Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich in weiten Teilen Westeuropas ein neuartiger Parteitypus etabliert. Die Rede ist von den neuen rechtspopulistischen Parteien, die in vielen Ländern Westeuropas beachtliche Wahlerfolge erzielen konnten. Diese Hausarbeit befasst sich mit den beiden rechtspopulistischen Parteien Österreichs, der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und mit deren Abspaltung, dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Zunächst werde ich den Begriff des Rechtspopulismus einer genaueren Bestimmung unterziehen. Dem Leser soll auf diese Weise eine möglichst genaue Begriffsdefinition und die Merkmalsausprägungen des rechten Populismus zur Verfügung gestellt werden. Im weitern Schritt werde ich das österreichische Parteiensystem genauer untersuchen. Dafür werde ich dieses unter anderem mit Hilfe der Parteiensystemeigenschaften von Sartori (1976) genauer betrachten.
Um wechselnde Koalitionen und die wechselnde Anzahl der Parteien im österreichischen Nationalrat besser verstehen zu können, werde ich im folgenden Kapitel einen Überblick über die junge Historie der FPÖ und des BZÖ geben. Anschließend sollen die aktuellen Programme der beiden Parteien zunächst analysiert und danach miteinander verglichen werden. Dieser Vergleich erscheint besonders interessant, da die meisten der heutigen BZÖ Funktionäre ehemals Funktionen in der „Mutterpartei“ inne hatten und diese im Jahr 2005 auf Grund der Abspaltung verlassen haben.
In meiner Arbeit werde ich mich fast ausschließlich auf die neuen Programme der FPÖ stützen. Ein historischer Vergleich erscheint auf Grund der kurzen Existenz des BZÖ nicht sinnvoll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition und Merkmalsausprägungen des Rechtspopulismus
2.1 Historische Entwicklung des Rechtspopulismus
2.2 Unterscheidung zwischen linkem und rechtem Populismus
2.3 Entstehungshintergrund und Merkmalsausprägungen des Rechtspopulismus
3. Das Österreichische Parteiensystem
3.1 Merkmale des Parteiensystems nach Giovanni Sartori
3.2 Anwendung auf das österreichische Parteiensystem
4. Geschichte der Freiheitlichen Partei Österreichs und des Bündnis Zukunft Österreich
5. Programmatische Ausrichtungen der FPÖ und des BZÖ
5.1 Die programmatische Ausrichtung der Freiheitlichen Partei Österreichs
5.2 Die programmatische Ausrichtung des Bündnis Zukunft Österreich
5.3 Programmatischer Vergleich der FPÖ und des BZÖ
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Aufstieg und die programmatische Ausrichtung der beiden rechtspopulistischen Parteien Österreichs, FPÖ und BZÖ, vor dem Hintergrund des sich wandelnden österreichischen Parteiensystems. Ziel ist es, die Gründe für ihren Erfolg zu analysieren, ihre Rhetorik zu durchleuchten und einen direkten Vergleich ihrer politischen Programme zu ziehen.
- Analyse des Rechtspopulismusbegriffs und seiner Merkmalsausprägungen
- Untersuchung des österreichischen Parteiensystems nach Sartori
- Historischer Überblick über die Entwicklung von FPÖ und BZÖ
- Vergleich der aktuellen Parteiprogramme und politischen Strategien
- Rolle von Führungspersönlichkeiten und populistische Rhetorik
Auszug aus dem Buch
2.2 Unterscheidung zwischen linkem und rechtem Populismus
Klein und Schubert definieren Populismus allgemein als „eine Politik, die sich volksnah gibt, die Emotionen, Vorurteile und Ängste der Bevölkerung für eigene Zwecke nutzt und vermeintlich einfache und klare Lösungen für politische Probleme anbietet.“ Nun muss allerdings zwischen linkem und rechtem Populismus unterschieden werden. So ist der Populismus keine ausschließliche Erscheinung des rechten Randes des Parteiensystems. Es ist zu beachten, dass es zwar zwischen links- und rechtspopulistischen Parteien eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten gibt, die sich jedoch meist nur auf formalen und weniger auf inhaltlichen Gebieten manifestiert. So lassen sich bei der Technik der Wähleransprache ebenso wie bei dem Aufbau und der Funktionsweise populistischer Parteien Ähnlichkeiten erkennen, egal wo sie auf dem Links-Rechts-Kontinuum zu verorten sind.
