Das Gespräch und der Austausch miteinander gehören untrennbar zu jeder Sprache dazu. Dennoch diente das Gespräch in der Schule lange Zeit hauptsächlich der Unterrichtsorganisation. Spätestens seit der "kommunikativen Wende" der 70er Jahre, im Rahmen derer die mündliche Kommunikation als neuer eigenständiger Lern‐ und Arbeitsbereich in das Schulcurriculum mit aufgenommen wurde, ist das aktive Vermitteln und Erlernen von Gesprächsfähigkeiten jedoch auch selbst Ziel und Teil des Unterrichts.
Daher stellt sich die für die Entwicklung gelungenen Unterrichts zur Förderung von Gesprächsfähigkeiten die Frage, wie im Unterricht Gesprächssituationen geschaffen werden können, die den Erwerb verschiedener Gesprächskompetenzen möglichst sinnvoll unterstützen. Laut Potthoff, Steck und Zitzke, deren Werk "Gespräche mit Kindern" (2008) Grundlage für den theoretischen Teil der vorliegenden Arbeit bietet, ist für Gespräche im Unterricht das Konzept des Kooperativen
Lernens mit seinen tragfähigen Methoden eine große Bereicherung, wenn die Lehrerin sie als wiederkehrende Rituale einführt und einsetzt. Das kooperative Lernen, also das Lernen in und durch Kooperation verschiedener Lerner kann mittels zahlreicher verschiedener Methoden im Unterricht umgesetzt werden, die sich auch hinsichtlich der Form der
Kooperation und somit hinsichtlich der entstehenden Gesprächssituationen unterscheiden. Um die Gesprächsfähigkeit durch Kooperatives Lernen bewusst zu fördern, muss die Auswahl der jeweiligen kooperativen Lernform daher mit Bedacht und stets im Hinblick auf den entstehenden Gesprächsanlass erfolgen. Daher sollen im Folgenden die kooperativen Lernformen Gruppenpuzzle, Gruppenrallye und Placemat im Hinblick auf ihre Eignung zur Förderung der Gesprächsfähigkeit in der Grundschule analysiert werden.
Hierzu wird in einem ersten, theoretischen Teil zunächst definiert, was kooperatives Lernen ist und was in sprachdidaktischer Hinsicht unter den Begriffen Gespräch und Gesprächsfähigkeit verstanden wird. Zudem werden die ausgewählten kooperativen Lernformen als Möglichkeiten zum Schaffen von Gesprächssituationen im Unterricht in ihren Grundzügen erläutert. Der zweite Teil der Arbeit besteht aus einer auf den dargelegten theoretischen Inhalten basierenden Analyse dieser drei kooperativen Lernformen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Kooperatives Lernen
2.2. Gespräch
2.2.1. Gespräche in der Grundschule
2.2.2. Gesprächsfähigkeit
2.3. Möglichkeiten zum Schaffen von Gesprächssituationen im Deutschunterricht durch kooperatives Lernen
2.3.1. Gruppenpuzzle
2.3.2. Gruppenrallye
2.3.3. Placemat
3. Analyse ausgewählter kooperativer Lernformen hinsichtlich ihrer Eignung zur Förderung der Gesprächsfähigkeit in der Grundschule
3.1. Gruppenpuzzle
3.2. Gruppenrallye
3.3. Placemat
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit verschiedene kooperative Lernformen dazu beitragen können, die Gesprächsfähigkeit von Grundschulkindern im Deutschunterricht gezielt zu fördern, indem sie strukturierte Gesprächssituationen schaffen.
