Das Universitätsideal Wilhelm von Humboldts


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wilhelm von Humboldts Leben und Wirken

2. Der zeitgeschichtliche Hintergrund für Humboldts Bildungsreformen

3. Die Situation an den deutschen Universitäten an der Wende vom 18. ins 19. Jahrhundert

4. Humboldts Prinzipien universitärer Bildung
4.1 Bildung durch Wissenschaft
4.2 Einsamkeit und Freiheit
4.3 Freiheit von Forschung und Lehre
4.4 Einheit von Forschung und Lehre

5. Aktuelle Relevanz der Bildungsvorstellungen Humboldts für die heutige Hochschulreform

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wilhelm von Humboldt gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Neuhumanismus, der maßgeblich zur Entwicklung des klassischen deutschen Bildungsbegriffs beigetragen hat. Daneben hat er als Geheimer Staatsrat und Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht in Preußen wegweisend an der Preußischen Bildungsreform mitgewirkt und die Reform der Schulbildung vom Elementarbereich bis zum Abitur, sowie die Einrichtung der Berliner Universität wesentlich betrieben. Auch die intensiv geführte aktuelle Diskussion um die Neugestaltung der Hochschulen tut gut daran, sich der Humboldtschen Vorschläge zur Einrichtung der Berliner Universität Anfang des 19. Jahrhunderts zu erinnern. Humboldts Idee der „Einheit von Forschung und Lehre“, die forschendes Lernen zum Prinzip der Universitäten erklärt, und die „Bildung durch Wissenschaft“ in „Einsamkeit und Freiheit“, womit Originalität und Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Arbeit und Persönlichkeitsentwicklung gemeint sind, stellen unverzichtbare Qualitätsstandards von Universitäten dar, auf die auch in Zeiten der Massenuniversität, des starken Berufsfeldbezuges und der ökonomischen Ausrichtung nicht verzichtet werden sollte.

Es findet sich eine Fülle von Beiträgen, die sich mit der Wilhelm von Humboldts Idee der Universität auseinandersetzen. Der Spannungsbogen reicht von der Bekräftigung und Rechtfertigung der Humboldtschen Gedanken zur Universität als nach wie vor geltendes und anzustrebendes Ideal bis hin zur kritischen Infragestellung und Forderung nach Überarbeitung seiner Konzeption, begründet durch die veränderten Verhältnisse und mitunter auch durch den Verweis darauf, dass sich diese Idee bereits zur Zeit der Neugründung der Berliner Universität nicht entsprechend umsetzen ließ.

Wilhelm von Humboldts Entwurf entstand im Zuge intensiver Reformbestrebungen in Preußen Anfang des 19. Jahrhunderts, die das Schul- und Erziehungswesen insgesamt, sowie die Universitäten im Besonderen betrafen. Die traditionellen Universitäten jener Zeit befanden sich in einer Krise und sollten den Anforderungen der Aufklärung entsprechend neu strukturiert werden. Dieser Umstand kann als symptomatisch für die gesamte Universitätsentwicklung bezeichnet werden: Reformdiskussionen waren und sind in wiederkehrenden Abständen bestimmend für die Universität. Sie stellen auch im aktuellen Universitätsdiskurs einen entscheidenden Gesichtspunkt dar.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Bildungsideal Wilhelm von Humboldts der deutschen Universität auseinander. Nach einer Biografie Wilhelm von Humboldts werden dabei zunächst der historische Kontext und die Situation an den deutschen Universitäten an der Wende vom 18. ins 19. Jahrhundert erläutert, die für das Verständnis der bildungspolitischen Ideen Humboldts wichtig sind. Als nächstes werden Humboldts vier Prinzipien der universitären Bildung vorgestellt, die das Humboldtsche Universitätsideal kennzeichnen. Als letztes wird die Relevanz der Bildungsvorstellungen Humboldts für die heutige Hochschulreform betrachtet.

Abschließend wird ein Fazit gezogen.

1. Wilhelm von Humboldts Leben und Wirken

Wilhelm Freiherr von Humboldt wurde am 22. Juni 1767 als Sohn eines Offiziers in Potsdam geboren. Wie die meisten Kinder aus aristokratischen Kreisen hat Wilhelm von Humboldt nie eine öffentliche Schulausbildung genossen, sondern erhielt als Kind und Jugendlicher Privatunterricht. Der erster Erzieher und Hauslehrer von Wilhelm von Humboldt und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Alexander war der berühmte Pädagoge Joachim Heinrich Campe. Ab 1777 wurden Wilhelm und Alexander in Mathematik, Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch und Geschichte von Gottlob Johann Christian Kunth unterrichtet. In Vorbereitung auf die Universitätsstudien wurden den Brüdern Privatvorlesungen u.a. in Nationalökonomie und Statistik, Naturrecht und Philosophie gehalten.

Ab dem Wintersemester 1787/88 besuchte Wilhelm von Humboldt für ein Semester die Universität Frankfurt an der Oder und wechselte zu Ostern 1788 zur Universität nach Göttingen über, jener Universität, die 1737 neben Halle als die Reformuniversität der Aufklärung gegründet wurde. Er studierte Jurisprudenz und Altertumswissenschaften. Neben den Studien seines Faches hörte er in Göttingen vor allem Vorlesungen des Physikers und Schriftstellers Georg Christoph Lichtenberg sowie des Historikers August Ludwig Schlözer und setzte sich im Eigenstudium mit dem Werk von Immanuel Kant auseinander.

