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Das ‚heilige Hühnchen’: Kleruskritik oder Kritik an weltlicher Machtpraxis im "Reinhart Fuchs" des Elsässers Heinrich?

Titel: Das ‚heilige Hühnchen’: Kleruskritik oder Kritik an weltlicher Machtpraxis im "Reinhart Fuchs" des Elsässers Heinrich?

Seminararbeit , 2008 , 13 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Simon Mues (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Sie begonden allentsamt iehen, / do were ein zeichen geschehen, / Vnde erhvben einen hohen sanc.“ So einfach ist es im ‚Reinhart Fuchs’, eine Heiligsprechung durchzuführen und öffentlich zu verkünden. War es im Deutschland des 12. Jahrhunderts tatsächlich so unkompliziert, einen Heiligen auszurufen? Reichte es, dass jemand schlicht von einem Wunder, das ihm widerfahren sei, berichten musste – und schon begann die feierliche Zeremonie zu Ehren des Märtyrers? Man mag den Mächtigen im Mittelalter vielerlei Willkür vorwerfen – dass man sich eine so wichtige Handlung wie eine Heiligsprechung allerdings so leicht machte, ist schwer vorstellbar.
Doch warum wird sie im RF genau so dargestellt? War der Autor unwissend, hatte er schlecht recherchiert? Oder wollte er eine Karikatur der Mächtigen schaffen? Und wenn das so war, ging es dabei um die Mächtigen auf weltlicher oder auf klerikaler Seite?
Um all diese Fragen wird es in dieser Arbeit gehen. Beleuchtet wird zunächst die zeitgenössische Praxis der Heiligsprechung, in Bezug auf ebendiese folgt darauf die Analyse der ‚heiliges Hühnchen’-Episode im RF, um im Anschluss die entsprechenden Pendants im ‚Roman de Re-nart’ und im ‚Reynke de Vos’ damit zu vergleichen. Im folgenden Punkt versucht diese Arbeit eine Antwort der Frage, worauf die Satire, als die man den RF wohl bezeichnen kann, abzielt – weltliche oder geistliche Kritik.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Heiligsprechung – von den Anfängen bis ins Mittelalter

2.1 Die Anfänge

2.2 Allgemeine Regeln für Kanonisation

2.3 Heiligsprechungen im 12. Jahrhundert

3. Bezug der Heiligsprechungspraxis auf drei Werke

3.1 Das heilige Hühnchen im Reinhart Fuchs

3.2 Das heilige Hühnchen im Roman de Renart

3.3 Das heilige Hühnchen im Reynke de Vos

4. Kleruskritik oder Kritik an weltlicher Macht?

4.1 Kleruskritischer Fokus

4.2 Herrschaftskritischer Fokus

4.3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Heiligsprechungspraxis im Mittelalter im Kontext der ‚heiliges Hühnchen‘-Episode in den Werken ‚Reinhart Fuchs‘, ‚Roman de Renart‘ und ‚Reynke de Vos‘, um zu klären, ob die enthaltene Satire primär als Kleruskritik oder als Kritik an der weltlichen Machtpraxis zu verstehen ist.

  • Historische Entwicklung des Heiligsprechungsverfahrens
  • Vergleichende Analyse der Hühnchen-Episode in drei Tierdichtungen
  • Rezeption kirchlicher Regeln durch zeitgenössische Autoren
  • Untersuchung der politischen Dimension und Herrschaftskritik
  • Reflexion der staufischen Zeitgeschichte in der Literatur

Auszug aus dem Buch

3.1 Das heilige Hühnchen im Reinhart Fuchs

Unter weitgehendem Verzicht auf Ausschmückungen berichtet Heinrich, wie aus einem einfachen Hühnchen ein gefeierter Märtyrer wird:

Schantecler und Frau Pinte erscheinen beim Hoftag, auf einer Bahre tragen sie ihre tote Tochter. Reinhart hatte sie am gleichen Tag totgebissen, Schantecler klagt ihn an. König Vrevel wird sehr zornig und verbannt Reinhart aus dem Land, andernfalls soll dieser sterben. Während des Wutausbruchs des Königs bekommt ein Hase Schüttelfrost, weil er die Wut auf sich bezieht. Für Schanteclers Tochter wird die Totenmesse gehalten, dann wird sie begraben. Soweit ist aus zeitgenössischer kirchlicher Sicht noch alles in Ordnung.