- Grundlagen des kooperativen Lernens und deren Transfer in den Unterricht
- Definition und Bedeutung der Gesprächsfähigkeit in der Grundschulpedagogik
- Analyse des Gruppenpuzzles als Instrument zur Gesprächsförderung
- Untersuchung der Gruppenrallye hinsichtlich ihrer authentischen Kommunikationsanlässe
- Evaluierung der Placemat-Methode zur Planung und zum fachlichen Austausch
Auszug aus dem Buch
3.1. Gruppenpuzzle
Beim Gruppenpuzzle werden zwei Gesprächssituationen, in Form des Gesprächs in den Expertengruppen und in den Stammgruppen, geschaffen. Somit ist der Anteil der aktiven Gesprächsführung bei dieser Methode sehr hoch und es werden verschiedenartige Gesprächsanlässe geschaffen, was für die Entwicklung der Gesprächsfähigkeit grundsätzlich sehr sinnvoll ist.
Zunächst soll die Gesprächssituation in den Expertengruppen betrachtet werden. Das Gespräch in den Expertengruppen ist fest in den Ablauf des Unterrichts eingeplant und somit ein angeleitetes Gespräch. Dadurch, dass alle Mitglieder der Expertengruppe zuvor in Einzelarbeit die jeweiligen Lerninhalte erarbeitet haben, ist davon auszugehen, dass das Gesprächsthema in den Expertengruppen für alle verfügbar ist und jedes Gruppenmitglied am Gespräch teilhaben kann. Dadurch, dass die Kinder wissen, dass sie die Inhalte nach der Phase in den Expertengruppen den anderen Mitgliedern ihrer Stammgruppe erläutern müssen, ist zudem davon auszugehen, dass zudem ausreichend Motivation zum Führen des Gespräches geboten ist. Da es jedoch in den Expertengruppen keine weitere Aufgabenverteilung gibt, kann nicht gewährleistet werden, dass auch tatsächlich jedes Kind am Gespräch teilnimmt und sich aktiv einbringt. Es ist also möglich, dass einzelne Kinder nur die Hörerrolle einnehmen, sodass sie nicht zwangsläufig selbst sprechen und sich hierbei sachangemessen ausdrücken müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der mündlichen Kommunikation im Schulcurriculum und stellt die Forschungsfrage nach der Förderung von Gesprächsfähigkeiten durch kooperatives Lernen.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen des kooperativen Lernens, das Wesen von Gesprächen und die spezifischen Anforderungen an die Gesprächsfähigkeit in der Grundschule.
2.1. Kooperatives Lernen: Es werden die zentralen Prinzipien wie positive wechselseitige Abhängigkeit, individuelle Verantwortlichkeit sowie die verschiedenen Phasen der Interaktion innerhalb kooperativer Arbeitsformen erläutert.
2.2. Gespräch: Das Kapitel erläutert die sprachwissenschaftlichen Grundlagen der mündlichen Kommunikation und die notwendigen Phasen sowie Ebenen eines gelingenden Gespräches.
2.2.1. Gespräche in der Grundschule: Hier wird die Rolle des Deutschunterrichts bei der bewussten und reflektierten Entwicklung von Gesprächskompetenzen im schulischen Kontext dargelegt.
2.2.2. Gesprächsfähigkeit: Es wird definiert, welche rezeptiven und produktiven Fähigkeiten notwendig sind, um sich auf verbaler, paraverbaler und nonverbaler Ebene situationsangemessen auszutauschen.
2.3. Möglichkeiten zum Schaffen von Gesprächssituationen im Deutschunterricht durch kooperatives Lernen: Das Kapitel beschreibt den theoretischen Zusammenhang zwischen kooperativen Methoden und der bewussten Gestaltung von Sprechanlässen.
2.3.1. Gruppenpuzzle: Die methodische Struktur des Gruppenpuzzles wird als Instrument zur Expertenbildung und zum Wissenstransfer in Stammgruppen eingeführt.
2.3.2. Gruppenrallye: Dieses Kapitel erläutert die sechs Komponenten der Gruppenrallye und deren Fokus auf Wissenszuwachs durch wechselseitige Unterstützung.
2.3.3. Placemat: Der Fokus liegt auf der Placemat-Methode als Werkzeug zur Konsensfindung und Visualisierung von Beiträgen in der Kleingruppe.
