Quellenkritik: H. U. Abshagen: „Generation ahnungslos – Momentaufnahmen eines 17-jährigen“


Rezension / Literaturbericht, 2007

11 Seiten, Note: 13.0


Leseprobe

Inhalt

I Quellenkritik (Analyseebene)
A Quellenbeschreibung
B Textsicherung
1 Äußere Kritik (formale Aspekte)
2 Innere Kritik (inhaltliche Aspekte)
a) Sprachliche bzw. stilistische Aufschlüsselung
b) Sachliche Aufschlüsselung

II Quellenkritik (Deutungs- und Auswertungsebene)
A Inhaltsangabe
B Eingrenzung des Aussagebereiches
1 Zum Verfasser der Quelle
2 Zur Quelle
3 Formale Aspekte

Literaturverzeichnis

I Quellenkritik (Analyseebene)

A Quellenbeschreibung

Bei der vorliegenden Quelle handelt es sich um ein 104-seitiges Buch, das derzeit über den Buchhandel und sehr wahrscheinlich auch über Bibliotheken überliefert wird. Der Titel des Buches ist u.a. dem Umschlag zu entnehmen und lautet: „Generation Ahnungslos. Momentaufnahmen eines Siebzehnjährigen ’44“[1] Es liegt nicht das Original vor, sondern ein Druck aus der ersten Auflage. Der Zustand der Quelle ist ohne Beanstandung: es sind keine Gebrauchsspuren festzustellen, sie ist vollständig und durch die gute Druckqualität ohne weiteres lesbar. Das Buch ist in einen Hardcover gebunden (Maße: 21,6x13,5 cm).

B Textsicherung

1 Äußere Kritik (formale Aspekte)

Die Quelle entstand 2003 in Berlin[2] und wurde von Hans Ulrich Abshagen verfasst. Der Klappentext des Buches liefert einige Angaben über den Verfasser:

„Dr. Hans Ulrich Abshagen, geb. 1926, Philologe, war Geschäftsführer verschiedener Industrie- und Handelsgesellschaften, seit 15 Jahren Aufsichtsrat in bedeutenden Unternehmer. Führt Seminare für Aufsichtsräte durch.“

Der Adressat des Buches dürfte nach dem u.U. kommerziellen, mit großer Wahrscheinlichkeit aber ideologischen Anliegen des Autors die Öffentlichkeit sein; dem entspricht auch die Veröffentlichung über einen Verlag.

Die Quelle besteht aus eigenen Erinnerungen und Erfahrungen aus den Monaten Juni bis November 1944 während der militärischen Ausbildung in Westpreußen, die der Verfasser nach 59 Jahren aufzeichnete. Als Gedächtnisstütze dienen Abshagen seine Briefe aus der beschriebenen Zeit, die er im Nachlass seiner Mutter fand.[3] Nach eigenen Angaben wirkten beim Verfassen des Buches Katarzyna Gladek, seine Reisebegleiterin durch das ehemalige Westpreußen, Nikolas Fasolt und Irene Teichert, als Berater für Zeitgeschichte und militärischen Fragen und als literarische Beraterinnen Christine Demmer, Regina C. Henkel und Angelika Rafael mit.[4] Nach Fertigstellung des Manuskripts publizierte es 2003 der Zeitgut Verlag in Berlin in der vorliegenden Form.

2 Innere Kritik (inhaltliche Aspekte)

a) Sprachliche bzw. stilistische Aufschlüsselung

Die Quelle ist in deutscher Sprache abgefasst. Viele Begriffe stammen aus dem militärischen Fachbereich, sind aber im Anhang unter „Begriffs-Erläuterungen“[5] erklärt. Die Sprache ist gut verständlich, was wohl daran hängen dürfte, dass das Buch in unserer Zeit verfasst wurde. Der Stil der Sprache ist einfach und umgangssprachlich, was einerseits mit der Intention des Autors, die Zeit der Militärausbildung (subjektiv-) authentisch[6] und „mit den Gedanken und der Sprache des damals Siebzehnjährigen darzustellen“[7] begründet werden kann, andererseits mit dem ernorm hohen Anteil direkter Rede verbunden mit der Ich-Perspektive des Verfassers. Insgesamt sind die Sätze überaus kurz und sehr knapp gehalten. Der chronologische Aufbau des Textes orientiert sich im Hauptstrang des Berichts an der Reihenfolge der Gescheh- und Erlebnissen im behandelten Zeitraum. Häufig werden allerdings auch Gedanken und Begebenheiten aus der Vergangenheit in Rückblenden erwähnt.

