Untersuchung des Gruppendiskussionsverhaltens von Frauen und Männern an Hand einer aufgezeichneten Fernsehdiskussion.


Seminararbeit, 1995
45 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Themeneinführung und Vorstellung der Runde des Club 2s

3. Grundlegende Überlegung zum Forschungsthema S

4. Transkription des gewählten Diskussions- abschnittes

5. Sprachunterschiede der Geschlechter
5.1 Literaturzusammenfassung der Texte „Gewalt durch Sprache“ und „Sprachunterschiede von Männern und Frauen“
5.2 Hypothesen aufgrund der Zusammenfassung
5.3 Hypothesenprüfung

6. Gesprächsverhalten in Fernsehdiskussionen
6.1. Gesprächsverhalten
6.1.1 Unterbrechungen
6.1.2 Dominantes Verhalten
6.1.3 Diskussionsleiterverhalten
6.1.4 Argumentation
6.1.4.1 formale Argumentation
6.1.4.2 Inhaltliche Argumentation
6.1.5 Selbstdarstellung
6.2. Anreden in Fernsehdiskussionen
6.2.1 Entschuldigungen
6.2.2 Vorwüre
6.2.3 Bitten
6.2.4 Direkte Anreden
6.3. Arbeitshypothesen
6.4. Prüfung der Hypothesen

7. Schlußbemerkungen

8. Anhang
8.1 Quellenverzeichnis
8.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Entscheidung welches Thema meinee Arbeit in diesem Proseminar tragen soll und welches Ziel sie verfolgen soll war für uns nicht schwer.

Aus dem Bedürfnis für die damals bevorstehende Nationalratswahl 1994 ausreichend über das Parteien- und Poitikerspektrum informiert zu sein, entgingen auch uns die TV-Konfrontationen am „Runden Tisch“ nicht. Danach bekam ich durch das Proseminar die Chance, die in Diskussionen festgestellten Merkmale zu bearbeiten. Ich entschlosscmich für meine Untersuchung eine Diskussion mit Personen zu suchen, die nicht täglich im öffentlichen Interesse stehen.

Aus den zur Auswahl gestellten Aufzeichnungen von Fernsehdiskussionen habe ich mich dann für das Video des Club 2 zum „Jahrestag“ der 68´er-Bewegung entschieden.

Das Ziel meiner Arbeit ist es, gewisse Strukturen und Kommunikationsmuster aufzuzeigen, die ich aus eigenen Erfahrungen und Literatur erkennen konnte, und diese an Hand eines konkreten Beispiels zu überprüfen.

Ich habe mir dazu aus der gewählten Diskussion einen sehr eindruckvollen und signifikanten Abschnitt zur Untermauerung ausgesucht. Der Abschnitt, der im Anhang unter 9.1 genauer angegebenen Videoaufzeichnung des Club 2s vom 19.05.1988 beginnt mit der 54. Minute und endet bei einer Stunde und sechs Minuten. Er ist somit 12 Minuten lang.

2. Themeneinführung und Vorstellen der Runde des Club 2s

Ich möchte zuerst einmal die Diskussionsrunde vorstellen und dann auf das Thema des Club 2s eingehen, um den Hintergrund dieser Diskussion ans Licht zu bringen.

Adolf Holl: Moderator

Michael Jeannee: Journalist der Kronen Zeitung

Brigitte Herrmann: Buchhändlerin

Daniel Cohn-Bendit: Publizist

Felix Butschek: Wirtschaftsforscher und Wirtschafts-historiker; Stellvertretender Leiter des Wirtschafts-forschungsinstitutes

Eva Demski: Schriftstellerin

Jens Litten: Chefredakteur des „Winner“

Helmut Strobl: Kulturstadtrat der ÖVP in Graz

Die Reihenfolge der oben genannten Person entspricht der Sitzordung der Diskussionsteilnehmer, die ,von links nach rechts im Kreis sitzend, in der berühmten Ledergarnitur Platz genommen hatten.

