Über Sinn und Unsinn wissenschaftlichen Sprachgebrauchs

Eine Kritik an Lehr- und Fachbüchern aus Sozialwissenschaft und Philosophie


Hausarbeit, 2008
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Über unnötige komplizierte Formulierungen
2.1 Was einem in der Literatur so begegnen kann
2.2 lerntheoretische Konsequenzen
2.3 Fachbegriffe als sinnvolles Übel

3. Abgrenzung- und Traditionsverhalten
3.1 Wie können wir die unnötig komplizierten Formulierungen und den unnötigen Gebrauch von Fremdwörtern deuten?
3.2 Lassen sich persönliche Einflüsse aus wissenschaftlichen Arbeiten heraus halten? S.11

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ob nun Schüler, Studenten oder interessierte Laien, das lesen und durcharbeiten von so genannter wissenschaftlicher Fachlektüre dürfte für die wenigsten Menschen ein Vergnügen sein. Trockene Texte und komplizierte Formulierungen können den Umgang mit diesen Texten zu einem wahren Grauen machen.

Mit den populär gehaltenen wissenschaftlichen Sachbüchern verhält es sich dagegen etwas anders. Diese sind häufig leicht verständlich und zudem noch unterhaltsam geschrieben. Allerdings mit dem Manko, dass sie in der Regel nicht die Tiefe erreichen, wie sie Fach- und Lehrbücher bieten.

Doch was ist der wahre Grund dafür, dass Fachliteratur häufig „Leserunfreundlich“ geschrieben ist? Auf dem ersten Blick erscheint es ganz klar, schließlich beinhalten diese Werke hochkomplexe Sachverhalte und Wissen, für dessen Aneignung die gelehrten Autoren häufig viele Jahre des Studiums und der Forschung benötigten und die dementsprechend auch dem Laien oder Studenten verhältnismäßig schwierig zu vermitteln sind.

Vor dem Erfolg hat Gott schließlich den Schweiß gesetzt, um ein Sprichwort zu verwenden. Und wer sich ernsthaft in die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen einarbeiten möchte, kommt nun einmal nicht darum herum, sich der schwierigen Texte anzunehmen und entsprechende Mühen aufzuwenden.

Provokativ behaupte ich jetzt, und werde versuchen, das im Laufe dieser Arbeit auch zu untermauern, dass es ganz andere Motive gibt, die dahinter stecken, dass wissenschaftliche Texte häufig nur allzu trocken geschrieben sind. Außerdem behaupte ich, dass viele Texte häufig nicht deshalb schwer verständlich sind, weil der diskutierte Sachverhalt so komplex ist, sondern, weil die Texte unnötig kompliziert formuliert sind und somit nur den Eindruck, den Schein einer hochgradigen Komplexität erwecken.

Sinn und Unsinn wissenschaftlichen Sprachgebrauchs möchte ich in dieser Arbeit diskutieren und bin mir bewusst darüber, dass sie schon allein aufgrund meines Sprachgebrauchs der Definition nach keine wissenschaftliche Arbeit sein kann. Persönliche Elemente und Werte haben in der Wissenschaft schließlich nichts zu suchen, da diese sich um eine möglichst objektive Darstellung bemühen muss.

Dass es sich hierbei um eine unhaltbare Forderung handelt, sondern hinter dieser Forderung ganz andere, psychologische Mechanismen stecken, möchte ich hier ebenfalls versuchen anzureißen.

Bei all der von mir geäußerter Kritik möchte ich aber auch aufzeigen, wann vermeintlich komplexe Elemente in wissenschaftlichen Texten durchaus sinnvoll erscheinen. Vor allem spreche ich hier von der Verwendung von disziplinspezifischen Fachbegriffen.

Im Kapitel 2. geht es quasi um die Probe aufs Exempel, es werden Textbeispiele aus wissenschaftlichen Werken auf ihre Formulierungen hin untersucht, vor allem bezüglich der Zweckmäßigkeit und der mit diesen Formulierungen verbundenen lerntheoretischen Konsequenzen.

Im Kapitel 3. wiederum wird der Versuch unternommen, Erklärungen für die im vorhergehenden Abschnitt ermittelten Ergebnisse zu finden. Ich möchte an dieser Stelle auch klar zum Ausdruck bringen, dass die hier vertretenen Schlussfolgerungen nicht als Hypothesen im klassischen Sinne zu verstehen sind, da sie einigen der geforderten Kriterien für eine solche nicht genügen können. Ein Aspekt, auf den ich im laufenden Text allerdings auch ausdrücklich hinweise.

