Chancenungleichheiten im deutschen Bildungssystem:

Warum haben Schüler mit Migrationshintergrund die schlechteren Bildungschancen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Hintergrundinformationen
2.1 Demographisch
2.2 Schulempfehlungen und Schulabschlüsse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
2.3 Begriffserläuterungen zu Migrant und Migration
2.4 Rechtlich

3. Pisa - Studie
3.1 Die PISA – Studie in der Bundesrepublik
3.2 Leistung und Engagement bei PISA: Wo haben Schüler mit Migrationshintergrund die größten Erfolgschancen?
3.2.1 Ergebnisse

4. Institutionalisierung der Chancenungleichheit
4.1 Ungleichheit durch Struktur
4.2 Ungleichheit durch Vorurteile
4.3 Ungleichheit durch Kultur
4.4 Ungleichheit durch Kapital

5. Perspektiven und Konsequenzen für Bildungspolitik und Bildungsforschung

6.Fazit

7. Literatur

1. Einführung

Spricht man über die klassischen Fragen der Bildungsforschung, so gehört die Frage nach den Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht dazu. Dieses Thema wurde erst in den späten 1980er Jahren beziehungsweise zu Beginn der 1990er Jahre für die Bildungsforschung relevant. Dennoch hat es besonders in der aktuellen Debatte nicht an Brisanz verloren, im Gegenteil scheint die Frage nach den Bildungschancen von Migrantenkindern immer wichtiger und das öffentliche Interesse daran ist ungebrochen. Der Grund für die Vernachlässigung der ausländischen Bevölkerungsgruppe, liegt wahrscheinlich in der Geschichte der Zuwanderung in der BRD. Deutschland nutzte die Möglichkeit der internationalen Vergleichsuntersuchungen bezüglich des Bildungssystems im Verhältnis zu den meisten anderen OECD – Staaten relativ spät (erst Ende 1990er Jahre). Bis zu diesem Zeitpunkt wurde von der KMK die Chance nicht genutzt, die Qualität der Bildungssystems erstens zu testen und zweitens mit anderen Bildungssystemen zu vergleichen um Änderungen und Verbesserungen des Systems vorzunehmen. Erst die Teilnahme an den TIMSS – Studien weckte das Interesse der Wissenschaftler und auch der Politiker an weiteren Qualitätskontrollen auf internationalem Niveau. Es wurde deutlich, dass die deutsche Bundesregierung es verpasst hatte, für das deutsche Bildungssystem eindeutige und allgemein gültige Standards einzuführen und diese auch in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Diese hatten bis dahin nur vereinzelt durch zentrale Abiturprüfungen innerhalb von bestimmten Bundesländern bestanden.

Kinder mit Migrationshintergrund sind im deutschen Bildungssystem offensichtlich benachteiligt. Und obwohl sowohl durch das Grundgesetz in der Bundesrepublik die rechtliche Gleichstellung aller Menschen als auch besonders durch die Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention und die rechtliche Gleichstellung aller Kinder gewährleistet werden sollte gelingt dies in der BRD vergleichsweise schlecht.

Die folgende Arbeit stellt zunächst die demographischen und rechtlichen Grunddaten der Bundesrepublik dar und gibt Erläuterungen zum Begriff „Migration“. Im nächsten Schritt erfolgt eine Einführung in die PISA-Studie aus dem Jahr 2003. Diese stellt zunächst die Studie ganz allgemein dar und geht dann näher auf die Ergebnisse der Analyse bezüglich der Ergebnisse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund anhand der vergleichenden Analyse ein. Daran anschließend und auf die dargestellten Fakten aufbauend sollen Ursachen dieser Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem tiefer beleuchtet werden und theoretische Ansätze diskutiert, sowie aktuelle Bildungspolitische Maßnahmen unter die Lupe genommen werden und deren Wirksamkeit abgewogen werden. In einem nächsten Schritt werden Konsequenzen sowohl für die Bildungspolitik als auch für die Bildungsforschung zusammengefasst.

Das Ziel dieser Arbeit ist es mögliche Gründe für die gravierenden Leistungsunterschiede der Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu einheimischen Jugendlichen zu beleuchten. Es soll auf strukturelle Probleme des Bildungssystems hingewiesen werden, sowie bestehende kulturelle Schwierigkeiten und Vorurteile aufgezeigt werden. Es soll versucht werden, die aktuellen Reformen der Bundesregierung auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen und gegebenenfalls neue Lösungsansätze und Vorschläge darzustellen.

2. Hintergrundinformationen

2.1 Demographisch

Die demographische Entwicklung der ausländischen Bevölkerung in der Bundesrepublik ist eng mit der Arbeitsmarktpolitik der BRD verschränkt. Dort wurden in den 1950er Jahren aufgrund des im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwunges entstehenden Arbeitskräftemangels so genannte „Gastarbeiter“ angeworben. Man ging davon aus, dass diese „Gastarbeiter“ sich vorübergehend in der Bundesrepublik aufhalten würden und Integrationspolitik überflüssig sei. Mitte der 1960er Jahre bildete die Gruppe der ausländischen Schülerinnen und Schüler gerade einmal 0,5%[1] der Gesamtschülerschaft in der BRD. Durch ihre zahlenmäßige Unterbesetzung an den Schulen und dem Fehlen einer bundesweit einheitlichen Schulpflicht für Migrantenkinder wurde die Beschulung ausländischer Jugendlicher nicht Gegenstand der schulischen Pädagogik. Die damalige Bundesregierung verkannte jedoch den Umstand, dass die Gastarbeiter ihren Aufenthalt in der Bundesrepublik keineswegs als Kurzeitigen ansahen und schon im Jahr 1971 35% aller „Gastarbeiter“ deren Ehefrauen und Kinder waren. Die Zahl der ausländischen Schülerinnen und Schüler hatte sich innerhalb von zehn Jahren[2] entsprechend verzehnfacht.[3]

