Großstädte in der Globalisierung

Eine stadtsoziologische Betrachtung unter Bildung von Kategorien


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was macht die Weltstadt zur Weltstadt?
2.1 Städtetypen der Gegenwart
2.1.1 Megacity
2.1.2 Global City
2.1.3 Metropole
2.1.4 Weitere Begriffe

3 Bedeutung der Städte für die Globalisierung

4 Das Verhältnis von Nationalstaaten zu Global Cities

5 Tendenzen und Entwicklungen

6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Vereinten Nationen haben unser Jahrtausend zurecht zum „Jahrtausend der Städte“ erklärt. Der Grund ist einfach - in den Großstädten weltweit warten immense Herausforderungen auf Politik und Gesellschaft. Erstmals in der Geschichte lebt die Mehrheit der Menschen in städtischen Räumen. Die Vereinten Nationen prognostizieren darüber hinaus, dass sich die Stadtbevölkerung in den Entwicklungsländern innerhalb der nächsten dreißig Jahre von zwei auf vier Milliarden erhöhen wird1.

In meiner Hausarbeit werde ich der Frage nachgehen, welchen Entwicklungen international ausgerichtete Städte unter Globalisierungsgesichtspunkten gegenüberstehen. Dazu muss zunächst aufgeschlüsselt werden, welche „Stadttypen“ die Literatur überhaupt kennt; Was sind z.B. informelle Städte und wo unterscheiden sich Global City-Regionen von Megacities? Welche Bedeutung wird Städten bezüglich der Globalisierung in der Literatur vorhergesagt, wenn Akteure aufgrund der Informationstechnologien doch eigentlich so raumneutral agieren können? Wie mag sich das Verhältnis von Nationalstaaten zu Ihren Großsstädten verändern und welche Tendenzen und Entwicklungen sind absehbar? In der vorliegenden Arbeit werde ich zusammentragen, welche Antworten die Literatur auf diese Fragen gefunden hat.

Obwohl in der einschlägigen Literatur auch soziale, politische, kulturelle und ökologische Aspekte angesprochen werden, liegt der Schwerpunkt des Diskurses - zumindest in der deutschsprachigen Forschung - eindeutig bei ökonomischen Fragestellungen. Die meisten Artikel und Bücher betrachten Städte also unter dem Gesichtspunkt der globalen ökonomischen Vernetzung, in ähnlicher Weise werde auch ich mich beschränken.

Ich möchte mich dabei nicht lange mit einer Definition von Globalisierung beschäftigen, sondern voraussetzen, dass unter dem Begriff ein Bündel von vielfach dimensionierten, von mehreren Richtungen betriebenen, vorwiegend materiellen Prozessen zu verstehen ist, durch das sich die weltumspannende Vorherrschaft des Kapitalismus in unserer Zeit beschreiben lässt1.

2 Was macht die Weltstadt zur Weltstadt?

Das alte Rom wird gerne als die erste „Megacity“ der Geschichte bezeichnet. Schätzungen zufolge zählte die Stadt schon um Christi Geburt zwischen 750 000 und 1,5 Millionen Einwohner. Es existierten komplexe Systeme zur Verteilung von Nahrungsmitteln, zur Wasserversorgung und Abfallentsorgung. Für die damalige Zeit war dies eine einzigartige Größenordnung – und noch für Jahrhunderte danach. Noch im Jahr 1800 betrug der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung lediglich 3 %. Das änderte sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Fabriken siedelten sich in Städten an, da diese meist verkehrsgünstig an Flüssen oder Küsten lagen und reichlich Arbeitskräfte boten. Hinzu kamen ein großer Absatzmarkt, die Nähe zu anderen Betrieben sowie eine gut entwickelte Infrastruktur. Um 1900 war London mit mehr als 6 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Erde.

50 Jahre später lag New York mit 12 Millionen Menschen an der Spitze, heute ist es Tokio mit 35 Millionen. Seither nimmt der Urbanisierungstrend vor allem in Schwellen-und Entwicklungsländern rasant zu. Rund drei Viertel der Megastädte liegen heute in industriell weniger entwickelten Ländern.

2.1 Städtetypen der Gegenwart

Obwohl unterschiedliche Begriffe Verwendung finden (vor allem „Megacity“, „Global City“ und „Metropole“, bzw. Varianten dieser Begriffe), lässt sich eine klare Abgrenzung mitunter nur schwer herauslesen. Vermutlich weil Global Cities oft auch Metropolen sind, oder Metropolen gleichzeitig Megacities usw., so dass die Autoren die Begriffe gelegentlich als Synonyme zu verwenden scheinen. Doch welche Typologie der global bedeutenden Städte kristallisiert sich heraus? Im folgenden gehe ich auf die drei meistverwendeten Begriffe ein.

