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Ökosophie und Ökokosmologie bei den Tukano-Völkern im Nordwest-Amazonas

Title: Ökosophie und Ökokosmologie bei den Tukano-Völkern im Nordwest-Amazonas

Term Paper , 2009 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Nathalie Solis Pérez (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt, insbesondere ihren natürlichen Ressourcen, ist im Zuge globaler Erwärmung, Klimakatastrophen und Sorgen um unsere jetzige und zukünftige Energiezufuhr besonders aktuell und Thema zahlreicher öffentlicher und wissenschaftlicher Debatten. Hiermit verbunden sind stets auch politisch- gesellschaftliche Konflikte auf nationaler, aber insbesondere auch internationaler Ebene. Es geht vor allem um Zugang und Kontrolle über Ressourcen, wie Erdöl, Ergas, Wasser, Land, aber auch Fauna und Flora. Das Amazonasgebiet wird in diesem Kontext auch oft behandelt und wird vor allem in Zusammenhang gebracht mit der Abholzung des Regenwaldes, dem Fördern und Verschmutzen von Lebensräumen durch Erdöl, sowie den Kampf der indigenen Bevölkerung um ihr traditionelles Territorium und die für ihre Subsistenz darauf befindlichen Ressourcen. Auch in unserer industrialisierten und kapitalistischen Gesellschaft müssen wir uns selbst zunehmend fragen inwieweit wir in die Vorgänge der Natur eingreifen dürfen bzw. schon eingegriffen haben. Bis heute ist in dieser Diskussion ein dualistisches Verständnis der Beziehung Mensch- Umwelt vorherrschend, welches sich in der problematischen Dichotomie Natur- Kultur ausdrückt.
„The nature/culture dualism has provided the baseline for the greater part of scientific thinking throughout this century and has strong, often unrecognized, methodological and epistemological implications for research, including the separation of the natural from the social sciences, both institutionally and intellectually. New ecological research is engaged in the difficult, challenging process of finding practical ways of bridging this divide, and anthropology, which has always worked on both sides of the nature/culture fence, is strategically situated to contribute to this effort.” (Little 1999: 257)
Insbesondere die Ethnologie wird mit diesem dualistischen Konzept immer wieder konfrontiert und herausgefordert in dem Sinne, dass in anderen Völkern, wie z.B. bei den Tukano Natur und Kultur keine binäre Opposition darstellen, sondern Manifestationen ein und derselben Lebensenergie sind.Um dieses Denken bei den Tukanovölkern des Amazonas zu beschreiben hat man sich unterschiedlicher Methoden und Modelle bedient, die versuchen kosmologische und ontologische Vorstellungen und praktisches Wissen über die natürliche Umwelt darzustellen.

Excerpt


Struktur der Arbeit

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Reichel- Dolmatoffs Modell der ökologischen Kosmologie der Tukano

2.2. Luis Cayón: ökologisches Handeln und kosmologische Vorstellungen bei den Makuna

2.3. Die Ökosophie bei den Makuna nach Kaj Ǻrhem

3. Schlussbemerkung

4. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen indigenen Völkern im Nordwest-Amazonas – insbesondere den Tukano und Makuna – und ihrer natürlichen Umwelt. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie kosmologische Konzepte und ökosophische Praktiken ein nachhaltiges Ressourcenmanagement ohne dualistische Trennung von Natur und Kultur ermöglichen und welche Lehren daraus für den modernen, industrialisierten Umgang mit ökologischen Ressourcen gezogen werden können.

  • Kosmologische Modelle des Amazonasgebiets (Reichel-Dolmatoff, Cayón, Århem)
  • Die Überwindung der Natur-Kultur-Dichotomie
  • Schamanismus als integrales Ressourcenmanagement
  • Reziprozität zwischen Menschen, Tieren und der Geisterwelt
  • Perspektivismus und die ethische Wertschätzung nicht-menschlicher Lebewesen

Auszug aus dem Buch

Die Ökosophie bei den Makuna nach Kaj Ǻrhem

Als Professor an der Universität von Göteburg forschte Ǻrhem seit den frühen 1970er Jahren bei den Makuna und beschreibt in seinem Aufsatz „Ecosofía Makuna“, inwiefern ihre kosmologischen Vorstellungen die Beziehung zur Umwelt regeln und beeinflussen. Mit seinem Essay „Ecocosmología y chamansimo en el Amazonas“ leistet er einen weiteren Beitrag zur Debatte der Reziprozität, Raubtier- Beute- Beziehung und der Regeneration in amazonischen sozialen Kosmologien. Ǻrhem verwendet dabei den Begriff Ecosofía unter dem er ein ideologisches System versteht, dass sozial- verbindliche Regeln und Vorschriften liefert für ein moralisch und ethisch korrektes und nachhaltiges Verhalten der Natur und ihren Ressourcen gegenüber: „[…]una actitud moralmente cargada hacia la naturaleza, que informa y guía sus prácticas de manejo de recursos.“ Ǻrhem bezieht sich in seiner Begrifflichkeit explizit auf Arne Naess (1981), der den Begriff durch seine Studien zur Tiefenökologie geprägt hat. Der Begriff der Ökosophie nach Arne Naess ist ein ethischer bzw. ideologischer Begriff, der eine Art Umweltethik/ -philosophie und Umweltbewusstsein beschreibt. Dieses geht jedoch über ein anthropozentrisches Umweltbewusstsein hinaus, in dem Sinne, dass es nicht um die Frage geht: „Welche Nützlichkeit hat diese Pflanze oder dieses Tier für mich als Menschen?“, sondern darum dass alle nicht- menschlichen Lebewesen, auch ohne dem Menschen nützlich zu sein, einen eigenen immanenten und unantastbaren Wert haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Relevanz der Mensch-Umwelt-Beziehung und kritisiert die westliche Natur-Kultur-Dichotomie, um den Fokus auf die integralen ökokosmologischen Systeme der Tukano-Völker zu richten.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert drei verschiedene ethnologische Ansätze (Reichel-Dolmatoff, Cayón, Århem) zur Beschreibung der ökologischen Kosmologie und Ökosophie der Tukano und Makuna.

