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La negra que llaman honra - Ehre und Ehrbegriff im "Lazarillo de Tormes"

Title: La negra que llaman honra - Ehre und Ehrbegriff im "Lazarillo de Tormes"

Seminar Paper , 2007 , 22 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Nina Fanninger (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Im Jahre 1554 wird in Burgos, Alcalá de Henares und Amberes ein Buch mit dem Titel Vida de Lazarillo de Tormes y de sus fortunas y adversidades gedruckt. Das Werk erfreut sich großer Beliebtheit und wird zum Pioniertext einer neuen Literaturgattung, genannt novela picaresca. Der spanische Schelmenroman liefert in den fiktiven autobiographischen Erzählungen eines Anti-Helden das Bild eines Volkes, das vor Adelssucht, Stolz und Eitelkeit strotzt und einem Ehrbegriff erliegt, der zum Charakteristikum des Siglo de Oro wird.
Doch auf welche Säulen des spanischen Selbstverständnisses stützt sich dieses übersteigerte Ehrgefühl? Um dieser Frage nachzugehen, musste ich einen kurzen Abriss über geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklungen im Goldenen Zeitalter einbeziehen – wird doch im Werk die extratextuelle Welt widergespiegelt, die das Ehrkonzept für das Kollektiv definiert.
Die Hauptfragestellung der vorliegenden Arbeit soll jedoch die folgende sein: Wie wird das Phänomen Ehre im Lazarillo de Tormes dargestellt? Im Zuge meiner Analyse habe ich mich auf das dritte Kapitel der novela beschränkt, da das Thema dort einen herausragenden Stellenwert einnimmt. Von der Figur des hidalgo ausgehend, die zuerst gesellschaftlich situiert und definiert werden musste, extrahierte ich die im Text enthaltenen Maßnahmen des escudero zur Aufrechterhaltung seiner Ehre. Nachdem diese beiden ersten Teile bearbeitet waren, wurde mir klar, dass die vermeintliche Synonymie honor / honra noch einer genaueren Erwähnung bedarf und es noch an einer Erklärung der Termini fehlte. Diese eingehende Betrachtung führte mich auch zu der Überlegung, ob denn die Ehre nun ausschließlich ein Phänomen des Goldenen Zeitalters sei. Ist sie denn nicht gerade in den mediterranen Kulturen konstitutiv für den Charakter der Gesellschaft und bis heute von außerordentlicher Bedeutung? Oder wie Lazarillo sagen würde: “¡Oh, Señor, y cuántos de aquestos debéis Vós tener por el mundo derramados, que padecen por la negra que llaman honra lo que por Vós no sufrirán!”

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Die Ehre als Lebens- und Weltanschauung im spanischen Siglo de Oro

1.1 Die Ausbildung des nationalen Ehrgefühls

1.2 Die limpieza de sangre

1.3 Negocio vs. Ocio: Adelssucht im Siglo de Oro

2 Die Ehre im Lazarillo de Tormes

2.1 Die Figur des hidalgo

2.1.1 ¿Vos sabéis qué cosa es hidalgo?

2.1.2 El escudero como hidalgo

2.2 Die Rolle des hidalgo

2.2.1 Sustentar la honra – das oberste Gebot des hidalgo

3 Die Ehre: ein mehrdeutiger Begriff

3.1 Honor y honra: eine Synonymie?

3.2 Die Ehre als anthropologische Konstante

4 Das Konzept der Anti-Ehre

Zusammenfassung und Ausblick

Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Bedeutung des Phänomens "Ehre" im spanischen Schelmenroman Lazarillo de Tormes. Dabei wird analysiert, wie der Ehrbegriff im Siglo de Oro durch gesellschaftliche Strukturen wie den Adel, religiöse Reinheit und soziale Distinktion geprägt wurde und wie diese Ideale im Werk dekonstruiert werden.

  • Historische Herleitung des spanischen Ehrgefühls (Siglo de Oro)
  • Die Figur des hidalgo als Repräsentant adliger Statusansprüche
  • Linguistische und anthropologische Differenzierung zwischen honor und honra
  • Die Rolle der limpieza de sangre für den sozialen Status
  • Das Konzept der "Anti-Ehre" als Spiegelbild gesellschaftlicher Widersprüche

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Sustentar la honra – das oberste Gebot des hidalgo

Als Lazarillo eines morgens auf den escudero trifft, präsentiert sich dieser "con razonable vestido, bien peinado, su paso y compás en orden” (72). In durchaus überheblicher Art erklärt er dem Jungen: “Dios the ha hecho merced en topar comigo; alguna buena oración rezaste hoy” (72 f.). Lazarillo wird sein mozo und begleitet seinen neuen Herren sogleich zur Kirche, wo der cristiano viejo con sangre limpia “muy devotamente” (73) die Messe verfolgt. “A buen paso tendido” (73) schreitet der hidalgo über den Marktplatz – allerdings ohne einzukaufen – was Lázaro vermuten lässt: “debía ser hombre mi nuevo amo que se proveía en junto” (73), denn in großen Adelshäusern war es nicht üblich sich täglich um die Nahrungsbeschaffung zu kümmern. Da Lazarillo ungeduldig auf die erste Mahlzeit des Tages wartet, ergeht sich der escudero in einer Notlüge um den Mangel an Essbarem nicht zugeben zu müssen: “[...] yo había almorzado, y [...] hasta la noche me estoy ansí” (76). Hierbei handle es sich außerdem um eine Tugend, denn “el hartar es de los puercos y el comer regladamente es de los hombres de bien” (77).

