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Der Mensch als Maß der Dinge - von Vitruv bis Le Corbusier

Title: Der Mensch als Maß der Dinge - von Vitruv bis Le Corbusier

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Corinna Schultz (Author)

Art - Overall Considerations
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Dass der Mensch seine Gestalt, sein Denken, Fühlen und Handeln auf andere Dinge überträgt, ob nun auf abstrakte oder direkte Art und Weise, scheint ein ur-menschliches Vorgehen zu sein. Anthropomorphe Vorstellungen sind in der abendländischen Kultur zu allen Zeiten auffindbar. In der Sprache, der Literatur, in politischen Theorien, in der Philosophie, der Theologie und der bildenden Kunst treten diese Grundmuster menschlichen Denkens auf. Je weiter man schließlich „zeitlich zurückgeht, desto mehr Anthropomorphismen sind zu finden, ebenso mehr irrtümliche Erklärungen. Ihre außerordentliche Verbreitung verdankt die Menschenanalogie wohl dem Verfahren, unbekannte neue Dinge oder auf andere Weise Unsagbares durch etwas Vertrautes auszudrücken, in einer Metapher also – nichts liegt näher, als dabei auf den menschlichen Körper zurückzugreifen.“(1)
Ein Maß- und Proportionssystem auf der Grundlage des menschlichen Körper zu entwickeln durchzieht die gesamte Entwicklung der Künste, sowohl Architektur und Malerei als auch die Bildhauerei. Die im folgenden besprochenen Künstler und Architekten sollen zeitbezogene Beispiele dafür geben, wie mit dem Gedanken, den Mensch als das Maß aller Dinge einzusetzen, umgegangen wird.
(1)Frings, 1998. S.11.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Mensch als Maß

2. Vitruv und die Architekturtheorie

3. Die Symbolik des menschlichen Körpers im Mittelalter

4. In der Renaissance

4.1. Leon Battista Alberti

4.2. Leonardo da Vinci

4.3. Albrecht Dürer und die ideale Schönheit in der deutschen Renaissance

4.4. Giorgione und die Malerei

5. Das 17., 18. und 19. Jahrhundert

6. Le Corbusier und der Mensch in der Moderne

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den historischen Wandel der anthropomorphen Auffassung in der Kunst und Architektur, wobei der Mensch als Maßstab aller Dinge von der Antike über die Renaissance bis hin zum 20. Jahrhundert beleuchtet wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Bedeutung mathematischer Proportionssysteme, die aus menschlichen Körpermaßen abgeleitet wurden, und deren Einfluss auf ästhetische sowie konstruktive Prinzipien in verschiedenen Epochen.

  • Die architekturtheoretische Relevanz von Vitruvs „De architectura“.
  • Die symbolische und geometrische Einbindung des menschlichen Körpers in mittelalterliche Bauformen.
  • Die mathematische Anthropozentrik und der Proportionskanon in der Renaissance (Alberti, da Vinci, Dürer).
  • Der Übergang von anthropomorphen Metaphern zu technischer Präzision im 19. Jahrhundert.
  • Le Corbusiers „Modulor“ als moderne Synthese aus menschlichem Maß und industrieller Standardisierung.

Auszug aus dem Buch

4.2. Leonardo da Vinci

Beispielhaft für die anthropozentrische Weltsicht der mit der Renaissance beginnenden Neuzeit tritt die Vitruvische Proportionszeichnung von Leonardo da Vinci hervor. In ihr setzt er den Menschen in seiner körperlichen Beschaffenheit ins Zentrum und verkörpert damit den Maßstab für ein neues Ordnungssystem. Für die malerische Umsetzung benutzt der Künstler Feder mit brauner Tinte, Silberstift und etwas Wasserfarbe am Kopf und an den Händen. Die Zeichnung zeigt den homo ad circulum und den homo ad quadratum, basierend auf den Erläuterungen Vitruvs in seinen De architectura libri decem. Die stehende Figur berührt mit ihren ausgestreckten Armen, dem Kopf und beiden Füßen alle vier Seiten des Quadrats. Weiterhin bilden die Spitzen der Hände und die leicht gespreizten Beine Punkte auf dem Kreisbogen. Während sich das Zentrum des Quadrats in der Scham des Mannes befindet, liegt der Mittelpunkt des Kreises im Nabel: „Nach zahlreichen Vorstudien bemüht sich Leonardo in seiner um 1490 entstandenen Zeichnung dann um eine naturnahe Umsetzung des vitruvianischen Kanons, den er auch korrigiert.“ Laut Vitruv beträgt die Länge des Fußes 1/6 der Körperhöhe von der Fußsohle bis zum Scheitel. Leonardo hingegen zeichnet den Fuß 1/7 der Gesamtlänge des Menschen, wahrscheinlich weil diese Lösung ästhetisch befriedigender ausfällt. Die Entfernung von der Linie der Brustwarzen bis zum Scheitel verändert er in 1/4 der Gesamthöhe. Jenen Relativierungen gehen eine große Anzahl von Studien und eigenhändigen Messungen voraus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Mensch als Maß: Dieses Kapitel führt in die grundlegende Tendenz der Menschheit ein, die eigene körperliche Gestalt als Metapher und Maßstab zur Strukturierung von Weltbildern und Proportionslehren zu nutzen.

