Diese Arbeit soll einen Beitrag zu der Analyse leisten, indem sie als Hauptgegenstand einen Überblick über die Faktoren von passive Korruption gibt, diese beschreibt, und als kurzen Ausblick praktische Empfehlungen anbietet. Dabei sollen auch Zusammenhänge zwischen den Faktoren dargelegt werden sowie Prozesse und Abläufe erklärt werden, welche sich bei der Entscheidung der beteiligten Person und in der entsprechenden Situation abspielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prozesse und Faktoren im Lichte der passiven Korruption
2.1. Allgemeine Definition: Faktor passiver Korruption
2.2. Passive Korruption im Unternehmen - Indivduum Fit Modell
2.3. Passive Korruption als zu beurteilende Nachteil-Nutzen Relation
2.4. Faktoren im mehrwertigen Reziprozitätsverhältnis
3. Personale Faktoren der Individualebene
3.1. Individuell verschiedene Persönlichkeitsmerkmale
3.2. Kognitive Verankerung
3.3. Intrapersonales Gerechtigkeitsempfinden
3.4. Gesellschaftlicher Status
3.5. Position im Unternehmen
4. Situative Faktoren im Unternehmensbereich
4.1. Eigenschaften der spezifischen Situation
4.2. Gruppenbezogene Besonderheiten
4.3. Unternehmensinterne Faktoren
4.4. Kontrollinstanzen im Unternehmen
5. Situative Faktoren der Gesellschaftsebene
5.1. Gesellschaftliche Würdigung
5.2. Moralverschiebung und Werteänderung
5.3. Einfluss des Staates
6. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einflussfaktoren auf passives Korruptionsverhalten, indem sie ein systemisches Modell entwickelt, das personale Dispositionen und situative Rahmenbedingungen miteinander verknüpft, um Entscheidungsprozesse innerhalb von Unternehmen zu erklären.
- Analyse von Person-Umwelt-Modellen zur Erklärung von Bestechlichkeit.
- Untersuchung von Persönlichkeitsmerkmalen und deren Einfluss auf die Korruptionsneigung.
- Darstellung situativer Faktoren auf Unternehmens- und Gesellschaftsebene.
- Erörterung von Kosten-Nutzen-Relationen bei korrupten Handlungen.
- Ableitung von Präventionsmaßnahmen und Unternehmenskulturstrategien.
Auszug aus dem Buch
3.1. Individuell verschiedene Persönlichkeitsmerkmale
In der Psychologie wurde das „Big - Five“ Modell eingeführt. Auf Ebene höchster Abstraktion wurden mittels eines lexikalischen Ansatzes alle im Sprachgebrauch existierenden Beschreibungen für kontinuierliche Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen zusammengefasst. Diese fünf Eigenschaften sind Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität und Offenheit (Gebert & Rosenstiel, 2002, S.186 - S.189). Sie enthalten verschiedene Facetten bzw. Subfaktoren (Backhaus, 2004, S.5), die bzgl. p. K. näher beleuchtet werden sollen.
Die „hohe Wertschätzung materieller Dinge“ (Bannenberg, 2002, S.223) und die persönliche Werthaltung einer Bereicherungsabsicht (Bossard, 2000, S.30) spielt eine große Rolle für korrupte Anfälligkeit. Dieses Streben ist für einen solchen Menschen das höchste Ziel in der Werthierarchie. Für das Erreichen wird p. K. als adäquates Mittel aufgefasst. Konkret kann sich diese Werthaltung in extensiver Konsumneigung, aber auch in unsteten Lebenswandel (Vahlenkamp, 1995 S.76) und in besonderen Schwächen (Vahlenkamp, 1995, S.47) äußern. Das Ende dieser Einstellung kann eine totale Selbstidentifikation mit dem Ziel Bereicherung sein. Diese Einstellung zeichnet sich durch schwache Selbstkontrolle aus (Bannenberg, 2002, S.360). Solche Täter seien „impulsiver, egoistischer, unsensibler, . . . , risikobereit, [und] denken kurzfristig“ (Bannenberg, 2002, S.360).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Anstieg von Korruptionsfällen in Unternehmen und betont die Notwendigkeit einer systemischen Analyse der Ursachen, um effektive Präventionsinstrumente zu entwickeln.