3. Analyse ausgewählter kooperativer Lernformen hinsichtlich ihrer Eignung zur Förderung der Gesprächsfähigkeit in der Grundschule: In diesem Kapitel werden die drei eingeführten Methoden kritisch auf ihr Potenzial zur gezielten Förderung von Gesprächskompetenzen evaluiert.
3.1. Gruppenpuzzle: Die Analyse zeigt, dass das Gruppenpuzzle durch zwei verschiedene Gesprächsphasen hohe Anforderungen an die Gesprächsfähigkeit stellt.
3.2. Gruppenrallye: Es wird untersucht, wie die informelle Gesprächsführung in der Gruppe die Authentizität und Motivation zum Austausch fördert.
3.3. Placemat: Die Methode wird hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Planung gemeinsamer Vorhaben und dem zielorientierten Austausch analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont, dass alle vorgestellten Methoden bei korrekter Planung wertvolle Impulse für das Gesprächsverhalten von Grundschülern liefern.
Schlüsselwörter
Kooperatives Lernen, Gesprächsfähigkeit, Grundschule, Gesprächsdidaktik, Gesprächskompetenz, Gruppenpuzzle, Gruppenrallye, Placemat-Methode, Kommunikation, Deutschunterricht, Kooperation, Schülerpartizipation, Sprechen und Zuhören, Lernform, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie durch den Einsatz kooperativer Lernformen im Deutschunterricht gezielt Gesprächssituationen geschaffen werden können, die die Gesprächsfähigkeit von Grundschulkindern fördern.
Welche drei kooperativen Lernformen werden dabei genauer betrachtet?
Die Autorin analysiert das Gruppenpuzzle, die Gruppenrallye und die Placemat-Methode im Hinblick auf ihre Eignung und ihr Potenzial zur Förderung spezifischer Gesprächskompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lehrkräften methodische Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie durch ritualisierte und gezielte kooperative Arbeit die Gesprächsqualität und die Kommunikationsfähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler aufbauen können.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt dieser Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, die auf fachdidaktischer Literatur basiert und die methodischen Abläufe mit den Anforderungen an gelingende Gespräche in der Grundschule verknüpft.
Was deckt der theoretische Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil definiert zunächst die Begriffe Kooperatives Lernen sowie Gesprächsfähigkeit und leitet daraus die didaktische Notwendigkeit ab, Kommunikation im Unterricht nicht nur als Mittel zur Organisation, sondern als aktiven Lerngegenstand zu begreifen.
Welche Attribute charakterisieren die untersuchten Lernformen am besten?
Die Arbeit zeichnet diese Methoden aus als Möglichkeiten zur Förderung von sozial-kommunikativen Kompetenzen, zur Steigerung der Lernmotivation und zur Ablösung von frontalen Unterrichtsstrukturen.
Wie trägt das Gruppenpuzzle spezifisch zum Sprecher-Hörer-Wechsel bei?
Durch die Aufteilung in Expertengruppen und anschließende Vermittlungsphasen in Stammgruppen zwingt das Gruppenpuzzle die Kinder bewusst dazu, sowohl aktiv zu präsentieren als auch konzentriert zuzuhören, um Fragen der Gruppenmitglieder beantworten zu können.
Was schränkt laut der Autorin das Potenzial der Gruppenrallye ein?
Die Autorin weist darauf hin, dass die Gesprächssituation bei der Gruppenrallye oft informell und nicht explizit angeleitet ist, weshalb das Gelingen stark von der Gesprächsbereitschaft der Kinder und der heterogenen Zusammensetzung der Gruppe abhängt.
Welche Rolle spielt die Placemat-Methode in der Planung?
Besonders bei der Planung von gemeinsamen Projekten entfaltet die Placemat-Methode ihr Potenzial, da sie den Kindern Struktur beim Diskutieren gibt und sicherstellt, dass jedes Kind einen eigenen Beitrag leistet und somit aktiv in den Diskurs einbezogen wird.
- Citation du texte
- Hannah Schade (Auteur), 2020, Analyse verschiedener kooperativer Lernformen im Hinblick auf ihre Eignung zur Förderung der Gesprächsfähigkeit in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239974