Aufgrund des geringen, mir zur Verfügung stehenden Umfangs muss ich mich mit meiner Kritik auf die Bereiche der Sozialwissenschaften und der Philosophie beschränken. Andere Disziplinen mögen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, doch müsste hier eine gesonderte Analyse erfolgen, was an dieser Stelle nicht geleistet werden kann.

2. Über unnötig komplizierte Formulierungen

2.1 Was einem in der Literatur so begegnen kann

Die Konsequenz aus einer zu starken Verklausulierung und Verschachtelung des zu vermitteln versuchten Sachverhaltes, sei es nun durch den Gebrauch von zu vielen Fachtermini ohne Erklärungsmuster oder einfach nur durch periphere Begrifflichkeiten, die zwar wichtig klingen, aber im Kontext unnötig sind und den eigentlichen Sachverhalt kaum tangieren, bezüglich der Aufnahmebereitschaften des Lesers, kann nur sein, dass dessen kognitive Aufnahmebereitschaft geschmälert wird, was nicht die Intention des Verfassers sein sollte.

Dieser grauenhafte Satz ist selbstverständlich von mir nicht ganz ernst gemeint, doch soll er deutlich machen, was ich damit meine, wenn ich von unnötig kompliziert formulierten Texten spreche, denn der eigentliche Sachinhalt ist natürlich denkbar einfach. Ich hätte auch allgemein verständlich schreiben können (und das ohne, das wichtige Informationen verloren gehen):

Unnötig kompliziert gehaltene Texte mögen zwar wichtig klingen, haben aber wenig mit dem tatsächlichen Komplexitätsgrad des Inhalts zu tun. Sie überfordern somit grundlos die Aufnahmefähigkeit des Lesers, bzw. machen gewaltige Anstrengungen nötig, sie zu verstehen. Das steht allerdings dem eigentlichen Sinn eines solchen Textes entgegen, da dieser das vornehmliche Ziel haben sollte, den Leser zu informieren.

Natürlich möchte ich den Beleg für meine Behauptung gerne erbringen, dass wir in Fachliteratur häufig solchen Satzungetümen begegnen, die bezogen auf den reinen Informationsübermittlungscharakter eigentlich gar keinen Sinn machen. Hierzu ziehe ich einige exemplarische Beispiele aus dem Bereich der Sozialwissenschaft und Philosophie heran. Die Schwierigkeit ist mir hierbei durchaus bewusst, dass dem Leser dieser Arbeit natürlich der Gesamtzusammenhang in den zitierten Abschnitten fehlt. Aus diesem Grund sind die Beispiele so gewählt, dass sie auch ohne den Kontext zumindest in ihrem Sinnzusammenhang zu verstehen sein sollten, auch ohne entsprechendes Werk gelesen zu haben. Der möglichen Kritik, hier selektiv gehandelt zu haben, kann ich natürlich nicht vorbeugen, da a) Der Umfang dieser Arbeit es unmöglich macht, dutzende Beispiele aufzuführen und das b) auch müßig wäre und bei dem Leser vermutlich auf nur wenig Interesse stoßen würde.

Als erstes Beispiel ziehe ich hierbei die bekannte Philosophin Judith Butler, die sich vor allem durch ihre Arbeiten zur Geschlechterforschung einen Namen gemacht hat. Aus einem ihrer Bücher zum Thema zitiere ich folgende Passage:

„Zu Anfang dieses Kapitels haben wir dargelegt, daß dieser globalisierende Gestus sehr viel Kritik von Frauen hervorgerufen hat, die behaupten, daß die Kategorie >>Frau(en)<< normativen und ausschließlichen Charakter hat und ihre Anrufung unmarkierte Dimensionen von intakt belassenen Rassen und Klassenprivilegien birgt. Mit anderen Worten: das insistieren auf Kohärenz und Einheit der Kategorie >>Frau(en)<< hat praktisch die Vielfalt der kulturellen und gesellschaftlichen Überschneidungen ausgeblendet, in denen die mannigfaltigen konkreten Reihen von >>Frauen<< konstruiert werden.“[1]

[...]


[1] Butler 1991, S. 34

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Über Sinn und Unsinn wissenschaftlichen Sprachgebrauchs
Untertitel
Eine Kritik an Lehr- und Fachbüchern aus Sozialwissenschaft und Philosophie
Hochschule
Fachhochschule Kiel  (Soziale Arbeit und Gesundheit)
Veranstaltung
Psychosoziale Beratung I
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V124384
ISBN (eBook)
9783640294688
ISBN (Buch)
9783640294886
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sinn, Unsinn, Sprachgebrauchs, Psychosoziale, Beratung
Arbeit zitieren
André Kramer (Autor), 2008, Über Sinn und Unsinn wissenschaftlichen Sprachgebrauchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124384

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