Im Zentrum dieser Arbeit steht die Erforschung der CI hinsichtlich der Förderung der individuellen Körperintelligenz.
Über die geschichtliche Verortung der CI wird im ersten Kapitel die Tanzform in den historischen Kontext des Modernen Tanzes eingebunden. Anschließend werden im zweiten Kapitel Merkmale des Begriffes Körperintelligenz herausgearbeitet. Sie geben aufschlussreiche Informationen über die Funktionsweisen des sich bewegenden Körpers und bilden gleichzeitig die Grundlage, auf der die abschließende empirische Studie aufgebaut ist. Die Grundprinzipien der CI werden im dritten Kapitel vorgestellt und mit Hilfe einer theoretischen Gegenüberstellung der Körperintelligenzmerkmale erste theoretische Zusammenhänge formuliert. Über eine empirische Untersuchung werden im vierten Kapitel CI Tänzer aus den Bereichen Freizeit, Pädagogik und Kunst in der Praxis befragt und die Ergebnisse abschließend mit den theoretischen Erkenntnissen ausgewertet und verglichen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Die Geschichte des Modernen Tanzes
1.1 Die Pionierinnen des Modernen Tanzes
1.1.1 Loїe Fuller
1.1.2 Isadora Duncan
1.1.3 Ruth St. Denis
1.2 Die 2. Generation
1.2.1 Der klassische Modern Dance
1.2.2 Die späte Phase des Modern Dance
1.3 Der Postmodern Dance
1.3.1 Anna Halprin
1.3.2 Judson Dance Theater
1.3.3 Grand Union
1.4 Die Entwicklung der Contact Improvisation
1.4.1 Steve Paxton
1.4.2 Die Entstehung der Contact Improvisation
1.5 Der zeitgenössische Tanz
1.5.1 William Forsythe
1.5.2 Meg Stuart
1.5.3 Xavier le Roy
1.6 Zusammenfassung
2. Die Körperintelligenz
2.1 Die Körperintelligenz in der Literatur
2.2 Körperstrukturen
2.2.1 Der Organismus
2.2.2 Das Skelett
2.2.3 Die Muskulatur
2.2.4 Das Nervensystem
2.2.5 Das Gehirn und das Rückenmark
2.2.6 Die Sinne
2.3 Der physiologische Körper
2.3.1 Die natürliche Bewegung
2.3.2 Bewegungsökonomie
2.3.3 Physikalische Kräfte
2.3.4 Bewegungsdynamik
2.4 Der lernende Körper
2.4.1 Die frühkindliche Entwicklung
2.4.2 Neue Bewegungen lernen
2.4.3 Das Gedächtnis
2.4.4 Bewegungskoordination
2.4.5 Sensibilisierung
2.5 Zusammenfassung
3. Die Contact Improvisation
3.1 Die Körperintelligenz in der Contact Improvisation
3.1.1 Begriffliche Unterscheidung von Bewusstsein und Bewusstheit
3.1.2 Der Forschungsansatz von Steve Paxton
3.1.3 Körperlich-geistige Befindlichkeitsebenen
3.1.4 Der reagierende Körper
3.1.5 Das Vertrauen in den reagierenden Körper
3.2 Strukturen der Contact Improvisation
3.2.1 Der Kontakt
3.2.2 Improvisation in der Contact Improvisation
3.2.3 Das Spiel mit der Gewichtskraft im physikalischen Kraftfeld
3.2.4 Bewegungsfluss
3.3 Arbeitsweisen
3.3.1 „Jam“ – „Focus Jam“ – „Round Robin“
3.3.2 Analyse einer Unterrichtseinheit
3.3.3 Künstlerische Arbeitsformen
3.4 Vergleichende Betrachtung
3.5 Zusammenfassung
4. Untersuchung der Contact Improvisation in der Praxis
4.1 Überblick
4.2 Befragung
4.3 Planung
4.4 Durchführung
4.4.1 Wahl und Einteilung der befragten Personen
4.4.2 Fragebogenerstellung
4.4.3 Aufarbeitung der Daten
4.5 Auswertung
4.6 Resümee
4.7 Zusammenfassung
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit erforscht die Contact Improvisation (CI) mit dem Ziel, ihren Beitrag zur Förderung der individuellen Körperintelligenz wissenschaftlich zu untermauern. Dabei steht die Forschungsfrage im Zentrum, inwiefern durch die CI physiologische und anatomische Körperprozesse sowie eine spezifische Bewegungsintelligenz entwickelt und geschult werden können.
- Historische Herleitung der Contact Improvisation aus dem Modernen und Postmodernen Tanz
- Theoretische Bestimmung und Strukturierung des Begriffs Körperintelligenz
- Analyse der physiologischen Grundlagen (Nervensystem, Sinne, Motorik) in der Bewegung
- Untersuchung der CI-Strukturen (Kontakt, Gewichtskraft, Improvisationsprinzipien)
- Empirische Untersuchung mittels Befragung von CI-Praktizierenden aus verschiedenen Wirkungsfeldern
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Der Forschungsansatz von Steve Paxton
Mit den ersten Versuchen, aus denen die CI 1972 hervorging, war Steve Paxton auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Funktionsweisen der Bewusstheit auf körperlicher Ebene näher zu erforschen. Um seinen Studenten die Verbindung zwischen Bewusstheit und Körper deutlich zu machen, benutzte er anfangs einfache Grundübungen. In der Übung „the stand“ standen die Studenten mit geschlossenen Augen im Raum verteilt und beobachteten ihre inneren Bewegungen. Paxton nutzte die Kraft der Vorstellung, wie imaginär einen Schritt aus dem Körper zu treten, um sie spüren zu lassen, welch klare Verbindung es zwischen dem Körper und der Bewusstheit gab. Durch die Vorstellungsübung bewegten sich die Studenten innerlich an einen Ort, der von außen nicht sichtbar, aber trotzdem Wirklichkeit war.
