Auf das Modell der Interkulturellen Kompetenz von Deardorff soll im Verlauf der vorliegenden Arbeit eingegangen werden, indem Parallelen zwischen seinen Dimensionen und den Unterrichtsinhalten der dargestellten Unterrichtseinheit ¡Tengo hambre! – La pobreza infantil en Latinoamérica hergestellt werden. Im folgenden Schritt wird die Unterrichtseinheit anhand des Lerngegenstandes, der Lerngruppe und Progression innerhalb der geplanten Stunden erläutert. Der folgende Vorschlag zu einer Klausur geht detailliert auf den zu bearbeitenden Text und die Aufgabenstellungen ein, indem die Modelle der Interkulturellen Kompetenz von Deardorff und Bechtel mit einbezogen werden. In Anlehnung an einen Bewertungsbogen für die sprachliche Leistung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (Kompetenz Schreiben) und „Hinweise zur Bewertung der sprachlichen Leistung in den Fremdsprachen“ des Kultusministeriums Niedersachsen wird ein selbst erstellter Erwartungshorizont und mögliche Schüler*innenlösungen dargestellt. Am Ende der Arbeit wird eine Alternative zum Entwurf einer Klausur vorgestellt.
Die Förderung und Schulung der Interkulturellen Kompetenz (IK) ist in aktuellen Zeiten der Multikulturalität innerhalb Deutschlands wichtiger denn je. Obgleich dieses Thema bereits seit Jahrzehnten die Bildungsdebatten beherrscht, ist kein eindeutiger Konsens im Diskurs feststellbar. Dennoch ist die IK in der Institution Schule ein grundlegender Bestandteil und im fremdsprachlichen Unterricht bereits fest etabliert. Der dort vermittelten Kompetenz zugrunde liegt der „dynamische Kulturbegriff“, welcher auf „einem Verständnis von Kultur als einem nie abgeschlossenen oder abschließbaren Prozess“ beruht. Die angestrebten Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich des interkulturellen Kommunizierens und Handelns können in der Laufbahn der Schüler*innen immer wieder neu trainiert, reflektiert und überarbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unterrichtseinheit “¡Tengo hambre! – La pobreza infantil en Latinoamérica”
2.1 Lerngegenstand
2.2 Lernerniveau der Lerngruppe
2.3 Progression
3. Entwurf einer Klausur
3.1 Klausurtext und Aufgabenstellung
3.2 Erwartungshorizont
3.3 Mögliche Schüler*innenlösung
4. Schlussbetrachtung
4.1 Potentiale und Grenzen der Vermittlung interkultureller Kompetenz
4.2 Alternative zum Entwurf einer Klausur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Förderung und praktische Überprüfung der interkulturellen Kompetenz (IK) im Spanischunterricht der gymnasialen Oberstufe. Ziel ist es, ein schlüssiges Unterrichtskonzept zum Thema Kinderarmut in Lateinamerika zu entwickeln, das eine Klausur als Leistungsmessung mit theoretischen Modellen der interkulturellen Kompetenz verknüpft.
- Methodische Einbettung interkultureller Kompetenz in den Spanischunterricht
- Analyse des Themas „pobreza infantil“ als Instrument für Perspektivwechsel
- Entwurf und Evaluation einer Klausur auf Basis authentischer Materialien
- Verknüpfung von Fremdsprachenerwerb und affektiver sowie kognitiver Reflexion
- Transfer theoretischer Kompetenzmodelle (z.B. Deardorff, Bechtel) in die Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Klausurtext und Aufgabenstellung
Der verwendete Zeitungsartikel der kolumbianischen Zeitung El Tiempo beinhaltet das Interview mit dem 19-jährigen Straßenkind Liliana. Die Interviewerin traf Liliana während ihrer Zeit auf der Straße, als es ihr sehr schlecht ging, und auch etwas später erneut, als sie an einem Programm für Straßenkinder teilnahm und körperlich sowie psychisch in einer deutlich besseren Verfassung war. Liliana berichtet aus ihrer Vergangenheit, wie sie durch Vergewaltigungen in ihrer frühen Kindheit in diese Situation kam, wie sie sich durch das Leben auf der Straße veränderte, womit sie ihr Essen verdiente und wie sie schlussendlich wieder auf „die richtige Bahn“ kam.
