Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen. Eine empirische Untersuchung der Kommunikationsabteilungen


Masterarbeit, 2020

119 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Forschungs- und Diskussionsstand
1.2.1 Forschungssituation zu Kunsthochschulen
1.2.2 Forschungssituation zur Hochschulkommunikation
1.2.3 StudieHochschulkommunikation erforschen
1.3 Anliegen und Aufbau der Arbeit

II. Theoretischer Teil
2. Hochschulkommunikation
2.1 Begriffsbestimmung: Hochschulkommunikation und ihre Akteur*innen
2.2 Hochschulkommunikation im zeitgeschichtlichen Entwicklungsprozess

3. Kunsthochschulen und Akademien in Deutschland
3.1 Die Institution Kunsthochschule und ihre Sonderstellung
3.1.1 Differenzierung im Fach Kunst
3.1.2 Die (individual-)rechtliche Stellung derKunsthochschulen
3.1.3 Abgrenzung der Kunsthochschulen zu anderen Kulturbetrieben
III. Empirischer Teil

4. Methodische Vorgehensweise und Auswahlverfahren
4.1 Wahl der Methodik: Qualitative Sozialforschung
4.2 Wahl der Erhebungsform: Leitfadengestutztes Experteninterview
4.3 Begrundung des Interviewleitfaden
4.4 Identifizierung und Auswahl der Expert*innen
4.5 Auswahl derExpert*innen
4.6 Durchfuhrung und Auswertung der Interviews
IV. Ergebnisse, Diskussion und Ausblick

5. Darstellung der Ergebnisse
5.1 Kommunikator*innen an Kunsthochschulen: Rolle und Selbstverstandnis ...
5.2 Ausstattung, Strukturen und Profil der Kommunikationsabteilungen
5.3 Kommunikationsfelder: die interne Kommunikation
5.4 Austauschbeziehungen und Zusammenarbeit mit den internen Akteursgruppen der Kunsthochschulen
5.4.1 Die Beziehung der Kommunikator*innen zu den Professor*innen
5.4.2 Die Beziehung der Kommunikator*innen zu den Studierenden
5.4.3 Die Beziehung der Kommunikator*innen zur Hochschulleitung
5.5 Kommunikationsfelder: die externe Kommunikation
5.6 Sonderstellung gegenuber anderen Hochschulen und Kultureinrichtungen...
5.7 Arbeitskreis der Kunst- und Musikhochschulen

6. Beantwortung der Leitfragen

7. Schlussbetrachtung und kritische Wurdigung

V. Literaturverzeichnis

VI. Abkurzungsverzeichnis

VII. Abbildung- und Tabellenverzeichnis

VIII. Anhang
Anhang 1: Anschreiben per E-Mail
Anhang 2: Dokumentation der gefuhrten Interviews
Anhang 3: Rollenbilder
Anhang 4: Leitfaden der Interviews
Anhang 5: Kategoriensystem

Vorwort

Die vorliegende Masterarbeit enthalt Inhalte einer Befragung, die in Form von sieben Telefoninterviews und drei personlichen Interviews mit den Presseleiterinnen und Presseleitem der Kunsthochschulen und -akademien in Deutschland durchgefuhrt wurden. Fur deren Bereitschaft zur Teilnahme mochte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

Bei alien Kommunikationsabteilungen stieB ich auf aufgeschlossene und interessierte Gesprachspartner*innen, die sich Zeit nahmen, meine Fragen zu beantworten und mir daruber hinaus intensive Einblicke in ihren Arbeitsalltag an den Kunsthochschulen ermoglicht haben. Zudem konnte ich durch den Besuch der Jahrestagung der Hochschulkommunikatoren in Koln zusatzliche Informationen gewinnen, die sich fur meine Arbeit als nutzlich erwiesen haben. Besonders die Bereitschaft des Arbeitskreises der Kunst- und Musikhochschulen, mich an ihren internen Sitzungen teilnehmen zu lassen, gab mir einen umfassenderen Einblick in die aktuellen Themengebiete und Herausforderungen, mit denen sich die kunstlerischen Hochschulen derzeit konfrontiert sehen.

Die Fulle der neuen Informationen, gerade in Folge der offenen Fragestellungen, zeigte deutlich, welches Interesse auch auf Seiten der Befragten herrschte, mithilfe ihres Fachwissens neue Erkenntnisse auf dem Gebiet zu generieren. Die erhobenen Inhalte und Erfahrungen aus der Befragung konnten nicht nur wesentlich zum Entstehen dieser Arbeit beitragen, sondem auch helfen, die Forschungslucke im Bereich der KommunikationsmaBnahmen an Kunsthochschulen zu schlieBen.

An dieser Stelle mochte ich mich auch bei Dr. Christiane Hauser und Prof. Dr. Annette LeBmollmann fur ihre Betreuung bedanken, die durch ihre fachliche und personliche Unterstutzung zum Gelingen dieser Masterarbeit beigetragen haben.

Sina Jung, Karlsruhe, den 29. September 2020

I. Einleitung

1. Ausgangssituation und Problemstellung

Die Politik und die Gesellschaft fordern von den Hochschulen zunehmend mehr Klarheit und Offenheit, wenn es um ihre gesellschaftliche Verantwortung in Bezug auf ihren Bildungsauftrag geht. Solchen Erwartungen konnen die Hochschulen mit einer transparenten und ehrlichen Kommunikation begegnen. Diese Art von Kommunikation ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil des alltaglichen Lebens, sondem es kommt ihr auch im institutionellen Kontext eine groBe Bedeutung zu, indem sie das Bild und das Selbstverstandnis von Hochschulen mitgestaltet. Wird die Kommunikationskultur und der Transfer von Wissen innerhalb einer Hochschule offen und transparent praktiziert, kann ein Grundgefuhl von Vertrauen und Zugehorigkeit entstehen. Dieses ist entscheidend fur eine glaubhafte AuBendarstellung und ihren “unternehmerischen“ Erfolg. Wie diejungsten Beispiele im Zuge der #MeToo-Debatte zeigen, sind auch die kunstlerischen Hochschulen nicht vor den Folgen negativer AuBenwahmehmung gefeit und mussen sich vermehrt gegen Sexismusvorwurfe, Machtmissbrauch und einen dadurch hervorgerufenen Reputationsschaden behaupten. Sie, die sich seit jeher auf ihren alten Akademiegedanken berufen und traditionell ein sehr enges Meister-Schuler-Verhaltnis pflegen, werden seitdem pauschal als Orte, an denen sexualisierte Diskriminierung stattfindet, wahrgenommen. In diesem Kontext spielt die Hochschul- kommunikation eine entscheidende Rolle und ist fur viele Hochschulen der Schlussel zu einer erfolgreichen AuBenwirksamkeit. Gerade wenn es, wie im Fall der #MeToo-Debatte darum geht, innerhalb und auBerhalb der Hochschulen fur das Thema zu sensibilisieren, Stellung dazu zu beziehen und solchen Entwicklungen fruhzeitig offen und klar zu begegnen. Hochschulkommunikation ist ein wichtiges Instrument, um sich in Krisensituationen und im Wettbewerb zu behaupten. Mit ihr konnen sie sowohl auf regionaler als auch auf uberregionaler Ebene gezielt offentliche Aufmerksamkeit generieren und sich auch vor dem Hintergrund negativer Presse eine glaubhafte, vertrauenswurdige AuBenwirkung verschaffen. Die Kommunikation von Hochschulen hat sich dahingehend entwickelt, dass sie sich von einer ,,eher singularen Pressearbeit [...] zu einer umfassenden, diversifizierten und strategisch aufgestellten Kommunikation“ (Renkes, 2019, S. 4) verandert hat. Der Blick in die Abteilungen fur Hochschulkommunikation offenbart jedoch, dass trotz des vorgenommenen Ausbaus der Kommunikationsabteilungen, auch heute noch gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Lehranstalten vorhanden sind. Kleine Hochschulen mit Ein-Personen-Kommunikationsabteilungen stehen groBen Hochschulen mit zentralen Stabstellen und Unterabteilungen bei geringeren Kapazitaten und gleichbleibender Aufgabenfulle gegenuber (vgl. ebd., S. 3). Von einem flachendeckenden Ausbau der Abteilungen kann bisher nicht die Rede sein, davon ist man noch weit entfernt. Obwohl viele Hochschulen mittlerweile die Notwendigkeit einer strategischen Kommunikation und PR erkannt haben, fehlen den meisten die Gelder, um ihre Abteilungen entsprechend des Bedarfs ausbauen und budgetieren zu konnen. Dies lasst sich vor allem fur die Pressestellen der Kunst- und Musikhochschulen feststellen, die seit Jahren uber Etatmangel und Renovierungsbedurftigkeit ihrer Gebaude klagen und angesichts der wachsenden Herausforderungen stellenweise eklatant unterbesetzt sind (vgl. Kappel, 2019). All diesen Veranderungsprozessen und den damit einhergehenden Erwartungen an die Kommunikations-abteilungen, steht ein bemerkenswerter Mangel an verlasslichen Daten gegenuber, den es zu minimieren gilt. Obwohl Themen aus den Kunsthochschulen und -akademien ihren Weg in die Medien und die Offentlichkeit finden, sind die tatsachlichen Arbeitsbedingungen dieser Hochschulgruppe bisher weder hinreichend theoretisch noch empirisch untersucht. Zwar hat das Thema Hochschulkommunikation in den letzten Jahren auch in der Hochschulforschung vermehrt Aufmerksamkeit erhalten (vgl. hierzu Buhler et al., 2007; Fahnrich et al., 2019a; Hohn, 2011; LeBmollmann et al., 2017), doch bei den bisher vorgenommenen Untersuchungen stehen zumeist die Universitaten oder die Fachhochschulen und deren Situierung als die groBen deutschen Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen im Fokus der Betrachtung. Kunsthochschulen werden meist ausgeklammert oder lediglich in einem beilaufigen Satz erwahnt. Folglich konnen bislang nur wenige bis gar keine Aussagen uber den Arbeitsalltag der Kommunikator*innen an Kunsthochschulen getroffen werden. Fundierte Daten und Informationen stehen nur sehr eingeschrankt zur Verfugung. Daher erscheint ein Uberblick uber den aktuellen Forschungsstand sinnvoll, um ein differenzierteres Bild der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser Thematik zu erhalten.

