Die hier vorliegende Arbeit hat das Christentum in der ausgehenden Spätantike am Übergang zum Frühmittelalter im Alpenraum zum Thema. Der Alpenraum umfasst ein sehr großes Gebiet, in welchem sich das Christentum ganz unterschiedlich und komplex entwickelt hat. Im Rahmen dieser Proseminararbeit soll der Verlauf für die Provinzen Noricum und Raetia geschildert werden. Es werden die wichtigsten Ereignisse und Veränderungen beschrieben, die für diesen Raum von besonderer Bedeutung waren. Beginnen soll die Arbeit mit einer räumlichen Einteilung, um dem Leser einen Überblick über das behandelte Gebiet zu geben. Daraufhin soll das Christentum und seine Entwicklung ab der Diokletianischen Verfolgung bis hin zum Ausgang der Spätantike gezeigt werden. Die Arbeit wird dann mit dem Tode Severins zum Ende kommen.
Es soll gezeigt werden wie das Christentum sich kontinuierlich in diesem Raum entwickelt hat und trotz der stürmischen Zeiten, die geprägt waren von Herrschaftswechseln und "Kriegen", sich zu einer mächtigen Institution, und im Mittelalter vielleicht sogar zur mächtigsten, herausgebildet hat. Für die Anfänge des Christentums in dem behandelten Raum ist die Quellenlage bruchstückhaft. Teilweise liegt vieles sogar gänzlich im Dunkeln und viele Fragen lassen sich aus diesem Grund nicht beantworten. Oft geben lediglich Bodenfunde und die Patrozinienforschung Auskunft darüber, wie es gewesen sein könnte; doch für die Anfänge oft nicht mal das. Später gibt es dann die ersten Quellen. Für diese Arbeit war die Vita des Heiligen Severin von besonderer Bedeutung. Auf diese wird in einem eigenen Abschnitt besonders eingegangen. Literatur gibt es zu diesem Thema im Grunde genügend, jedoch bleibt anzumerken, dass sie doch teilweise sehr alt oder zu einseitig ist.
Sehr hilfreich war das Werk von Peter F. Barton, der sehr ausführlich und zum Teil kontrovers dieses Thema abhandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Räumliche Einteilung
3. Christentum in der Spätantike
3.1 Martyrien
3.2 Die Konstantinische Wende
3.3 Der Arianische Streit
3.4 Bischöfe und Kirchen, Klöster und Missionare
3.5 Der Heilige Severin
4. Schluss
5. Quellen und Darstellungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Etablierung des Christentums im Alpenraum während des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter, mit besonderem Fokus auf die Provinzen Noricum und Raetia. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich das Christentum trotz politischer Instabilität und Herrschaftswechseln kontinuierlich zu einer prägenden gesellschaftlichen Institution entwickeln konnte.
- Die geografische und administrative Aufteilung des Alpenraums in der Spätantike.
- Die Auswirkungen der diokletianischen Christenverfolgung und das Wirken von Märtyrern.
- Der Einfluss der Konstantinischen Wende und des Arianischen Streits auf die kirchliche Organisation.
- Die Rolle des Heiligen Severin als Schlüsselfigur für das Verständnis des Übergangs zur nachrömischen Zeit.
- Die Bedeutung von Klöstern und Missionstätigkeiten für die Konsolidierung des Glaubens.
Auszug aus dem Buch
3.5 Der Heilige Severin
Die wichtigste Quelle über das Christentum im Noricum in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts ist die Vita Sancti Severini. Gibt es doch in dieser Zeit kaum andere Quellen. Aus dem 4. Jahrhundert hat man zahlreiche Inschriften gefunden; so gibt es aus dem 5.Jahrhundert fast nichts. So ist die Vita von außergewöhnlichem Wert.18 Geschrieben wurde sie von Eugippius um 511, einen Schüler Severins. Dieser beschrieb in einem kleinen Werk, das Leben und die Taten Severins. Es stellt ein wertvolles Dokument dar, das wie kein anderes die Situation im Alpenraum zur Zeit des Unterganges der römischen Zivilisation schildert. Es stellt zwar kein vollständiges Geschichtswerk dar, auch ist es keine vollständige Heiligenvita, da zum Beispiel die Jugendjahre des Heiligen fehlen. Aber man erhält doch ein ziemlich vollständiges Bild über diese Zeit in dem bereits erwähnten Raum.
Eugippius beginnt die Vita mit dem Eintreffen Severins in den norisch-pannonischen Raum. Das Jahr ist nicht explizit genannt, doch kann man davon ausgehen, das es sich um die Zeit nach 460 handelt. Eine Zeit nach Attilas Tod, «tempore, quo Attila, rex Hunnorum, defunctus est»19, in der unsichere und verworrene Zustände herrschen, «turbabantur ambiguis»20.
