieder.[46] Verstärkt sprach er danach auf Tagungen, debattierte auf den Ruhrfestspielen und war 1961-63 fester Gastdozent an der Hochschule für Gestaltung in Ulm.[47] Dort lehrte er Soziologie, später auch Politologie und Kommunikation.[48] In den 60er Jahren war Pross sowohl Mitherausgeber der Neuen Rundschau (1962-69)[49], als auch Chefredakteur von Radio Bremen (1963-68)[50].

Im Jahr 1967 ergab sich für Pross ein neuer Karrieresprung als gefragter Universitätsprofessor, denn ihm wurden als erfahrenem Praktiker gleich drei Professuren angeboten (für Politik, Sozialpsychologie und Publizistik). Pross unterzeichnete schließlich einen zeitlich unbefristeten Vertrag für die angebotene Professur für Publizistik an der Freien Universität Berlin.[51] Gerade für den Publizistiklehrstuhl hatte er sich deshalb entschieden, da ihm der Bezug zur Praxis hier am nächsten schien[52], denn es war ihm in seinem Selbstverständnis dauerhaft ein wichtiges Anliegen, die Verbindung von Theorie und Praxis zu verstärken und zu verbessern.[53]

Mit großer Zuversicht stellte er sich der neuen Herausforderung, aber so einfach wie gedacht, lief es dann doch nicht: H.P. schreibt, man glaube nicht, wie viele Fehler ein erwachsener Mensch, der gesellig, kriegserfahren, weit herumgekommen, selbstbewusst und heiter sei, innerhalb von 90 Minuten machen könne. Seine tatsächlichen oder angeblich schweren Vergehen beschreibt er jedenfalls ganz ausführlich in seinen Memoiren. Dazu zählt Pross z. B. seine unangemessene Kleidung (konventioneller Anzug) gegenüber der Jahrmarktsbuntheit der Studenten. Der Selbstdarstellungsdruck schien ungeheuerlich zu sein, wertet er diese Erfahrung im Nachhinein. Sie bestätigten seiner Ansicht nach fast die Pax Americana durch ihre einheitlich getragenen Jeans und der damit verbundenen ökonomischen Grundlagen ihrer geistigen Vorbilder im Kapitalismus ohne menschliche Leitbilder und konsequenten Sozialplan. Beliebigkeit im Denken und das ganze Jahr Maskeraden, schluss- folgerte er zum damaligen Zeitpunkt resigniert. Auch die Disziplin ließ zu wünschen übrig und die Art und Weise der Diskussionen störte ihn gewaltig: Man wollte keinen Diskurs, sondern ein Happening. Eine rüpelige Schulklasse hätte sich nicht anders verhalten. Am Abend jenes ersten Anstellungstages an der FU Berlin sagte er seiner Frau, dass sie die Koffer zum Abreisen packen solle. Doch entschied er sich nach einer Aussprache mit ihr anders und blieb ganze 15 Jahre.[54]

Die Radikalisierung der 68er Bewegung wäre unverständlich - meint Pross im Nachhinein - ohne die schlechte deutsche Tradition zu sehen, dass es verpönt war, eine Meinung nicht nur zu haben, sondern diese auch noch zu äußern.[55] Im Gegensatz zu den amerikanischen Nationaltugenden wären die deutschen Tugenden (Fleiß, Pflichterfüllung, Ordnung, Genauigkeit usw.) durch die Ausnutzung im NS-System unter der 68er Jugend unpopulär geworden. Infolgedessen galt es als angebracht, gegenteilige Eigenschaften öffentlich zu demonstrieren (Beliebigkeit, Ungehorsam usw.).[56] Gegenüber den Revolutionären, die sich über alte Rituale lustig machten, sich aber gleichzeitig schon in neuen Ritualisierungen ergingen und in einer magisch verklärten Welt zu leben schienen, konnte er seinerzeit nur wenig Verständnis aufbringen. Stattdessen sah er es als seine Aufgabe an, Vernunft zu propagieren und gleichzeitig dabei zu helfen, Widersprüche der Gesellschaft offenzulegen.[57] Nebenbei gab er seinen 68er-Studenten auch praktische Tipps beim Produzieren von Flugblättern.[58]