Neben vielen kulturellen Aspekten thematisiert dieser Artikel auch die emotionale Ebene des Lebens eines Straßenkindes, indem Liliana über ihre Gefühle und Gedanken in bestimmten Situationen spricht und ihr Handeln, welches für deutsche Schüler*innen teilweise nicht nachvollziehbar sein könnte, erklärt. Unter anderem aus diesem Grund eignet sich dieser Artikel als Klausurtext. Viele Hintergründe zu Lilianas Situation, die in diesem Fall exemplarisch für das Leben vieler Straßenkinder Lateinamerikas steht, haben die Schüler*innen im Verlauf der Unterrichtseinheit kennengelernt.
So können sie beispielsweise Hintergrundwissen zur Lebensweise, Kinderarbeit und auch zur rechtlichen Situation aus ihrem Vorwissen verwenden. Durch Aufwerfen von Fragen nach den Gründen und Begebenheiten des Lebens auf der Straße („Ist-Zustand“) kann den Schüler*innen die Differenz zwischen dem angestrebten Ideal, welches ihrem eigenen Leben in Deutschland sehr nahekommt, und der elenden Wirklichkeit der Straßenkinder auffallen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der interkulturellen Kompetenz als festen Bestandteil des Spanischunterrichts an Schulen und führt in die theoretischen Grundlagen der dynamischen Kulturbegriffe ein.
2. Unterrichtseinheit “¡Tengo hambre! – La pobreza infantil en Latinoamérica”: Dieses Kapitel definiert den Lerngegenstand, das Niveau der Lerngruppe sowie die Progression der Unterrichtseinheit, die sich schwerpunktmäßig auf die Lebenswirklichkeit lateinamerikanischer Straßenkinder konzentriert.
3. Entwurf einer Klausur: Hier wird das Klausurkonzept detailliert vorgestellt, wobei die Aufgabenstellung, der Erwartungshorizont und konkrete Schüler*innenlösungen unter Einbeziehung von Kompetenzmodellen erläutert werden.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Potentiale und Grenzen des interkulturellen Lernens im Schulalltag und skizziert alternative Möglichkeiten der Leistungsmessung.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Spanischunterricht, Pobreza infantil, Lateinamerika, Deardorff, Bechtel, Perspektivwechsel, Fremdsprachenerwerb, Klausurentwurf, Straßenkinder, Diskursfähigkeit, Bewertung, Inklusion, Bewusstheit, Schulsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Vermittlung und Überprüfung interkultureller Kompetenz im Spanischunterricht anhand einer spezifischen Unterrichtseinheit zum Thema Kinderarmut in Lateinamerika.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind der Perspektivwechsel von deutschen Schülern hin zur Lebenswirklichkeit lateinamerikanischer Straßenkinder, die Arbeit mit authentischen spanischen Materialien und die theoretische Fundierung des kulturellen Lernens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein praktisches Unterrichts- und Klausurkonzept zu entwerfen, das theoretische Kompetenzmodelle (wie von Deardorff und Bechtel) erfolgreich in die Unterrichtspraxis integriert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf fachdidaktische Literatur zur interkulturellen Kompetenz, wertet Lehrplanvorgaben aus und entwickelt darauf basierend eine unterrichtspraktische Progression inklusive Erwartungshorizont für Klausuren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Ausgestaltung der Unterrichtseinheit, die Konzeption einer Klausur auf Basis eines Interviews mit einem Straßenkind sowie die detaillierte Darstellung zugehöriger Bewertungskriterien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Schlagworte umfassen interkulturelle Kompetenz, Perspektivwechsel, authentische Texte im Fremdsprachenunterricht und die Förderung von Empathie und Reflexionsfähigkeit.
Warum eignet sich gerade das Thema „Straßenkinder“ für den Unterricht?
Das Thema ermöglicht aufgrund seiner emotionalen Tiefe und des starken Kontrasts zur Lebenssituation deutscher Schüler einen intensiven interkulturellen Perspektivwechsel und die kritische Reflexion eigener Privilegien.
Wie wird die Leistung der Schüler in diesem Konzept gemessen?
Die Leistung wird durch eine Klausur mit einem integralen Bewertungsbogen erfasst, der nicht nur linguistische Fähigkeiten, sondern vor allem die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zum interkulturellen Vergleich bewertet.
- Quote paper
- Mieke Brinkhaus (Author), 2022, Interkulturelle Kompetenz im Spanischunterricht (Gymnasium Klasse 11), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243188