Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird ein "Recht auf Bildung" nicht ausdrücklich normiert. Jedoch ergibt sich das Recht auf Bildung(-smöglichkeiten) aus den im Grundgesetz festgeschriebenen Grundrechten. Das Recht auf Bildung gehört zu den kulturellen Menschenrechte. „Es ist eine Sache, jedem Menschen das Recht auf Bildung zuzugestehen. Eine andere Sache ist es, die gesellschaftlichen und schulischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es jedem Einzelnen erlauben, von diesem Menschenrecht Gebrauch zu machen. Gerade dies ist die Aufgabe der Bildungs- und Schulpolitik.“ (vgl. Böhm/Grell 2002, S. 3) Die wesentlichen Elemente des heutigen Schulsystems gehen vor allem „auf die politischen Entscheidungen zurück, die bereits in der Weimarer Republik getroffen worden sind.“ (vgl. Böhm/Grell 2002, S.3)
In der folgenden Ausarbeitung sollen die Schulgeschichte und Bildungspolitik des 19. Jahrhunderts dargestellt werden. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Reformen und Entwicklungen in Preußen, wobei in anderen deutschen Ländern ähnliche Entwicklungen und Reformen des Schulsystems von statten gingen, deren Darstellung an dieser Stelle aber zu weit führen würde.
Meine Ausführungen gehen zuerst auf die allgemeinen Entwicklungen und Reformen des Schulsystems in Preußen ein und anschließend auf die einzelnen Schulformen, wie die Höheren Schulen (Gymnasium, Realschule und Mädchenschule), das Niedere Schulwesen und die Universitäten.
Da die Entwicklungen des Elementarbereichs völlig losgelöst von der restlichen Bildungspolitik verlief und der Elementarbereich zu dieser Zeit nicht Teil des Bildungswesens war, möchte ich darauf in dieser Arbeit nicht näher eingehen.
Erst im 20. Jahrhundert, nach dem Ersten Weltkrieg, gab es Bestrebungen den Kindergarten dem Bildungssystem zuzuordnen. Dieser sollte zur untersten Stufe der Volksschule werden und somit den Kindergartenbesuch für alle Kinder verbindlich machen. Das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 beließ es allerdings bei dem freiwilligen Kindergartenbesuch. (vgl. Rossbach, H.-G. 2003, S. 256) Noch heute wird die Kindergartenbildung nicht zum Bildungswesen zugeordnet. Sie wird als Aufgabe der Eltern bzw. Familien angesehen und unabhängig vom Bildungswesen betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Entwicklungen im 19. Jahrhundert
3. Das Höhere Bildungswesen
3.1 Das Gymnasium
3.2 Die Realschulen
3.3 Die Mädchenschulen
4. Das Niedere Schulwesen
4.1 Die Volksschule
5. Die Universitäten
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegenden Entwicklungen der Schulgeschichte und Bildungspolitik im Preußen des 19. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen und industriellen Umbrüche der Epoche.
- Veränderung der gesellschaftlichen Bedeutung von Bildung
- Strukturwandel im Höheren Bildungswesen (Gymnasien und Realschulen)
- Entwicklung und staatliche Reglementierung der Volksschulen
- Rolle und Krise der Universitäten im 19. Jahrhundert
- Emanzipation und Bildungsmöglichkeiten für Mädchen
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Gymnasium
Vorläufer des Gymnasiums in Preußen waren die Höheren Schulen, welche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet wurden. Sie waren das Ergebnis von Stiftungen oder Initiativen von Landesherren bzw. Privatpersonen. Außerdem galten sie als Musteranstalten und waren Vorbild für die Entwicklung des öffentlichen Bildungswesens. Bei den Höheren Schulen handelte es sich um Latein- und Gelehrtenschulen, in denen vorwiegend Latein unterrichtet wurde.
Erst im 19. Jahrhundert wurde das Höhere Bildungswesen reformiert. Entscheidende Akteure hierbei waren Wilhelm von Humboldt, Freiherr von Stein und Johann Wilhelm Süvern. Kern der Humboldtschen Bildungsreform war das humanistische Gymnasium.