1.2 Forschungs- und Diskussionsstand

Das folgende Kapitel gibt eine Ubersicht uber den aktuellen Stand der Forschung zu Kunsthochschulen und Hochschulkommunikation und dient dazu, die Forschungslucke aufzuzeigen, die mit Hilfe dieser Arbeit geschlossen werden soil. Hierzu werden zunachst beide Bereiche getrennt voneinander betrachtet. Im Anschluss erfolgt ein Exkurs zu der Studie Hochschulkommunikation erforschen1,durch die, die beiden Disziplinen wieder zusammengefuhrt werden sollen. Das Ziel dieses Kapitels ist es, den Stand der Forschung darzulegen und die vorliegende Arbeit wissenschaftstheoretisch einzuordnen.

1.2.1 Forschungssituation zu Kunsthochschulen

Die meiste Literatur im Kunstsektor gibt es bislang zur Beschreibung von Kunstwerken, der sich wandelnden Stile der Kunst oder zu bestimmten Kunstler*innen. VerhaltnismaBig gering ist dagegen der Literaturbestand zu institutionellen Bereichen, wie den (Organisations-) Strukturen, KommunikationsmaBnahmen und Ablaufen an Kunsthochschulen. Auch der Arbeitsalltag der verantwortlichen Kommunikator*innen wurde in der bestehenden Forschung noch nicht ausreichend beleuchtet. Erganzend ist anzumerken, dass es sich bei dem Forschungsfeld “Kunsthochschulen“ um ein bisher sehr fragmentiertes Feld handelt, dessen Auseinandersetzung mit seiner Geschichte und wichtiger institutioneller Bereiche nur unvollstandig oder lediglich in Teilbereichen stattgefunden hat. So lassen sich nur wenige deutsche Arbeiten als Referenzen auf diesem Gebiet nennen. Neben Joachim von SandrartsTeutschen Akademie2(1675), ist dies vor allem die Arbeit des Kunsthistorikers Nikolaus Pevsner zurGeschichte der Kunstakademien(1986). Sie zahlt bis heute zu den bekanntesten und umfassendsten Werken der Akademieforschung. Der Autor zeichnet die Entwicklung der europaischen Kunstakademien von ihren Anfangen im sechzehnten Jahrhundert uber den Barock und die Klassik bis in die dreiBiger Jahre des neuzehnten Jahrhunderts nach. Daran anknupfend hat sich, fast siebzig Jahre spater, Ekkehard Mai in seiner MonographicDie deutschen Kunstakademien im 19. Jahrhundert(2010) erneut mit der Entwicklungsthematik auseinandergesetzt und Pevsners Uberblick um die Zeitabschnitte des 17. bis 20. Jahrhunderts erganzt. Dabei stellt er die Geschehnisse an Kunstakademien in Stadten, wie Berlin, Dusseldorf, Munchen, Karlsruhe, Dresden, Weimar und Wien heraus und gibt einen Einblick in inhaltliche Aspekte zu Strukturen, Lehrangeboten, ebenso zu kunstlerischen Aufnahme- und Auswahlprozessen, wenn auch nur partiell und exemplarisch (vgl. dazu Gerstl 2010, S. 119). Dennoch stellt das Werk eine umfangreiche Basis fur kunftige Forschungsvorhaben dar und lasst auf eine Fort- und Weiterentwicklung im 21. Jahrhundert hoffen. Auch die Doktorarbeit der Kunstwissenschaftlerin Katja Tangian mit dem TitelSpielwiese Kunstakademie(2010) setzt sich mit dem Habitus, Selbstbild und Diskurs von Kunsthochschulen auseinander und kann als Erganzung zu den beiden vorangegangen Werken verstanden werden. Im Unterschied zu ihren mannlichen Vorgangern nimmt sie, neben einem historischen Ruckblick, erstmals eine Gegenwartsbetrachtung der Akademien vor und beschreibt damit auch vorhandene Probleme und Konflikte im Hochschulsystem. Allerdings bleiben auch hier die Strukturen und Rahmenbedingungen des Institutionstypus im Hintergrund. Der Jurist und Hochschullehrer Peter Michael Lynen hat sich am ausfuhrlichsten mit der Thematik auseinandergesetzt und dabei den Schwerpunkt vor allem auf kunst-rechtliche Aspekte sowie das Management von Kunst und Wissenschaft gesetzt.3 Damit endet allerdings die bisher vorgenommene Auseinandersetzung mit den Kunsthochschulen im deutschsprachigen Raum.4 Zwar existieren einige Beitrage in Sammelwerken, (Kunstler*innen-) Monographien und Einzelstudien, die sich punktuell mit institutionellen Aspekten von Kunstakademien auseinandersetzen (vgl. hierzu bspw. Muller-Jentsch 2011, Hausmann 2014 oder Schurkmann 2017), doch konnen diese die Informationslucke nicht schlieBen, die hinsichtlich der strukturellen und organisatorischen Arbeit von Kommunikationsverantwortlichen an Kunsthochschulen existiert. Eine internationale Ausnahme auf dem Gebiet der soziologischen Forschung bildet eine Untersuchungsreihe, die an Kunsthochschulen in GroBbritannien und der Schweiz durchgefuhrt wurden. Sie nehmen dabei das kunstlerische Zulassungsverfahren in Bezug auf soziale Ungleichheiten in den Blick{Widening ParticipationsowieMaking Differences: Schweizer Kunsthochschulen).Bislang lasst eine umfassende, die Geschichte sowie die organisatorischen Strukturen an deutschen Kunsthochschulen analysierende Darstellung aber noch auf sich warten (vgl. Walczak 2010). Aus diesem Grund stellen Festschriften5, ebenso wie Symposien aus den Akademien selbst, eine sinnvolle und notwendige Erganzung zur heutigen Institutionsforschung dar, da sie einen Einblick in wesentliche Aspekte des Kunsthochschul-betriebes ermoglichen. Weiterhin ist anzumerken, dass Forschungsliteratur, die sich ausschlieBlich der Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen widmet, sowohl im deutschsprachigen als auch in intemationalen Raum bislang so gut wie nicht existent ist, auBer, man sieht von einigen, wenigen Studien der Hochschulforschung ab (LeBmollmann et al., 2017; Schwetje et al., 2017; Marettek et al. 2019). Eine Ausnahme bildet hier das ForschungsprojektHochschulkommunikation erforschen,das sich hochschulubergreifend mit den Kommunikationsabteilungen von Hochschulen in ganz Deutschland beschaftigt hat und als Ausgangs- und Anknupfungspunkt fur die Auseinandersetzung der vorliegenden Arbeit mit dem Thema gilt. Allerdings finden die Kunsthochschulen auch hier nur am Rande Erwahnung, was eine nahere Beschreibung des Feldes unabdingbar macht. Die hier vorliegende Arbeit versteht sich als eine Annaherung an die Thematik und will versuchen den Literaturbestand zu erweitern. Es gilt deshalb, einen Forschungsuberblick zur Hochschulkommunikation zu geben und die wichtigsten Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Zielsetzung dieser Arbeit herauszustellen.

