Soziale Symbolik: Eine Gesprächsanalyse


Studienarbeit, 2008
16 Seiten, Note: 3+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Symbolik: Eine theoretische Abhandlung

3 Verwendete Begriffe

4 Verwendete Symbolik zur Transkription der Gespräche

5 Gesprächsanalyse
5.1 Der Gesprächsausschnitt „Ich will die Bonbons“
5.1.1 Besonderheiten des dialektalen Raumes
5.1.2 Hintergründe zu den Sprechern und zur Gesprächssituation
5.1.3 Analyse und Interpretation des Gesprächs
5.2 Der Gesprächsausschnitt „demmeln“
5.2.1 Besonderheiten des dialektalen Raums
5.2.2 Hintergründe zu den Sprechern und zur Gesprächssituation
5.2.3 Analyse und Interpretation des Gesprächs
5.3 Der Gesprächsausschnitt „Geografiestudium“
5.3.1 Der Sprachraum
5.3.2 Hintergründe zu den Sprechern und zur Gesprächssituation
5.3.3 Analyse und Interpretation des Gesprächs

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Deutschland ist ein Gebiet, das stark von Dialekten geprägt wird, sodass dem Wechsel von Dialekt in Standarddeutsch und umgekehrt eine große Bedeutung zukommt. Doch auch der Einsatz von u.a. Intonation, Akzent, Sprechgeschwindigkeit und Pausen kann eine bestimmte Funktion haben, vor allem im Kontext der sozialen Symbolik. In dieser Hausarbeit sollen die Formen und Funktionen des Sprach- und Variantenwechsels beim Sprechen untersucht werden.

Für die Hausarbeit habe ich mir drei Gespräche zur Analyse ausgesucht. Zwei der drei von mir zu analysierenden Gespräche habe ich im Südthüringer Raum aufgenommen. In diesen Gesprächen spielt die soziale Symbolik eine vorherrschende Rolle. Aus diesem Grund möchte ich mit einer theoretischen Abhandlung der sozialen Symbolik beginnen, welche ich mit meiner Mitreferentin Katharina Marr zusammen geschrieben habe. In dieser Abhandlung haben wir versucht das Wichtigste, was wir im Seminar zur sozialen Symbolik erarbeitet haben, zusammenzufassen.

Anschließend werden Begriffe erläutert, welche in der Analyse und Interpretation eine wichtige Rolle spielen. Daran folgt eine Erklärung der verwendeten Abkürzungen in der Transkription.

Zur Analyse habe ich drei Beispiele gewählt, welche ich im Hauptpunkt der Hausarbeit näher betrachten werde. Die beiden ersten Gespräche sind Gespräche aus dem Südthüringer Raum, deshalb ist eine genaue Betrachtung dieses Sprachraums unumgänglich. Das ergibt sich daraus, dass in diesem Sprachraum die Besonderheit entstanden ist, dass drei Spracheinflüsse aufeinandertreffen.

Das erste Beispiel zeigt die Vorbildsfunktion einer Mutter gegenüber ihrem Kind. Die Mutter verwendet bei ihrem Kind Standarddeutsch, während sie mit ihren Bekannten aus dem Dorf generell Dialekt spricht. Das zweite Beispiel verdeutlicht Verständnisschwierigkeiten, aufgrund der drei Einflüsse in dem dialektalen Raum. Diese Beispiele habe ich gewählt, weil sie den Charakter und auch die Problematik, welche entsteht, wenn mehrere Dialektströmungen aufeinander treffen, sehr deutlich zum Ausdruck bringen. Das dritte Beispiel schlägt eine andere Richtung ein. Hier spielt der Switch zwischen Dialekt und Standarddeutsch keine Rolle. In diesem Gespräch, in welchem eine Studentin bei einem Beamten um Auskunft bittet, handelt es sich um die Distanzierung des Beamten von der Studentin.

In einem Fazit möchte ich schließlich versuchen, die wichtigsten Aussagen der Arbeit zusammenzufassen.

2 Soziale Symbolik: Eine theoretische Abhandlung

Individuen kooperieren täglich norm- und zielorientiert zur Bearbeitung sozialer Problemstellungen. Dabei ist die Sprache Ausdruck ihrer sozialen Identität und Zugehörigkeit. Die soziale Zuordnung ist multidirektional, d.h. Gesellschaftsmitglieder nehmen sie mit sich selbst und anderen Individuen vor.

Durch die Zuordnung sozialer Positionen entstehen soziale Identitäten, welche das Ergebnis von individuellen Selbst- und Fremdzuschreibungen darstellen. Diese sozialen Identitäten bewegen sich in verschiedenen sozialen Räumen, in welchen auch die Sprache variiert und dementsprechend spezifisch angepasst werden muss. Doch warum kommt es zu einer Variation beim Sprechen?

Menschen machen von unterschiedlichen sprachlichen Repertoire gebrauch, um sich erfolgreich im jeweiligen Umfeld zu verständigen. Dazu verwenden sie einen spezifischen Code, der es allen Sprechern der sozialen Gruppe ermöglicht sich auf der gleichen Kommunikationsebne zu bewegen, was zu einer sinntragenden Handlung führt. Doch Menschen bewegen sich nicht nur innerhalb einer sozialen Welt.