2. Prozesse und Faktoren im Lichte der passiven Korruption: Hier wird der theoretische Rahmen durch ein "Umwelt-Individuum-Fit-Modell" sowie die ökonomische Betrachtung der Korruption als Abwägung zwischen Nutzen und Nachteil geschaffen.
3. Personale Faktoren der Individualebene: Dieses Kapitel fokussiert auf psychologische Aspekte, wie individuelle Persönlichkeitsmerkmale, moralische Werthaltungen und die wahrgenommene Position innerhalb der Unternehmensstruktur.
4. Situative Faktoren im Unternehmensbereich: Der Fokus liegt hier auf den betrieblichen Rahmenbedingungen, darunter die Gruppenmoral, Unternehmenskultur und die Wirksamkeit interner Kontrollinstanzen.
5. Situative Faktoren der Gesellschaftsebene: Das Kapitel analysiert den Einfluss gesellschaftlicher Normen, die Rolle von Werten und den staatlichen Rahmen auf die Korruptionsneigung des Individuums.
6. Schlussfolgerungen und Empfehlungen: Es wird resümiert, dass Korruptionsprävention einen ganzheitlichen Ansatz erfordert, der sowohl rechtliche Rahmenbedingungen als auch eine wertebasierte Unternehmenskultur umfasst.
Schlüsselwörter
Passive Korruption, Bestechlichkeit, Person-Umwelt-Modell, Korruptionsprävention, Unternehmensethik, Persönlichkeitsmerkmale, Kognitive Verankerung, Gerechtigkeitsempfinden, Unternehmenskontrolle, Compliance, Werte, Moralverschiebung, Korruptionsforschung, Wirtschaftsdelikte, Anreizstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die vielfältigen Einflussfaktoren, die dazu führen, dass Individuen in Unternehmen empfänglich für passive Korruption werden, unterteilt in personale und situative Ebenen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die psychologischen Dispositionen des Individuums, die betriebliche Umwelt sowie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die korruptes Verhalten fördern oder hemmen können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse dieser verschiedenen Faktoren ein tieferes Verständnis der Entscheidungsprozesse bei Korruption zu erlangen, um daraus präventive Maßnahmen und Reaktionsmechanismen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Seminararbeit, die auf einer Literaturanalyse und der Entwicklung von Prozess- und Einflussmodellen basiert.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von persönlichen Merkmalen des Täters, die Analyse der unternehmerischen Umgebung sowie die Betrachtung gesellschaftlicher Einflussfaktoren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Person-Umwelt-Fit, passive Korruption, moralische Entscheidungsfindung, Unternehmenskontrolle und Korruptionsprävention.
Inwiefern spielt das "Umwelt-Individuum-Fit-Modell" eine Rolle?
Dieses Modell dient als theoretische Grundlage, um die Interaktion zwischen den Anforderungen des Unternehmens und den Bedürfnissen des Mitarbeiters abzubilden, wobei ein Mangel an Kongruenz als ein Auslöser für Korruption identifiziert wird.
Wie beeinflusst die Position im Unternehmen die Korruptionsneigung?
Laut Autor spielt vor allem der Ermessensspielraum und die Exklusivität von Wissen eine Rolle; je mehr Macht und geringere Kontrolle eine Stelle innehat, desto höher ist das Risiko für korruptes Verhalten.
Was wird im Hinblick auf den Einfluss des Staates gefolgert?
Der Staat agiert sowohl als Gesetzgeber als auch als Strafverfolger, wobei die Arbeit kritisiert, dass mangelnde Vorbildfunktion und ein zu schwaches Strafrecht die abschreckende Wirkung minimieren.
Welche Empfehlung gibt der Autor für die Praxis?
Der Autor empfiehlt die Einführung transparenter "Check-and-Control-Systeme" kombiniert mit einer gezielten Vermittlung alternativer Werte und einer nachhaltigen Personalpolitik.
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- Daniel Gehrmann (Author), 2005, Korruption: Personale und situative Faktoren des Korrumpiertwerdens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124438