1.2.2 Forschungssituation zur Hochschulkommunikation

Bei der Hochschulkommunikation handelt es sich noch immer um ein relativ junges Forschungsfeld, das seit der gestiegenen Auseinandersetzung mit der Wissenschafts- kommunikation in den 1990er Jahren zunehmend ins Zentrum der Betrachtung geruckt ist und seither kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat. Verschiedene Forschungsfelder, darunter die PR- und Organisationskommunikationsforschung, die Kommunikationswissenschaft, die Linguistik und alien voran die Hochschulkommunikationsforschung haben sich inzwischen in diversen Forschungsarbeiten mit dem Themenfeld beschaftigt und dabei verschiedene Teilaspekte der Hochschulkommunikation beleuchtet. Folgt man den Empfehlungen von Schwetje et al. (2017, S. 7f.), so lassen sich vier Themenschwerpunkte identifizieren, nach denen sich, die bisher existierenden Studien auf dem Gebiet einordnen und kategorisieren lassen. Diese sind:

-Studien zum Berufs- und Arbeitsfeld der Hochschulkommunikation
-Studien zum Einsatz einzelner Kommunikationsinstrumente und -kanale in der Wissenschafts- und Hochschulkommunikation
-Studien, die betriebswirtschaftliche Sichtweisen und Strukturen in den Blick nehmen
-Studien, die die Auswirkungen von Steuerungsprozessen auf die Hochschul­kommunikation untersuchen

Hierbei geht es vorrangig um Themen, wie Hochschulmarketing (z.B. Voss 2006, Muller- Bohling 2007, Wehr 2011), Hochschul-PR und deren Ausstattung, Ziele und Strategien (z.B. Buhler et al. 2007) sowie ansatzweise auch um deren Strukturen (z.B. Hohn 2011). AuBerdem um das Image- und Reputationsmanagement von Hochschulen (z.B. Hemsley-Brown et al. 2015) sowie den Einsatz verschiedener Kommunikationsinstrumente und -kanale in der Hochschulkommunikation (z.B. Kohring/Matthes 2001, Friedrichsmeier et al. 2013; LeBmollmann et al. 2017). Obwohl die hier aufgelisteten Studien ein breites Themenspektrum abdecken, ist der diesbezugliche Forschungsstand in Deutschland noch sehr fragmentiert, da nur wenige Studien die Hochschulkommunikation ganzheitlich betrachten (z.B. LeBmollmann et al., 2017; Schwetje et al., 2017, Hauser 2020).

Das bisher umfangreichste Werk ist ein Sammelband mit dem TitelForschungsfeld Hochschulkommunikation(2019), dass die wichtigsten Erkenntnisse auf dem Gebiet systematisch zusammengetragen hat und damit erstmals verschiedene Forschungsbefunde aus dem deutschsprachigen Raum miteinander vereint. Es ist das bisher umfassendste und differenzierteste Werk auf dem Gebiet und dient, neben dem Forschungs-projektHochschulkommunikation erforschen,als die wichtigste Erorterungsgrundlage fur die hier vorliegende Masterarbeit. Empirische Daten zu den Kunsthochschulen finden sich bis dato lediglich in diesen beiden Studien (LeBmollmann et al. 2017 und Schwetje et al. 2017), die zeigen, dass sich die Ziele und Aufgaben der Kommunikationsabteilungen, ebenso wie deren Selbstverstandnis zum Teil deutlich von anderen Hochschulformen unterscheiden und daher einer genaueren Betrachtung unterzogen werden mussen. Aus diesem Grund sollen im nachfolgenden Kapitel die wichtigsten Erkenntnisse und Hinweise aus den beiden Studien extrahiert werden. Diese Aussagen gilt es spater, mit den im empirischen Teil gewonnen Erkenntnissen in ein direktes Verhaltnis zu setzen.

1.2.3 Studie Hochschulkommunikation erforschen

Bei dem Forschungsprojekt handelt es sich um zwei, vom Bundesverband Hochschulkommunikation initiierte und von der Volkswagen Stiftung geforderte Studien, die sich aufgrund des Mangels an verlasslichen Informationen mit dem Berufsfeld der Hochschulpressestellen auseinandergesetzt haben.6 Das Forschungsprojekt wurde als Langsschnittstudie konzipiert, die in Form einer groB angelegten Online-Umfrage mit Hochschulkommunikator*innen in ganz Deutschland durchgefuhrt wurde. Dabei wurde uber einen Zeitraum von zwei Jahren in zwei Befragungswellen7, einer Erstbefragung (Umfragezeitraum: Marz bis Mai 2016), sowie einer sich daran anschlieBenden Nachfassaktion (Umfragezeitraum Dezember 2016 bis Februar 2017) versucht, aktuelle Zahlen und Informationen zu den Kommunikationsabteilungen zu generieren, um allgemeingultige Aussagen uber das Feld der Hochschulkommunikation treffen zu konnen. Die Ergebnisse der quantitativen Befragungen verweisen darauf, dass sich im Arbeitsfeld, der in der Regel kleineren Hochschulgruppe (dazu zahlen Kunst- und Musikhochschulen, Theologische Hochschulen sowie Universitatskliniken) gewisse Unterschiede zeigen, die eine eingehende wissenschaftliche Untersuchung lohnenswert machen.

Die hier vorliegende Arbeit beschaftigt sich ausschlieBlich mit den Kunsthochschulen, weswegen andere Hochschulformen bei der Betrachtung der Studien ausgeklammert werden. Allerdings ist im Vorfeld anzumerken, dass bei dem Forschungsprojekt die Kunst- und Musikhochschulen zusammengefasst betrachtet wurden, was eine individuelle Darstellung der beiden Hochschularten erschwert. Dennoch sollen hier einige, allgemeingultige Aussagen extrahiert und im Folgenden zusammengetragen werden. Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass in den Kunst- und Musikhochschulen in vielen Fallen „Ein-Personen“- Kommunikationsabteilungen dominieren, die oft auch nur mit einer (Teilzeit-)Stelle besetzt sind und damit deutlich unter dem Empfehlungswert der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) liegen, die seit den 90er Jahren fur eine Mindestausstattung ,,von drei bis sechs qualifizierten Kommunikationsfachleuten“ pladiert (vgl. HRK 1995, S. 4)8. Die Kopf- und Stellenzahlen fur die in der Regel kleineren Hochschulen (gemessen an den Studierendenzahlen) liegen bei einem durchschnittlichen Wert von 2,2 vollen Stellen und zeigen, dass die Kunsthochschulen uber eine weitaus geringere personelle Ausstattung verfugen, als andere Hochschulformen, die mit durchschnittlich 4,9 Stellen doppelt so viele Mitarbeiter*innen verzeichnen (vgl. Schwetje et al., 2017, S. 22f.). Die Ergebnisse zeigen auch, dass ein Zusammenhang zwischen der HochschulgroBe und der personellen Ausstattung der Kommunikationsabteilungen besteht. Die Kommunikationsabteilungen der Kunsthochschulen sind unabhangig von ihrer GroBe wesentlich ofter, als bei anderen Hochschulformen auf der obersten Fuhrungsebene angesiedelt, d.h. in den meisten Fallen direkt der Hochschulleitung unterstellt (vgl. Schwetje et al., 2017, S. 18f.). Dies bestatigen, die von Tobias Hohn erhobenen Daten aus dem Jahr 2011, der eine solche Zuordnung ebenfalls feststellt (vgl. Hohn 2011, S. 200). Allerdings gibt diese Tatsache noch keine Hinweise auf deren Stellenwert innerhalb der Hochschule und bedarf daher einer Uberprufung im empirischen Teil der Arbeit. Verglichen mit anderen Hochschulformen, weisen die Kunsthochschulen groBe Unterschiede in Bezug auf die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Akteursgruppen auf. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kommunikator*innen einen sehr engen Kontakt zu den Studierenden pflegen, da sie diese bei der Entwicklung ihres kunstlerischen Selbstverstandnisses begleiten bzw. ihnen helfen dieses zu scharfen. Auch zu den Professor*innen besteht ein enger Kontakt (vgl. Schwetje et al., 2017, S. 26). Externe Akteursgruppen, wie Galerist*innen oder Kooperationspartner*innen derHochschule (z.B. Stiftungen oderMuseen) kommen als weitere Einheiten hinzu und deuten ebenfalls auf die „spezifische organisatorische Ausgestaltung“ (ebd. S. 27) der Hochschulform hin. Diese Beziehungsgeflechte gilt es zu erfassen, auf mogliche Spannungsverhaltnisse zu uberprufen und Konkurrenzgeschehen auszuleuchten.

