Die Große Koalition in den 60er Jahren war auch im Rahmen der Wirtschaftsgeschichte eine wichtige Zeit. Unter dem Einfluss des Keynsianismus entwickelte sich die Bundesrepublik weiter zu einem der großen Industrienationen. Wie waren die Bedingungen? Wer war Keynes?
Inhaltsverzeichnis
1. Entwicklung vor 1966
2. Das Jahr 1966
3. Das Jahr 1967
3.1. "Stabilitätsgesetz"
3.2. "Konzertierte Aktion"
4. Die Jahre 1968 und 1969
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von 1966 bis 1969. Dabei wird untersucht, wie die Regierung auf die einsetzende Rezession reagierte, welche Rolle dabei das Konzept der aktiven staatlichen Konjunkturpolitik nach John Maynard Keynes spielte und wie sich diese Maßnahmen auf die wirtschaftliche Stabilität sowie die gesellschaftliche Lage auswirkten.
- Die Entstehung und Überwindung der wirtschaftlichen Rezession in den 1960er Jahren.
- Die Implementierung des Stabilitätsgesetzes als Instrument der Globalsteuerung.
- Die Rolle der Konzertierten Aktion in der wirtschaftspolitischen Praxis.
- Die Auswirkungen der Konjunkturpolitik auf die Arbeitslosenzahlen und das Wirtschaftswachstum.
- Die sozio-ökonomischen Folgen und der Wandel der politischen Kultur gegen Ende der Dekade.
Auszug aus dem Buch
3.1. "Stabilitätsgesetz"
Schiller vertraute nicht der Selbstregulierung des Marktes , wie Ludwig Erhard es getan hatte, sondern setzte seine Anstrengungen in die Globalsteuerung der Wirtschaft . Ein Indiz für die Einstellung ist das am 8. Juni 1967 mit nur einer Enthaltung und keiner Gegenstimme verabschiedete sogenannte Stabilitätsgesetz , dessen voller Name Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft lautet . Das Ziel dieses Gesetzes wird im ersten Paragraphen des Gesetzes festgelegt :
" § 1 – Bund und Länder haben bei ihren Wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen , dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichen Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen."3
Da der Bund , die 11 Länder und 25 000 Gemeinden in den vorhergehenden Jahren jedes Jahr unabhängig voneinander ihre Budgets aufgestellt hatten , war eine gemeinsame , aufeinander abgestimmte oder gar mehrjährige Finanzplanung so gut wie unmöglich gewesen . Mit der Einführung des Stabilitätsgesetzes zeichneten sich nun eine gewisse Zentralisierung der Finanzhoheit sowie Ansätze einer Wirtschaftsplanung ab. Statt Jahr für Jahr aufs Neue einen entsprechenden Plan aufzustellen , bediente man sich nun einer fünfjährigen Finanzplanung, die mittelfristige Investitionsprogramme erlaubte und auf allen staatlichen Ebenen durchgesetzt werden sollte . Gleichzeitig verpflichtete das Gesetz die Bundesregierung , jährlich einen Bericht über die Wirtschaft ( Jahreswirtschaftsbericht ) zu erstellen , in dem Ziele wirtschafts- und finanzpolitischer Art für das jeweils folgende Jahr ( im Rahmen der 5 – Jahres – Planung ) festgehalten werden sollten . Der Einsatz neuer und / oder verbesserter Mittel zur Steuerung der allgemeinen Nachfrage wurde durch das Gesetz ermöglicht . Einiges von dem Geld aus dem Haushalt von Bund und Ländern sollte zur Bildung von Rücklagen bei der Bundesbank verwendet werden , die zum Ausgleich des Konjunkturhaushalts dienen sollten . Die Regierung konnte darüber hinaus Bund und Ländern Bedingungen für die Aufnahme von Krediten vorschreiben bzw. die Kreditaufnahme einschränken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entwicklung vor 1966: Das Kapitel beschreibt den Übergang vom "Wirtschaftswunder" zur ersten schweren Rezession unter Ludwig Erhard und analysiert die Ursachen wie steigende Preise und sinkende Investitionsbereitschaft.