2.1. Reichel- Dolmatoffs Modell der ökologischen Kosmologie der Tukano: Das Kapitel stellt das auf der Thermodynamik basierende Equilibrium-Modell vor, das die Tukano als an ihre knappen Ressourcen optimal angepasste Gesellschaft beschreibt.

2.2. Luis Cayón: ökologisches Handeln und kosmologische Vorstellungen bei den Makuna: Cayóns Modell wird als Gegenentwurf präsentiert, der ein offenes, durch den Schamanen gesteuertes System betont und den Tukano-Kosmos als ein Netzwerk sozialer Beziehungen zwischen Lebewesen deutet.

2.3. Die Ökosophie bei den Makuna nach Kaj Ǻrhem: Dieser Abschnitt erläutert Århems ethisch-philosophischen Ansatz, der die Makuna-Kosmologie als eine tiefenökologische Praxis begreift, in der alle Lebewesen einen eigenständigen, unantastbaren Wert besitzen.

3. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die theoretischen Ansätze und stellt den Bezug zur heutigen globalen ökologischen Krise her, wobei ein Umdenken im Sinne eines lokal verankerten Bewusstseins gefordert wird.

4. Bibliographie: Das Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.

Schlüsselwörter

Tukano, Makuna, Amazonas, Ökosophie, Ökokosmologie, Ethnoökologie, Schamanismus, Natur-Kultur-Dichotomie, Ressourcenmanagement, Reziprozität, Tiefenökologie, Perspektivismus, Nachhaltigkeit, Lebensenergie, indigene Wissenssysteme

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, wie indigene Tukano-Völker im Amazonasgebiet durch ihre spezifischen kosmologischen Vorstellungen eine nachhaltige und respektvolle Beziehung zu ihrer Umwelt pflegen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Arbeit behandelt die Konzepte von Ethnoökologie, Ökokosmologie und Ökosophie und stellt diese in den Kontext sowohl indigener Lebensweisen als auch westlicher wirtschaftlicher Diskurse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, zu zeigen, wie indigene Modelle die oft zerstörerische Natur-Kultur-Dichotomie überwinden und welche alternativen Ansätze für einen ethischen Umgang mit natürlichen Ressourcen daraus gewonnen werden können.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse ethnologischer Theorien und Modelle (u.a. von Reichel-Dolmatoff, Cayón und Århem), um die Komplexität des indigenen Wissens über ökologische und ontologische Ebenen hinweg darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale ethnologische Perspektiven: das Equilibrium-Modell von Reichel-Dolmatoff, das System der sozialen Beziehungen nach Luis Cayón und den tiefenökologischen Ansatz von Kaj Århem.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Tukano, Makuna, Ökosophie, Schamanismus, Nachhaltigkeit und Reziprozität beschreiben.

Warum spielt der Schamane eine so entscheidende Rolle in diesen Modellen?

Der Schamane fungiert nicht nur als religiöser Vermittler, sondern als aktiver "Ressourcen-Manager", der durch Rituale und Verhandlungen mit der Geisterwelt das ökologische Gleichgewicht zwischen menschlicher Nutzung und regenerativen Kapazitäten der Natur aufrechterhält.

Inwiefern unterscheidet sich Cayóns Modell von dem von Reichel-Dolmatoff?

Während Reichel-Dolmatoff das System als geschlossen und statisch aufgrund knapper Ressourcen betrachtet, sieht Cayón es als ein offenes, dynamisches und unendliches System, in dem der Mensch in soziale Beziehungen mit allen Lebewesen tritt.

Was genau bedeutet der Begriff „Ökosophie“ im Kontext von Kaj Århem?

In Anlehnung an Arne Naess versteht Århem unter Ökosophie ein ideologisches System, das auf der Überzeugung basiert, dass alle Lebewesen einen immanenten Wert besitzen, der unabhängig von ihrem Nutzen für den Menschen ist.

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Details

Title
Ökosophie und Ökokosmologie bei den Tukano-Völkern im Nordwest-Amazonas
College
University of Leipzig  (Institut für Ethnologie)
Course
Indianische Ökologien- Konzepte und Praxen
Grade
1,7
Author
Nathalie Solis Pérez (Author)
Publication Year
2009
Pages
18
Catalog Number
V123816
ISBN (eBook)
9783640293438
ISBN (Book)
9783640293674
Language
German
Tags
Tukano-Völkern Nordwest-Amazonas Indianische Konzepte Praxen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nathalie Solis Pérez (Author), 2009, Ökosophie und Ökokosmologie bei den Tukano-Völkern im Nordwest-Amazonas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123816
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