Die Autor*innen des Forschungsprojekts haben zudem festgestellt, dass die Kommunikations- abteilungen der Kunsthochschulen ein sehr groBes Aufgabespektrum wahrnehmen mussen, wobei ihre Arbeit oft auch ,,uber den Bereich Hochschulkommunikation hinausgeht und in Tatigkeiten, wie Studienberatung oder Alumni-Arbeit“ (vgl. ebd. S. 26) munden, die an anderen Hochschulen meist in dezentrale Abteilungen ausgelagert sind. Solche dezentralen Kommunikationsabteilungen findet man bei den Kunsthochschulen verhaltnismaBig selten (vgl. ebd. S. 29). In den meist kleineren existiert oft nur eine zentrale Kommunikations- abteilung in der alle Aufgaben bei einer Person zusammenlaufen (vgl. ebd. S. 20). Dies fuhrt zu Unzufriedenheit, die bei dieser Gruppe wesentlich hoher als bei anderen Gruppen ist, was daran liegen konnte, dass die Aufgaben mit Hilfe der vorhandenen Strukturen nur schwer oder kaum zu bewaltigen sind (vgl. ebd. S. 48). Da dies eine Vermutung der Autorin ist, soil diese These in der hier vorliegenden Arbeit ebenfalls einer Uberprufung unterzogen werden. Insgesamt lasst sich aus den beiden Studien die Erkenntnis gewinnen, dass jede der untersuchten Hochschulformen unterschiedliche, gesellschaftliche Aufgaben zu erfullen haben, die wiederum Einfluss auf die Hochschulkommunikation nehmen. Kunsthochschulen haben dabei eine „ganz eigene Ausrichtung und damit spezifische Herausforderungen der Hochschulkommunikation zu meistem“ (ebd. S. 57). Die vorliegende Untersuchung nimmt diese dargelegten Besonderheiten zum Anlass mit Praktiker*innen aus dem Berufsfeld zu sprechen und so die konkrete Ausgestaltung der Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen im empirischen Teil zu explorieren.

1.3 Anliegen und Aufbau der Arbeit

Unter Zuhilfenahme von Experteninterviews (vgl. Bogner et al., 2014) werden die Kommunikationsabteilungen der Kunsthochschulen einer naheren Betrachtung unterzogen. Im Fokus stehen dabei die folgenden Leitfragen:

(1) Wie gestaltet sich die Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen im Allgemeinen und welche Ziele werden damit verfolgt?
(2) In welcher Rolle und Funktion sehen sich die Kommunikator*innen selbst?
(3) Wie formiert sich ihr Handeln innerhalb der vorgegebenen Organisationsstrukturen und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen?
(4) Welche Formen von Kommunikation bzw. welche Kommunikationsinstrumente spielen im Alltag dieser Gruppe eine wichtige Rolle?
(5) Lassen sich ggf. Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zu anderen Hochschultypen erkennen und herausarbeiten?
(6) Welche Wunsche und Hoffnungen hegen die Kommunikator*innen fur die Zukunft der Hochschulkommunikation an den Kunsthochschulen?

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte. Der theoretische Teil gibt neben einer Begriffserklarung der Hochschulkommunikation und ihrer Akteure(Kapitel 2.1),einen Uberblick uber die Entwicklungen der deutschen Hochschullandschaft und den damit einhergehenden Veranderungen fur die Hochschulkommunikation(Kapitel 2.2).Dabei soil ihre Entwicklung, von dem einst stiefmutterlich behandelten Feld zu einem heute wichtigen und integralen Bestandteil der strategischen Positionierung von Hochschulen in groben Zugen nachgezeichnet werden. Weiterhin soil inKapitel 3mit einer Beschreibung der Kunsthochschulen und den Besonderheiten der Institutionen, der Bezugsrahmen dieser Arbeit gesteckt werden. Daran anknupfend soil das Feld der Kunsthochschulen mit einer Differenzierung der kunstlerischen AuBerungsformen(Kapitel 3.1.1)und ihrer rechtlichen Sonderstellung(Kapitel 3.1.2)beschrieben werden. Die Abgrenzung zu anderen kulturellen Einrichtungen(Kapitel 3.1.3)soil zeigen, welchen Stellenwert sie in der kunstlerischen Nachwuchsforderung und fur den Erhalt der Kunst und Kultur in der Gesellschaft einnehmen.

Aufbauend auf dem aktuellen Forschungsstand und den theoretischen Grundlagen soil im methodischen Teil, mit Hilfe eines zur Verfugung gestellten Leitfadens, eine Befragung mit ausgewahlten Vertreter*innen der Kommunikationsabteilungen von Kunsthochschulen durchgefuhrt werden. Hierfur gilt es zunachst das methodische Vorgehen zu beschreiben(Kapitel 4),an das dann der praktische Teil, die Darstellung und Einordnung der Ergebnisse(Kapitel 5 und 6),anknupft. Die explorativen Befragungen sollen Aufschluss uber die Ausgestaltung der Hochschulkommunikation liefern und etwas uber das Rollenverstandnis und die damit verbundenen Uberzeugungen der Kommunikator*innen in Erfahrung bringen (vgl. LeBmollmann et.al., 2017, S.59). AuBerdem soil gezeigt werden, wie interne Prozesse innerhalb der spezifischen Hochschulform ablaufen und welche Besonderheiten diese Hochschulgruppe von anderen Gruppen in anderen Hochschulformen unterscheidet. In der Schlussbetrachtung gilt es, die Ergebnisse zu diskutieren und einen Ausblick zu offen gebliebenen Forschungsfragen zu geben(Kapitel 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.l: Gang der Untersuchung (eigene Darstellung)

II. Theoretischer Teil

2. Hochschulkommunikation

Um die im empirischen Teil dargestellten Befragungsergebnisse interpretieren zu konnen, ist es vorab erforderlich, eine theoretische Fundierung des Themas vorzunehmen und einige zentrale und synonym verwendete Begriffe voneinander abzugrenzen. Hierbei soil versucht werden eine Arbeitsdefmition festzulegen, die den Betrachtungsgegenstand sinnvoll eingrenzt und bestimmte Eigenheiten der Kommunikation von Hochschulen manifestiert(Kapitel 2.1).Im Anschluss soil gezeigt werden, wie sich die Hochschulkommunikation im Laufe der Zeit entwickelt hat(Kapitel 2.2).Der strategischen Institutionalisierung von Kommunikation an Hochschulen geht ein langer Entwicklungsprozess voraus, der noch andauert und hier in groben Zugen umrissen werden soil (siehe dazu detailliert Koenen & MeiBner 2019, Laukotter 2014, Hohn 2011,Buhler 2007).