2. Das Jahr 1966: Hier wird der wirtschaftliche Abschwung sowie der daraus resultierende Regierungswechsel hin zur Großen Koalition und das Ende der Amtszeit Ludwig Erhards thematisiert.
3. Das Jahr 1967: Der Fokus liegt auf der Umsetzung staatlicher Konjunkturprogramme und der Etablierung neuer steuerungspolitischer Instrumente durch die Regierung Kiesinger.
3.1. "Stabilitätsgesetz": Dieses Kapitel erläutert die Einführung des Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums als Grundlage für eine aktive Globalsteuerung der Wirtschaft.
3.2. "Konzertierte Aktion": Es wird die freiwillige Zusammenarbeit zwischen Staat, Gewerkschaften und Arbeitgebern zur Abstimmung von Orientierungsdaten zur Krisenbewältigung behandelt.
4. Die Jahre 1968 und 1969: Das Kapitel befasst sich mit der wirtschaftlichen Erholung, den damit verbundenen Verteilungskonflikten und dem Aufkommen spontaner Streikwellen.
Schlüsselwörter
Bundesrepublik Deutschland, Wirtschaftswunder, Erhard-Rezession, Große Koalition, Karl Schiller, Konjunkturpolitik, John Maynard Keynes, Stabilitätsgesetz, Magisches Viereck, Konzertierte Aktion, Globalsteuerung, Wirtschaftswachstum, Tarifverträge, Arbeitslosigkeit, Streikwelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in der Phase der Rezession und der anschließenden Erholung in den Jahren 1966 bis 1969.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören der wirtschaftspolitische Paradigmenwechsel unter Karl Schiller, die Einführung des Stabilitätsgesetzes und die Dynamik der Lohn- und Tarifpolitik in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spannungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Maßnahmen der Großen Koalition zur Bewältigung der ersten schweren Wirtschaftskrise nach dem Krieg sowie deren Erfolg und Auswirkungen auf das Wirtschaftsgefüge zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen unter Verwendung von Primärquellen wie Regierungserklärungen und Gesetzestexten sowie einschlägiger wirtschaftshistorischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär diskutiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die chronologische Analyse der Jahre 1966 bis 1969 und beleuchtet detailliert Instrumente wie das Stabilitätsgesetz und die Konzertierte Aktion.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Konjunkturpolitik, Globalsteuerung, Magisches Viereck und die sozio-ökonomische Aufbruchstimmung der späten 60er Jahre zusammenfassen.
Wie unterschied sich die Politik von Karl Schiller von der seines Vorgängers?
Im Gegensatz zu Ludwig Erhard, der primär auf die Selbstregulierung des Marktes setzte, verfolgte Karl Schiller mit dem Stabilitätsgesetz einen Ansatz der aktiven staatlichen Globalsteuerung nach keynesianischen Prinzipien.
Welche Rolle spielte die Konzertierte Aktion im wirtschaftlichen Aufschwung?
Die Konzertierte Aktion sollte durch ein abgestimmtes Verhalten von Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Ergänzung zur staatlichen Wirtschaftssteuerung bilden, um das "Magische Viereck" zu sichern.
Warum kam es Ende der 1960er Jahre zu spontanen Streiks?
Die Streiks waren Ausdruck einer wachsenden Diskrepanz zwischen den steigenden Gewinnen der Unternehmen und den Löhnen der Arbeitnehmer, gepaart mit einer veränderten politischen Kultur, in der Entscheidungen der Gewerkschaftsführungen zunehmend kritisch hinterfragt wurden.
- Citation du texte
- Wencke Thiele (Auteur), 2003, Wirtschaftgeschichte: Die Große Koalition der 60er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124046