Der Club 2 befaßte sich mit dem 20-jährigen „Jubiläums“ der Studentenbewegung von 1968. Die einzeln Personen erzählten ihre Erlebnisse und Perspektiven der damaligen Zeit.

Die Studentenbewegung von 1968 ist ein europaweites Aufflammen und Aufbegehren für mehr Mitspracherecht an der Uni und gegen jegliche Form von Autorität gewesen.

3. Grundlegende Überlegungen zum Forschungsthema

Meine Überlegungen, die ich einer Forschungsleitfrage gleichsetzen will, beruhen auf der Annahme, daß es geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesprächsverhalten gibt. Dies betrifft die Bedeutung von Frau und Mann in Fernsehdiskussionen, sowie die Rolle des Diskussionsleiters.

Es interessierte mich genaue Merkmale herauszuarbeiten und diese wie eine Schablone über den Diskussionsabschnitt zu legen um Unterschiede und deckungsgleiche Strukturen zu bestätigen.

4. Transkription des Club 2-Abschnittes

Adolf Holl: Mod.

Eva Demski: E.

Brigitte Hermann: B.

Daniel Cohn-Bendit: D.

Helmut Strobl: H

Michael Jeannee: M.

Jens Litten: J.

Felix Butschek: Butschek

1. Mod.: Ich muß hier ja auch als Volksbildner tätig sein, und ich
2. B.: Er gibt aber nie einen zum Besten.
3. Mod. Moment, wir haben ja noch Zeit. Ich möcht´ nur eine Sache volksbildnerisch festhalten, daß sich diese Runde zunächst mal trotz aller sonstigen Kontroversen einig darüber war, daß seit dem Jahr 68 ein gesellschaftsverändernder Prozeß in Gang gekommen ist, der die Einstellung der Bevölkerung insgesamt, ich möchte das möglichst deutlich sagen, sowohl in der BRD, wie in Frankreich, wie auch in Österreich und in der Schweiz, in Italien die Einstellung zu den sogenannten Autoritäten, Behörden, Lehrern, Kirchen
4. B.: Zu dem, was man Pflichterfüllung nennt.
5. St.: ...für die autoritäre Bewegung, im Wesentlichen...
6. Mod.: ...etwas, etwas entspannt hat...Ich glaube darüber sind wir uns einig. Das wäre doch mal ein Ergebnis, das ich hier festhalten will.
7. Cohn-Bendit, Hermann und Butschek sprechen zugleich.
8. Butschek: Es ist ja nicht so, daß bis zu 68 sich an den Autoritäten und der hierarchischen Struktur der europäischen Gesellschaft nichts geändert hat, nicht wahr; das ist ja ein Prozeß, wenn Sie wollen, der seit der Industrialisierung läuft. Das hat sich ja permanent geändert; nicht wahr; also ...
9. Cohn-Bendit und Hermann unterbrechen.
10. Butschek: kann man darüber auch wenn sie verzweifelt sind, kann man darüber reden ...
11. Hermann spricht kurz unverständlich.
12. Butschek: ob das jetzt ein Staatsstoß gewesen ist, ein stärkerer, oder nicht..
13. D.: Darf ich mal was sagen?
14. Butschek: aber es war nicht etwas , was nicht stattgefunden hat, sondern ein kontinuierlicher Prozeß, natürlich durch Kriege und alles mögliche besonders...
15. D.: Lappalie, Faschismus, Lappalie
16. Butschek: Natürlich.
17. D.: ...es zufällig mal dazwischen...
18. Butschek: ...durch Reaktionen...
19. D.: in Kontinuum der Liberalisierung kam zufällig Faschismus, Stalinismus aber...
20. Butschek: ...und 68 hat, waren immer wieder Brüche...
21. D.: In Österreich gab es überhaupt niemals irgendwelche Liberalisierungsprozesse.
22. Butschek: ...in die eine, wie in die andere Richtung.
23. St.: Daß 68 ein Einbruch war, genauso wie der 2. Weltkrieg, so war es nicht gemeint. Das ist ein bisserl so jetzt gekommen.
24. D.: ich möchte auch mal...Wir diskutieren...
25. B.: ...über den Inhalt sagen...