Im Mittelpunkt des Curriculums standen die Sprachen der klassischen Antike, Latein und Altgriechisch, sowie das Grundwissen über Geschichte und Philosophie des klassischen Altertums einschließlich der Mathematik. Weiterhin waren auch christliche Wertvorstellungen tief im Gymnasium des protestantischen Preußens verankert. Naturwissenschaften hingegen spielten eine eher untergeordnete Rolle ebenso die Bedeutung von Kunst, Musik und Sport. Die künstlerisch-ästhetische Erziehung sollte ebenso wie die sportliche Betätigung die gesamtheitliche Bildung abrunden. Die grundlegende Bildung des Menschen sollte eine rein idealistische Bildung sein, unabhängig von Fragen der Verwertbarkeit des Wissens. (vgl. Jeismann, K.-E. 1987, S. 152ff.) Gegen Ende des 19. Jahrhundert hat sich die „realistische Bildung“ mit einem höheren Anteil von Naturwissenschaften und modernen Fremdsprachen als gleichwertig zur „humanistischen Bildung“ etablieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das Recht auf Bildung im historischen Kontext und skizziert den Fokus auf preußische Bildungsreformen des 19. Jahrhunderts.
2. Allgemeine Entwicklungen im 19. Jahrhundert: Der Wandel von der ständischen Gesellschaft hin zum Industriezeitalter erzwang staatliche Eingriffe und eine Professionalisierung des Bildungswesens.
3. Das Höhere Bildungswesen: Das Kapitel beschreibt die Reform des humanistischen Gymnasiums sowie die Entstehung der Realschulen und die Entwicklung der Mädchenschulen.
3.1 Das Gymnasium: Hier wird der Fokus auf das humboldtsche Ideal der allgemeinen Menschenbildung und die Abiturregelungen gelegt.
3.2 Die Realschulen: Die Entwicklung zur Ausbildung der mittleren Schicht und die verschiedenen Ordnungsstufen der Realschulen stehen im Zentrum.
3.3 Die Mädchenschulen: Dieses Kapitel thematisiert den Aufschwung der Mädchenschulen und die Rolle der Frauenbewegung.
4. Das Niedere Schulwesen: Das Kapitel behandelt die Bedeutung der Volksschule für die Massenbildung und die staatliche Kontrolle.
4.1 Die Volksschule: Der Fokus liegt auf der Schulpflicht, Pestalozzis Elementarbildung und der staatlichen Aufsicht nach 1872.
5. Die Universitäten: Die Neuausrichtung zur Forschungsstätte nach humboldtschen Vorbild und die Krise der Philosophie zugunsten der Einzelwissenschaften werden analysiert.
6. Zusammenfassung: Ein Rückblick auf die Fülle politischer und gesellschaftlicher Reformen, die die Grundlage des modernen deutschen Schulwesens bildeten.
Schlüsselwörter
Preußen, 19. Jahrhundert, Bildungspolitik, Schulreform, Humanistisches Gymnasium, Volksschule, Industrialisierung, Bildungsbürgertum, Wilhelm von Humboldt, Realgymnasium, Mädchenbildung, Schulpflicht, Universitätsreform, Alphabetisierung, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Schulgeschichte und die bildungspolitischen Reformen in Preußen während des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation des Schulsystems durch gesellschaftliche und industrielle Einflüsse, dem Ausbau staatlicher Aufsicht und der Differenzierung in verschiedene Schulformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Reformprozess des preußischen Schulwesens darzustellen, der vom Zusammenbruch des alten Staates bis hin zur modernen Bildungslandschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts reichte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich auf fachwissenschaftliche Literatur, Regierungserlasse und pädagogische Konzepte jener Zeit stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des höheren Bildungswesens (Gymnasium, Realschule, Mädchenschule), des niederen Schulwesens (Volksschule) sowie der Entwicklung der Universitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Bildungsreform, Industrialisierung, Schulpflicht, humboldtsches Ideal und die Entwicklung des Bildungsbürgertums.
Warum war das humboldtsche Gymnasium für die damalige Zeit so prägend?
Es setzte das Ideal einer allgemeinen Menschenbildung in den Mittelpunkt, das unabhängig vom Stand des Individuums den ganzen Menschen durch klassische Sprachen und Philosophie bilden wollte.
Welche Rolle spielte die Kirche im 19. Jahrhundert im Bildungswesen?
Die Kirche war lange Zeit Trägerin der Alphabetisierung und Aufsicht, verlor jedoch im Laufe des Jahrhunderts durch die zunehmende staatliche Schulaufsicht und die Säkularisierung an politischem Einfluss.
Wie unterschieden sich die Realschulen von den Gymnasien?
Während das Gymnasium auf klassische Bildung und den Staatsdienst abzielte, fokussierte sich die Realschule auf naturwissenschaftliche Kenntnisse und die Ausbildung für den mittleren Dienst in Wirtschaft und Verwaltung.
- Quote paper
- Franziska Wilhelm (Author), 2008, Bildungspolitik und Schulreform im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124282