Pross versuchte - nach seinen Beschreibungen zufolge - zu lehren, dass das demokratische Bewusstsein der Menschen in einem Land nicht besser sein kann, als die publizistisch Tätigen es ihnen vorzeigen. Demokratie habe auch etwas mit guten Umgangsformen zu tun, was einigen seiner Studenten damals wohl nicht klar gewesen sei, wenn jene glaubten „es sei revolutionär, recht patzig aufzutreten”.[59] Pross kam zu dem Entschluss, dass aus der modischen Buntheit nur dann der Gedankenaustausch und vielleicht ein Miteinander sich entwickeln kann, wenn er auf die autoritäre Attitüde verzichtete. Ihm sei in dieser Zeit klar geworden, dass ihm weder sein vorhandenes [großbürgerlich-elitäres] Standesbewusstsein, noch das im Laufe der Zeit von ihm angehäufte Wissen als Prestigeobjekt verstanden, von Nutzen sein konnten. Lehre müsse im Dialog stattfinden - andernfalls machte sie keinen Sinn, denn nur Spruch und Widerspruch zusammengenommen, führten zu einem brauchbaren Ergebnis.[60]

Über die offene Geschäftssitzung gelangte die spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof 1969/70 zu einem Lehrauftrag für ein Semester an das von Pross geleitete Institut. Zu diesem Zeitpunkt kannte Pross sie bereits als vorzügliche Radioautorin aus Bremen und hatte deshalb nichts gegen den studentischen Vorschlag einzuwenden.[61] Pross schätzte sie nach seinen Angaben auch deshalb, da sie sich als eine der wenigen in der seiner Meinung nach verfetteten Bundesrepublik frühzeitig für Kinder in Heimen engagierte.[62] An anderer Stelle schreibt er freilich, dass Meinhof später unzulässige Grenzen der Gewalt überschritt, die der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik ungeheuren Schaden zufügten.[63] Die Folge war für H.P. jedenfalls, dass er Anfang 1971 (also erst im Nachhinein der Lehrzeit von Ulrike Meinhoff) an seinem Institut Morddrohungen erhielt. Dies sei ihm zwar bereits in seiner journalistischen Zeit aufgrund missliebiger Kommentare vorgekommen, doch diesmal sah er sich genötigt für zehn Tage Personenschutz zu beantragen, da er Angst um seine zwei adoptierten Kleinkinder hatte.[64]

Pross gelangt aufgrund seiner Erfahrungen aus dieser Zeit allgemein zu dem Schluss, dass die studentischen Aggressionen, wenn auch von einer Minderheit ausgehend, die konservativen Tendenzen in den Fakultäten letztlich stärkten. Der Verlust an Umgangsformen bedeutete ein Verlust an Vertrauen und verringerte die Fähigkeit, aufeinander zuzugehen. Überhaupt noch miteinander zu sprechen, sei in dieser Zeit schwierig geworden.[65] Pross beschreibt in der Rückschau die Zielsetzung und Motivation für seine lange Lehrtätigkeit folgendermaßen:

„Es ging mir darum, sie auf die Fraglichkeit der publizistischen Berufe hinzuweisen, Sachverhalte, Texte, Bilder, Selbstdarstellungen von Personen und Gruppen so lange zu prüfen, bis deren Fraglichkeit sich offenbarte. Jede Frage ist eine Antwort auf eine vorhergehende Frage. Auch freuten mich frische Gesichter, neue Bewegungen, andere Auftritte an jedem einzelnen und an allen zusammen, denn selbst- verständlich ist auch für den Lehrer die Schülerschar das zu umwerbende Publikum.”[66]

Die in dem Zitat deutlich werdende Zugewandtheit zu seinen ‘Schützlingen’, stand der ihm angewiderte Bürokratismus einer großen Universität gegenüber (Stichworte: Raumverfügbarkeit, Lehrmaterial, Personal usw.). Die Kraft- anstrengung zum Guten war seines Erachtens nur zu meistern durch unbeirrtes Engagement für die Studierenden. Universitäten und Professoren müssten schließlich für sie da sein und nicht etwa umgekehrt.[67]

Als H.P. im Jahr 1983 aus der Zeitung erfuhr, dass sein Institut auf seinen Fortbestand hin überprüft werden sollte (Initiative des neuen CDU-geführten Senates unter Richard von Weizsäcker), sah er es als einen günstigen Zeitpunkt für sich an, in Pension zu gehen, Berlin wieder zu verlassen und in seine Wahlheimat des beschaulichen Ortes Weiler im Allgäu zurückzukehren.[68] Dies bedeutete aber nicht, dass er nach dieser Zeit beruflich untätig war. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen und wissenschaftlichen Zeitschriften, Vorträge, sowie die Annahme eines Lehrauftrags an der Journalistenschule in St. Gallen verweisen eher auf das Gegenteil.