Es wird von seinen Reisen von Lager zu Lager berichtet, und das er dann in Favianis ein Kloster gründet: «monasterium [...] a civitate construeret,»21. Er war, laut der Quelle Helfer in der Not. Er bewahrte die Stadt Comagenis vor den Barbaren 22 und löste die Hungersnot in der Stadt Favianis.23 Auch politischen Einfluss erlangte Severin schon bald. Er beriet beispielsweise den Rugierkönig Flaccitheus bei seinen Problemen mit den Goten. Auch andere Stammesangehörige besuchen Severin, unter ihnen war auch Odoaker der 476 den letzten römischen Kaiser stürzte und dem Severin eine ruhmreiche Zukunft vorausgesagt hatte.24
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Untersuchungsgebiet Noricum und Raetia und erläutert die Quellenlage sowie die Zielsetzung der Untersuchung der christlichen Entwicklung.
2. Räumliche Einteilung: Dieses Kapitel beschreibt die administrativen Grenzen der römischen Provinzen Noricum und Raetia und ihre Unterteilungen während der Spätantike.
3. Christentum in der Spätantike: Dieser Abschnitt analysiert die christliche Geschichte von der diokletianischen Verfolgung bis hin zur Etablierung als Staatsreligion.
3.1 Martyrien: Ein Überblick über die frühe Zeit der Christenverfolgung und das Zeugnis der Märtyrer im Alpenraum.
3.2 Die Konstantinische Wende: Untersuchung der rechtlichen Aufwertung des Christentums zur religio licita und der daraus resultierenden kirchlichen Organisationsentwicklung.
3.3 Der Arianische Streit: Analyse der theologischen Auseinandersetzung um die Trinitätslehre und ihre kirchenpolitischen Folgen im Osten und Westen.
3.4 Bischöfe und Kirchen, Klöster und Missionare: Darstellung der wachsenden Kircheninfrastruktur, des Mönchtums und der fortschreitenden Missionierung.
3.5 Der Heilige Severin: Betrachtung der Vita Sancti Severini als zentrale Quelle für das Leben im Noricum und die Rolle Severins in der ausgehenden Antike.
4. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Kontinuität des Christentums und dessen politischer Aufwertung bis zur Krönung Karls des Großen.
5. Quellen und Darstellungen: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Christentum, Alpenraum, Spätantike, Noricum, Raetia, Heiliger Severin, Vita Sancti Severini, Arianischer Streit, Konstantinische Wende, Missionierung, Frühmittelalter, Kirchengeschichte, Märtyrer, Eugippius, Odoaker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung, Verbreitung und Etablierung des Christentums im Alpenraum (speziell in den Provinzen Noricum und Raetia) während der Übergangsphase von der Spätantike zum Frühmittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die frühchristliche Kirchenorganisation, der Einfluss der Konstantinischen Wende, theologische Konflikte wie der Arianische Streit sowie die Rolle des Mönchtums und einzelner Heiliger wie Severin.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Christentum trotz stürmischer Zeiten, Kriegen und dem Zerfall der römischen Zivilisation eine kontinuierliche institutionelle Stärkung erfuhr und schließlich zur prägenden Kraft im Mittelalter wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Quellen und Forschungsliteratur, ergänzt durch archäologische Evidenz, Patrozinienforschung und die Auswertung der Vita Sancti Severini als zentralem historischen Dokument.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die geografische Verortung, die Phasen der Christenverfolgung, die rechtliche Legalisierung des Glaubens, die theologische Spaltung durch den Arianismus sowie die praktische Ausgestaltung des kirchlichen Lebens durch Mission und Klostergründungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben der geografischen Eingrenzung (Alpenraum, Noricum) vor allem theologische Begriffe (Arianismus, Trinität) und Persönlichkeiten wie der Heilige Severin oder der Autor Eugippius.
Warum ist die Vita Sancti Severini für diese Arbeit von so großer Bedeutung?
Da es für den norisch-pannonischen Raum in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts kaum andere schriftliche Zeugnisse gibt, dient die Vita als einzigartiges Dokument, das sowohl den Alltag als auch die politische Situation zur Zeit des Untergangs der römischen Herrschaft detailliert schildert.
Wie wirkte sich der Arianische Streit auf den Alpenraum aus?
Der Streit prägte die Region maßgeblich, da germanische Stämme, die in das Gebiet drängten, zum Arianismus missioniert wurden. Dies führte zu einer lang anhaltenden konfessionellen Trennung, die erst im 7. Jahrhundert durch die Bekehrung zum Katholizismus ihr Ende fand.
- Quote paper
- Konstantin Gasparatos (Author), 2006, Das Christemtum im Alpenraum am Ende der Römerzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124450