Die vorliegende Seminararbeit hat zum Ziel, die vorhandene Kriegsmetaphorik im Diskurs zu der von 1918 bis 1920 andauernden Influenza-Pandemie, die kollektiv auch als „Spanische Grippe“ bezeichnet wird, auf der Grundlage eines Textkorpus zu untersuchen, um so Rückschlüsse auf das damals vorherrschende kollektive Wissen und Denken zu ziehen. Hierbei soll ermittelt werden, welche konkreten Metaphern in welcher Häufigkeit auftreten und welche Funktion diesen im jeweiligen Kontext zukommt. Im Hinblick auf den Aufbau ergibt sich die folgende Gliederung: In einem theoretischen Hintergrund werden relevante Termini für die Diskursanalyse geklärt, anschließend in die als methodische Grundlage dienende Metapherntheorie von Lakoff und Johnson eingeführt sowie ein Überblick über das diskursinitiierende Ereignis gegeben, um eine historische Einordnung zu ermöglichen. Der darauffolgende Methodik-Teil beinhaltet eine Offenlegung des Untersuchungskorpus ebenso wie eine Schilderung der konkreten Vorgehensweise hinsichtlich der Datenerhebung und Datenaufbereitung. Diese gesammelten Belege werden sodann auf Grundlage der zuvor getätigten theoretischen Überlegungen analysiert sowie interpretiert und die Ergebnisse abschließend im Rahmen der Conclusio zusammengefasst.
Angesichts der gegenwärtig andauernden SARS-CoV-2-Pandemie rücken zunehmend auch längst vergangene Seuchen in den Fokus der Aufmerksamkeit, wobei erste Belege bis ins 4. Jahrtausend vor Christus zurückreichen. In derartigen globalen Notlagen nehmen Metaphern im öffentlichen Sprachgebrauch eine zentrale Stellung und kognitive Funktion hinsichtlich ihres wirklichkeitskonstitutiven sowie -strukturierenden Potenzials ein, weshalb sie für eine diskurslinguistische Untersuchung höchst lohnend sind. Speziell Metaphern aus dem Herkunftsbereich ‚Militär‘ strukturieren jene Krisendiskurse, etwa wenn von der „Bekämpfung der Grippeepidemie“, der „Unterdrückung der Seuche“ oder der Krankheit als ein „gefährlicher Feind in unseren Reihen“ gesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretischer Hintergrund
1.1 Begriffsklärung
1.2 Theoretische Fundierung und Einordnung: Die Metapher als kognitives Phänomen
1.3 Ereignisgeschichtlicher Untersuchungsgegenstand: „Spanische Grippe“
2. Methodik
2.1 Textkorpus
2.2 Datenerhebung und -aufbereitung
3. Metaphernanalyse
Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Kriegsmetaphorik im öffentlichen Diskurs zur Influenza-Pandemie von 1918 bis 1920 zu untersuchen, um Aufschluss über das damals vorherrschende kollektive Wissen und Denken in Wien zu gewinnen.