Im Folgenden allerdings verkürzt Heinrich das Verfahren zur Kanonisation auf ein Minimum: Der Hase legt sich auf das frische Grab und schläft ein. Er wacht auf und ist vom Schüttelfrost geheilt. Der Hase erzählt daraufhin dem König, dass das Huhn heilig sei. Man stimmt einen feierlichen Gesang zu Ehren des Huhns an – und „sie sprachen: ‚zv vnserm angesichte / Hat got ein zeichen getan. / Reinhart sold iz vermiden han, / Daz er an alle missetat / disen heiligen gemartirt hat.‘“

Der anwesende Kaplan Brun, dessen Pflicht es wäre, auf die Einhaltung der kirchlichen Regeln zumindest hinzuweisen, macht dazu keinerlei Anstalten. Im Gegenteil: Als er losgeschickt werden soll, damit er Reinhart hole, macht er sich nur Sorgen um seine eigene Sicherheit: „Des wold er weigern dvrch not, / doch tet er, daz der kvnic gebot.“ Das Gebot des Königs ist ihm dann doch wichtiger als sein eigenes Wohl. Nur die Institution, die er vertritt, vergisst er in diesem Moment und lässt sich zum bloßen Diener des Königs degradieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob die Darstellung der Heiligsprechung im ‚Reinhart Fuchs‘ als Kritik am Klerus oder an weltlichen Machthabern zu deuten ist.

2. Heiligsprechung – von den Anfängen bis ins Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und die zunehmende Reglementierung des Kanonisationsverfahrens bis ins 12. Jahrhundert.

3. Bezug der Heiligsprechungspraxis auf drei Werke: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse und ein Vergleich der ‚heiliges Hühnchen‘-Episode in den Texten ‚Reinhart Fuchs‘, ‚Roman de Renart‘ und ‚Reynke de Vos‘.

4. Kleruskritik oder Kritik an weltlicher Macht?: Das Kapitel diskutiert abschließend die Intention der Satire und kommt zu dem Ergebnis, dass die Darstellung primär die Willkür weltlicher Herrscher karikiert.

Schlüsselwörter

Reinhart Fuchs, Heiligsprechung, Kanonisation, Mittelalter, Satire, Tierdichtung, Kleruskritik, Herrschaftskritik, Staufer, Roman de Renart, Reynke de Vos, König Vrevel, Martyrium, Literaturgeschichte, Feudalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die satirische Darstellung einer Heiligsprechung in drei mittelalterlichen Tierdichtungen und untersucht, welche gesellschaftlichen oder politischen Machtverhältnisse dadurch kritisiert werden.

Welche Werke stehen im Zentrum der Untersuchung?

Analysiert werden der ‚Reinhart Fuchs‘ des Elsässers Heinrich, der ‚Roman de Renart‘ und der niederdeutsche ‚Reynke de Vos‘.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob die in den Texten enthaltene Satire als explizite Kleruskritik oder als Kritik an der weltlichen Machtpraxis, insbesondere der staufischen Zeit, zu interpretieren ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Kontexte (Recht der Kanonisation) mit der Textanalyse vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet zunächst die historische Praxis der Heiligsprechung und untersucht anschließend die unterschiedliche Ausgestaltung der ‚Hühnchen-Episode‘ in den drei Werken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Heiligsprechung, Satire, Tierdichtung, Herrschaftskritik und die drei behandelten Epen.

Warum wird im ‚Reinhart Fuchs‘ die Heiligsprechung so drastisch verkürzt dargestellt?

Die Verkürzung dient der satirischen Zuspitzung; der Autor stellt die Willkür des Königs in den Vordergrund, anstatt den kirchlichen Prozess korrekt abzubilden.

Welche Rolle spielt die Figur des Kaplan Brun in der Analyse?

Kaplan Brun fungiert als Beispiel für das Versagen der geistlichen Instanz, die sich dem weltlichen Herrscher unterordnet, anstatt die Einhaltung kirchlicher Regeln einzufordern.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das ‚heilige Hühnchen’: Kleruskritik oder Kritik an weltlicher Machtpraxis im "Reinhart Fuchs" des Elsässers Heinrich?
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
„Mittelalterliche Tierepik: Der ‚Reinhart Fuchs’ des Elsässers Heinrich“
Note
1,3
Autor
Simon Mues (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V124206
ISBN (eBook)
9783640296576
ISBN (Buch)
9783640302109
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hühnchen’ Kleruskritik Kritik Machtpraxis Reinhart Fuchs Elsässers Heinrich Tierepik Fuchs’ Elsässers Heinrich“
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simon Mues (Autor:in), 2008, Das ‚heilige Hühnchen’: Kleruskritik oder Kritik an weltlicher Machtpraxis im "Reinhart Fuchs" des Elsässers Heinrich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124206
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Leseprobe aus  13  Seiten
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