Besonders heute ist das Individuum darauf angewiesen sich auf mehreren Sprachebenen zu beherrschen, da es eine Vielzahl von sozialen Rollen in sich vereint. Weil die Individuen sich in verschiedenen sozialen Welten bewegen müssen sie ihre Sprache der jeweiligen Kommunikationsgruppe anpassen, d.h. den Code wechseln. Voraussetzung für Code‑Switching mit sozialer Symbolik sind die soziospezifischen Sprachen der Sprecher und deren Einsicht, dass es für unterschiedlichen soziale Welten und deren Akteure verschiedene Sprachmodi gibt. Hierbei unterscheidet man Wechsel zwischen Standard, Substandard, sowie dialektal geprägten Substandard. Der Sprecher switcht von einer standardfernen zu einer standardnäheren Sprechweise und umgekehrt. Dabei lassen sich dennoch keine scharf abgrenzbaren Varietäten erkennen.

Die semantische Bedeutung konstituiert sich weniger durch den propositionellen Gehalt des Gesagten, sondern viel mehr durch die Differenz zu einer anderen Sprachvarietät. Für die korrekte Interpretation des semantischen Gehalts ist umfangreiches Hintergrundwissen über Sprecher und die Kommunikationssituation notwendig. Relevanter Bezugspunkt der sozialen Symbolik ist die eigene bzw. fremde Gruppe und deren Standards – die in-group und die out-group. Jede Gruppe besitzt ihren eigenen Code. Man unterscheidet den we-code und den they-code.

Die spezifischen Codes weisen eine soziale Bedeutung auf. Indem der Sprecher die unterschiedlichen Assoziationen, die mit den beiden Sprachen verbunden sind. Einerseits beruft er sich auf gemeinsames Wissen mit seinem Kommunikationspartner, andererseits bewertet er das Gesagte. Dabei erweitert der metaphorische Code-Switch das explizit Gesagte, um implizite, emotionale oder rationale Facetten. Unter metaphorischen Code‑Switch versteht man den kurzfristigen Wechsel von unterschiedlichen Sprachcodes, der wie eine rhetorische Figur verwendet wird. Er verdeutlicht schlagartig soziale Eigenschaften sowie kulturelle Hintergründe.

Der Code-Switch im Kontext der sozialen Symbolik kann verschiedene Funktionen im Gespräch einnehmen. Diese können folgenden Charakters sein:

- Zitate
- Wiederholungen
- Beurteilungen einer Aussage
- Personalisierungen und Objektivierung von Aussagen
- Sicherung des Rederechts
- Adressatenspezifische Anpassung
- Fachliche Erklärungen bzw. Themenspezifik
- Belehrung eines Laien oder Jüngeren
- Einschübe

Mit Hilfe dieser Funktionen kann der Sprecher seine eigene soziale Identität vermitteln sowie die der anderen bewerten.

Doch wo besteht der Zusammenhang zwischen sprachlicher Variation und sozialer Kategorisierung? Standard und Dialekte können eingesetzt werden, um soziale Kategorisierungen vorzunehmen. Dabei werden Sprachcodes dazu eingesetzt, die eigene Person und Kommunikationspartner positiv oder negativ zu beurteilen. Dabei unterscheidet Inken Keim[1] vier Gruppen sozialer Bewertungen: Positiv bewerteter Standard, negativ bewerteter Standard, positiv bewerteter Dialekt, negativ bewerteter Dialekt.

Positiv bewerteter Standard kann drei Funktionen annehmen. Erstens autoritative Funktion, d.h. es wird auf eine Person verwiesen, die rollen- und/oder statusbezogen höher stehen als die Informanten sowie als fachliche und kompetente Autorität auftreten, sich für ihre Belange interessieren und sie beratend unterstützen. Zweitens tritt positiv bewerteter Standard in erzieherischer Funktion auf, wenn die Beteiligten selbst aus der Perspektive des Erziehenden mit Kindern oder Erwachsenen sprechen oder wenn sie auf Personen in dieser Rolle verweisen. Hierbei unterscheidet man den strengen Ton, das gute Zureden und den freundlichen Ton. Drittens Standard in moralisierender Funktion, welcher dem allgemeinen Recht- und Moralkodex entspricht. Dabei werden Handlungsweisen bewertet. Die Selbstkategorisierung dient als Ausgangspunkt für die Fremdkategorisierung. Man differenziert beispielsweise:

- Unglaubwürdig vs. Glaubwürdig
- Selbstbetrügerisch vs. Realistisch
- Rücksichtslos vs. Rücksichtsvoll
- Egoistisch vs. Fürsorglich
- Frech vs. Anständig
- Gemein vs. Vertrauenswürdig

[...]


[1] Keim, Inken: Kommunikative Stilistik einer sozialen Welt „kleiner Leute“ in der Mannheimer Innenstadt. Walter de Gruyter. Berlin, New York 1995, S.325-380

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Soziale Symbolik: Eine Gesprächsanalyse
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Sprachvariation beim Sprechen
Note
3+
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V124064
ISBN (eBook)
9783640289134
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Note ist nur befriedigend geworden, weil Gespräch 2 nicht ausreichend analysiert wurde und kleine Grammatikfehler enthalten sind
Schlagworte
Soziale, Symbolik, Eine, Gesprächsanalyse, Sprachvariation, Sprechen
Arbeit zitieren
Marjana Schäftlein (Autor), 2008, Soziale Symbolik: Eine Gesprächsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124064

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