2.1 Begriffsbestimmung: Hochschulkommunikation und ihre Akteur*innen

In der Praxis werden die Begriffe Public Relations, Presse- und Offentlichkeitsarbeit, Marketing oder Hochschuljournalismus u.a.m. fur die Arbeit der Kommunikationsabteilungen an Hochschulen meist synonym verwendet. An vielen Hochschulen ist sie auch unter dem Begriff Hochschulkommunikation subsummiert, allerdings ist umstritten, inwieweit klassische Konzepte aus der PR oder dem Marketing auf die Hochschulkommunikation ubertragbar sind. Es zeigt sich, dass sowohl im praktischen als auch im wissenschaftlichen Berufsfeld ein einheitliches Begriffsverstandnis fehlt. Ein allgemeiner Definitionsversuch ist auch deshalb schwierig, da der Bereich in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen hat, wodurch die Arbeit der Kommunikationsverantwortlichen an Hochschulen einer standigen Diversifizierung und Erweiterung ausgesetzt ist, die es fast unmoglich macht, den Begriff einheitlich zu bestimmen. Fur die hier vorliegende Arbeit werden zwei Zugange herausgestellt, die sich eignen, den Betrachtungsgegenstand sinnvoll einzugrenzen und bestimmte Eigenheiten der Kommunikation von Hochschulen abzubilden. Ein Ansatz versteht Hochschulkommunikation als Teildisziplin des groBeren Feldes Wissenschaftskommunikation (vgl. hierzu z. B. Schafer et al. 2015, Weingart und Gunther 2016), der alle Aspekte der wissenschaftlichen Kommunikation an Hochschulen umfasst. Der andere Ansatz ist eine organisationssoziologische Perspektive, der die Hochschulkommunikation und ihre Einbettung in die Organisation Hochschule in den Blick nimmt (vgl. Hauser 2020., S. 14 sowie Fahnrich et al. 2019, S. 8). Beginnend mit erstgenanntem kann Wissenschaftskommunikation als „alle Formen von auf wissenschaftliches Wissen oder wissenschaftliche Arbeit fokussierter Kommunikation“ verstanden werden, die ,,sowohl innerhalb als auch auBerhalb der institutionalisierten Wissenschaft, inklusive ihrer Produktion, Inhalte, Nutzung und Wirkungen“ (Schafer et al. 2015, S. 13) betrieben wird. Sie umfasst damit samtliche Kommunikation von und uber Hochschulen. Diese Definition erweist sich bei naherer Betrachtung allerdings als zu vage, da sie lediglich den Kommunikationsgegenstand in den Blick nimmt (vgl. Hauser 2020, S. 14), nicht aber die Organisation “Hochschule“9 mit ihren strukturellen Besonderheiten. Das Handlungsfeld der Organisationskommunikation umfasst alle Kommunikationsformen in und von Organisationen und ..schlicbt formale und informale, strategische und spontane, schriftliche und mundliche, medienvermittelte und interpersonale Kommunikation ebenso ein, wie auch interne und exteme Kommunikation, Marketingkommunikation und PR.“ (Rottger et al. 2014, S. 25)

Mit der Kombination dieser beiden Begriffsdefinitionen folgt die Autorin den Empfehlungen von Christiane Hauser, die ein engeres Verstandnis fur die Betrachtung von Hochschulkommunikation vorschlagt und den Fokus auf die „Hochschulkommunikation, den darin aktiven Akteuren sowie den organisatorischen Rahmenbedingungen“ (Hauser 2020, S. 12) legt. Damit setzt sich die Kommunikationsarbeit von Hochschulen aus zwei groBen Strangen zusammen: Auf der einen Seite die Wissenschaftskommunikation, die dem gesellschaftlichen Gemeinwohl nach interessensfreiem Wissen verpflichtet ist und die „Vermittlung von Wissenschaft“ und „Verstandigung uber Wissenschaft“ (Raupp 2017, S. 150) zum Ziel hat und auf der anderen Seite die Wissenschafts-PR, die sich an den Interessen der Organisation orientiert und dem „Erhalt und Ausbau organisationaler Legitimitat“ (ebd.) verschrieben ist. Hier zeigt sich das Spannungsverhaltnis, mit dem die Hochschul­kommunikation konfrontiert ist und in dem sich die Kommunikationsverantwortlichen der Hochschulen immer wieder neu verorten mussen. Begrunden lasst sich das durch die Einbettung der Hochschulen in verschiedene systemische Zusammenhange. Sie sind Raupp (2017) zufolge als ,,der Wissenschaft und Forschung verpflichtete Organisationen [...] in ein wissenschaftliches, daruber hinaus in ein gesellschaftliches Umfeld eingebettet. Als offentlich finanzierte Organisationen [...] aber auchTeil eines politischenUmfelds, und [...] angesichts der zunehmenden Wettbewerbsorientierungund Ressourcenverknappung [sind sie] auchineinokonomischesUmfeldeingebettet.“ (ebd. S. 157).

Dadurch befinden sich die Hochschulen in einem Geflecht unterschiedlicher Erwartungen und Anspruche. Sie mussen oder sollen einer Vielzahl von internen und externen Stakeholdem10 gerecht werden. Um den an sie gestellten gesellschaftlichen Bildungs- und Aufklarungszielen Genuge zu tun, ohne dabei ihren „Selbsterhalt und Ressourcengewinn“ (ebd. S. 151) zu vernachlassigen, herrscht in den Hochschulen seit geraumer Zeit eine „Okonomie der Aufmerksamkeit“ (Russ-Mohl 2006, S. 100). Dies verlangt von den Kommunikations- verantwortlichen gezielt offentliche Aufmerksamkeit fur die Belange der Hochschule zu generieren, wobei sie als institutionell gebundene Kommunikator*innen die strategischen und gesellschaftlichen Organisationsziele ihrer Hochschule nicht aus den Augen verlieren durfen. So mussen die Verantwortlichen nicht nur den teilweise widerstrebenden Bedurfnissen verschiedener Anspruchsgruppen gerecht werden, sondem auch als eine Art Bindeglied zwischen der Wissenschaft, der Organisation Hochschule und der Wirtschaft fungieren, um dafur Sorge tragen zu konnen, dass alien ein entsprechendes MaB an Aufmerksamkeit zu Teil wird und ein wiedererkennbarer und pragnanter Markenauftritt gelingt. Die Hochschul­kommunikation lasst sich daher „als Oberbegriff fur das gesamte Beziehungsmanagement im Rahmen der Organisationskommunikation“ (Bentele/Will 2008, S. 164) begreifen und bekommt dadurch eine zusatzliche Kontur.

Fur die Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen lasst sich daruber hinaus ein weiteres Feld aufmachen. Neben dem zuvor beschriebenen wissenschaftlichen Aspekt liegt ihre Hauptaufgabe in der Vermittlung und Verstandigung von und uber Kunst und Kreativitat. Ihre Aufgabe es ist, die Botschaften der hochschulinternen Kunst(-produktion) in die Offentlichkeit zu tragen. Die Kunstkommunikation steht damit in engem Kontext zur Wissenschafts- kommunikation und gehort, neben dem Legitimierungsauftrag, zu den Kemaufgaben der Kommunikationsverantwortlichen. Sie haben den Auftrag sowohl fur die Akteursgruppen der Kunsthochschulen als auch fur die Kunst selbst, offentliche Aufmerksamkeit zu generieren. Dafur bedienen sie sich verschiedener Vermittlungsformen, deren Stellenwert es im Verlauf der Arbeit noch zu eruieren gilt. Erst einmal soil es aber im nachfolgenden Kapitel darum gehen, den zeitgeschichtlichen Institutionalisierungsprozess der Hochschulkommunikation einer naheren Betrachtung zu unterziehen. Daraus ergeben sich allgemeine Hinweise zur Rolle, Position, Ausstattung und Ausrichtung der Abteilungen. Diese chronologische Darstellung ist wichtig, um zu zeigen, welche wesentlichen Entwicklungen die Kommunikationsabteilungen im Laufe der Zeit gemacht haben und welche Rolle die Kommunikation heute spielt, wo sie steht und was sie ausmacht.

2.2 Hochschulkommunikation im zeitgeschichtlichen Entwicklungsprozess

Die Hochschullandschaft in Deutschland hat in den letzten Jahren viele Entwicklungsphasen durchlaufen, die nicht nur eine zunehmende Ausdifferenzierung des Hochschulsystems zur Folge hatte, sondern auch zu einem Bedeutungsgewinn fur die offentliche Kommunikation von Hochschulen fuhrte. Der Ursprung fur die Presse- und Offentlichkeitsarbeit an Hochschulen lasst sich auf das Jahr 1952 zuruckdatieren Damals sprach sich die Westdeutsche Rektorenkonferenz (WRK) erstmals fur den Auf- bzw. Ausbau von Hochschulpressestellen aus, und hat so die Einbindung von Kommunikationsabteilungen in die strategischen Prozesse von Hochschulen, wie wir sie heute kennen, maBgeblich angestoBen. Den Empfehlungen zufolge sollten ,,Mitteilungen aus dem Leben der Hochschulen [...] in Form regelmahiger Zusammenstellungen und, wenn moglich durch Pressekonferenzen bekannt gemacht werden. Kommentierte Artikel in der Lokalpresse sowie grundsatzliche Aufsatze sollten [...] das Interesse der Offentlichkeit an den Hochschulen intensivieren. Das gleiche gilt fur Publikationen durch den Rundfunk. Auch die Moglichkeiten, die der Film bietet, sollten genutzt werden [...] Fur die personellen und technischen Arbeitsvoraussetzungen einerPressestelle ware Sorge zu tragen“ (WRK 1952, S. 26, zitiert nachEscher 2001, S. 13)

Trotz aller Vorgaben, Forderungen und Empfehlungen seitens des WRK und anderer Initiatoren wurde die Offentlichkeitsarbeit von den Hochschulen lange Zeit weitestgehend vernachlassigt. Die Grande hierfur sind groBtenteils spekulativer Natur, doch es ist anzunehmen, dass das damalige Denken der Hochschulen ein wesentlicher Faktor fur das mangelnde Interesse an einer professionellen Offentlichkeitsarbeit war, da ihre Positionierung vorrangig der Selbstprofilierung diente und weniger dem gesellschaftlichen Austausch zu Themen, wie „Studienbedingungen [...], Ausbildungsziele [oder] Organisationsfragen der Hochschulen“ (Kirchner 1979, zit. nach Dettmar 1994, S. 24). Damit war die Offentlichkeitsarbeit vorerst auf das Herausgeben von Personalnachrichten, wie Ehrungen, Preisverleihungen, Todesfalle, Rektoratsreden, Habilitationsschriften, u.a.m. beschrankt (vgl. HRK 1993, S. 31).

