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Die Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit

Titel: Die Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit

Hausarbeit , 2021 , 17 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Da die Soziale Arbeit sich alltäglich mit ethischen Fragestellungen auseinandersetzen muss, eignet sich eine Untersuchung der aristotelischen Tugendkonzeption mit sozialarbeiterischem Fokus. Daraus ergibt sich die Forschungsfrage der Arbeit: Wie kann die aristotelische Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit angewendet werden? Um diese Forschungsfrage zu beantworten, wird vorerst auf grundlegende aristotelische Arbeitsbegriffe eingegangen. Da Aristoteles eine systematische Philosophie betrieb, ist dies unumgänglich, um die Mitten-Theorie zu verstehen und übertragen zu können. Den Anfang bildet eine allgemeine Definition der aristotelischen Theorie. Im Anschluss daran werden die einzelnen Termini aufgeführt, um das Theoriekonstrukt am Ende auf die Soziale Arbeit anwenden zu können.

Die goldene Mitte zu finden ist im Deutschen ein geflügeltes Wort. Dadurch wird den Handelnden versprochen, das Richtige bzw. das Gute zu tun, wenn er*sie diese goldene Mitte trifft. Worin jene goldene Mitte liegt, bleibt offen. In der Nikomachischen Ethik (EN) definiert Aristoteles die Tugend als die Mitte zwischen zwei Extremen. Dabei prägt er einen flexiblen Begriff der Mitte. Denn die Mitte variiert je nach Gegenstand und Situation. Es ist also sprachlich exakter von dem Begriff des ‚Mittleren‘ auszugehen. Daher könnte in Bezug auf diesen Philosophen von einem ‚goldenen Mittleren‘ gesprochen werden. Zeigt doch das ‚Mittlere‘ auf, dass nicht eine starre Mitte gemeint ist, sondern eine relative Mitte. Aristoteles erarbeitet seine sog. ‚Mitten-Theorie‘ nicht nur theoretisch, sondern gibt eine Handreichung an praktischen Ratschlägen mit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Das goldene Mittlere

Grundbegriffe der Mesotes-Lehre

Arete

Die Tugenden des Denkens und des Charakters

Energeia und hexis – wie man aus der Tätigkeit heraus wird

Gattung und Art der aretē

Die mesotēs in uns

Der aristotelische Tugendkatalog

Der Tugendbegriff und die Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit

Die Mesotes-Lehre als hermeneutisches Modell in der Sozialen Arbeit

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der aristotelischen Mesotes-Lehre (Mitten-Lehre) als hermeneutisches Modell für die Soziale Arbeit. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie diese Tugendkonzeption trotz ihrer theoretischen Komplexität und der spezifischen Herausforderungen innerhalb des sozialarbeiterischen Tripelmandats praktisch fruchtbar gemacht werden kann, um Reflexionsprozesse im Berufsalltag zu fördern.

  • Grundlagen der aristotelischen Tugendethik und Begrifflichkeiten
  • Die Bedeutung von hexis (Disposition) und energeia (Tätigkeit)
  • Die Mesotes-Lehre als Schutzraum gegen starre Handlungsmuster
  • Herausforderungen der Übertragung auf die Soziale Arbeit
  • Reflexion von Fallbeispielen mittels der „Parameter des Sollens“

Auszug aus dem Buch

Die mesotēs in uns

Für die Mesotes-Lehre greift er auf den Begriff ‚Kontinuum‘ zurück:

„Bei allem Kontinuierlichen und Teilbaren kann man einen größeren, einen kleineren oder einen gleichen Betrag nehmen, und dies entweder in Bezug auf die Sache selbst oder in Bezug auf uns. Das Gleiche ist eine Art Mittleres (meson) zwischen Übermaß (hyperbolē) und Mangel (elleipsis).“ (EN 1106b26ff.).

Aristoteles differenziert in 1) das „Mittlere der Sache nach“ und 2) das „Mittlere in Bezug auf uns“ (EN 1106b30ff):

1) Das „Mittlere der Sache nach“ ist zwischen zwei Extremen mittig lokalisiert und von diesen beiden Extremen gleich weit entfernt (ebd.). Dieses Mittlere bildet die arithmetische Mitte (ebd.).