2.1.3. Beurteilung durch Kollegen und eine kurze Zusammenfassung seines Lebens

Nicht nur das ‘was’ ist im Leben oft von entscheidender Bedeutung, sondern auch das ‘wie’.[69] Dies trifft auf H.P. in besonderer Weise zu, wie die Quintessenz der Befragungen über ihn in einem extra herausgegebenen Buch anlässlich seines 60. Geburtstages es zeigt:

Hans Abich schreibt über die gemeinsame Zusammenarbeit bei Radio Bremen, dass es eine Zeit gewesen ist, in der intensiv die Notstandsgesetze in der Bundesrepublik heftig diskutiert wurden. Mit Sicherheit seien sie ihm zuwider gewesen, aber er sorgte in der Redaktion dafür, dass vorbildlich recherchiert, informiert und kommentiert wurde.[70] Ihm sei es stets darum gegangen, Tatsachen zu erkunden und der Öffentlichkeit gut zu vermitteln, selbst wenn sie gegen seine eigene Überzeugung verstießen. Er wollte abwägend aufklären, den Zuhörern das Für und Wider von Sachverhalten eindeutig offenlegen und sich dabei selbst im Zweifelsfall zurücknehmen. Für den Journalisten gibt es nie genug zu wissen und nie genug zu zweifeln war einer seiner Leitsprüche, die er seinen Mitarbeitern weitergeben wollte.[71] Sein Bestreben war es zudem, eine selbstkritische Aufmerksamkeit von Experten und Praktikern der Politik und des Rechts herauszufordern. H.P. sei stets die Garantie dafür gewesen, dass Gewohntes nicht zur Abnutzung kam, dass neue Aspekte ausreichend bedacht und der laufende Sendebetrieb qualitativ sichergestellt wurde.[72]

Seine untergebenen Mitarbeiter bei Radio Bremen beschrieben ihn in der vorgenommenen Befragung charakterlich als einen fast ausnahmslos freundlichen Menschen, der überaus souverän im Umgang mit anderen gewesen sei, eindringlich, aber zumeist leise sprach und irgendwie etwas Englisches an sich gehabt hätte. Außerdem wird über ihn berichtet, dass er absolut verlässlich und präzise gewesen sei, anderen gut zuzuhören vermochte, verschiedene Meinungen gelten ließ und sich vor allem ausreichend Zeit für jeden nahm. Fachlich lehrte der Chefredakteur bei aller Schnelligkeit - um dem Hörerbedürfnis nach Aktualität nachzukommen - auch die Hintergründe von Ereignissen mit zu bedenken und Zusammenhänge darzustellen. Er selbst tat dies mit der ihm gegebenen scheinbar unerschütterlichen Gelassenheit, wobei er dabei auf einen immer wieder verblüffenden Wissensschatz zurückgreifen konnte. Allerdings war seine Art und Weise zu denken und zu handeln auch in der Redaktion von Radio Bremen nicht völlig unumstritten, wie eine Äußerung zeigt, in der es heißt, er war und sei vermutlich auch heute noch die Verkörperung eines gewissen Widerspruchs zwischen seiner politischen Überzeugung, die Liberalität und radikal-demokratische Verfassungsgrundsätze verband und seinem eher großbürgerlich-akademischen Überlegenheits- bewusstsein, dessen elitärer Charakter zwar unausgesprochen, aber im täglichen Umgang doch spürbar gewesen sei.[73]

An dieser Stelle bietet sich eine Zusammenfassung über das bewegte Leben von Harry Pross sicherlich an, um die große Anzahl der gegebenen Informationen für die Leser dieser Arbeit etwas zu sortieren. Dies soll in der gebotenen Kürze hiermit geschehen:

Eine unerschütterliche Art der Bestimmtheit und Unbeirrbarkeit, ein großes Einfühlungsvermögen für die großen und kleinen Dinge auf der Welt sowie eine unbändige Neugier auf Menschen und Erkenntnisse zeichnen ihn - nach allem was ich über ihn in Erfahrung gebracht habe - charakterlich in besonderem Maße aus.