2.1.1 Megacity

Arnold Klotz, um einen Autor exemplarisch herauszuheben, verweist darauf, dass sich bereits heute die größten urbanen Zusammenschlüsse in den Entwicklungsländern befinden, und zwar in Form von Megacities, die ein besonderes Phänomen aufweisen. Ursprünglich räumlich getrennte und unabhängige Städte, durchaus mit einer eigenen Identität, wachsen zusammen und bilden zusammen Verdichtungsräume von bis zu 30 Millionen Einwohnern und mehr, wie z.B. der Raum zwischen Guangshou (Kanton) und Hongkong, oder der sog. Tokaido-Korridor zwischen Tokio und Osaka. „Megacity“ benennt nach Klotz eine Urbanisierung als unkontrollierbares städtisches Wachstum in Asien, Afrika und Lateinamerika, das die traditionelle Vorstellung von Stadt erschüttert.1

2.1.2 Global City

Der Begriff (oft wird auch das Umland mit erfassend von „Global-City-Region“ gesprochen) zielt auf die ökonomische Funktion einer Stadt als Knotenpunkt in der globalisierten Wirtschaft. So schreiben Ulrike Gerhard und Dorothea Wiktorin: „Auf Weltmaßstab hat sich eine neue Städtehierarchie herausgebildet, die durch einige Top-Städte angeführt wird. Sie werden als sog. Global Cities bezeichnet. Hier konzentrieren sich Unternehmen und Finanzinstitutionen von Weltrang, die als die wichtigsten Entscheidungsträger der Weltwirtschaft gelten. In Deutschland stellt die Stadt Frankfurt eine solche Weltstadt dar.“2

Auch insgesamt werden Global Cities in der herrschenden Meinung durchgängig dahingehend beschrieben, dass man sie durchaus nicht an der Größe erkennt (Frankfurt verfügt nicht einmal über 1 Million Einwohner), wohl aber daran, dass entscheidende Akteure der Weltwirtschaft an diesem Ort agieren und präsent sind. Dabei zählen einflussreiche Branchen wie etwa der Bankensektor stärker als beispielsweise die Textil und Bekleidungsindustrie. Besonderes Augenmerk wird auf die Vernetzung gelegt. J.V. Beaverstock, R.G. Smith und P.J. Taylor haben versucht, die Ausprägung der Vernetzung empirisch zu erfassen und eine Hierarchie auszumachen. Auch für sie zählen die Sektoren: Banken, Finanzen, Werbung und Accounting in der Analyse als entscheidend für die Organisation und Steuerung der Weltwirtschaft. Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler die Büronetzwerke der 100 größten globalen Dienstleistungsunternehmen erfasst und deren Verbindung mit 315 Städten auf der ganzen Welt untersucht, um die relative Vernetztheit von diesen zu berechnen und daraus ihre Position zu bestimmen. Die Unternehmen hatten größere Büros in mindestens 15 Städten und mussten sowohl in den USA als auch in Westeuropa und Asien vertreten sein. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass in der Studie New York, London und Tokio sowie Paris und Frankfurt zu den wichtigsten Weltstädten gezählt werden.3

Das Ergebnis wird mit Abweichungen in der Reihenfolge auch von anderen maßgeblichen Untersuchungen geteilt.1

Näher betrachtet differenzieren sich nach den o.g. Wissenschaftlern die Unternehmens-konzentrationen aber in unterschiedliche Globalisierungsmuster aus. So gebe es ein globales Bankennetz, das sich im asiatisch-pazifischen Raum konzentriert und dessen Kern wiederum Tokyo bildet. Ein europaweites Rechts- und Bankensystem baut sich um München und Frankfurt auf, während die Werbebranche sich um New York als Zentrum ausbreitet. Ein mit Schwerpunkt in den Westen ausgerichtetes Accounting-Netzwerk hat sein Zentrum in London2.

Zu bemerken ist, dass die Literatur allgemein eine Hierarchie nach Bedeutung feststellt. So spricht die oben genannte Studie bei den ganannten Städten von „Alpha-Städten“, anerkennt aber auch vergleichsweise unbedeutendere Städte wie Zürich und Madrid als Global Cities, jedoch kategorisiert als „Beta-Städte“. Zu den Gamma-Städten (eine weitere Ausdifferenzierung lässt sich regelmäßig weder bei den o.g. Autoren noch in anderweitiger Literatur finden) gehören in Deutschland Düsseldorf, München und Hamburg. Johannesburg ist die einzige Stadt in diesem Rang in Afrika1.

[...]


1 Vgl. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Hamburg auf dem Weg zur internationalen Bauausstellung. [14.12.04]<http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/stadtentwicklung-umwelt/stadtplanung/iba/weizsaecker,property=pdf.>(06.10.06 )

1 Vgl. N. Brenner, R. Keil: „Globalisierung, Stadt und Politik“. In: A. Scharenberg O. Schmidtke (Hg): Das Ende der Politik? Globalisierung und der Strukturwandel des Politischen. Münster 2003, S. 254

1 Vgl. Arnold Klotz: „Stadtentwicklung im Zeitalter von Globalisierung und Virtualisierung“. In: Ulrich Nitschke (Hg.): Globalisierung gestaltet Kommunen. Bonn 2005, S. 25f.

2 Ulrike Gerhard, Dorothea Wiktorin. Die Stadt im Zeitalter der Globalisierung <http://www.geographie.uni-marburg.de/vgt/deutsch/brd/module/m3/U11.htm.>(04.10.06)

3 Vgl. J.V. Beaverstock, R.G. Smith und P.J. Taylor: „World city network: a new metageography?“ In: N. Fyfe, J. Kenny (Hg): The Urban Geography Reader. New York 2005, S. 63ff

1 Vgl. Markus Wissen: Zum Verhältnis von Stadtentwicklung und Globalisierung. In: ILA (2005) 9/2005, S. 2

2 Vgl. ebd., S. 66

1 Vgl. ebd, S. 71

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Großstädte in der Globalisierung
Untertitel
Eine stadtsoziologische Betrachtung unter Bildung von Kategorien
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Soziologiekurs
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V123965
ISBN (eBook)
9783640296019
ISBN (Buch)
9783640301782
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Großstädte, Globalisierung, Soziologiekurs
Arbeit zitieren
Sarah von Leiden (Autor:in), 2008, Großstädte in der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123965

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