2) Das ‚Mittlere in Bezug auf uns‘ ist nicht als eine arithmetische Mitte zu verstehen. Vielmehr ist das ‚Mittlere in Bezug auf uns‘ proportional oder relativ aufzufassen. Das ‚Mittlere in Bezug auf uns‘ ist nicht in der Mitte zweier Extreme zu verorten, sondern variiert je nach Gegenstand in einer Mitte, die zum Gegenstand relativ ist. Aristoteles veranschaulicht dies an einem Beispiel über Nahrungseinheiten (ebd.):

Wenn für eine*n Sportler*in zwei Nahrungseinheiten zu wenig und gleichzeitig zehn Nahrungseinheiten zu viel wäre, so liegt die Mitte nicht in sechs Nahrungseinheiten. Denn sechs Nahrungseinheiten wären die arithmetische Mitte, also das „Mittle der Sache nach“ (ebd.). Das ‚Mittlere in Bezug auf uns‘ kann hier nicht in einer fixen Zahl festgelegt werden. Für den einen Sportler kann diese Mitte bei vier Nahrungseinheiten liegen und für die andere Sportlerin bei acht Nahrungseinheiten. Diese Mitte ist folglich relativ zur*zum jeweiligen Sportler*in bzw. zum Gegenstand zu verstehen. Dem einen schaden acht Nahrungseinheiten, weil dies ein Übermaß darstellt, wohingegen zwei diesen schützen. Der anderen schaden zwei Nahrungseinheiten, weil diese einen Mangel beinhalten, wohingegen acht diese erhalten. „So meidet also jeder Kundige Übermaß und Mangel, das Mittlere dagegen sucht er und wählt eben dieses, und zwar das Mittlere nicht der Sache, sondern in Bezug auf uns.“ (EN 1106b5-7).

Zusammenfassung der Kapitel

Das goldene Mittlere: Einführung in die Thematik der aristotelischen Tugendethik und Herleitung der Forschungsfrage im Kontext der Sozialen Arbeit.

Grundbegriffe der Mesotes-Lehre: Definition zentraler antiker Fachbegriffe wie Arete, hexis und energeia sowie Erläuterung der Mitten-Theorie.

Der Tugendbegriff und die Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit: Kritische Auseinandersetzung mit der Anwendbarkeit des Tugendbegriffs im Spannungsfeld des sozialarbeiterischen Tripelmandats.

Die Mesotes-Lehre als hermeneutisches Modell in der Sozialen Arbeit: Anwendung der Erkenntnisse auf die Berufspraxis und Reflexion anhand von Fallbeispielen.

Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, Mesotes-Lehre, Soziale Arbeit, Tugend, hexis, Arete, phronēsis, Hermeneutik, Fallmanagement, Ethik, Tripelmandat, Berufshabitus, Reflexion, Parameter des Sollens.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Es geht um die Übertragbarkeit der aristotelischen Ethik, speziell der Lehre von der goldenen Mitte (Mesotes), auf die ethischen Herausforderungen und die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die antike Tugendlehre, die begriffliche Definition von Handlungsdispositionen sowie die Anwendung dieser Theorie auf das Spannungsfeld zwischen staatlichem Auftrag und klientenzentriertem Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, wie die Mesotes-Lehre als hermeneutisches Modell genutzt werden kann, um Sozialarbeitenden eine Reflexionsgrundlage für komplexe, fallbezogene Dilemmata zu bieten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse. Dabei werden primärwissenschaftliche Quellen von Aristoteles sowie aktuelle Kommentierungen und fachwissenschaftliche Literatur zur Sozialen Arbeit synthetisiert und angewendet.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Begriffsbestimmung (Arete, hexis, Energeia) und eine anschließende Prüfung der Anwendbarkeit dieser Begriffe auf die spezifischen Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Mesotes, Tugend, hexis, phronēsis und der Reflexion über das handlungsethische „Mittlere“ charakterisiert.

Warum ist das sogenannte "Tripelmandat" für die Anwendung wichtig?

Das Tripelmandat beschreibt das komplexe Spannungsfeld zwischen Profession, staatlichem Auftrag und Klientelwunsch. Die Arbeit zeigt auf, dass das Finden der „Mitte“ unter diesen Bedingungen einen permanenten Balanceakt für Sozialarbeitende darstellt.

Wie kann eine „hexis“ als Schutzraum gegen Veralltäglichung dienen?

Durch die bewusste Reflexion der erworbenen Dispositionen (hexeis) können Sozialarbeitende vermeiden, dass ihre Handlungsweisen zu starren, ineffektiven Routinen erstarren, was ein gelingenderes Fallmanagement ermöglicht.

Welche Rolle spielt die „Phronēsis“ für Sozialarbeiter?

Die Phronēsis (Klugheit) dient als instrumentelle Fähigkeit, um die situativen „Parameter des Sollens“ zu erkennen und somit angemessen auf spezifische, individuelle Fälle zu reagieren.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1244634
ISBN (PDF)
9783346670205
ISBN (Buch)
9783346670212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles Mesotes Soziale Arbeit Tugend arete Klugheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2021, Die Mesotes-Lehre in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244634
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Leseprobe aus  17  Seiten
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