26. Butschek: ...verkehrt jetzt 68. Alles geht darauf zurück; gewisse Ausbrüche gemacht natürlich.
27. Hermann unterbricht unverständlich.
28. D.: Also ich finde...
29. Mod.: Herr Butschek, wir können selbstverständlich bei Karl dem Großen anfangen, aber...
30. D.: ...bei der Tora vor 6000 Jahren...
31. Butschek versucht vergeblich zu Wort zu kommen.
32. D.:...denn die jüdische Tradition, glaube ich, ist für eine liberaler Gesellschaft; könnte, wenn man Benjamin liest und wenn man Bubar liest sehr wichtig. Also warum bewegen wir uns überhaupt schon vor 6000 Jahren; würde alles ansatzweise gedacht, gehen wir nach Hause und nichts ist passiert auf dieser Welt.
33. Mod.: Das ist das Autoritätsproblem, das man vielleicht...
34. Butschek: ich kann ja nicht die eigene Position so überbewerten, aber...
35. Mod.: Ich glaube, man kann das nicht so stehen lassen.
36. J.: Das Autoritätsproblem gab es, ich möchte das auch sagen...
37. St.: Das war ja entscheidend...
38. B.: Es war das Entscheidende.
39. St.: ...das war ja das Durchgehende in allen Ländern und es war das Durchgehnde auch was jetzt die ideologischen Implikationen betrifft. Und es gab die liberalen Flügel in der Bundesrepublik, aber viel kleiner als bei uns, aber das autoritäre Moment war durchlaufend bei allen.
40. Demski, Litten und Strobl reden durcheinander
41. E.: Nichts geht von alleine.
42. J.: ich möchte da Deinen Gedanken aufnehmen. Wenn Sie den Begriff autoritär in den Mund nehmen, das ist eben die Gefahr, daß Sie zu einer bewußten Negation statt einer passiven Negation kommen. Der, der sich autoritär verhält, dreht im Grunde genommen nur das Autoritätsverhältnis um.
43. Hermann und Strobl unterbrechen, aber unverständlich.
44. J.:... und wenn sie recht haben, daß es bei den autoritären...
45. D.: Darf ich mal ein bißchen korrigieren? Oder aber erst wollte Eva mal was sagen.
46. E.: Du, ich wollte wie es meine Art ist sehr kurz sein. Ich denke, daß dieser Weg vom Antiautoritären zum Unautoritären ein sehr langer Weg ist, der noch nicht zu Ende ist. Aber zu diesem Linksfaschismus kommen wir Vielleicht noch später. Aber zu dem, daß die Dinge eh passiert wären; ich glaube nicht, daß irgend etwas eh passiert. Nichts passiert, was man nicht macht. vielleicht ein moderneres Beispiel, daß wir von den 20 Jahren endlich mal wegkommen, nehmen darf, der Ausstieg aus der Kernenergie wird nie passieren, wenn man ihm nicht macht und da wird noch sehr viel zu diskutieren sein, wie stark die Mittel sein müssen, um das überhaupt in Gang zu setzen. Denn da steht man nun Mächten gegenüber, die nicht nur mit „na, wie lieben „ Erkenntnissen zu tun haben, sondern auch ganz schlicht mit sehr viel Geld. Nichts geschieht von selber, es sei denn wir warten auf mehrere und noch eindringlichere Tschernobyls und dann geht das von allein. Aber wenn man die Vernunft in Gang setzt, ist das ein tätig werden. Ich glaube, daß kein einzelner das Recht hat zu sagen: “Wenn ich nicht tätig werde, passiert schon was in die Richtung“; das halt´ ich für absolut verkehrt.
47. Butschek: Ja, das war aber auch nicht gemeint. Was aber hier anscheinend zeitgehend unbekannt ist, daß es eine Sozialdemokratie gegeben hat, die einiges in Richtung Autoritätsbekämpfung getan hat; schon viel länger. Was mich hier also verblüfft ist, daß offenbar vor 1968 überhaupt nichts passiert ist. Nicht wahr, und das heißt es auch, was ich sagen will. Natürlich geschieht auch nichts von selbst.
