Boethius, De institutione musica libri quinque – Liber primus, VIII. & VIIII.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitendes
1.1 Biografisches
1.2 Quellen und zentrale Schriften
1.3 Eine offene Frage
1.4 Rezeption im Mittelalter

2. Prinzipien der Übersetzung

3. Liber primus, VIII. & VIIII. – Übersetzung

4. Anhang
4.1 Anmerkungen zur Übersetzung
4.2 Interpretation der Kapitel VIII und VIIII
4.3 Glossar

Literatur

Q u e l l e n u n d F a c h l i t e r a t u r

- Boetii De institutione musica libri quinque, ed. Godofredus Friedlein, Leipzig: Verlag B. G. Teubner, 1867.

- Boethius, Anicius Manlius Severinus, Fünf Bücher über die Musik, aus der lateinischen in die deutsche Sprache übertragen und mit besonderer Berücksichtigung der griechischen Harmonik sachlich erklärt von Oscar Paul; Reprint der Ausgabe „Boetius und die griechische Harmonik“, Leipzig, 1872, Hildesheim: Georg Olms Verlag, 1985.

- Ertelt, Thomas/Loesch, Heinz von/Zaminer, Frieder (Hg.), GESCHICHTE DER MUSIKTHEORIE, Bd. 2, Vom Mythos zur Fachdisziplin. Antike und Byzanz. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006.

- Zaminer, Frieder (Hg.), GESCHICHTE DER MUSIKTHEORIE, Bd. 3, Rezeption des antiken Fachs im Mittelalter. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.

- Ertelt, Thomas/Zaminer, Frieder (Hg.), GESCHICHTE DER MUSIKTHEORIE, Bd. 4, Die Lehre vom einstimmigen liturgischen Gesang. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000.

W ö r t e r b ü c h e r

- Gemoll, Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch, 10. Auflage, Oldenbourg Schulbuchverlag GmbH, München, Düsseldorf, Stuttgart, 2006.

- Georges, Karl Ernst, Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch, 2 Bände, 10. Auflage, Verlag Benno Schwabe & Co., Basel, 1959.

- Langenscheidt. Taschenwörterbuch Altgriechisch, Altgriechisch-Deutsch Deutsch-Altgriechisch, 12. Auflage, Langenscheidt KG, Berlin und München, 2005.

- Langenscheidt. Taschenwörterbuch Latein, Lateinisch-Deutsch Deutsch-Lateinisch, 6. Auflage, Langenscheidt KG, Berlin und München, 2003.

- PONS, Wörterbuch für Schule und Studium Latein-Deutsch, 3. Auflage, Ernst Klett Sprachen GmbH, Stuttgart, 2003.

Boethius, De institutione musica libri quinque

- Liber primus, VIII. & VIIII. -

1. Einleitendes

Dass die Institutio musica des Boethius, obgleich sie lediglich einen Teil der umfassenden Gesamtbildung ihres Autors repräsentiert, für die Musik, oder genauer, für die Musiktheorie zwischen Antike und lateinischem Mittelalter – nicht nur aufgrund ihrer chronologisch zentralen Stellung, eine entscheidende Schlüsselstellung einnimmt, dass sie, bildhaft gesprochen, als Transmissionsriemen zwischen der heidnischen Welt der griechischen Musiktheorie und der späteren lateinischen, christlich-mittelalterlichen Fachwelt in Europa bezeichnet werden muss, wurde oft bemerkt[1] und ist inzwischen, vor allem in den Geisteswissenschaften, zu einer allgemein anerkannten Lehrmeinung geworden. Das Werk besteht aus insgesamt fünf Büchern, von welchen das letzte unvollendet blieb; in der vorliegenden Arbeit sollen besonders die Kapitel VIII und VIIII aus dem ersten Buch der Institutio musica herausgegriffen und einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Zunächst wird jedoch das Leben des Boethius kurz nachgezeichnet (1.1), daran anschließend folgt ein ebenfalls knapper Überblick über die wichtigsten Quellen und Schriften dieses römischen Gelehrten (1.2), darauf die Vorstellung einer der vielen offenen Fragen über Boethius und seine Texte – hier ein eher philologisches Übersetzung-, Deutungs- oder Interpretationsproblem (1.3); im nächsten Punkt (1.4) wird dann ein unvollständiger Überblick zur Wirkung der Boethianischen Musiktheorie im Mittelalter gegeben. Darauffolgend geht es um die Prinzipien (2.) der sich anschließenden Übersetzung jener zwei Kapitel (3.); diese Übersetzung erfährt schließlich im Anhang (4.) einige Anmerkungen (4.1) und eine Interpretation (4.2). Am Ende wird noch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen der beiden hier behandelten Kapitel bereitgestellt (4.3).

1.1 Biografisches

Anicius Manlius Severinus Boethius – um 480, wohl in Rom geboren und 525 bzw. 526 in oder bei Pavia nach einer Anklage wegen Hochverrats hingerichtet – war während seines zu kurzen Lebens Senator, Konsul und ab 522 magister officiorum am Hof des Ostgotenkönigs Theoderichs des Großen in Ravenna. Er entstammte einer christlichen Patrizierfamilie und seine orthodoxen Ansichten standen offenbar im Gegensatz zum Arianismus Theoderichs; dass Boethius im Jahre 523 schließlich den Senator Albinus verteidigte, brachte ihn in starken Misskredit bei den Machthabern. Er wurde noch im selben Jahr verhaftet und gefangen gesetzt; im Gefängnis verfasste er während seiner letzten Lebensjahre sein wohl – auch heute noch – berühmtestes Werk: De consolatione philosophiae (Trost der Philosophie). Bis in unsere Tage wird Boethius in der Kirche S. Pietro del Cielo d’Oro in Pavia, wo er auch bestattet liegt, als heiliger Severin verehrt.