Pross stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen und hatte damit gute Vor- aussetzungen, um eine sehr gute Bildung zu bekommen und sich viel Wissen anzueignen. Trotz seines elitären Bewusstseins, hat er schon sehr früh Kontakt zu vielen fremden Menschen als Sohn eines Fabrikchefs aufgenommen und ist nicht zuletzt dadurch auf die Wichtigkeit sozialer Belange im Kleinen wie im Großen sensibilisiert worden (näheres zu seinem Engagement in Kapitel 5).

[...]


[1] (1993): Memoiren eines Inländers: 1923 - 1993, München, S. 337.

[2] (1995): Tonnemacher, Jan: Wider die Anpassung. Harry Pross - Chronist und Kritiker der Republik, in: Hömberg, Walter/ Tonnemacher, Jan (Hrsg.): Eichstätter Materialien zur Journalistik 4, Eichstätt, S. 7.

[3] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 161.

[4] (1976): Mit den Räubern leben? Kampf um Meinungsfreiheit ist Kampf um Demokratie, in: Lutherische Monatshefte, Nr. 1, S. 8.

[5] (1972): Mitteilung und Herrschaft. Anmerkungen zur Rundfunkpolitik, Darmstadt und Neuwied S. 19.

[6] ‘Rundfunk’ bis zum Eintritt des Fernsehens in Deutschland stets als ‘Hörfunk’ verstanden.

[7] (1972): Mitteilung und Herrschaft, S. 20-21.

[8] Ebd., S. 76; Ähnlich sah dies auch der wohl berühmteste Medienwissenschaftler Marshall Mc Luhen, der davon überzeugt war, „dass jede Technologie oder Ausweitung der menschlichen Möglichkeiten eine neue Umgebung schafft”, zitiert nach: (1998): Ludes, Peter: Einführung in die Medienwissenschaft. Entwicklungen und Theorien, Berlin, S. 81.

[9] Viele der darin beschriebenen Erinnerungen werden allerdings weniger aus der Perspektive des persönlichen Erlebens geschildert, sondern über weite Strecken des Buches erfolgt die Sichtweise mehr aus der Perspektive eines außenstehenden Beobachters, um so gesamtgesellschaftliche und -politische Entwicklungen der jeweiligen Zeit zu verdeutlichen.

[10] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 13-15.

[11] Ebd., S. 14, 17.

[12] Ebd., S. 18-19.

[13] (2003): ohne Autor: Gerne mit jungen Leuten gearbeitet [ein Gespräch mit Harry Pross], in: Heidelberger Stadtblatt Online, Nr. 23 (<http://www.heidelberg.de/stadtblatt/stbl2303/kultur.htm>).

[14] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 23.

[15] Ebd., S. 41.

[16] Vgl. ebd., S. 55.

[17] Ebd., S. 58-59.

[18] Ebd., S. 65 und 95.

[19] Ebd., S. 69.

[20] Ebd., S. 70-71.

[21] Ebd., S. 66.

[22] (2003): Birkenmaier, Werner: Die Suche nach vertiefter Einsicht. Harry Pross hat den deutschen Journalismus maßgeblich geprägt und wird achtzig Jahre alt, in: Stuttgarter Zeitung vom 01.09.2003, o.S..

[23] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 84, 97-98.

[24] Ebd., S. 108.

[25] (2003): ohne Autor: Gerne mit jungen Leuten gearbeitet [ein Gespräch mit Harry Pross].

[26] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 122-123 und S. 134.

[27] (2000): Zeitungsreport: deutsche Presse im 20. Jahrhundert, Weimar, S. 155.

[28] (1997): Kommunikationstheorie für die Praxis, in: Kutsch, Arnulf/ Pöttker, Horst (Hrsg.): Kommunikationswissenschaft - autobiographisch. Zur Entwicklung einer Wissenschaft in Deutschland [Publizistik - Sonderheft 1/1997], Opladen, S. 120-121.

[29] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 134.

[30] Zitiert nach: ebd., S. 134-135.

[31] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 138-139.

[32] (1997): Kommunikationstheorie für die Praxis, S. 122.

[33] Vgl. (1993): Memoiren eines Inländers, S. 160-161; vgl. dazu auch Brief im Anhang, Punkt 3.

