Der Gast in der Harald Schmidt Show . Eine Gesprächsanalyse


Seminararbeit, 2004

21 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Fernsehgespräch in Talkshow und Show:
Der grundsätzliche Gegensatz zum Alltagsgespräch

3. Harald Schmidt: Eine biographische Skizze

4. Das Gespräch in der Harald Schmidt Show
4.1 Der Gesprächsrahmen
4.2 Fragen und Themen
4.3 Gesprächsanteile und Turnlängen
4.4 Wechsel der Sprecherrolle
4.5 Signale des Sprechers und des Hörers
4.6 Verbalisierungsschwierigkeiten

5. Mehmet Scholl zu Gast in der Harald Schmidt Show

6. Zusammenfassung

7. Literaturliste

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit dem Gespräch mit dem prominenten Gast in der Harald Schmidt Show befassen. Vor der Gesprächsanalyse, die den Hauptteil der Arbeit ausmacht, werde ich kurz auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen Medien- und Alltagsgespräch eingehen und einen kurzen biographischen Abriss zu Harald Schmidt liefern. In der eigentlichen Analyse des Fernsehgesprächs betrachte ich den Gesprächsrahmen, Fragen und Themen, Gesprächsanteile, den Wechsel der Sprecherrolle und Verbalisierungsschwierigkeiten im Showformat allgemein sowie ihre Rolle in der Harald Schmidt Show, wobei auch hier der Vergleich mit dem Alltagsgespräch von Bedeutung ist. Abschließend werde ich ein einzelnes Gespräch detaillierter betrachten: Das Gespräch mit Mehmet Scholl am 12. Dezember 2003.

2. Das Fernsehgespräch in Talkshow und Show:
Der grundsätzliche Gegensatz zum Alltagsgespräch

Der grundliegende Unterschied zwischen Gesprächen im Fernsehen und denen des „wirklichen“ Lebens besteht darin, dass die Gespräche im Fernsehen vor einem großen Publikum stattfinden. So kommt es zu einer Mehrfachgerichtetheit der Kommunikation, die nicht nur auf den unmittelbaren Gesprächspartner, sondern auch und insbesondere auf den Rezipienten vor dem Fernseher zielt. Der Showmaster folgt daher in seiner Gesprächsführung hauptsächlich dem Interesse und Informationsbedürfnis seiner Zielgruppe, er fungiert als Vertreter der Zuschauer vor dem Bildschirm.

Der prominente Gast seinerseits richtet sich in seinen Antworten stärker an die Zuschauer als an seinen eigentlichen Gesprächspartner. Damit folgt er konsequent dem eigentlichen Zweck, den das Gespräch für ihn besitzt: Werbung für sich und seine Produkte, „Selbstdarstellung aus ökonomischen, politischen oder einfach selbstgefälligen Gründen“[1]. Nach Dieckmann erwarten die Zuschauer trotz der offensichtlichen Mehrfachgerichtetheit der medialen Kommunikation, dass sich die Gesprächspartner in den Medien so verhalten, „als wäre die Kommunikation nicht öffentlich“[2] ; der Zuschauer erwarte, wie Garaventa festhält, dass die Gesprächspartner „wirklich aufeinander eingehen“[3]. Dabei kann man von Seiten des Showmasters kaum unangenehme Fragen oder gar investigativen Journalismus erwarten. Das Gespräch ist ein Bestandteil der Show und dient für ihn somit dem primären Ziel seines Sendeformates: der Unterhaltung der Zuschauer. So bietet die Show kein Gespräch im eigentlichen Sinne, sondern in erster Linie „lebhafte, meist launige, witzige, humoristische Reaktionen“[4]: die Selbstdarstellung der Gesprächspartner. So kann man mit Garaventa feststellen, dass Gespräche, die in großem Maße der Selbstdarstellung dienen, „bereits von ihrer Anlage her dialogisch fragwürdig“[5] erscheinen.

3. Harald Schmidt: Biographische Skizze

Harald Franz Schmidt wird am 18. August 1957 als Sohn eines Verwaltungsangestellten und einer Kindergärtnerin in Neu-Ulm geboren und wächst im schwäbischen Nürtingen auf. Er besucht 10 Jahre lang das Hölderlingymnasium in Nürtingen. Während der Schulzeit besucht er die Kirchenmusikschule Rottenburg am Neckar, er ist jüngster Organist und Chorleiter der katholischen Gemeinde in Nürtingen.

