Immer wieder wird Laien, Schülern und Studenten das Lesen von sozialwissenschaftlicher- und philosophischer Literatur durch komplizierte Formulierungen und den Einsatz schwieriger Fachbegriffe erschwert.
Die Frage die sich dabei auftut ist die, ob dies tatsächlich immer an der Komplexität der zu vermitteln versuchten Inhalte liegt oder eher an einem wissenschaftlichen Imponiergehabe, das völlig unnötig das Jargon bestimmt?
Dieser und weiterer Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über unnötige komplizierte Formulierungen
2.1 Was einem in der Literatur so begegnen kann
2.2 lerntheoretische Konsequenzen
2.3 Fachbegriffe als sinnvolles Übel
3. Abgrenzung- und Traditionsverhalten
3.1 Wie können wir die unnötig komplizierten Formulierungen und den unnötigen Gebrauch von Fremdwörtern deuten?
3.2 Lassen sich persönliche Einflüsse aus wissenschaftlichen Arbeiten heraus halten?
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den wissenschaftlichen Sprachgebrauch in Fach- und Lehrbüchern der Sozialwissenschaften und Philosophie, mit dem Ziel aufzuzeigen, dass unnötig komplizierte Formulierungen häufig nicht der inhaltlichen Komplexität geschuldet, sondern als strategisches Mittel zur Abgrenzung oder zum Imponiergehabe eingesetzt werden.
- Kritik an „leserunfreundlicher“ Fachsprache und unnötigen Verschachtelungen.
- Analyse der lerntheoretischen Folgen, wie Frustration und Lernblockaden bei Studierenden.
- Unterscheidung zwischen notwendigen Fachtermini und unnötiger Kompliziertheit.
- Soziologische Betrachtung des akademischen Traditionsverhaltens und der Gruppennormen.
- Reflexion über die Rolle der Subjektivität und Objektivität im wissenschaftlichen Schreibprozess.
Auszug aus dem Buch
2.1 Was einem in der Literatur so begegnen kann
Die Konsequenz aus einer zu starken Verklausulierung und Verschachtelung des zu vermitteln versuchten Sachverhaltes, sei es nun durch den Gebrauch von zu vielen Fachtermini ohne Erklärungsmuster oder einfach nur durch periphere Begrifflichkeiten, die zwar wichtig klingen, aber im Kontext unnötig sind und den eigentlichen Sachverhalt kaum tangieren, bezüglich der Aufnahmebereitschaften des Lesers, kann nur sein, dass dessen kognitive Aufnahmebereitschaft geschmälert wird, was nicht die Intention des Verfassers sein sollte.
Dieser grauenhafte Satz ist selbstverständlich von mir nicht ganz ernst gemeint, doch soll er deutlich machen, was ich damit meine, wenn ich von unnötig kompliziert formulierten Texten spreche, denn der eigentliche Sachinhalt ist natürlich denkbar einfach. Ich hätte auch allgemein verständlich schreiben können (und das ohne, das wichtige Informationen verloren gehen):
Unnötig kompliziert gehaltene Texte mögen zwar wichtig klingen, haben aber wenig mit dem tatsächlichen Komplexitätsgrad des Inhalts zu tun. Sie überfordern somit grundlos die Aufnahmefähigkeit des Lesers, bzw. machen gewaltige Anstrengungen nötig, sie zu verstehen. Das steht allerdings dem eigentlichen Sinn eines solchen Textes entgegen, da dieser das vornehmliche Ziel haben sollte, den Leser zu informieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor führt in das Problem ein, dass wissenschaftliche Fachlektüre oft unnötig komplex geschrieben ist, und stellt die These auf, dass dies nicht immer inhaltlich begründet ist.
2. Über unnötige komplizierte Formulierungen: Dieses Kapitel belegt anhand von Textbeispielen, wie komplexe Formulierungen das inhaltliche Verständnis erschweren und welche negativen lerntheoretischen Konsequenzen daraus resultieren.
3. Abgrenzung- und Traditionsverhalten: Hier wird der wissenschaftliche Sprachgebrauch als soziales Mittel zur Abgrenzung und zur Aufrechterhaltung von Hierarchien innerhalb der akademischen Welt gedeutet.
4. Zusammenfassung und Fazit: Der Autor plädiert für mehr Selbstkritik in der Wissenschaft und fordert eine verständlichere Aufbereitung wissenschaftlicher Ergebnisse, ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu opfern.
Schlüsselwörter
Wissenschaftssprache, Fachsprache, Komplexität, Sozialwissenschaften, Philosophie, Sprachgebrauch, Lehrmethodik, Lernerfolg, Fachbegriffe, Tradition, Abgrenzung, Intersubjektivität, Verständlichkeit, Objektivität, Gruppennormen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Kritik an der häufig als „leserunfreundlich“ wahrgenommenen Ausdrucksweise in wissenschaftlichen Lehr- und Fachbüchern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Sprachkritik, Lerntheorie und Wissenschaftssoziologie, um die Motive hinter komplizierter Sprache zu ergründen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass unnötige Komplexität in wissenschaftlichen Texten oft kein inhaltlicher Mehrwert ist, sondern strategischen oder traditionellen Zwecken dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine hermeneutische Vorgehensweise, kombiniert mit einer kritischen Diskursanalyse anhand exemplarischer Textbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Sprachungetüme, diskutiert deren schädliche Wirkung auf den Lernerfolg und beleuchtet die soziale Funktion der Fachsprache als Abgrenzungsmechanismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wissenschaftssprache, Verständlichkeit, Fachbegriffe, akademische Tradition und subjektive Prägung sind zentrale Aspekte.
Warum hält der Autor den „gelehrten Schreibstil“ oft für eine Illusion?
Der Autor argumentiert, dass ein komplexer Stil oft nur den Schein einer hohen fachlichen Kompetenz erwecken soll, ohne dass der Sachverhalt selbst diese Komplexität erfordert.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Intersubjektivität?
Intersubjektivität dient für den Autor als notwendiges Mittel, um Transparenz und Nachvollziehbarkeit der eigenen Argumentation zu gewährleisten, statt einer strikten, aber oft unerreichbaren Objektivität.
- Arbeit zitieren
- André Kramer (Autor:in), 2008, Über Sinn und Unsinn wissenschaftlichen Sprachgebrauchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124384