b) Sachliche Aufschlüsselung

Die Quelle berichtet über die Zeit des Grenadiers Hans Ulrich Abshagen in der Ausbildung in Westpreußen (v.a. in Thorn[8]) in der Endphase des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) von Juni bis November 1944. In diesen Zeitraum fällt das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, das eine entscheidende Rolle im vorliegenden Buch spielt.

Die Nazi-Propaganda beschuldigte Stauffenberg und die Verschwörer des 20. Juli des Landesverrats[9]. Die Motive für den Anschlag werden z.T. kontrovers diskutiert, einige Punkte scheinen aber im Großen und Ganzen Konsens zu sein: (1) Die heutige deutsche Geschichtsschreibung sieht überwiegend das „nationale Interesse“ als Hauptmotiv an. Die aussichtslose Lage an den Fronten und der zunehmende Realitätsverlust Hitlers, der sinnvolle kriegsstrategische Entscheidungen verunmöglichte, ließ einen katastrophalen Ausgang und den Tod von Millionen absehen. Nur mit der Ausschaltung Hitlers konnte diese Tragödie im nationalen Interesse Deutschlands abgewendet werden. (2) Inzwischen waren mitunter viele Offiziere Zeugen von Massentötungen von Unschuldigen geworden. U.a. befürchtete man eine dauerhafte Schädigung des deutschen Rufs und eine Auferlegung moralischer Schuld für kommende Generationen.[10]

Diese Gründe werden in der Quelle – wenn auch nicht in direktem Zusammenhang mit dem Attentat – genannt:

„Den Seekrieg haben wir verloren.“, „Den Luftkrieg haben wir auch verloren.“, „Wir sind in den Augen der restlichen Welt ein Volk von Verbrechern! [...] Wir haben Tausende, nein Millionen von Menschen in Deutschland ermordet. Systematisch umgebracht. Die Juden. Das wird uns die Welt nie vergessen. Die Rache wird grausam sein.“[11]

[...]


[1] Sämtliche nachfolgenden Zitate und Seitenangaben beziehen sich – sofern nicht anders angegeben – auf dieses Buch: Hans U. Abshagen: Generation Ahnungslos. Momentaufnahmen eines Siebzehnjährigen ’44, Berlin 2003.

[2] Das Vorwort wurde im „Mai 2003“ verfasst (8), ebenfalls wird das Copyright mit „2003“ angegeben (4).

[3] 7.

[4] Vgl. 6.

[5] Vgl. 99-104.

[6] „Alles, was ich schreibe, hat so und nicht anders stattgefunden.“ (7)

[7] 7.

[8] Im 2. Weltkrieg wurde Thorn 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen von deutschen Truppen besetzt und an das Deutsche Reich angegliedert (Reichsgau Danzig-Westpreußen). Von Januar bis Mai 1945 wurde das Gebiet von Danzig-Westpreußen von der Roten Armee auf ihrem Vormarsch zur Weichselmündung besetzt.Vgl. dazu z.B. Oldenbourg Grundriss der Geschichte (OGG), Das dritte Reich.

[9] „Hochverräter“, 62.

[10] Vgl. Wolfgang Venohr, Stauffenberg - Symbol der Deutschen Einheit, 339ff.

[11] 64f.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Quellenkritik: H. U. Abshagen: „Generation ahnungslos – Momentaufnahmen eines 17-jährigen“
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Kriegskindheit zwischen Hitlerjugend und Nachkriegszeit
Note
13.0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V124311
ISBN (eBook)
9783640291458
ISBN (Buch)
9783640291595
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quellenkritik, Abshagen, Momentaufnahmen, Kriegskindheit, Hitlerjugend, Nachkriegszeit
Arbeit zitieren
Christoph Zamilski (Autor), 2007, Quellenkritik: H. U. Abshagen: „Generation ahnungslos – Momentaufnahmen eines 17-jährigen“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124311

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