Heutige Unternehmen agieren in einem vollständig anderem wirtschaftlichen Umfeld als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Erschließung neuer Wirtschaftszonen sowohl im Osten als auch im Westen, begünstigt durch eine zunehmende Liberalisierung der Märkte und einen verbesserten Ausbau von Informationssystemen und -infrastruktur, birgt für die Konzerne sowohl Chancen als auch Risiken. So konnten zwar neue Absatzmärkte erschlossen werden, im Gegenzug aber verstärkte sich der Konkurrenzdruck durch eine Vielzahl von neuen Anbietern.
Diese veränderte Wettbewerbssituation hatte zur Folge, dass sich Unternehmen mehr und mehr auf ihre Kernkompetenzen konzentriert haben und viele andere Unternehmensbereiche ausgelagert haben, zumeist in Billiglohnländer nach Asien und Osteuropa. Zwar hat sich dieser Trend mittlerweile verlangsamt1, dennoch haben sich dadurch Supply Chain2-Netzwerke aufgebaut, die sich über die gesamte Welt erstrecken und somit unflexibel und nur schwer steuerbar sind. Durch die Wandlung vom reinen Anbietermarkt hin zum Käufermarkt des 21. Jahrhunderts, müssen Firmen aber in der Lage sein, auf sich ändernde Kundenbedürfnisse schnell reagieren zu können um konkurrenzfähig zu bleiben. Eine optimal funktionierende und harmonierende Supply Chain liefert hierfür die Voraussetzung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein erfolgreiches Supply Chain Management für ein Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt [vgl. Roussel, J., Skov, D. (2007), S. 5 ff.].
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Vorgehensweise
2 Performance Measurement in einer Supply Chain
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.1.1 Definition: Supply Chain
2.1.2 Definition: Supply-Chain Management
2.2 Performancemessung in der Supply Chain
2.2.1 Kennzahlensysteme
2.2.1.1 Definition: Kennzahl
2.2.1.2 Arten von Kennzahlen
2.2.1.3 Funktionen von Kennzahlen
2.2.1.4 Kennzahlenauswahl im Supply Chain Management
2.2.1.5 Von der Kennzahl zum Kennzahlensystem
2.2.2 Performance Measurement
2.2.2.1 Definition: Performance
2.2.2.2 Definition: Performance Measurement / Performance Measurement-Systeme
2.2.2.3 Der Unterschied zwischen einem Kennzahlensystem und einem Performance Measurement-System
2.2.2.4 Relevanz der Leistungsmessung
2.2.2.5 Besonderheiten beim Performance Measurement in einer Supply Chain
2.2.2.6 Rolle des SCOR-Modells beim Performance Measurement einer Supply Chain
3 Das Kennzahlensystem des SCOR-Modells
3.1 Das SCOR-Modell
3.1.1 Ziele
3.1.2 Aufbau und Inhalt des SCOR-Modells
3.1.2.1 Inhalt
3.1.2.2 Die Ebenen des SCOR-Modells
3.2 Das Kennzahlensystem des SCOR-Modells
3.2.1 Allgemeines
3.2.2 Kennzahlen der ersten Ebene
3.2.3 Kennzahlen der zweiten Ebene
3.2.4 Kennzahlen der dritten Ebene
3.2.5 Hierarchische Verknüpfung der Kennzahlen
3.2.6 Benchmarking einer Supply Chain
3.2.6.1 Benchmarking allgemein
3.2.6.2 Benchmarking mit Hilfe des SCOR-Modells
3.2.7 Best Practices im SCOR-Modell
3.2.8 Literaturübersicht und Kritik der Kennzahlensystems des SCOR-Modells
3.3 Zwischenfazit
4 Anwendung des SCOR-Modells in der Praxis
4.1 Das SCOR-Modell bei Intel
4.2 SCOR-Umsetzung bei Hewlett-Packard
4.3 Das Mainlog-Projekt
4.4 Konsequenzen aus der SCOR-Einführung
4.5 Zusammenfassende Betrachtung
5 Software zur Implementierung des SCOR-Modells
5.1 e-SCOR
5.2 easySCOR
5.3 ProcessWizard
5.4 ADOlog
5.5 Zusammenfassende Bewertung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Unternehmen mithilfe des SCOR-Modells und dessen integriertem Kennzahlensystem ihre Supply-Chain-Performance bewerten und optimieren können. Im Fokus steht dabei die theoretische Herleitung der Kennzahlensystematik sowie deren praktische Anwendung anhand von Unternehmensbeispielen und unterstützender Softwarelösungen.
- Grundlagen der Performancemessung und Kennzahlensysteme in der Supply Chain.
- Aufbau und Hierarchie des SCOR-Modells als Referenzmodell für Lieferketten.
- Benchmarking-Methodik und Best Practices innerhalb des SCOR-Frameworks.
- Praktische Fallbeispiele (Intel, Hewlett-Packard, Mainlog-Projekt) zur SCOR-Implementierung.