What gets exercised in there inside the standing body, is the habit of observation; a noticeable movement of consciousness through the body. [...] It clearly seems to be one sub-system, consciousness, examining others.
Inspiriert von den Bewegungserfahrungen, die Paxton in seinem Aikido Studium gewonnen hatte, wollte er vor allem die Bewusstheit während körperlicher Reflexreaktionen näher untersuchen, da diese in Gefahrensituationen normalerweise außerhalb der Bewusstheit und unterhalb des Bewusstseins, als blinder Fleck, in der Erinnerung blieben. Er vermutete, dass Bewusstheit und Bewusstsein verschwinden würden, wenn eine Reaktion erforderlich war, die sehr schnell sein musste. Dann würde der Körper die schützenden Reflexe einsetzen, die sonst im Unterbewusstsein mitarbeiteten. An diesem Punkt setzten seine Forschungsfragen an:
Could the consciousness learn to see these gaps of awareness? Or, if not, could it at least learn to observe reflexive action calmly during the highly adrenalized moments?
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Einführung in das Thema, die Forschungsfrage zur Förderung der individuellen Körperintelligenz durch Contact Improvisation sowie methodisches Vorgehen der Arbeit.
1 Die Geschichte des Modernen Tanzes: Historische Einordnung der Contact Improvisation in den Kontext des Modernen Tanzes und des Postmodern Dance.
2. Die Körperintelligenz: Theoretische Herleitung und Bestimmung der Körperintelligenz basierend auf anatomischen und physiologischen Strukturen.
3. Die Contact Improvisation: Detaillierte Darstellung der Grundstrukturen, Arbeitsweisen und Prinzipien der Contact Improvisation.
4. Untersuchung der Contact Improvisation in der Praxis: Beschreibung der empirischen Untersuchung, der Befragung von CI-Anwendern und der Auswertung der Ergebnisse.
5 Schlussbemerkung: Zusammenfassendes Fazit der Arbeit und Reflexion über das Potenzial der Contact Improvisation für das Verständnis des intelligenten Körpers.
Schlüsselwörter
Contact Improvisation, Körperintelligenz, Modern Dance, Postmodern Dance, Bewegungsanalyse, Sensomotorik, Körperwahrnehmung, Neuromuskuläres System, Bewegungsökonomie, Reflexe, Empowerment, Tanzpädagogik, Körperstruktur, Schwerkraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Tanzform Contact Improvisation und deren Potenzial, die individuelle Körperintelligenz eines Tänzers zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft tanzhistorische Grundlagen mit anatomisch-physiologischen Erkenntnissen über den menschlichen Körper und untersucht diese anhand der speziellen Praxis der Contact Improvisation.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Hauptziel ist es, einen wissenschaftlichen Rahmen zu schaffen, um die Erfahrungen der Praxis – also die Wirkung der Contact Improvisation auf den Körper – theoretisch zu fundieren und empirisch zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet einen zweistufigen Ansatz: eine theoretische Literaturrecherche zur Begriffsbestimmung von Körperintelligenz und eine empirische, teil-standardisierte Befragung von CI-Tänzern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Modernen Tanzes, eine umfassende Untersuchung anatomischer und physiologischer Grundlagen des Körpers sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den spezifischen Techniken und Strukturen der Contact Improvisation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff Contact Improvisation stehen Körperintelligenz, Bewegungsökonomie, Sensomotorik und die Analyse von Körperstrukturen im Mittelpunkt.
Wie definiert der Autor das Konzept der Körperintelligenz in der CI?
Körperintelligenz wird als eine eigenständige, sinnhafte Handlungsfähigkeit des Körpers verstanden, die über reflexives Bewegungswissen und ein Bewegungsgedächtnis verfügt und ohne bewusste willentliche Steuerung reagieren kann.
Welche Rolle spielt die Schwerkraft in den untersuchten Bewegungsabläufen?
Die Schwerkraft dient in der Contact Improvisation als konstante Bezugsgröße, die über den Bodenkontakt und Partnerkontakt genutzt wird, um Bewegungen ökonomisch und "im Fluss" zu gestalten, anstatt sie rein muskulär erzwingen zu müssen.
Wie unterscheidet sich die im Anhang beschriebene Methodik vom ursprünglichen Plan?
Aufgrund der Erkenntnisse aus der Schreibphase wurden die Fragen des Fragebogens teils umstrukturiert, um die Auswertung bezüglich der verschiedenen Körperintelligenzmerkmale klarer und transparenter zu gestalten.
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- Dipl. Kultur und Medien Pädagogin Marion Glöggler (Author), 2008, Contact Improvisation im Spannungsfeld zwischen Tanzkunst und Alltagsbewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123791