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Johann Nestroy - Editionsgeschichte

Title: Johann Nestroy - Editionsgeschichte

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Antje Wulff (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Vierzig Jahre lang war der gebürtige Wiener Johann Nestroy als Dramatiker, Schauspieler und zeitweise auch Theaterdirektor tätig. In dieser Zeit spielte er etwa 880 Rollen und schrieb einschließlich aller Fragmente und fremder Bearbeitungen 91 Stücke.Seine Possen knüpften an die Traditionen des Wiener Volkstheaters an und entwickelten diese erfolgreich weiter. Als wesentliche Neuerungen erschienen sein parodistischer Stil und die hintersinnigen Bezugnahmen auf die soziale Wirklichkeit Wiens. Beim zeitgenössischen Publikum verhalf ihm das zu großer Popularität – einer Popularität allerdings, die auf die Bühnenaufführungen beschränkt blieb. Theaterstücke, und noch dazu solche mit Lokalkolorit, galten gemeinhin als wenig beständige „leichte“ Ware ohne literarischen Anspruch; einer ernsthaften wissenschaftlichen Betrachtung wurden sie daher lange Zeit nicht für würdig befunden. Ebenso wenig dachte man daran, Buchausgaben herauszubringen – nur 17 von Nestroys Stücken erschienen zu seinen Lebzeiten im Druck. Die schriftliche Fixierung eines Bühnentexts ist freilich immer ein komplexes Unterfangen, da dieser unweigerlich eine Mittelstellung zwischen literarischem Werk und szenischem Spiel, zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit einnimmt. Das findet nicht nur in der erwähnten akademischen Abwertung seinen Niederschlag, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Textbestands selbst, der den Produktionsprozessen des Theaterbetriebs unterworfen ist. Eine Edition solch „geschriebene[r] Schauspielkunst“ wird daher, je nach Ziel und Schwerpunktsetzung, eine Reihe zusätzlicher Aspekte zu berücksichtigen haben. Besagte Schwerpunktsetzung hängt allerdings vielfach vom gerade aktuellen Bild des zu edierenden Autors ab – ein Phänomen, das angesichts der äußerst wechselvollen Rezeption des Nestroyschen Œuvres in diesem Fall besonders ins Gewicht fallen könnte. Ob das so ist, nach welchen Kriterien Nestroy generell ediert wurde und welche editorischen Konsequenzen seine Herausgeber aus dem speziellen Status seiner Stücke gezogen haben, soll im Folgenden am Beispiel der drei vorliegenden Nestroy-Gesamtausgaben untersucht werden. In separaten Kapiteln wird hierfür ihre jeweils unterschiedliche Anlage, Struktur und Motivation analysiert und ausgewertet. Da Nestroys Arbeitsweise im Kontext der Schaffensbedingungen des Wiener Volkstheaters sowie die teils unerfreuliche Überlieferungsgeschichte seines Nachlasses die Grundkonstanten aller Nestroyforschung und -edition darstellen, werden auch sie zunächst ausführlich referiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nestroys Werk: Entstehung und Überlieferung

3. Nestroy-Editionen

3.1 Vincenz Chiavacci und Ludwig Ganghofer: Johann Nestroys Gesammelte Werke

3.2 Fritz Brukner und Otto Rommel: Johann Nestroy. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe

3.3 Jürgen Hein und Johann Hüttner: Johann Nestroy. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Editionsgeschichte der Werke von Johann Nestroy, indem sie drei wesentliche Gesamtausgaben hinsichtlich ihrer editorischen Anlage, Struktur und Motivation analysiert und bewertet. Im Fokus steht dabei die Frage, wie der Wandel in der wissenschaftlichen Rezeption und der editorischen Theorie die editorische Praxis beeinflusst hat.

  • Entstehung und Überlieferungsgeschichte des Nestroy-Nachlasses
  • Analyse der Edition von Chiavacci und Ganghofer (1890/91)
  • Untersuchung der historisch-kritischen Gesamtausgabe von Brukner und Rommel (1924-1930)
  • Evaluation der historisch-kritischen Ausgabe von Hein und Hüttner (ab 1977)
  • Wechselwirkung zwischen Theaterpraxis und wissenschaftlichem Editionsanspruch

Auszug aus dem Buch

2. Nestroys Werk: Entstehung und Überlieferung

Nestroy schrieb seine Stücke in der Regel in kürzester Zeit für die Aufführung nieder. Dazu wählte er zunächst eine – oder gelegentlich auch mehrere – Vorlagen aus, die er dann für die Wiener Bühne entsprechend bearbeiten und umgestalten konnte. Noch sind zwar nicht alle diese Vorlagen identifiziert, es ist aber davon auszugehen, dass Nestroy für keines seiner Stücke einen eigenen Stoff erfunden hat. Als Quellen dienten ihm überwiegend Texte der Unterhaltungs- und Trivialliteratur aus dem deutsch-, französisch- und englischsprachigen Raum, wobei er sich zu fremdsprachigen Texten gewöhnlich Übersetzungen anfertigen ließ. Die Aneignung der Quellen verlief oft über mehrere Stufen. So sind von Nestroy erstellte Inhaltsskizzen und Nacherzählungen überliefert, die er selbst als „Plan“, „Programm“, „Hauptmomente“ oder „Benützung“ bezeichnete. Auch finden sich am Rand von Vorlagenübersetzungen bereits erste Notizen und Anmerkungen. Auf Basis solcher Vorarbeiten fertigte der Autor meist ein bis zwei sogenannte Szenarien oder Entwurfszenen an, die den Stoff in Akte und Szenen einteilen und angeben, an welchen Stellen Couplets und Quodlibets einzufügen sind. Als Rollen-Namen sind in diesem Bearbeitungsstadium häufig die Namen der jeweils vorgesehenen Schauspieler eingesetzt, zum Teil ist aber auch schon das endgültige Personenverzeichnis enthalten. Überhaupt gehen in den Szenarien Entwurf und Reinschrift vielfach ineinander über, nicht selten stehen am Blattrand der Entwurfszenen bereits die fertigen Dialoge einschließlich (Sofort-)Korrekturen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Johann Nestroy als Dramatiker ein und skizziert die Problematik der editorischen Fixierung von Theatertexten, die eine Mittelstellung zwischen literarischem Werk und szenischer Aufführung einnehmen.

