Was in der deutschen Bevölkerung selbstverständlich war, vertraten zuerst auch die 4 Besatzungsmächte nach ihren Kriegskonferenzen sowie der Potsdamer Konferenz. Zwar sollte Polen deutsche Gebiete zur Entschädigung erhalten, aber die Einheit Deutschlands sollte das oberste Ziel der alliierten Besatzungspolitik sein. Da es in Deutschland nun einen kapitalistischen Westen und kommunistischen Osten gab, war eine Teilung vorhersehbar. Die Verschmelzung der amerikanischen und britischen Besatzungszonen zur Bizone, die Währungsreform, die Berlin-Blockade, aber auch unterschiedliche Strategien in der Entnazifizierung zerstörten das Vertrauen zwischen den Alliierten und verhinderten eine gemeinsame Besatzungspolitik. Aber warum wurden letztendlich zwei deutsche Staaten gegründet? Wer hatte den größten Anteil an der Gründung der Bundesrepublik? Inwiefern hatte man aus den Fehlern der Weimarer Republik gelernt? Warum wurde ausgerechnet die kleine Universitätsstadt Bonn zur Bundeshauptstadt? Welche Optionen wurden für eine deutsche Einheit offen gelassen? Diesen Fragen wird in der folgenden Seminararbeit nachgegangen. Sie soll weniger die soziale und wirtschaftliche Situation der Nachkriegszeit beschreiben und auch nicht die Schuld an der deutschen Teilung suchen, sondern die politischen Prozesse, die zur Gründung der Bundesrepublik in den westlichen Besatzungszonen führten. Das Hauptaugenmerk soll auf der Entstehung des Grundgesetzes liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
2. Stunde „Null“?
2.1 Verwaltungsaufbau und Besatzungspolitik
2.2 Entnazifizierung
2.3 Haltung der Westalliierten zum neuen deutschen Staat
3. Die Frankfurter Dokumente
4. Das Grundgesetz als Gründungsdokument der Bundesrepublik Deutschland
4.1 Der Konvent von Herrenchiemsee
4.2 Der Parlamentarische Rat
4.3 Die Ratifizierung des Grundgesetzes
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politischen Prozesse, die zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland in den westlichen Besatzungszonen nach 1945 führten, mit besonderem Fokus auf die Entstehung des Grundgesetzes. Ziel ist es, die Entwicklung hin zur Staatsgründung und die hierbei beteiligten Akteure zu analysieren.
- Die Besatzungspolitik und der Verwaltungsaufbau in den Zonen
- Die Rolle der Entnazifizierung und der alliierten Haltung
- Die Bedeutung der Frankfurter Dokumente für den Einigungsprozess
- Der Konvent von Herrenchiemsee als Vorarbeit zum Grundgesetz
- Die Arbeit des Parlamentarischen Rates und die Ratifizierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Verwaltungsaufbau und Besatzungspolitik
Als die Wehrmacht am 8. Mai 1945 kapitulierte, teilten die Alliierten das Deutsche Reich in vier Besatzungszonen auf. Die Gebiete östlich der Flüsse Oder und Neiße wurden hingegen unter polnische Verwaltung gestellt.
Am 5. Juli 1945 veröffentlichten die Oberbefehlshaber der alliierten Armeen die Berliner Deklaration oder die „Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der Übernahme der obersten Regierungsgewalt hinsichtlich Deutschlands“, welche die oberste Gewalt in Deutschland auf die britische, US-amerikanische, sowjetische und provisorische französische Regierung übertrug. Folglich betrieb jede Nation ihre eigene Besatzungspolitik und der Verwaltungsaufbau erfolgte in unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Bereits am 28. Mai 1945, also wenige Wochen nach der Kapitulation, ernannten die Amerikaner Fritz Schäffer (Bayrische Volkspartei) zum bayrischen Ministerpräsidenten und eine vorläufige Landesregierung. „[I]n der sowjetischen Besatzungszone wurden am 10. Juni politische Parteien und Gewerkschaften erlaubt […]“. Schon im September wurde in Sachsen die erste Bodenreform durchgeführt, während in der US-Zone zunächst auf Ebene der Landkreise politische Parteien zugelassen wurden. Um einen föderalistischen Staat zu schaffen, wurden starke Länder wie (Groß-) Hessen und Württemberg-Baden am 19. September gegründet. Im Februar 1946 beriefen die Länder (mit Zustimmung der Militärregierung) provisorische Volksvertretungen ein. Diese riefen im Juni 1946 Wahlen zu verfassunggebenden Landesversammlungen aus. Landtagswahlen folgten entsprechend ein paar Monate später im Dezember 1946. Am 18. September 1945 gründeten Theodor Heuss und Reinhard Maier in Württemberg-Baden die Deutsche Volkspartei (DVP), während in Bayern unter Tomas Dehler die Freie Demokratische Partei (FDP) entstand. Auch in den anderen Zonen wurden neue Parteien gegründet oder alte wiederbelebt (zum Beispiel SPD und KPD). In der Sowjetischen und Britischen Besatzungszone erheblich früher, in der Französischen Besatzungszone deutlich später.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Das Kapitel thematisiert die Forschungsfrage nach dem Provisoriumscharakter der jungen Bundesrepublik und grenzt den Untersuchungsgegenstand auf die politische Staatsgründung ein.
