In einem ersten Schritt soll ein Versuch unternommen werden, Armut zu definieren oder vielmehr Definitionen der Armut zu analysieren. Weiter soll Simmels Verständnis von Armut herbeigezogen werden und auf die gegenwärtige Armutssituation in der Schweiz angewandt werden. Anschliessend soll eine Historisierung der Armut angestrebt werden, wobei nicht die lückenlose Geschichte der Armutskonzepte, sondern vielmehr die Diversität des Armutsverständnisses im Fokus stehen soll. Es geht dabei also nicht um die Entstehung von Armut durch Ungleichheit oder Börsen-Crashs, sondern um die gesellschaftliche Konstruktion von Armut. Zum Schluss dieser Arbeit soll jedoch besonders die Frage beantwortet werden, ob man Armut definieren kann und wie diese Definition festgelegt werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armutsdefinition
2.1 Gesellschaftstotalität der Armut
2.2 Der Armutsbegriff bei Simmel
2.3 Armut als theoretisches Konstrukt
3. Armut im sozialen Wandel
3.1 Armutsgeschichte
3.2 Gegenwartsarmut
4. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Konstrukt Armut durch eine Historisierung und Anwendung der soziologischen Armutstheorie von Georg Simmel. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Armut kein objektiver Zustand ist, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, das massgeblich durch Definitionsmacht und soziale Wechselwirkungen konstruiert wird, wobei ein besonderer Fokus auf die Situation in der Schweiz gelegt wird.
- Soziologische Perspektive auf Armut nach Georg Simmel
- Differenzierung zwischen Armut und Arm-Sein
- Konstruktcharakter von Armut und gesellschaftliche Definitionsmacht
- Historischer Wandel der Armutswahrnehmung und Armenfürsorge
- Aktuelle Herausforderungen der Armut in der modernen Schweiz
Auszug aus dem Buch
2. Armutsdefinition
Um Armut historisch aufzuarbeiten, benötigt es zuerst einer klaren Definition dieses gängigen Begriffs. Vom lateinischen Wort «pauper» (=arm) ging man im 18. Jahrhundert in England dazu über, den Begriff Pauperismus für die Beschreibung des damals neuen Phänomens der Massenarmut der Arbeiterschicht zu gebrauchen. Dabei galt nur als «pauper», wer sich durch seine Arbeit kein ausreichendes Einkommen verschaffen konnte. Der Begriff wurde bald auch im Deutschen und später oftmals synonym mit dem Begriff der Massenarmut oder dem Proletariat verwendet (HLS 2009: 1). Gegenwärtig werden zwei Armutskonzepte unterschieden: Das Konzept der relativen Armut und der absoluten Armut. Der absolute Armutsbegriff wird nach nationalen Standards definiert, Absolutheit ist also nur innerhalb der Landesgrenzen definierbar.
Die absolute Armutsgrenze setzt sich in der Schweiz aus drei Komponenten zusammen: Dem Grundbedarf für den Lebensunterhalt, Wohnkosten und weitere notwendige Kosten. Erstere Komponente deckt Kosten für Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Körperpflege und Bildung. Die zweite Komponente deckt Wohnkosten nach «ortsüblichem» Rahmen und letztere Komponente zusätzliche Kosten wie beispielsweise Versicherungskosten ab. Diese drei Komponenten sollen nicht nur das physische Überleben garantieren, sondern auch minimale gesellschaftliche Teilnahme ermöglichen. Dabei wird bei den absoluten Armutsdefinitionen meist von einem Existenzminimum ausgegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Definition von Armut ein und verortet die Arbeit im methodischen Rahmen der Historisierung sowie der Auseinandersetzung mit Georg Simmels Werk.
2. Armutsdefinition: Dieses Kapitel erläutert aktuelle Armutskonzepte wie relative und absolute Armut und beleuchtet die Schwierigkeiten einer objektiven Messbarkeit.
3. Armut im sozialen Wandel: Der Abschnitt betrachtet die historische Entwicklung des Armutsbegriffs vom Mittelalter bis in die Gegenwart und analysiert den Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung.
4. Konklusion: Das Fazit fasst zusammen, dass Armut ein zeitlich und kulturell kontingentes Konstrukt ist, das stark von der gesellschaftlichen Definitionsmacht abhängt.
Schlüsselwörter
Armut, Georg Simmel, soziale Wechselwirkung, Arm-Sein, Konstruktivismus, Historisierung, Sozialhilfe, Gesellschaftsteilnahme, Existenzminimum, Armutsdefinition, soziale Ungleichheit, Armenfürsorge, Schweiz, Wohlstandsgesellschaft, soziale Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Armut definiert wird und zeigt auf, dass Armut kein festgelegter objektiver Zustand, sondern ein sozial konstruiertes Phänomen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die soziologische Armutstheorie nach Georg Simmel, der historische Wandel von Armutskonzepten sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse auf die aktuelle Situation in der Schweiz.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist eine Historisierung des Armutskonstrukts, um nachzuweisen, dass Armut massgeblich durch gesellschaftliche Zuschreibungen und Definitionsmacht realisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie verschiedene historische Quellen, soziologische Texte und aktuelle statistische Definitionen zur Armut vergleicht und analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung (Simmels Soziologie der Armut) und eine historische sowie gegenwartsorientierte Analyse der Armutskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Armut, soziale Wechselwirkung, gesellschaftliche Konstruktion, Arm-Sein und Historisierung.
Wie unterscheidet Simmel zwischen Armut und Arm-Sein?
Simmel definiert Armut über den Bedarf an Unterstützung, während Arm-Sein die soziokulturelle Schichtzugehörigkeit und die Angst vor dem sozialen Abstieg beschreibt.
Warum ist eine endgültige Definition von Armut laut der Autorin nicht möglich?
Da Armut ein gesellschaftliches Konstrukt ist, das vom Wandel der Zeit, den kulturellen Normen und den jeweiligen Messkonzepten der Gesellschaft abhängt, kann keine statische Definition existieren.
- Arbeit zitieren
- Lisa Thomann (Autor:in), 2021, Was ist Armut? Eine Historisierung des theoretischen Konstrukts Armut nach der Armutstheorie Simmels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239768