2. Nestroys Werk: Entstehung und Überlieferung: Dieses Kapitel erläutert den Schreibprozess Nestroys, von der Vorlagenwahl bis zur Reinschrift, und schildert die abenteuerliche, teils durch Zersplitterung und Vandalismus geprägte Überlieferungsgeschichte seines Nachlasses.

3. Nestroy-Editionen: Dieser Hauptteil analysiert die drei zentralen Gesamtausgaben des Nestroy-Werks, arbeitet deren unterschiedliche editorische Ansätze heraus und beleuchtet die kritische Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umsetzung.

3.1 Vincenz Chiavacci und Ludwig Ganghofer: Johann Nestroys Gesammelte Werke: Die Zusammenfassung dieses Kapitels zeigt, dass die Herausgeber einen eher pragmatischen Ansatz verfolgten, bei dem die Bühnenwirksamkeit im Vordergrund stand und ein „Gebrauchsbuch“ für Theater geschaffen werden sollte.

3.2 Fritz Brukner und Otto Rommel: Johann Nestroy. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe: Hier wird dargelegt, wie die Herausgeber unter dem Einfluss von Karl Kraus den Autorwillen in den Mittelpunkt stellten, dabei jedoch einen idealisierten Mischtext schufen, der heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen nur bedingt genügt.

3.3 Jürgen Hein und Johann Hüttner: Johann Nestroy. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe: Dieses Kapitel stellt die moderne, kontextorientierte Edition vor, die durch ein ausgefeiltes editionswissenschaftliches Instrumentarium eine objektivere Dokumentation der Textgenese anstrebt.

4. Schluss: Der Schluss fasst die Entwicklung der Nestroy-Editionen zusammen und verdeutlicht, wie sich der editorische Fokus von einer subjektiven, bühnenorientierten Betrachtung hin zu einer kontextbezogenen wissenschaftlichen Standardedition gewandelt hat.

Schlüsselwörter

Johann Nestroy, Editionsgeschichte, historisch-kritische Ausgabe, Wiener Volkstheater, Theaterpraxis, Überlieferung, Manuskript, Textgenese, Autorwille, Karl Kraus, Dramaturgie, Szenarien, Possen, Textkritik, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Editionsgeschichte der Werke von Johann Nestroy und der Frage, wie Herausgeber über mehr als ein Jahrhundert hinweg mit Nestroys Nachlass umgegangen sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die editorische Methodik, der Einfluss von Theaterpraxis auf den Textbestand sowie die Entwicklung wissenschaftlicher Standards bei der Edition dramatischer Texte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Anlage, Struktur und Motivation dreier großer Nestroy-Gesamtausgaben zu vergleichen und aufzuzeigen, wie diese Ausgaben den Wandel in der Wahrnehmung Nestroys widerspiegeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die editionsphilologische Prinzipien nutzt, um die Vorgehensweise der Herausgeber kritisch zu evaluieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Ausgaben von Chiavacci/Ganghofer, Brukner/Rommel sowie Hein/Hüttner unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Stärken und Mängel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Editionsgeschichte, Nestroy, Textgenese, Manuskripttreue und Theaterpraxis.

Warum wird Nestroys Arbeitsweise als „komplex“ bezeichnet?

Nestroy arbeitete mit Vorlagen, nutzte Szenarien und veränderte seine Texte kontinuierlich während des Produktionsprozesses am Theater, was eine eindeutige editorische Festlegung erschwert.

Welche Rolle spielte Karl Kraus für die Nestroy-Edition?

Karl Kraus war entscheidend dafür verantwortlich, Nestroy als Satiriker und Sprachkünstler neu zu bewerten, was den Wunsch nach einer philologisch anspruchsvolleren Werkausgabe massiv vorantrieb.

Wie unterscheidet sich die Ausgabe von Hein/Hüttner von ihren Vorgängern?

Im Gegensatz zu früheren Versuchen strebt die Ausgabe von Hein und Hüttner eine breitere, kontextorientierte Dokumentation an und vermeidet weitgehend Wertungen, um dem Leser die Deutung des Werkes zu überlassen.

Inwiefern hat die Nachlassüberlieferung die Editionen beeinflusst?

Die Zersplitterung und teilweise unachtsame Behandlung des Nachlasses durch Vorbesitzer und frühe Herausgeber führte dazu, dass viele Texte nur noch fragmentarisch oder in entstellter Form zur Verfügung standen.

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Details

Title
Johann Nestroy - Editionsgeschichte
College
Free University of Berlin
Course
Historische Probleme der Editionswissenschaft
Grade
1,0
Author
Antje Wulff (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V123805
ISBN (eBook)
9783640293360
ISBN (Book)
9783656562658
Language
German
Tags
Johann Nestroy Editionsgeschichte Historische Probleme Editionswissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Antje Wulff (Author), 2008, Johann Nestroy - Editionsgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123805
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