2. Stunde „Null“?: Hier werden der unterschiedliche Verwaltungsaufbau der Besatzungsmächte, die Ansätze zur Entnazifizierung und die Haltung der Alliierten beleuchtet.
3. Die Frankfurter Dokumente: Das Kapitel analysiert die „Londoner Empfehlungen“ und die daraus resultierenden Spannungen sowie Verhandlungen zwischen den Ministerpräsidenten und den Militärgouverneuren.
4. Das Grundgesetz als Gründungsdokument der Bundesrepublik Deutschland: Dieser Teil befasst sich mit der inhaltlichen Erarbeitung der Verfassung durch den Konvent auf Herrenchiemsee, die Arbeit des Parlamentarischen Rates und den Ratifizierungsprozess.
5. Fazit: Die abschließende Betrachtung hebt die Rollen von Adenauer und Schmid hervor und ordnet die Staatsgründung in den historischen Kontext der deutschen Teilung ein.
Schlüsselwörter
Bundesrepublik Deutschland, Grundgesetz, Parlamentarischer Rat, Besatzungspolitik, Konvent von Herrenchiemsee, Konrad Adenauer, Carlo Schmid, Föderalismus, Deutsche Teilung, Westzone, 1949, Besatzungsstatut, Verfassung, Alliierte, Staatsgründung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politischen Prozesse und Entscheidungsgrundlagen, die im Zeitraum von 1945 bis 1949 in den westlichen Besatzungszonen zur Entstehung des Grundgesetzes und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland führten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Besatzungspolitik, die Entstehung parlamentarischer Strukturen durch Gremien wie den Konvent von Herrenchiemsee und den Parlamentarischen Rat sowie die Konflikte um die föderale Ausgestaltung des neuen Staates.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der zentralen Frage nach, wie provisorisch die neu gegründete Bundesrepublik war und welche Faktoren und Prozesse zur Gründung eines westdeutschen Staates führten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin oder der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die sich primär auf Fachliteratur zur deutschen Nachkriegsgeschichte stützt, um politische Prozesse und die Rolle maßgeblicher historischer Akteure nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Besatzungszeit, die Analyse der Frankfurter Dokumente als Ausgangspunkt für die Verfassungsberatungen sowie die detaillierte Darstellung des parlamentarischen Prozesses zur Erarbeitung des Grundgesetzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Bundesrepublik, Grundgesetz, Parlamentarischer Rat, Besatzungsherrschaft, Föderalismus und Gründungsprozess definieren.
Warum wurde Bonn als Bundeshauptstadt gewählt?
Bonn wurde bevorzugt, da die Stadt als beschaulich galt und ihre Wahl den provisorischen Charakter des westdeutschen Staates unterstreichen sollte, um die Möglichkeit einer späteren Wiedervereinigung und eines Umzugs nach Berlin offen zu halten.
Welche Rolle spielte der Konvent von Herrenchiemsee?
Der Konvent diente als inhaltliche Vorarbeit für den Parlamentarischen Rat; obwohl sein Ergebnis rechtlich unverbindlich war, lieferte er eine essenzielle Arbeitsgrundlage und Vorentwürfe für das spätere Grundgesetz.
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- Tim Holzlehner (Autor), 2017, Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239802