Zum Erhebungszeitpunkt der PISA – Studie 2003 betrug die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 82.532.000[4] gemeldete Bundesbürger. Der Ausländeranteil lag bei 8,9%.[5]

2.2 Schulempfehlungen und Schulabschlüsse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Circa 43% aller Grundschüler ohne Migrationshintergrund erhielten bei Abschluss der Grundschule eine Gymnasialempfehlung, bei nur 35% der Grundschüler mit Migrationshintergrund gab es eine entsprechende Empfehlung.[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

22,2 Prozent der 15-Jährigen Schüler und Schülerinnen in Deutschland sind Jugendliche mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2002 gab es insgesamt 1.622.00 Auszubildende von denen 85.000 (5,3%) Ausländer waren. Als weitere Fakten können außerdem die drei folgenden Aussagen gelten:

1.Migrantenkinder erfahren gegenüber deutschen Kindern weniger vorschulische Betreuung.“
2. „Migrantenkinder werden deutlich häufiger als deutsche Kinder von der Einschulung zurückgestellt.“
3. „Migrantenkinder wiederholen Klassen deutlich häufiger als deutsche Kinder.“[7]

2.3 Begriffserläuterungen zu Migrant und Migration

Der Begriff „Migrant“ ist ein relativ neuer Begriff in der wissenschaftlichen Debatte und wurde bis vor kurzem mit dem Begriff „Ausländer“ beschrieben. Die Gruppe von Ausländern definiert sich wie folgt: „ Ausländer sind alle Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit nach Artikel 116 Grundgesetz (GG) besitzen. […] Die großen Gruppen bilden Gastarbeiter, Saisonarbeitskräfte, Studierende, Asylsuchende, Flüchtlinge aus Krisenregionen, anerkannte politische Flüchtlinge, und de-facto-Flüchtlinge.[…]“[8]

Das Verlassen der Heimat und der Umzug in ein anderes Land, dem Einwanderungsland so spricht man üblicher Weise von Migration. Migration ist jedoch kein einheitliches Phänomen und so erklärt sich, dass die verschiedensten Definitionen von Migration bestehen. Im Lexikon der Politikwissenschaft findet sich unter dem Stichwort Migration der folgende Eintrag:

„Migration, umfasst alle Wanderungsbewegungen, gleich welcher Verursachung, mit denen Gruppen oder Individuen ihren Wohnsitz vorübergehend oder ständig verändern.“ Weiter heißt es, dass Migration „ein Versuch, die eigene Lebenslage zu verbessern [...]“.[9]

Für die PISA – Studien wurden von der OECD weitere Unterteilungen der Gruppe der jugendlichen Migranten vorgenommen. Die Gruppe der Jugendlichen in vier verschiedene Teilgruppen eingeteilt:

1. Ohne Migrationshintergrund: Beide Eltern sind in Deutschland geboren.
2. Mit einem im Ausland geborenen Elternteil: Der andere Elternteil ist in Deutschland geboren.
3. Zweite Generation: Der Jugendliche ist in Deutschland geboren, die Eltern im Ausland.
4. Zugewandert: Beide Elternteile und der Jugendliche sind im Ausland geboren und nach Deutschland eingewandert.[10]

Die begriffliche Einordnung der Jugendlichen weicht in der vergleichenden Analyse leicht ab[11]: „Schülerinnen und Schüler der ersten Generation, die nicht im Erhebungsland geboren sind und deren Eltern ebenfalls aus dem Ausland , sowie Schülerinnen und Schüler der zweiten Generation, die im Erhebungsland geboren sind, deren Eltern aber aus dem Ausland stammen und die also ihre gesamte Schulbildung im Erhebungsland erhalten haben.“[12]

[...]


[1] Zwischen 50.000 und 55.000

[2] 1965 – 1975

[3] Diefenbach, S.226

[4] Alle Daten im folgenden Abschnitt wurden dem Datenreport 2003 entnommen

[5] In Zahlen: 7.341.800

[6] Entsprechend: Realschulempfehlung jeweils 37%; Hauptschulempfehlung insgesamt 21% davon 19% ohne Migrationshintergrund

[7] Diefenbach, S. 229f

[8] http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/L50/L5042.htm

[9] Lexikon der Politikwissenschaft, S. 548

[10] Bildungsgerechtigkeit: Jahresgutachten 2007, S. 33

[11] Es folgt die für diese Arbeit genutzte Unterscheidung der Teilgruppen

[12] OECD 2006: S. 1

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Chancenungleichheiten im deutschen Bildungssystem:
Untertitel
Warum haben Schüler mit Migrationshintergrund die schlechteren Bildungschancen?
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V124197
ISBN (eBook)
9783640290581
ISBN (Buch)
9783640290765
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancenungleichheiten, Bildungssystem, Seminar
Arbeit zitieren
Beate Jaschik (Autor), 2007, Chancenungleichheiten im deutschen Bildungssystem: , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124197

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