Im Juli 1789 beendete Humboldt sein Universitätsstudium und unternahm zusammen mit Campe eine Bildungsreise nach Frankreich. Drei Wochen nach dem Bastillesturm trafen sie am 3. August in das von der französischen Revolution bewegte Paris ein.

Anfang des Jahres 1790, nach Beendigung seiner Bildungsreise mit Campe, trat Wilhelm von Humboldt in den preußischen Staatsdienst in Berlin ein, wird im selben Jahr Legationsrat und Referendar. Da ihn aber eine Beamtenkarriere nicht sonderlich interessierte, verlies Humboldt im Mai 1791 auf eigenen Wunsch den Dienst. Im gleichen Jahr heiratete er Caroline von Dacheröden in Erfurt. Mit seiner Frau zog sich Humboldt 1791 zunächst auf deren thüringische Güter in Erfurt und Weimar und ab 1794 nach Jena zurück, um sich ganz der Selbstbildung und dem Selbststudium zu widmen. In diesen Jahren vertiefte er sein Altertumsstudium und sein Studium der Kantischen Philosophie. Außerdem verfasste er wissenschaftliche Studien, darunter die bedeutende Schrift „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen“, in der Humboldt im Anschluss an die Ideen Kants die Freiheit eines jeden Individuums forderte sowie die Allmacht des absolutistischen Staats kritisierte. Darin nahm Humboldt erstmals öffentlich Stellung zu bildungspolitischen Aspekten: „Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerlässliche Bedingung. Allein außer der Freiheit erfordert die Entwicklung der menschlichen Kräfte noch etwas anderes, obgleich mit der Freiheit eng Verbundenes, Mannigfaltigkeit der Situation.“[1] Im gleichen Jahr erschien auch ein Artikel mit dem Titel „Über öffentliche Staatserziehung“, in dem sich Humboldt für die Selbsttätigkeit eines jeden Menschen im Staat aussprach und dafür plädierte, dass „die freieste so wenig als möglich schon auf die bürgerlichen Verhältnisse gerichtete Bildung des Menschen überall vorangehen“[2] müsse. Im gleichen Zeitraum führte Humboldt einen regen Gedankenaustausch mit Goethe und Schiller.

Ende des Jahres 1797 reiste Wilhelm von Humboldt erneut nach Paris, wo er sich mit seiner Frau bis 1801 aufhielt. Von 1802 bis Ende 1808 hatte Wilhelm von Humboldt das Amt des preußischen Gesandten am Heiligen Stuhl in Rom inne. In dieser Zeit befasste er sich neben dem Baskischen auch mit den amerikanischen Indianersprachen und mit Übersetzungen aus dem Griechischen.

Nach dem Zusammenbruch Preußens zog Humboldt nach Deutschland zurück und übernahm die Sektion für Kultus und Unterricht im Preußischen Innenministerium. In dieser Anstellung leitete Wilhelm von Humboldt die grundlegenden Reformen, durch die ein allgemeines und durchgehendes Erziehungssystem von der Elementarstufe bis zur Universität errichtet wurde. 1810 stellte er sein Entlassungsgesuch und wird Staatsminister und preußischer Gesandter in Wien. Während dieser Zeit schrieb er seine wichtigsten Schriften zur Politik und zum Bildungswesen. 1813 bis 1818 war er als Unterhändler oder Bevollmächtigter Preußens an verschiedenen Friedensverhandlungen beteiligt (u. a. am Wiener Kongress) und wurde zum „Minister für Ständische Angelegenheiten“, allerdings im gleichen Jahr nach einem Konflikt mit Hardenberg entlassen. 1820 bis zu seinem Tod 1835 mit 68 Jahren lebte Humboldt als Privatgelehrter und Sprachforscher in Tegel. In dieser Zeit entstanden seine wichtigsten Werke über die Sprache. Darüber hinaus führte er intensiv Tagebücher und schrieb eine große Anzahl Briefe.

2. Der zeitgeschichtliche Hintergrund für Humboldts Bildungsreformen

Der zeitgeschichtliche Hintergrund, auf dem sich die Reformen Wilhelm von Humboldts entfalteten, ist durch zwei wesentliche Aspekte gekennzeichnet: Zum einen durch den Neuhumanismus und zum anderen durch die preußischen Reformen, die durch den Freiherrn vom Stein eingeleitet wurden.[3] Der Neuhumanismus war jene geistige Bewegung, die das antike Griechentum zu einem tragenden Bildungsideal entwickelte, das dem Menschen dazu dienen sollte, die eigenen Kräfte im Sinne der Selbsttätigkeit zu wecken und auszuprägen. Der Neuhumanismus lehnte Spezialistentum, einseitigen Rationalismus und Utilitarismus scharf ab. Eine enge Beziehung bestand dabei zur Philosophie Immanuel Kants (1724-1804), der die Würde der sittlichen, auf sich selbst gestellten Person verkündet hatte. Ebenso hatte aber auch die Naturbegeisterung Jean Jaques Rousseaus (1712-1778) wesentlichen Einfluss auf den Neuhumanismus.

[...]


[1] Humboldt, Wilhelm von: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen (1972), zit. nach Max 1996, S. 17

[2] Humboldt, Wilhelm von: Über öffentliche Staatserziehung (1792), zit. nach Max 1996, S. 18

[3] Vgl. Benner 1990, S. 23

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Details

Titel
Das Universitätsideal Wilhelm von Humboldts
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V124200
ISBN (eBook)
9783640290963
ISBN (Buch)
9783640291199
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Universitätsideal, Wilhelm, Humboldts
Arbeit zitieren
Natalie Schlee (Autor), 2007, Das Universitätsideal Wilhelm von Humboldts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124200

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