- Diskurslinguistische Analyse der Metaphorik im zeitgenössischen Kontext
- Untersuchung des Metapherntyps „Pandemie als militärischer Akt“
- Erhebung und Auswertung eines Textkorpus aus sechs Wiener Zeitungen
- Vergleich von Untersuchungs- und Referenzkorpus zur Bestätigung der Hypothese
Auszug aus dem Buch
3. Metaphernanalyse
Die obenstehende Tabelle 2 bietet eine Übersicht der frequenten Realisierungen im Untersuchungs- sowie im Referenzkorpus. Hinsichtlich der Token-Häufigkeit im Untersuchungskorpus ergibt sich folgendes Bild: Jene Metaphern, die durch ‚Kampf‘ (z. B. Bekämpfung, anzukämpfen, bekämpft, Kampf, Bekämpfungsmaßnahme etc.) realisiert wurden, kommen mit 46 token am häufigsten vor, wobei speziell die Wortverbindungen Bekämpfung der Krankheit bzw. Bekämpfung der Grippe, Kampf um sowie Kampf gegen gehäuft zusammen auftreten. Mit 21 token sind all jene Metaphern, die mit dem Nomen ‚Opfer‘ realisiert wurden, am zweit häufigsten auszumachen; hier dominieren die Kollokationen Opfer fordern, zum Opfer fallen und Opfer der Krankheit bzw. Grippe. An dritter Stelle stehen mit 13 Belegen Metaphern aus dem Bereich ‚Abwehr‘, wobei insbesondere Komposita wie Abwehrmaßnahmen oder Abwehrmaßregeln gebraucht werden und die Kollokation Abwehr gegen eine hohe Gebrauchsfrequenz aufweist. Die übrigen Belege, die den Realisierungskategorien ‚bedrohen‘, ‚verschonen‘, ‚Angriff‘, ‚Feind‘ sowie ‚Unterdrückung‘ zuzuordnen sind, treten mit 7 bis 4 Belegen vergleichsweise seltener auf. Stellt man diese Ergebnisse dem Referenzkorpus gegenüber, zeigt sich in diesem eine signifikant geringere metaphorische Verwendung (z. B. „ein Kampf der Meinungen tobte“) als im Untersuchungskorpus, sodass die aufgestellte Hypothese bestätigt werden kann und eine den Diskurs zur „Spanischen Grippe“ strukturierende Kampfmetaphorik des Metapherntypes ‚Pandemie als militärischer Akt‘ auszumachen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese leidet in das Thema ein, skizziert die Relevanz der Metaphernanalyse in Krisenzeiten und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
1. Theoretischer Hintergrund: Es werden zentrale diskurslinguistische Begriffe definiert und die kognitive Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson für die Arbeit nutzbar gemacht sowie der historische Kontext der Pandemie dargelegt.
2. Methodik: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl des Textkorpus aus Wiener Zeitungen und beschreibt den Prozess der Datenerhebung sowie die methodische Herangehensweise an die Korpusanalyse.
3. Metaphernanalyse: Die identifizierten Belege werden quantitativ ausgewertet und qualitativ im Hinblick auf ihre strukturierende Funktion für den Diskurs analysiert.
Conclusio: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Bestätigung der Hypothese reflektiert, während zukünftige Forschungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter
Spanische Grippe, Kriegsmetaphorik, Diskursanalyse, Korpuslinguistik, Metapherntheorie, Influenza-Pandemie, Sprachgebrauchsmuster, Pandemie, Metaphernanalyse, Diskurslinguistik, Mediale Berichterstattung, Krisendiskurs, Wien, 1918-1920, Kognitive Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung von Kriegsmetaphern im Wiener Zeitungskorpus während der sogenannten „Spanischen Grippe“ (1918-1920).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum steht die Verknüpfung von kognitiver Metapherntheorie mit historischer Diskursanalyse in einer Krisensituation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die „Spanische Grippe“ diskursiv als Kriegsszenario strukturiert wurde und welche kollektiven Denkmuster dies widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitativ informierte, qualitative Diskursanalyse anhand eines selbst erstellten Korpus aus sechs verschiedenen Zeitungen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen, die methodische Vorgehensweise bei der Korpuszusammenstellung sowie die eigentliche Metaphernanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Kriegsmetaphorik, Diskursanalyse, Pandemie, Korpuslinguistik und kollektives Wissen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „militärischem Akt“ und „Weg“ für die Analyse eine Rolle?
Diese Unterscheidung verdeutlicht, wie durch gezieltes „Highlighting“ des kriegerischen Aspekts alternative, kooperative Deutungsmuster der Pandemie ausgeblendet wurden.
Welche Rolle spielt das Referenzkorpus bei der Untersuchung?
Das Referenzkorpus dient dazu, die Signifikanz der gefundenen Metaphern im Vergleich zum allgemeinen Sprachgebrauch der Zeit statistisch zu untermauern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Kriegsmetaphorik im Diskurs zur "Spanischen Grippe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243568