Erst Ende der Sechzigerjahre, als mit den Studentenunruhen die Forderungen nach einer starkeren Demokratisierung und Transparenz der Hochschulen laut wurden, gerieten diese in Zugzwang und bauten ihre Pressestellen, als Gegenreaktion auf die studentischen Proteste, weiter aus. Dieser Ausbau war allerdings kein Zugestandnis an die studentischen Forderungen, sondem dienten, laut Rainer Dettmar, als „Verteidigungsstellen der Rektoren, Professoren und Wissenschaftler gegen politische Angriffe“ (Dettmar 1994, zit. nach Escher 2001). So gesehen ist es nicht uberraschend, dass die Hochschulpressestellen, mit einer Ausstattung von meist nur einer Person an diesem Platz, weit hinter den Erwartungen ihrer Initiatoren zuruckblieben. Infolgedessen sah sich die WRK, zwolf Jahre nach Erscheinen ihrer ersten Erklarung, erneut aufgefordert ihrem Appell nochmals Nachdruck zu verleihen. Das Jahr 1972 stellt damit eine Zasur in der Entwicklung der Hochschulkommunikation dar, denn an alien wissenschaftlichen Hochschulen wurden in Folge der nochmaligen Aufforderung Pressestelle eingerichtet. Weitere Vorgaben, die teilweise umgesetzt wurden, waren u.a. die Ansiedelung der Pressestellen als Dienststellen an das Rektorat sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel fur Hilfskrafte. Trotzdem gab es nach wie vor groBe Unterschiede in Bezug auf die Personalsituation, die Ausstattung und den Etat (vgl. Hohn, 2011, S. 122). Daran anderte auch die Aufnahme der Offentlichkeitsarbeit in das Hochschulrahmengesetz nichts (siehe §2 Absatz 8HRG).

Mit der Umstrukturierung der europaischen Hochschullandschaft ab den 1980er und 1990er Jahren, die zu einer Neuausrichtung des tertiaren Bildungsbereichs fuhrten, stellte sich in den Hochschulen ein Einstellungswandel gegenuber der Relevanz von Offentlichkeitsarbeit ein. Grund dafur war, u.a. die Entstehung von Massenuniversitaten, mit deren Ausbau sich die Hochschulen einer immer lauter werdenden Kritik von Seiten der Politik und der Offentlichkeit stellen mussten. Der Vorwurf lautete Stillstand, Qualitatsverlust und Ineffizienz. Ein dusteres Zustandsbild der deutschen Universitaten. Als Konsequenz sollten der „Wettbewerb zwischen Hochschulen und Hochschuleinrichtungen gescharft [...] und [mehr] Leistungstransparenz geschaffen werden“ (WR 1985, S. 24), so die Forderung des Wissenschaftsrats. Eine prekare Situation, vor allem fur die Hochschulpressestellen. Dem steigenden Erwartungsdruck stand eine unverandert bescheidene Personal- und Etatlage gegenuber (vgl. Escher, 2001, S. 20) und zeigte, was in den Jahren zuvor versaumt worden war. Als im weiteren Verlauf der 1990er und 2000er Jahre schlieBlich ReformmaBnahmen, wie der Bologna-Prozess oder die Exzellenzinitiative die Hochschuldebatte bestimmten und seither fur eine verstarke Wettbewerbssituation im internationalen Hochschulraum sorgen, anderte sich die Bedeutung der Kommunikation erneut. Mit dem Einzug des “New Public Management (NPM) fand ein Wechsel vom traditionellen Selbstverwaltungsmodell hin zu einem betriebswirtschaftlich orientierten Managementmodell statt, das die Starkung der Hochschulleitung zur Folge hatte (vgl. Schimank., 2014, S. 27f.; vgl. hierzu auch Armbruster/Konig, 2003, S. 16). Seither bestimmen Ziel- und Leistungsvereinbarungen das Aufgabenprofil der Hochschulen und verlangen von ihnen, sich im Spannungsfeld von institutioneller Differenzierung und individueller Profilbildung, um offentliche Sichtbarkeit zu bemuhen. Damit einhergehend hat sich auch das Aufgabenspektrum der Hochschul-kommunikation erweitert. Sie muss immer mehr strategische Ziele ubernehmen, wie z. B. Reputationsgewinn, Markenbildung und offentliche Sichtbarkeit (vgl. Hauser 2020, S. 10). Dies stellt besondere Anspruche an die Kommunikationsverantwortlichen, die dazu angehalten sind im Konkurrenzkampf „um Sach- und Personalmittel, Forschungsforderung, wissenschaftliche Reputation und offentliche Anerkennung“ (Buhler 2007, S. 1), auch Ministerien, Drittmittelgeber*innen und Politiker*innen vom Leistungspotenzial der Hochschulen zu uberzeugen. Vor diesem Hintergrund hat sich nicht nur die Bereitschaft der Hochschulen erhoht, mehr Mittel fur die Kommunikationsabteilungen zur Verfugung zu stellen und ihren Ausbau voranzutreiben (vgl. Koenen/MeiBner 2019, S. 53), sondem der nunmehr veraltete Ausdruck „Pressestelle“ wurde vielerorts durch neue Bezeichnungen, wie etwa Stabsstellen fur Kommunikation, Marketing und Events oder Dezernat fur Hochschulkommunikation (vgl. dazu z.B. Wandt 2019, S. 434; Schafer et al. 2015, S. 129) ersetzt.11 Entsprechend wurden auch die alten Berufsbezeichnungen, wie Pressesprecher*in oder Pressereferent*in von neuen Bezeichnungen, wie Leiter*in der Stabsstelle Kommunikation und Medien erganzt bzw. abgelost. Sie tragen damit dem neuen Selbstverstandnis der Kommunikator*innen Rechnung und bilden auf diese Weise auch die Vielfalt des Berufsfelds ab. Verschiedene Studien bestatigen diese Entwicklungen. So konnten u.a. Friedrichsmeier et al. fur den Zeitraum von 2005 bis 2010 bei 175 untersuchten Pressestellen sowohl einen Anstieg der finanziellen Mittel von 69 Prozent als auch ein personelles Wachstum bei 62 Prozent ermitteln. Umgerechnet auf voile Stellen sind das drei bis vier Personen pro Pressestellen, was dem Minimum der geforderten Personalressourcen entspricht (vgl. Friedrichsmeier et al., 2013, S. 24). Auch die StudieHochschulkommunikation erforschenbestatigt diese Zahlen und ermittelt daruber hinaus einen, uber alle Hochschultypen und -groBen gemittelten, durchschnittlichen Wert von „6,1 Personen auf 4,9 voile Stellen“ und bestatigt damit das ,,in den letzten Jahren oft beschriebene Wachstum der Kommunikationsabteilungen“ (Schwetje et al., 2017, S. 23).

Allerdings geht aus der Studie auch hervor, dass einheitliche Aussagen uber die Strukturen der Hochschulkommunikations-abteilungen nicht moglich sind. Vorwegnehmend lasst sich sagen, dass sich in den Abteilungen der Kunsthochschulen Tendenzen zur Professionalisierung und zum allgemeinen Ausbau abgezeichnet haben, wenngleich nicht in solchem MaB und Umfang, wie an den Universitaten und Fachhochschulen (vgl. hierzu LeBmollmann et al., 2017 und Schwetje et al., 2017).