2. Vitruv und die Architekturtheorie: Es wird die fundamentale Bedeutung von Vitruvs Traktat für die Architekturtheorie sowie die Etablierung des menschlichen Körpers als Modul für symmetrisches Bauen dargelegt.

3. Die Symbolik des menschlichen Körpers im Mittelalter: Dieses Kapitel thematisiert die christlich geprägte Deutung von Kirchenbauten, bei der der menschliche Körper, insbesondere in seiner Analogie zum gekreuzigten Christus, als Symbol für die Architektur dient.

4. In der Renaissance: Hier wird der Wandel zu einem anthropozentrischen Weltbild beschrieben, in dem mathematische Präzision und die Wiederentdeckung antiker Kanons die Kunst und Architektur bestimmen.

4.1. Leon Battista Alberti: Alberti wird als einer der ersten Theoretiker eingeführt, der Architektur als intellektuelle Disziplin begründete und das Gebäude konsequent als analogen Organismus betrachtete.

4.2. Leonardo da Vinci: Dieses Kapitel analysiert Leonardos bahnbrechende Proportionsstudien und seine kritische Weiterentwicklung des vitruvianischen Kanons unter dem Aspekt der Ästhetik.

4.3. Albrecht Dürer und die ideale Schönheit in der deutschen Renaissance: Dürers Suche nach einem wissenschaftlich fundierten Kanon und die zunehmende Spannung zwischen mathematischer Konstruktion und künstlerischer Freiheit stehen hier im Zentrum.

4.4. Giorgione und die Malerei: Es wird untersucht, wie Vitruvianische Proportionen explizit in der Hochrenaissance-Malerei, etwa bei der „Schlummernden Venus“, zur Idealisierung des weiblichen Aktes angewendet wurden.

5. Das 17., 18. und 19. Jahrhundert: Das Kapitel beschreibt den Übergang zu einem naturwissenschaftlich-mathematischen Verständnis, bei dem Anthropomorphismen als Begründungsmuster zunehmend zugunsten reiner Rechenmodelle an Bedeutung verlieren.

6. Le Corbusier und der Mensch in der Moderne: Dieses Kapitel behandelt den „Modulor“ als Versuch, im 20. Jahrhundert eine Brücke zwischen menschlichem Maß, mathematischer Harmonie und den Anforderungen der industriellen Massenfertigung zu schlagen.

7. Zusammenfassung: Die Kernaussagen über den dauerhaften Einfluss vitruvianischer Lehren und die Entwicklung des anthropomorphen Vergleichs von der Antike bis zur Moderne werden reflektiert.

Schlüsselwörter

Anthropomorphismus, Vitruv, Proportionslehre, Architekturtheorie, Renaissance, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Le Corbusier, Modulor, Symmetrie, Goldener Schnitt, Maßsystem, Kunstgeschichte, Humankörper, Idealschönheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Geschichte und die theoretische Entwicklung des Konzepts „Der Mensch als Maß aller Dinge“ in der Kunst und Architektur von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen Proportionslehren, die Analogie zwischen menschlichem Körper und architektonischem Bauwerk sowie die Evolution mathematischer Berechnungsmethoden in der Gestaltung.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Künstler und Architekten über Epochen hinweg den menschlichen Körper nutzten, um Harmonie, Schönheit und funktionale Maße in ihre Werke zu integrieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer kunsthistorischen Analyse von Architekturtraktaten, zeitgenössischen Schriften sowie der Untersuchung spezifischer künstlerischer Werke und deren Entstehungsgeschichte.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die Vitruv, die mittelalterliche Symbolik, die Renaissance-Theoretiker wie Alberti und Dürer, die Transformation im 19. Jahrhundert und Le Corbusiers Moderne beleuchten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Anthropomorphismus, Vitruvianische Proportionen, Modulor und die Wechselwirkung von Mikrokosmos und Makrokosmos charakterisiert.

Warum wird der „homo vitruvianus“ als entscheidend für die Renaissance angesehen?

Er dient als visuelle Manifestation des neuen anthropozentrischen Weltbildes, in dem der Mensch als Zentrum der geometrischen Ordnung und damit als Maßstab für die Architektur verstanden wurde.

Inwiefern unterscheidet sich Le Corbusiers „Modulor“ von früheren Proportionssystemen?

Der Modulor integriert erstmals den menschlichen Maßstab konsequent in die Bedürfnisse einer modernen industriellen Standardisierung und Serienfertigung, während er gleichzeitig auf mathematischen Prinzipien wie dem Goldenen Schnitt basiert.

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Details

Title
Der Mensch als Maß der Dinge - von Vitruv bis Le Corbusier
College
Dresden Technical University  (Philosophische Fakultät - Institut für Kunst- und Musikwissenschaft)
Course
Mathematik und Kunst - Über den Einfluß mathematischer Innovation auf die Kunst
Grade
1,3
Author
M.A. Corinna Schultz (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V123776
ISBN (eBook)
9783640292073
ISBN (Book)
9783640292134
Language
German
Tags
Mensch Dinge Vitruv Corbusier
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Corinna Schultz (Author), 2007, Der Mensch als Maß der Dinge - von Vitruv bis Le Corbusier, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123776
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