Immer wieder versucht er den Jungen, der ihm langsam auf die Schliche kommt, auf diese Weise zu besänftigen – auch als er prophezeit: “Vivirás más y más sano. [...] Porque [...] no hay tal cosa en el mundo para vivir mucho que comer poco” (80). Das allmorgentliche Reinigunsritual vor dem Verlassen des Hauses soll der Wahrung des gepflegten Erscheinungsbildes eines hidalgo dienen: “comienza a limpiar y sacudir sus calzas y jubón y sayo y capa” (81); “vístese muy a su placer, de espacio” (81); [...] peinóse y púsose su espada en el talabarte” (81). Das Schwert verschafft ihm Stolz und Erhabenheit und gilt als wesentliches Distinktionsmerkmal für einen Mann seines Ranges. Das hohe Maß an Eitelkeit und die schwere Gewichtung von Eleganz, Haltung und Pose erfährt meiner Meinung nach in folgender Beschreibung seine schönste Ausformung: “Y con un paso sosegado y el cuerpo derecho, haciendo con él y con la cabeza muy gentiles meneos, echando el cabo de la capa sobre el hombro y a veces so el brazo, y poniendo la mano derecha en el costado, salió por la puerta [...]” (82).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Die Ehre als Lebens- und Weltanschauung im spanischen Siglo de Oro: Dieses Kapitel erläutert die historischen und gesellschaftlichen Pfeiler des Ehrbegriffs im Goldenen Zeitalter, insbesondere die Bedeutung des Christentums und der Blutreinheit.

2 Die Ehre im Lazarillo de Tormes: Hier wird das Ehrkonzept anhand der Figur des hidalgo im literarischen Kontext des dritten Kapitels des Lazarillo de Tormes analysiert.

3 Die Ehre: ein mehrdeutiger Begriff: Der Abschnitt differenziert linguistisch und anthropologisch zwischen den Begriffen honor und honra und untersucht Ehre als menschliche Konstante.

4 Das Konzept der Anti-Ehre: Das letzte Kapitel zeigt auf, wie der Lazarillo de Tormes die Absurdität des ständischen Ehrbegriffs durch Ironie und den Kontrast zwischen Armut und Adelsstolz demaskiert.

Schlüsselwörter

Ehre, Ehrbegriff, Lazarillo de Tormes, Siglo de Oro, hidalgo, limpieza de sangre, honor, honra, spanische Literatur, Schelmenroman, Anti-Held, Adelssucht, Sozialstatus, anthropologische Konstante, Anti-Ehre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Konzept der Ehre im spanischen Schelmenroman "Lazarillo de Tormes" und beleuchtet, wie dieses Ideal das gesellschaftliche Leben und die Selbstwahrnehmung der Menschen im spanischen Goldenen Zeitalter bestimmte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das historische Ehrgefühl, die soziale Hierarchie, die Bedeutung von adliger Herkunft sowie die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fassaden und Scheinidentitäten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie das Phänomen Ehre in der Figur des hidalgo im "Lazarillo de Tormes" dargestellt wird und welche Maßnahmen er ergreift, um seinen gesellschaftlichen Status trotz materieller Armut zu wahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen kombinierten Ansatz: Sie verbindet eine deskriptive historische Analyse des Siglo de Oro mit einer literaturwissenschaftlichen Interpretation des Textes, unter Einbeziehung linguistischer Begriffsklärungen.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Figur des hidalgo, definiert diesen sozialhistorisch, analysiert sein Verhalten im Roman und arbeitet die wichtige Unterscheidung zwischen der inneren Ehre (honor) und der äußeren, sozialen Ehre (honra) heraus.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ehre, Lazarillo de Tormes, hidalgo, Siglo de Oro, limpieza de sangre und "Anti-Ehre" beschreiben.

Was macht die Figur des hidalgo im Roman so besonders für die Fragestellung der Ehre?

Die Figur des hidalgo verkörpert den drastischen Kontrast zwischen einem übersteigerten, auf Tradition und Status basierenden Ehrbegriff und der bitteren Realität materiellen Mangels, was die Absurdität dieses Gesellschaftsideals besonders deutlich macht.

Warum ist die Unterscheidung zwischen "honor" und "honra" für das Verständnis des Werkes entscheidend?

Die Unterscheidung ist zentral, da honra die soziale, von der Außenwelt abhängige Anerkennung darstellt (die der hidalgo krampfhaft wahrt), während honor für die innere moralische Integrität steht, welche die Grundlage für wahre Würde bilden sollte.

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Details

Title
La negra que llaman honra - Ehre und Ehrbegriff im "Lazarillo de Tormes"
College
University of Vienna  (Institut für Romanistik)
Course
Literaturwissenschaftliches Seminar - Spanisch
Grade
Sehr gut
Author
Nina Fanninger (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V123997
ISBN (eBook)
9783640824588
ISBN (Book)
9783640824991
Language
German
Tags
ehre ehrbegriff lazarillo tormes sehr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nina Fanninger (Author), 2007, La negra que llaman honra - Ehre und Ehrbegriff im "Lazarillo de Tormes", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123997
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