Nach seinem Abitur (Note: 3,2) leistet er zunächst Zivildienst im katholischen Pfarrbüro, besucht anschließend von 1978 bis 1981 die Schauspielschule Stuttgart und spielt für weitere drei Jahre an den Städtischen Bühnen Augsburg. Seine erste Rolle ist der zweite Mameluk in "Nathan der Weise". Der Durchbruch als Schauspieler gelingt ihm jedoch nicht.

Kay Lorentz entdeckt ihn 1984 und holt ihn ans Düsseldorfer Kom(m)ödchen, wo Schmidt Textbeiträge für Lore Lorentz schreibt. Ein Jahr später führt er sein erstes Soloprogramm auf und beginnt, mit eigenen Kabarettprogrammen ("Ich hab' schon wieder überzogen", "Überstehen ist alles") auf Tour zu gehen. Der Schwabe entwickelt sich zum hervorragenden Kabarettisten, wird 1986 als bester deutscher Nachwuchskabarettist beim Kabarett-Wettbewerb »Salzburger Stier« ausgezeichnet. 1992 startet er sein drittes Kabarett-Programm »Schmidtgift«. Er nimmt in seinem Programm keinerlei Rücksicht, seine Projekte erlangen regelmäßig Kultstatus.

Das Fernsehen entdeckt Schmidt 1988 für die WDR-Quizsendung "Maz-ab", die ein Jahr später den Sprung vom Dritten ins Erste Programm der ARD schafft. Weitere große Erfolge feiert der vielseitige Entertainer mit der Rateshow "Pssst..." und ab Dezember 1990 mit der Kult-Sendung "Schmidteinander" zusammen mit Herbert Feuerstein.

Die ersehnte Samstagabend-Show erhält Schmidt 1992 als Nachfolger des Schweizers Kurt Felix mit "Verstehen Sie Spaß ?". Da er beim Publikum jedoch nicht gerade beliebt ist, gibt er die Sendung 1995 wieder ab. Obwohl Schmidt nach eigenen Aussagen immer bei der ARD bleiben wollte, wird 1995 sein Wechsel zu SAT 1 bekannt, wo er ab dem 5. Dezember 1995 die "Harald Schmidt Show" moderiert. Sein Vorbild hierfür ist der amerikanische Showmaster David Letterman.

Schmidt schottet sein Privatleben vor Presse und Öffentlichkeit ab. Bekannt ist nicht viel mehr, als dass Schmidt drei Kinder hat: Aus der Beziehung mit einer TV-Journalistin geht 1994 Sohn Robert hervor. Wenig später bekommt seine Lebensgefährtin Ellen Hantsch Tochter Nele (1994). Im Dezember 1998 wird schließlich Sohn Peter geboren. Harald Schmidt ist ledig und lebt zusammen mit Ellen Hantsch und den beiden gemeinsamen Kindern in Köln.

Im Sommer 1998 trennt sich Schmidt von der Produktionsfirma Brainpool und stellt seit August die Harald-Schmidt-Show mit seiner eigenen Firma Bonito her. Zu diesem Zeitpunkt zieht die Show auch vom Kölner Capitol in das neue Studio 449 in Köln-Mülheim um, wo maßgeschneiderten Produktionsstätten zur Verfügung stehen.

Harald Schmidts wichtigste Auszeichnungen und Ehrungen sind der »Tele Star - Förderpreis (1988)«, der »Adolf-Grimme-Preis« mit Bronze für »Gala - Weihnachten mit Harald Schmidt« (1992), »Goldene Europa« und »Entertainer des Jahres« (1993), das »Bambi«, die »Goldene Kamera« (1994) und erneut der »Adolf-Grimme-Preis« 1997. 1997 erhielt er außerdem das »Bambi für die beste TV-Moderation«, den »Goldenen Löwen« und den »Medienpreis für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache«.

Am 8. Dezember 2003 kündet Harald Schmidt das Ende der Harald-Schmidt-Show zum Jahresende an. Nach offizieller Darstellung möchte er eine Kreativpause einlegen.