[34] Zitiert nach: (1993): Memoiren eines Inländers, S. 161.

[35] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 160-161.

[36] Ebd., S. 212.

[37] Zitat von Pross: „Eckardt machte seine Studentinnen und Studenten zu engagierten Beobachtern ihrer Gesellschaft (...). Hans von Eckardts Ausstrahlung aktivierte Gefühle für das Miteinanderreden.”, in: (1993): Memoiren eines Inländers, S. 157 und 161.

[38] (1949): Nationale und soziale Prinzipien in der Bündischen Jugend. Ein wissens- soziologischer Versuch, Phil. Diss. Universität Heidelberg.

[39] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 124.

[40] (1986): Charakterqualität und Friedenssicherung. Alfred Webers „Freier Sozialismus”, in: Demm, Eberhard (Hrsg.): Alfred Weber als Politiker und Gelehrter [Referate vom ersten Alfred-Weber-Kongress am 28./ 29.10.1984 in Heidelberg], Stuttgart, S. 52.

[41] Ebd., S. 41.

[42] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 188.

[43] Ebd., S. 192.

[44] Ebd., S. 200.

[45] Ebd., S. 233 und 241; (2003): Birkenmaier, Werner: Die Suche nach vertiefter Einsicht.

[46] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 244.

[47] Ebd., S. 252-253.

[48] Ebd., S. 291.

[49] (2004): ohne Autor: zu Harry Pross: <http://www.perlentaucher.de/autoren/1351.html> am 06.01.2004.

[50] (1983): Beth, Hanno (Hrsg.): Feder-Lese: Publizistik zwischen Distanz und Engagement; Harry Pross zum 60. Geburtstag, Berlin, S. 239.

[51] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 295-297.

[52] (1997): Kommunikationstheorie für die Praxis, S. 120.

[53] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 300.

[54] Ebd., S. 298-303.

[55] (1990): Innere Pressefreiheit gegen Signalökonomie, in: Hoffmann, Hilmar/ Klotz, Heinrich (Hrsg.): Die Kultur unseres Jahrhunderts: 1970-1990, Bd. 6, Düsseldorf/ Wien/ New York, S. 204.

[56] Ebd., S. 206.

[57] (1995): Tonnemacher, Jan: Wider die Anpassung, S. 7.

[58] (2003): ohne Autor: Gerne mit jungen Leuten gearbeitet [ein Gespräch mit Harry Pross].

[59] Vgl. (1993): Memoiren eines Inländers, S. 353-354.

[60] Ebd., S. 304.

[61] Ebd., S. 311-312.

[62] Vgl. dazu auch Brief im Anhang, Punkt 2.

[63] (1990): Innere Pressefreiheit gegen Signalökonomie, S. 204.

[64] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 311-312.

[65] Ebd., S. 318-319.

[66] Ebd., S. 341-342.

[67] Ebd., S. 343, (2003): Birkenmaier, Werner: Die Suche nach vertiefter Einsicht.

[68] (1993): Memoiren eines Inländers, S. 353.

[69] „Das ‘Wie’ der Präsentation entscheidet darüber, ‘was’ aufgenommen wird, und ob es früher oder später vergessen wird.”, H.P. zitiert nach: (1990): „Informationsgesellschaft” als globaler Tele-Zoo, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Nr. 1, S. 55.

[70] (1983): Abich, Hans: Ort der Handlung: Radio Bremen. Freilich ein lückenhafter Bericht über die Chefredaktion von 1963 bis 1968, in: Beth, Hanno (Hrsg.): Feder-Lese: Publizistik zwischen Distanz und Engagement; Harry Pross zum 60. Geburtstag, Berlin, S. 240-241.

[71] Vgl. Ebd., S. 247.

[72] Ebd., S. 240-241.

[73] Ebd., S. 246-249.

Ende der Leseprobe aus 129 Seiten

Details

Titel
Harry Pross - Ein Leben für freie Medien und unzensierte Meinungen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,9
Autor
Jahr
2004
Seiten
129
Katalognummer
V123569
ISBN (eBook)
9783640292059
ISBN (Buch)
9783640292110
Dateigröße
1621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Harry, Pross, Leben, Medien, Meinungen
Arbeit zitieren
Magister Artium Sascha Lippmann (Autor), 2004, Harry Pross - Ein Leben für freie Medien und unzensierte Meinungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123569

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