Fur eine zusatzliche Dynamik im Feld der Hochschulkommunikation sorgt seit Beginn der Digitalisierung die allgemeine Transformation der Medienlandschaft. Damit verbundenen ist der Einsatz neuer Kommunikations- und Informationstechnologien, durch den sich der Arbeitsbereich der Kommunikationsabteilungen stark ausgeweitet und dabei sowohl auf zentraler als auch auf dezentraler Ebene diversifiziert und professionalisiert hat (vgl. Fahnrich et al., 2019, S. 11). Neue Kommunikationskanale und Aufgabenbereiche erweitem seither das Spektrum der klassischen Presse- und Medienarbeit. Auch ein verandertes Rezeptions- und Kommunikationsverhalten der Mediennutzer*innen gestattet es den Hochschulen, ihre Zielgruppen direkt anzusprechen und ermoglicht es ihnen, neue Wege der Interaktion mit verschiedenen Bezugsgruppen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu gehen. Daraus ergeben sich sowohl Chancen als auch Herausforderungen fur die Hochschulkommunikation. Diese muss in der Lage sein, ihrer Verpflichtung zum Gemeinwohl nachzukommen und trotzdem die institutionellen Interessen sowie journalistischen und medialen Anspruche nicht aus den Augen zu verlieren. Dabei muss sie, wie Wandt es beschreibt, die

„(1) Vielfalt der Bedurfnisse ihrer Anspruchsgruppen, (2) [die] bestehenden, lange gewachsenen Strukturen, [das] Wissen darum, dass manche Ablaufe anders organisiert und zeitgemaber erfolgen [...], sowie (3) der bestehenden und der dazu haufig im Gegensatz stehenden objektiv angemessenen Ressourcenausstattung“ (Wandt, 2019, S. 436) in Einklang bringen. Die Aus- und Weiterbildung der Hochschulkommunikation ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen, weshalb angenommen werden kann, dass sie auch in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird (Stichwort: strategische und politische Kommunikation) und sich gemaB kommender Entwicklungen verandert.

3. Kunsthochschulen und Akademien in Deutschland

Im folgenden Abschnitt gilt es, die Kunsthochschulen mit ihren strukturellen Rahmen- bedingungen und Entwicklungstendenzen im Zuge umfassender Reformen zu beschreiben. Im Zentrum stehen in diesem Zusammenhang ihre organisatorischen Besonderheiten und (Studien-)Strukturen(Kapitel 3.1),ihre inhaltliche Ausrichtung(Kapitel 3.1.1)sowie ihre rechtliche Stellung(Kapitel 3.1.2),Dabei wird auch auf die Sonderstellung der Kunsthochschulen eingegangen, die sie als einzigartige Kulturtrager auszeichnet(Kapitel 3.1.3),

3.1 Die Institution Kunsthochschule und ihre Sonderstellung

Trotz der weit verbreiteten Meinung, dass Kunst nicht oder nur bedingt lehrbar sei, gibt es allein in Deutschland zum gegenwartigen Zeitpunkt 26 Kunsthochschulen an 24 Standorten, darunter private und staatliche Kunsthochschulen sowie Akademien und vereinzelt auch Universitaten, die sich der Lehre der bildenden Kunste verschrieben haben. Ob Schauspiel, Literatur, Theater, Musik, Malerei, Mode, Neue Medien oder Architektur, die Kunsthochschulen bilden das gesamte Spektrum der Kunste ab und vermitteln, neben wissenschaftlichem und kunstlerischem Grundlagenwissen, v.a. auch materielle, technische und gestalterisch-kunstlerische Fertigkeiten, die die Studierenden zur Ausubung des Kunstlerberufes befahigen (sollen)12. Ebenso bringen sie Kunstpadagog*innen, wie auch Kunstwissenschaftler*innen hervor. Eine eindeutige fachliche Ausrichtung der Kunsthochschulen ist kaum moglich, da sie sich nicht nur in ihrer Struktur, ihrem Leitungssystem und ihrem Angebot voneinander unterscheiden, sondern auch durch ihre Studierendenzahlen (150 bis uber 4000) in der GroBe variieren. Dies wirkt sich auf ihre hierarchischen Organisationsstrukturen aus, die entsprechend variabel sein mussen. Dennoch ist eine Klassifizierung in Bezug aufihre inhaltliche Ausrichtung moglich und ergibt sich, auf Grund der anerkannten Einteilung, in die beiden Bereiche Bildende Kunst und Darstellende Kunst, wobei sich erstgenannter nochmal in die beiden Fachbereiche freie und angewandte Kunst unterteilen lasst (siehe dazu ausfuhrlichKapitel 3.1.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Ubersicht uber die Kunsthochschulen- und Akademien in Deutschland (Eigene Darstellung)

Die Kunsthochschulen bilden somit das Pendant zu den uber 400 wissenschaftlich ausgerichteten Universitaten und Fachhochschulen des Landes, deren Bildungsauftrag in (natur-) wissenschaftlichen Disziplinen verankert ist. Mit ihren Leistungen in Lehre, Forschung und Kunst tragen sie zur Kultur- und Bildungspolitik des Landes bei und geben nicht nur den Studierenden die Moglichkeit zur freien kunstlerischen Entfaltung, sondern bieten auch der Gesellschaft Raum fur kreative Begegnungen. Es ist ihre Aufgabe als Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst bzw. kunstlerischer Bildung zu fungieren und durch regelmabige, offentliche Ausstellungen, Publikationen sowie durch verschiedene Veranstaltungsformate dazu beizutragen, dass die Vermittlung kultureller Belange der gesellschaftlichen Fortentwicklung zugutekommt. Ungeachtet der Leistungen, die die Kunsthochschulen bei der Vermittlung von Kunst ubemehmen, ist es fur sie wesentlich schwieriger, sich im Spannungs- feld von Kunst, Wirtschaft und Politik gegenuber dem Staat und der Gesellschaft zu behaupten, da die kulturelle Evidenz ihrer Bildungsarbeit nur schwer nachweisbar ist. Zeitgleich macht sich die finanzielle Knappheit des Staates nicht nur in der Hochschulpolitik, sondem auch in der Kulturpolitik bemerkbar und setzt sie unter einen erhohten Legitimationsdruck. Was die Universitaten dank ihrer (natur-)wissenschaftlichen Forschungsarbeit schon langst geschafft haben, steckt bei den Kunsthochschulen meist noch in den Kinderschuhen. Sie mussen sich ,,in einer stark auf rationale Erkenntnis und kalkulatorische Vernunft fokussierten Gegenwart“ (Badura 2012, S.16) fur ihre Interessen einsetzen und lernen sich zu behaupten.

Wahrend die Kunst also von „direkten Leistungspflichten entbunden“ (Horisch, 2018, S. 5) ist, mussen die Kunsthochschulen seit geraumer Zeit ihr Dasein und ihre Funktion gegenuber der Politik und der Gesellschaft rechtfertigen. Obwohl sie bis zur Initiierung von Reform- Prozessen, Mitte der 1990er Jahre, weitgehend isoliert vom Rest der Hochschullandschaft waren, haben sich die Anforderungen an sie in den letzten Jahren nachhaltig verandert. Umstrukturierungsplane und hochschulpolitische MaBnahmen, wie die Einfuhrung von Bachelor- und Masterstudiengangen, Studiengebuhren, Evaluierungsverfahren oder auch modularisierte Systeme sind der Versuch, die kunstlerische Hochschulbildung den universitaren Anforderungen anzupassen (vgl. Jedermann, 2004, p. 86). Zwar gibt es nach wie vor Kunsthochschulen (ebenso Musikhochschulen und theologische Fakultaten), die sich gegen die flachendeckende Systemveranderung zur Wehr setzen und an ihrem Sonderstatus festhalten, doch auch sie mussen sich den immer lauter werdenden Forderungen nach mehr Effizienz und Effektivitat stellen. Sie sind dazu angehalten uber sich, ihre Leistungen, die Verwendung offentlicher Mittel und die Erfullung, der an sie gestellten Anforderungen sowohl gegenuber dem Staat als auch der Gesellschaft Rechenschaft abzulegen. Um anschlussfahig zu bleiben, haben sie inzwischen einige Anpassungen vorgenommen, die einen Hochschul- ubergang gewahrleisten sollen. Vor diesem Hintergrund lassen sich die folgenden drei Gruppen von Kunsthochschulen ausmachen:

- Traditonsreiche (Kunst-)Akademien,die durch ihr historisch-kulturelles Erbe an der personalisierten Lehre in (Meister-)Klassensystemen festhalten und noch das Diplom oder den Meisterbrief als Regelabschluss ausgeben
- Modularisierte Kunsthochschulen,die eine Angleichung an die Ausbildungs- strukturen der Universitaten vorgenommen haben und auf Bachelor- und Masterstudiengange umgestiegen sind

- Private Kunsthochschulen,die sich von den staatlichen Kunsthochschulen durch ihre private Tragerschaft abgrenzen und meist einen dezidierten kunstlerischen Fokus setzen

Im Unterschied zu anderen Hochschulformen stellt diese hier dargestellte Typen- differenzierung die Zusammengehorigkeit der Kunsthochschulen nicht in Frage, sondem gibt vielmehr Auskunft uber ihre strukturelle Ausrichtung und demonstriert, wie eine gelungene Ausdifferenzierung im europaischen Hochschulraum aussehen kann (vgl. Wissenschaftsrat 2010, S. 35f.). Die von Seiten der staatlichen Tragerschaft und der Hochschulpolitik geforderte Profilbildung ist bei den Kunsthochschulen allein durch ihren Gegenstandsbereich gegeben und ermoglicht es ihnen, aufgrund der Vielfalt im kunstlerischen Genre, unterschiedliche fachliche Schwerpunkte zu setzen. Um aber den Besonderheiten des kunstlerischen Studiums Rechnung zu tragen, gelten fur die Kunsthochschulen gewisse reformbezogene Sonder- regelungen, die fur sie zu veranderten Rahmenbedingungen fuhren, etwa wenn es um Themen wie Zugangsvoraussetzungen, Internationalisierung, Lehrdeputat, Studienstrukturen u.a.m. geht.

Bereits dieEignung und Zulassungzum Kunststudium ist nicht, wie bei anderen Hochschularten, uber einenNumerus claususund standardisierte Verfahren geregelt, sondem findet an Kunsthochschulen in Form vonkompetitiven Aufnahmeprufungenstatt. Eine Mappe mit kunstlerischen Arbeitsproben, praktische und mundliche Eignungsprufungen sowie Einzelgesprache sind hier die Schritte, die von den Bewerber*innen in der Regel zu durchlaufen sind. Dies ermoglicht den Hochschulen eine Selektion der Studierenden, auf Basis verschiedener, teils intransparenter Kriterien13, wodurch die Klassen bewusst klein gehalten werden (vgl. Saner 2019, S. 182ff). Formale Zulassungsbedingungen, wie der Erwerb einer Hochschulreife, sind dabei nicht zwingend erforderlich, da die kunstlerische Begabung der Bewerber*innen im Vordergrund steht. Es bewerben sich jahrlich mehrere tausend Interessierte um einen Studienplatz an einer der renommierten Kunsthochschulen im Land, von denen etwa drei Viertel abgelehnt werden, was den angenommenen Studienbewerber*innen einen gewissen Elite-Staus verleiht.

[...]


1 Im Folgenden werden alle Titel kursiv geschrieben.

2 Dabei handelt es sich um das erste bekannte deutsche Werk, das sich im deutschsprachigen Raum mit der Geschichte von Kunsthochschulen auseinandergesetzt hat.

3 Um nur einige seiner Schriften zu nennen:Kunst ist nicht lehrbar - oder doch?; Kunstrecht als Disziplin - Stand, Inhalte, Methoden, Entwicklungen', Freie Kunst a la Bolognese. Die Tauglichkeit des Bachelor-Master-Systems fur Studiengange der Freien Bildenden Kunst.Eine vollstandige Publikationsliste kann der folgenden Seite entnommen werden: httDs://www.mahmoudi-rechtsanwaelte.de/Dublikationen#nmahmoudi

4 Im Vergleich dazu ist der Forschungsstand zu franzosischen Kunstakademien weitaus umfangreicher. Vor allem dem franzosischen Vorbildder Academie Royale depeinture et de sculptureund ihrer Institutionsgeschichte sind inzwischen eine Reihe von Arbeiten gewidmet. Eine Bestandsaufnahme dazu liefert Markus A. Castor (2015).

5 Als eine derjungsten Arbeiten lasst sich hier der Frontbericht des Kunstprofessors und Maiers Wemer Buttner (2018) anfuhren, der anlasslich des SymposiumsUberlebensrate 4 %herausgebracht wurde und auf den Missstand hinsichtlich der Erfolgsquote nach Beendigung des Kunststudiums aufmerksam macht.

6 Eine detaillierte Beschreibung des Forschungsprojekts wurde denRahmen dieser Arbeit uberschreiten. Vielmehr dient das folgende Kapitel dazu, die wichtigsten Passagen beider Befragungswellen zusammenzufassen und in Bezug zu setzen, um sie im empirischen Teil der Arbeit mit den getatigten Expertenaussagen abzugleichen. Fur eine ausfuhrliche Projektdarstellung und Ubersicht der Projektberichte siehe https://wmk.itz.kit.edu/2489.php

7 Wahrend der Schwerpunkt der ersten Welle sich auf die Erschliehung von Basisdaten, Zielen und Aufgaben der Kommunikationsabteilungen konzentriert (vgl. LeBmollmann et al. 2017), liegt der thematische Fokus der zweiten Welle auf der Vemetzung und Zusammenarbeit der zentralen Hochschulkommunikatoren mit anderen sowie deren Rollenverstandnis und -veranderungen innerhalb der Hochschule (vgl. Schwetje et al. 2017).

8 Siehe dazu ausfuhrlichKapitel 2.2

9 Hochschulen, deren Hauptzweck die wissenschaftliche Forschung und Lehre darstellt, sind anders als Wirtschaftsuntemehmen, keine gewinnorientierten Organisationen. Ihnen liegt ein anarchisches Organisations- verstandnis zu Grunde, das sich durch unklare Ziele und Ablaufe sowie fluide Entscheidungsteilnehmer*innen (vgl. Raupp 2017, S. 157) charakterisieren lasst, und ihnen den Titel „organisierte Anarchien“ (Cohen und March 1974) einverleibt (siehe dazu detailliert Hauser 2020, S. 128; Fahnrich et al. 2019, S. 10 sowie Meier 2019, S. 27)

10 Hierzu zahlen potenzielle Studierende, Lehrende, der wissenschaftliche Nachwuchs, die Bundes- sowie Landesregierungen, die Gesellschaft, offentliche und private Drittmittelgeber*innen, politische Entscheidungs- trager*innen, u.a.m.

11 Wegweisend fur diese begriffliche Entwicklung war auch die Umbenennung der Arbeitsgemeinschaft der Hochschulpressestellen in Deutschland zum Bundesverband Hochschulkommunikation, in dem sich alle Kommunikationsverantwortlichen der Hochschulen seit 1969 zusammenschliehen (www.bundesverband- hochschul-kommunikation.de).

12 Der Einschub „(sollen)“ dient dazu, darauf hinzuweisen, dass der Abschluss eines Kunststudiums noch kein Garant fur eine erfolgreiche Karriere auf dem Kunstmarkt darstellt. Laut Expertenmeinung erhalten nur etwa 2 bis 4 % der Absolventen nach Beendigung ihres Studiums die Moglichkeit, auf dem Kunstmarkt zu partizipieren bzw. von der Kunst leben zu konnen (weiterfuhrende Literatur, die sich mit der Thematik auseinandersetzt, beispielhaft Buttner 2018, Tangian 2010, Berbner 2010).

13 Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Aufnahmeverfahren an Schweizer Kunsthochschulen ist dem BeitragDas Unbestimmbare bewertenvon Philipp Saner (2019) zu entnehmen, der Praktiken aus rechtfertigungs- theoretischer Perspektive genauer in den Blick nimmt.

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen. Eine empirische Untersuchung der Kommunikationsabteilungen
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Institut für Technikzukünfte (ITZ))
Veranstaltung
Wissenschaftskommunikation
Note
1,4
Autor
Jahr
2020
Seiten
119
Katalognummer
V1239787
ISBN (Buch)
9783346662118
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochschulkommunikation, Wissenschaftskommunikation, Pressearbeit, Kunsthochschule
Arbeit zitieren
Sina Jung (Autor:in), 2020, Hochschulkommunikation an Kunsthochschulen. Eine empirische Untersuchung der Kommunikationsabteilungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239787

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