- Marktübersicht und Bewertung von Software-Tools zur Unterstützung des SCOR-Modells.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das SCOR-Modell
Durch die zunehmende Globalisierung der letzten beiden Jahrzehnte nahmen auch unternehmensübergreifende Supply Chain-Projekte in deutlichem Ausmaß zu, wobei sich rasch erste Problemfelder herauskristallisierten. Pittiglio Rabin Todd & McGrath (PRTM), eine Unternehmensberatung aus den USA, stellte in Diskussionen über aktuelle Supply Chain Theamtiken fest, dass bei unternehmensübergreifenden Projekten die Problematik hauptsächlich darin bestand, dass man keine gemeinsame Sprache hatte, um Supply Chain-Prozesse beschreiben und bewerten zu können [vgl. Marbacher 2001, S. 116]. Aus diesem Grund begann PRTM 1995, zusammen mit der Softwareberatungsfirma Advanced Manufacturing Research (AMR) sowie 69 Firmen aus unterschiedlichsten Branchen und Bereichen, an einem Referenzmodell zu arbeiten.
Am 1. November 1996 stellten sie die erste Version des SCOR-Modells der Öffentlichkeit vor. Aufgrund des großen Erfolges und der schnellen Verbreitung gründeten sie 1997 das Supply Chain Council, eine unabhängige Nonprofit-Organisation, die mit der Betreuung und Weiterentwicklung des SCOR-Modells beauftragt wurde. Mittlerweile zählt das SCC weltweit über 1000 Mitglieder (u.a. Siemens, Nokia, BASF, Bayer u.v.m.) und es gibt Zweigstellen in Europa, Japan, Australien, Neuseeland, Südostasien und Südafrika.
Alle Firmen verpflichten sich, das Modell weiterzuentwickeln, gemeinsame Erkenntnisse in der Praxis zu testen und ihre Ergebnisse anschließend in Diskussionen mit dem SCC zu erörtern [siehe hierzu: Marbacher 2001, S. 117]. Durch die konstruktive Mithilfe der Mitglieder konnte das Modell stets weiterentwickelt werden und liegt in der momentan aktuellsten Version 8.0 vor. Auf dieser Version beruhen auch die vorliegenden Ausführungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den wachsenden Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit, Lieferketten nicht mehr nur einzeln, sondern als vernetzte Prozesse zu betrachten und zu steuern.
2 Performance Measurement in einer Supply Chain: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen des Performance Measurements, unterscheidet Kennzahlen von Kennzahlensystemen und beleuchtet die Besonderheiten der Leistungsmessung in globalen Supply Chains.
3 Das Kennzahlensystem des SCOR-Modells: Der Schwerpunkt der Arbeit analysiert detailliert den Aufbau, die Ebenen und die hierarchische Verknüpfung der Kennzahlen innerhalb des SCOR-Modells sowie deren Anwendung im Benchmarking.
4 Anwendung des SCOR-Modells in der Praxis: Dieses Kapitel zeigt anhand von Fallstudien (Intel, Hewlett-Packard, Mainlog) auf, wie Unternehmen das Modell erfolgreich zur Prozessoptimierung einsetzen.
5 Software zur Implementierung des SCOR-Modells: Hier werden spezialisierte Softwarelösungen vorgestellt, die Unternehmen bei der technischen Umsetzung und Analyse des SCOR-Modells unterstützen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und praktischen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Rolle des SCOR-Modells als Standard zur Leistungssteigerung in wettbewerbsintensiven Märkten.
Schlüsselwörter
SCOR-Modell, Supply Chain Management, Performance Measurement, Kennzahlensystem, Lieferkette, Benchmarking, Best Practices, Prozessoptimierung, Performance, Effektivität, Effizienz, Unternehmenssteuerung, Supply Chain Council, Prozessmanagement, Software-Tools.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Bewertung der Performance von Supply Chains und der Anwendung des SCOR-Modells als Standard zur Prozessmodellierung und Leistungsmessung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Supply Chain Management, Performance Measurement, der Aufbau und die Hierarchie des SCOR-Modells sowie dessen praktische Umsetzung durch Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das SCOR-Modell und sein Kennzahlensystem Firmen dabei unterstützen, ihre Lieferketten messbar zu machen, Schwachstellen zu identifizieren und Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der theoretischen Strukturierung des SCOR-Modells sowie der deskriptiven Darstellung von Fallbeispielen aus der Wirtschaftspraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv dem SCOR-Modell, seinem Aufbau, dem hierarchischen Kennzahlensystem, dem Benchmarking-Prozess sowie konkreten Anwendungsbeispielen und unterstützenden Software-Tools.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
SCOR-Modell, Supply Chain Management, Performance Measurement, Kennzahlensystem, Benchmarking und Prozessoptimierung sind die wesentlichen Begriffe.
Wie unterscheidet sich das SCOR-Modell von herkömmlichen Kennzahlensystemen?
Das SCOR-Modell bietet eine standardisierte, branchenübergreifende Sprache und eine integrierte, prozessorientierte Hierarchie, die über rein finanzielle Kennzahlen hinausgeht und qualitative Aspekte berücksichtigt.
Welche Rolle spielt Software bei der Implementierung des SCOR-Modells?
Software ist für eine schnelle und kosteneffiziente Umsetzung essenziell, da die Komplexität des Modells (über 200 Kennzahlen) eine manuelle Auswertung im Unternehmensalltag erschwert.
- Quote paper
- Michael Lueg (Author), 2008, Bewertung der Supply-Chain-Performance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123973