Die analysierte Foren-Diskussion wirft grundlegende, existentialistische Fragstellungen auf. Was überhaupt ist Inklusion im Rahmen von Schule und Bildung? Wie wird es in Deutschland gedacht, über die Medien und Politik vermittelt und von den einzelnen Akteur*innen erlebt? Ist Schule nur ein Ort der reinen Wissensvermittlung und Leistungsmessung mit dem Ziel der selektiven Vergabe von Zertifikaten? Ist die Vorstellung wirklich zu utopisch, dass Unterricht ein offener, sozialer und vor allem inklusiver Raum des gemeinsamen Zusammenkommens, Lernens und Miteinanders sein kann? Schafft Inklusion Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit?
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung: Inklusion, Fluch und Segen zugleich?
1.1 Begriffsdefinition Inklusion
1.2 Vorstellung der Auswertungsmethode: Die Grounded Theory Methodologie (GTM)
2.0 Reflexion der konkreten Anwendung
2.1 Zum Forschungsmaterial
3.0 Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse
3.1 Schlüsselkategorie: Sorgen
3.2 Schlüsselkategorie: Leistung
3.3 Schlüsselkategorie: Mehrgliedriges Schulsystem
3.4 "Die" Schlüsselkategorie: Theorie vs. Praxis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, wie Inklusion in einer digitalen Forendiskussion wahrgenommen und erlebt wird und welche Argumentationsstrukturen dabei für oder gegen das Konzept der Inklusion sprechen. Die Forschungsfrage fokussiert auf das Spannungsfeld zwischen der moralischen Vision von Inklusion und der praktischen Umsetzung im bestehenden deutschen Bildungssystem.
- Theoretische Verortung des Inklusionsbegriffs
- Methodische Anwendung der Grounded Theory Methodologie
- Analyse und Kategorisierung von Forenbeiträgen
- Untersuchung von Argumentationsmustern (z. B. Sorgen, Leistungsgedanke, Systemkritik)
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffsdefinition Inklusion
Das Thema Inklusion soll im Folgenden kurz erklärt werden, denn es dient für diese Arbeit als kontextgebendes Oberthema. Es findet seine Relevanz nicht nur in seiner Aktualität, denn die inklusive Schule wird in Niedersachsen seit dem Schuljahr 2013/2014 schrittweise eingeführt, sondern auch in seiner Zweischneidigkeit (vgl. Kultusministerium online). Inklusion scheint ein umstrittenes und stark emotionales Spannungsfeld zwischen einem theoretischen Moralkonzept auf der einen Seite und einem gesellschaftlichen Streitobjekt auf der anderen Seite darzustellen.
Gibt man bei Google die zwei Wörter "Inklusion Niedersachsen" in die Suchmaschine ein, so erscheint als einer der ersten Vorschläge "Inklusion Niedersachsen gescheitert". Schon allein die Etymologie des Verbes "scheitern" ist exemplarisch für die vermeintlichen Problematik hinter der Inklusions-Thematik. Scheitern impliziert laut Duden, dass ein Ziel nicht erreicht wurde. In der aktuellen Forschung wird Inklusion allerdings viel mehr als Prozess verstanden.
Inklusion als normative und moralische Einstellung und Vision stellt den Anspruch, dass jeder Schüler und jede Schülerin ohne jegliche Aussonderung oder Diskriminierung auf Grundlage der Chancengleichheit in unserem Bildungssystem angenommen und beschult wird (vgl. Ainscow et al. 2006, 14f). Inklusion ist somit kein Status, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der immer wieder neu vollzogen werden muss (vgl. Werning & Arndt 2015, 58).
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Inklusion, Fluch und Segen zugleich?: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert das Forschungsinteresse der Forenanalyse und erläutert den Aufbau der Arbeit.
1.1 Begriffsdefinition Inklusion: Hier wird der theoretische Inklusionsbegriff dargelegt und zwischen einem engen und weiten Verständnis von Inklusion unterschieden.
1.2 Vorstellung der Auswertungsmethode: Die Grounded Theory Methodologie (GTM): Das Kapitel erläutert die methodischen Grundlagen der Grounded Theory und deren Anwendung auf die qualitativen Internetdaten.
2.0 Reflexion der konkreten Anwendung: Dieser Abschnitt bewertet kritisch den eigenen Forschungsprozess und die Herausforderungen bei der Kodierung der Daten.
2.1 Zum Forschungsmaterial: Hier werden die Auswahl und die Eignung der Forenbeiträge von "Studis Online" als Datengrundlage begründet.
3.0 Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die zentralen Befunde der Analyse hinsichtlich der Argumentationsmuster der Akteure.
3.1 Schlüsselkategorie: Sorgen: Die Analyse konzentriert sich auf die emotionalen Belastungen und Ängste der Beteiligten, wie Diskriminierungsangst und Zukunftsängste der Kinder.
3.2 Schlüsselkategorie: Leistung: Hier wird das Spannungsfeld zwischen dem Leistungsgedanken der Schule und der Inklusion von Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen beleuchtet.
3.3 Schlüsselkategorie: Mehrgliedriges Schulsystem: Das Kapitel untersucht, wie die Struktur des deutschen Schulsystems als Konfliktfaktor bei der Inklusionsumsetzung wahrgenommen wird.
3.4 "Die" Schlüsselkategorie: Theorie vs. Praxis: Abschließend werden die Antinomien zwischen dem moralischen Inklusionsanspruch und den praktischen Hürden in der Umsetzung zusammengeführt.
Schlüsselwörter
Inklusion, Grounded Theory, Forenanalyse, Schulentwicklung, Leistungsgesellschaft, Diskriminierungsangst, Bildungssystem, Heterogenität, Sonderpädagogik, Regelschule, Bildungsdiskurs, Schülersorgen, Binnendifferenzierung, Moralische Vision, Inklusionsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die öffentliche Debatte über Inklusion anhand von Beiträgen in einem Online-Forum, um zu verstehen, wie betroffene Akteure (Eltern, Lehrkräfte, Studierende) das Thema wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit befasst sich mit den Schwerpunkten Sorgen der Akteure, der Bedeutung von Leistung im Bildungssystem, der Rolle des mehrgliedrigen Schulsystems und der Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, Argumentationsmuster in der Forendiskussion zu identifizieren und aufzuzeigen, warum Inklusion als ein kontroverses Spannungsfeld zwischen Moral und Praxis wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Auswertung verwendet?
Die Autorin nutzt die Grounded Theory Methodologie (GTM), um aus dem empirischen Datenmaterial der Forenbeiträge theoriebildende Kategorien abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Reflexion des Forschungsprozesses und die inhaltliche Vorstellung der Ergebnisse entlang der vier identifizierten Schlüsselkategorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind neben Inklusion und Grounded Theory vor allem die Aspekte Heterogenität, Leistungsgesellschaft und das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis.
Warum wird das mehrgliedrige Schulsystem in dieser Arbeit so stark betont?
Die Analyse zeigt, dass die Akteure im Forum die Struktur des deutschen Schulsystems als einen der Hauptkonfliktpunkte bei der Umsetzung von Inklusion betrachten.
Welche Rolle spielen die "Sorgen" der Forennutzer?
Sorgen sind eine zentrale Kategorie: Sie bilden die emotionale Grundlage der Argumentation, wobei Ängste um die Konzentrationsfähigkeit, den Schulerfolg und die soziale Ausgrenzung der Kinder dominieren.
- Citar trabajo
- Mona Berns (Autor), 2021, Inklusion in Schulen. Eine Forenanalyse mit der Grounded Theory Methodologie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243048