In den westeuropäischen Demokratien finden wir jedoch vor allem starke Rechtspopulisten. Die meisten dieser Politiker betraten in den 1980er und 1990er Jahren die politische Bühne. Neben Jörg Haider, waren dies unter anderem Jean Marie Le Pen in Frankreich, Umberto Bossi in Italien, Christoph Blocher in der Schweiz, Filip Dewinter in Belgien, Silvio Berlusconi in Italien und Paulo Portas in Portugal. Ausnahmen bilden Ronald Schill, der im Jahr 2000 die Partei Rechtsstaatliche Offensive gründete und Pim Fortuyn, der ebenfalls Anfang des 21. Jahrhunderts politisch aktiv wurde und die Spitzenkandidatur der niederländischen Leefbaar Nederland übernahm. Allen diesen Parteien ist gemein, dass es sich um rechtspopulistische Parteien handelt. Empirisch lässt sich also für Westeuropa festhalten, dass vor allem die Rechtspopulisten Erfolge erzielen konnten. Decker sieht zudem eine stärkere ideologische Neigung zum Populismus bei den rechten Parteien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der rechtspopulistischen Parteien in Österreich (FPÖ und BZÖ) ein und skizziert den methodischen Ansatz sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Begriffsdefinition und Merkmalsausprägungen des Rechtspopulismus: Dieses Kapitel definiert den Populismusbegriff, differenziert zwischen linken und rechten Ausprägungen und analysiert den Entstehungshintergrund sowie zentrale Merkmale moderner rechtspopulistischer Parteien.
3. Das Österreichische Parteiensystem: Hier wird das österreichische Parteiensystem theoretisch anhand der Kriterien von Sartori untersucht und auf die spezifischen Entwicklungen in Österreich angewandt.
4. Geschichte der Freiheitlichen Partei Österreichs und des Bündnis Zukunft Österreich: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung beider Parteien mit Fokus auf die prägende Rolle von Jörg Haider und die Abspaltung des BZÖ.
5. Programmatische Ausrichtungen der FPÖ und des BZÖ: Hier werden die Parteiprogramme von FPÖ und BZÖ detailliert analysiert und anschließend miteinander vergleichend gegenübergestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle der beiden rechtspopulistischen Parteien innerhalb des österreichischen Parteiensystems.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, FPÖ, BZÖ, Österreichisches Parteiensystem, Jörg Haider, Parteiprogramme, Politische Rhetorik, Wahlverhalten, Parteienlandschaft, Europäische Union, Zuwanderung, Modernisierungsverlierer, Sozialer Protest, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung, die Rhetorik und die programmatischen Inhalte der rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ im Kontext des österreichischen Parteiensystems.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören der Populismusbegriff, die Geschichte der Parteien, der Einfluss von Führungspersönlichkeiten wie Jörg Haider sowie inhaltliche Positionen zu Themen wie Zuwanderung, Kriminalität, EU und Familienpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gründe für den Erfolg dieser Parteien in Österreich zu verstehen und die inhaltlichen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in deren Parteiprogrammen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das Parteiensystemmodell nach Giovanni Sartori, einer Analyse von Wahlprogrammen sowie einer historischen Untersuchung der Parteientwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine systemische Betrachtung des österreichischen Parteiengefüges, eine historische Aufarbeitung der FPÖ/BZÖ-Entwicklung sowie einen detaillierten programmatischen Vergleich.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Analyse ist geprägt von Begriffen wie Rechtspopulismus, Parteienwettbewerb, Konfliktlinien (Cleavages), Führungspersönlichkeit und politische Entfremdung.
Warum war die Abspaltung des BZÖ im Jahr 2005 von solch großer Bedeutung?
Die Gründung des BZÖ spaltete das rechtspopulistische Lager und veränderte die Regierungsbeteiligungen sowie das innerparteiliche Machtgefüge der FPÖ grundlegend.
Inwiefern beeinflusste Jörg Haider die inhaltliche Ausrichtung beider Parteien?
Haider prägte durch seinen persönlichen Führungsstil und die aggressive Oppositionspolitik sowohl die FPÖ als auch nach der Abspaltung das BZÖ maßgeblich, wobei er maßgeblich die inhaltliche Agenden bestimmte.
Wie unterscheidet sich die programmatische Tiefe von FPÖ und BZÖ?
Laut der Analyse verfügen die Freiheitlichen über deutlich detailliertere und umfangreichere Programmdokumente, während das BZÖ mit seinen Positionen in der Programmatik oft oberflächlicher wirkt.
Welches Fazit zieht der Autor zur "Entzauberung" der Rechtspopulisten?
Der Autor argumentiert, dass die Rechtspopulisten in Regierungsverantwortung teils dramatisch an Glaubwürdigkeit verloren haben, was die Regierungsbildung für die traditionellen Parteien (Große Koalition) vor schwierige Herausforderungen stellt.
- Citation du texte
- Daniel Kipper (Auteur), 2009, Die FPÖ und das BZÖ vor dem Hintergrund des österreichischen Parteiensystems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123585