4. Das Gespräch in der Harald Schmidt Show

4.1 Der Gesprächsrahmen

Die Eröffnungsphase in Mediengesprächen nennt Burger „hochgradig ritualisiert“[6], was er damit begründet, dass „die Eingangsphase für den Ablauf und das Gelingen eines Medien-Dialogs von entscheidender Bedeutung ist“[7], während es bei der Gesprächseröffnung im Alltag darum gehe, „den sozialen Kontakt überhaupt erst herzustellen“[8] und „Bereitschaft zum Gespräch zu signalisieren“[9]. Burger stellt fest, dass dies für Mediengespräche irrelevant ist und somit „eigentlich keine Rituale [für den Einstieg ins Gespräch] nötig“[10] wären. Ritualisiert ist bei der Harald Schmidt Show jedoch auch bereits die Ankündigung der Gäste: Nach der Eingangspassage kündigt Harald Schmidt seine Gäste an, nicht ohne zuvor zu betonen, dass er an diesem Abend wieder einmal großartige Gäste begrüßen darf, von denen manchmal zeitgleich auf einem Monitor kurze Aufnahmen aus einer Art Backstage-Bereich eingeblendet werden. Die Ankündigung der Gäste ist gleichzeitig das Signal für Sven, einen Mitarbeiter der Requisite, der Schmidt, ebenfalls höchst ritualisiert und mittlerweile Kult, ein Glas Wasser bringt.

Das angekündigte Gespräch mit dem Prominenten erfolgt am Ende der Sendung, fast immer nach einer Werbepause, vor der der Gast ein weiteres Mal angekündigt wird - an dieser Stelle immer unterlegt durch die bereits erwähnten Aufnahmen hinter der Bühne. Mit der Ankündigung liefert Schmidt auch oft eine Begründung, bzw. Rechtfertigung, warum der angekündigte Gast für die Zuschauer vor dem Bildschirm interessant sein könnte. Die Begründung verweist meist auf die jeweiligen Produkte oder Projekte des Gastes, für die dieser werben will: neue CD, neuer Film, neues Buch, neue Show oder neue Freundin.

Nach der Werbepause wird der Gast kurz von Harald Schmidt angekündigt, kommt auf die Bühne, begrüßt das Publikum und Schmidt, bevor er sich auf einen Sessel neben diesen setzt, der weiterhin hinter seinem Schreibtisch bleibt. Dieses Bühnenbild verbindet Wohnzimmer mit Arbeitszimmer, Entspannung mit Anspannung und vermittelt dem Zuschauer eine lockere, jedoch nicht allzu lässige Athmosphäre.

Die Gesprächseröffnung in Mediengesprächen, die meist allgemein gehaltene oder sehr persönliche Fragen beinhaltet, dient laut Coulmas nur als eine „gegenseitige Versicherung der Kooperationsbereitschaft“[11], so auch in der Harald Schmidt Show. Durch anfängliche Routineformeln werde auch ein weiterer Zweck erfüllt: „Sie verstärken die Verhaltenssicherheit des Sprechers.“[12]

Eine wirkliche formale Gesprächsbeendigung fehlt in der Harald Schmidt Show, die Gespräche enden mehr oder weniger mit der Verabschiedung Schmidts beim Publikum und dem Ausblick auf die folgende Sendung, insbesondere auf die Gäste dieser. Der Gast bleibt neben Schmidt sitzen, erst nach Ende der Show verlassen beide die Bühne.

Das Recht zur Beendigung des Gesprächs liegt auch hier - wie in jeder Talkshow oder Show mit Talkelementen - beim Showmaster als dem „Vertreter der Institution“[13]. Anders als bei Gesprächen im „wirklichen“ Leben kündigt sich die Beendigung des Gesprächs meist nicht innerhalb der Kommunikation selbst an oder ergibt sich gar aus dieser. Da jedoch der Showmaster Schmidt, sein prominenter Gast und das Publikum wissen, dass dem Gespräch zeitliche Grenzen gesetzt sind, wirkt die Gesprächsbeendigung dennoch nicht allzu abrupt und unerwartet.

[...]


[1] Garaventa, S. 157

[2] Dieckmann, S. 67

[3] Garaventa, S. 155

[4] Burger, S. 193

[5] Garaventa, S. 158

[6] Burger, S. 95

[7] ebd., S. 23

[8] ebd., S. 95

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] Coulmas, S. 96

[12] ebd., S. 97

[13] Gülich, S. 431

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Gast in der Harald Schmidt Show . Eine Gesprächsanalyse
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Seminar: Textsorten in Rundfunk und Fernsehen
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V124331
ISBN (eBook)
9783640293049
ISBN (Buch)
9783640293162
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textsorten, Rundfunk, Fernsehen, TV, Gesprächsanalyse, Medien, Show, Kommunikation, Linguistik, Journalismus, Medienwissenschaft, Talkshow, Gespräch, Scholl, Bayern, Fußball, Interview
Arbeit zitieren
David Bies (Autor), 2004, Der Gast in der Harald Schmidt Show . Eine Gesprächsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124331

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