1.2 Quellen und zentrale Schriften

Neben logischen und theologischen Schriften verfasste Boethius auch ein philosophisches Werk: das bereits genannte De consolatione philosophiae libri quinque. Besonders für die wissenschaftliche Nachwelt bedeutend wurden seine vornehmlich mathematischen Schriften: De institutione arithmetica libri duo und die hier zu behandelnde De institutione musica libri quinque; bei der Abfassung dieser beiden Werke (die zumindest im Falle der Institutio musica nicht zum Abschluss gebracht wurden) stützte sich der dem Griechischen noch mächtige Boethius in erster Linie auf Nikomachos von Gerasa und Klaudios Ptolemaios.

Es kann und soll in dieser Arbeit nicht der gesamte Aufbau und Inhalt der Institutio musica mit Berücksichtigung ihrer Quellen dargestellt werden – dies ist zudem schon zur Genüge an anderen Orten getan worden. Lediglich zwei willkürlich ausgewählte Aspekte in Bezug auf diese Schrift und ihre Quellen sollen angerissen werden. 1. Das bei Boethius proklamierte ideelle Primat der Theorie über die Praxis findet sich bereits in den griechischen Quellen über Musik, war also zur Zeit der Entstehung der Institutio musica keinesfalls neu (neu ist allenfalls die durch Boethius hergestellte Präsenz dessen, nun auch in lateinischer Sprache); sowohl die Zahlenharmonik, in der Antike vor allem durch Pythagoras und Ptolemaios vertreten, wie auch die musikalische Harmonik, insbesondere durch Aristoxenos repräsentiert, blieben bereits in bloßer Theorie verhaftet. Eine Erklärung für diese Tatsache kann sicherlich in der Auffassung der Musik als einer philosophischen beziehungsweise mathematischen Disziplin gesucht werden; theoretisch betrachtet wurden grundsätzliche Phänomene, die praktische Musikausübung der Zeit blieb dafür weitgehend irrelevant[2] und außen vor. Bei der historischen Betrachtung muss deshalb ein Unterschied zwischen der griechischen Musiktheorie und jener kaum bekannten Praxis der Musikausübung dieser Zeit gemacht werden! Ein Unterschied, der daher auch in begrifflichem Rahmen signifikant werden, also deutlich benannt werden muss, denn ob das allgemeine Musikverständnis der Griechen von dem späterer Zeiten ein grundlegend verschiedenes war, könnte zumindest angezweifelt werden: allein, in der Musiktheorie wurden die Prioritäten anders gesetzt als später. Der ‚theoretische Musiker’ wurde hier höher geachtet als der ausführende! Auch Boethius tradiert dies in seiner Institutio musica noch. 2. Überhaupt erweist sich Boethius als stark von der griechischen Geisteswelt geprägt, an welcher er in vielerlei Hinsicht noch wesentlich mehr Anteil hat, als spätere Generationen. Er ist noch in ihr zu Hause und seine Urteile, seine Äußerungen betreffs der Antike können viel mehr als Zeitzeugenaussagen verstanden werden als spätere; dies hat auch ganz praktische Gründe: dem römischen Gelehrten lagen noch griechische Originaltexte vor, die nicht mehr auf uns gekommen sind. Der Einfluss der Antike auf das Schaffen des Boethius reicht weiter als die bloße Nennung griechischer Autoren es erahnen ließe; es muss bedacht werden, dass auch in der Institutio musica von Grundsätzen der antiken Geisteswelt ausgegangen wird, die uns – je nach Sachlage – nur noch durch Boethius’ Vermittlung bekannt sind! Die teilweise Übernahme und Wiedergabe antiker Quellen, sowie die Orientierung an ihnen sogar in Hinblick auf die Nomenklatur des lateinischen Textes ist auch an den beiden im Folgenden übersetzt wiedergegeben Kapiteln abzulesen; auf einige solcher Beispiele wird noch in den Anmerkungen zur Übersetzung hingewiesen.

[...]


[1] Beispielsweise von: Zaminer, Frieder, Einleitung, in: GESCHICHTE DER MUSIKTHEORIE, Bd. 2, Vom Mythos zur Fachdisziplin. Antike und Byzanz. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006, S. XVIII.

[2] Ebd., S. XIX.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Boethius, De institutione musica libri quinque – Liber primus, VIII. & VIIII.
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Musikwissenschaft (Philosophische Fakultät I))
Veranstaltung
Boethius, De institutione musica libri quinque
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V124020
ISBN (eBook)
9783640296293
ISBN (Buch)
9783640301966
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Musikgeschichtliche Arbeit mit Schwerpunkt auf philologischen Fragen
Schlagworte
Boethius, Institutione musica, Spätantike, Musikgeschichte, Latein, Philosophie, Philologie, Begriffsklärung, Ravenna, Theoderich, Mathematik, Harmonik, Harmonie, Pythagoras, Musiktheorie, Intervallverhältnisse, Musiktraktat
Arbeit zitieren
Hans Gebhardt (Autor), 2007, Boethius, De institutione musica libri quinque – Liber primus, VIII. & VIIII., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124020

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