48. D.: Aber nein. Was hat die Sozialdemokratie in Richtung Autoritätsbekämpfung getan? Was, wann uns wie?
49. Butschek: Als sie gegründet wurde hat sie die gewachsenen Hierarchien in Frage gestellt und ihre Ausprägungen.
50. B.: Das sieht, das sieht man ganz genau, wann man sich die Partei anschaut und wie sehr sie das ständig in Frage gestellt hat. Bei ständigen Disziplinierungen der Studentenorganisationen. In meiner Partei überhaupt ist überhaupt keine führend.
51. M.: Welche der Parteien ist die Führende in der Disziplin?
52. B.: Ich war nie in einer Partei. Das war auch das Wesentliche der 68er, daß man nicht mehr geglaubt hat, innerhalb einer Partei...
53. Butschek redet unverständlich dazwischen.
54. :B. ...etwas zu bewirken zu können.
55. M.: Also wer ist dann zuständig für das Autoritäre, oder was das dann ist?
56. B.: Was heißt wer ist zuständig?: die außerparlamentarische Opposition.
57. Demski versucht zu Wort zu kommen, doch schafft es nicht.
58. D.: Nein, ich finde da geht irgendwie...Ich weiß auch nicht; man kann sich ja auf einfache Dinge einigen, oder nicht. Es wäre absurd, wenn irgend jemand von uns sich hinstellen würde und sagen würde, Sozialdemokratie hat an positiver Entwicklung dieser Gesellschaft überhaupt nichts beigetragen. Jens Litten hat recht, wenn er von Willy Brandt sprach. Das komplizierte bis dramatische Verhältnis außerparlamentarischer Opposition der deutschen Sozialdemokratie ist ein Beispiel dafür, wie man es sich nicht einfach machen kann. Ich will nur in einem Punkt dem Jens Litten widersprechen mit dem Antiautoritären und Diffizierung auf Autorität. Ich war sehr beeindruckt im Gespräch mit Adam Mischnik, daß ich in Polen gehabt habe. Adam Mischnick beschreibt, wie sie mit antiautoritären Mitteln die Parteifunktionäre oder die Parteiführung praktisch vorgeführt haben und um ihnen zu beweisen, daß sie den Kommunismus überhaupt in der Gesellschaft nicht mehr wollen usw.. Und das war auch was im Grunde genommen diese, unsere antiautoritäre Bewegung gemacht hat. Die hat der deutschen Gesellschaft zum Beispiel vorgeführt, daß in Vietnam nicht für die Freiheit gekämpft wird und sie hat das Problem des Vietnamkriegs mit antiautoritären Mitteln zur Tagesordnung gemacht. Das gleiche mit den Strukturen an der Universität.
59. Mod.: Die Geschichte von Fritz Teufel gehört hier unbedingt herein. Die müssen Sie erzählen.
60. D.: ja, also...
61. Conh-Bendit will erzählen, wird aber von Demski und Litten unterbrochen.
62. Mod.: Das ist die härteste Geschichte.
63. D.: Man kann nicht sagen das ist die Härteste, weil...
64. Demski, Cohn-Bendit und der Moderator sprechen durcheinander.
65. E.: ...gemäß die Wahrheitsfindung...

[...]

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Details

Titel
Untersuchung des Gruppendiskussionsverhaltens von Frauen und Männern an Hand einer aufgezeichneten Fernsehdiskussion.
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Prosemar aus Methodenlehre
Note
Gut
Autor
Jahr
1995
Seiten
45
Katalognummer
V12412
ISBN (eBook)
9783638183017
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diskussionsverhalten, Männer, Frauen
Arbeit zitieren
Mag. Karin Stepanek (Autor), 1995, Untersuchung des Gruppendiskussionsverhaltens von Frauen und Männern an Hand einer aufgezeichneten Fernsehdiskussion., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12412

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