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Die Große Koalition und das Mehrheitswahlrecht

Eine Analyse unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Bundestagswahl 2021

Título: Die Große Koalition und das Mehrheitswahlrecht

Tesis de Máster , 2022 , 59 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Patrick Deligas (Autor)

Política - Sistema político de Alemania
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Im personalisierten Verhältniswahlsystem der Bundesrepublik Deutschland gestaltet sich die Mehrheitsbildung mit steigender Anzahl an politischen Wettbewerbern und fragmentieren Wahlergebnissen zunehmend schwieriger. So mussten Christ- und Sozialdemokraten seit 2005 bereits drei Mal eine Große Koalition bilden, was gemeinhin eine Ausnahme statt der Regel im deutschen Parlamentarismus darstellt. Als Alternative zur Sicherstellung eindeutiger Mehrheiten wurde bereits in den Sechzigerjahren die relative Mehrheitswahl nach britischem Vorbild wissenschaftlich wie politisch diskutiert.

Dieser Ansatz wird aufgegriffen und die Mehrheitswahlbedingungen werden auf die bisherigen 20 Bundestagswahlen projiziert. Es zeigt sich, dass dieses Wahlsystem aus sich heraus in 90 Prozent der Fälle eine Parlamentsmehrheit für eine Partei bildet. Hierbei werden die Parteien der Christ- und Sozialdemokraten zu Lasten der Interessenparteien gestärkt. Es kommt allerdings auch in diesem Szenario zur Notwendigkeit von Koalitionsregierungen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit hierfür geringer ist. Große Koalitionen zwischen Christ- und Sozialdemokraten hingegen werden erfolgreich vermieden. Es gilt zu beachten, dass die Möglichkeit einer Wahlsystemänderung bei den derzeitigen politischen Mehrheitsverhältnissen und durch die institutionellen Vetospieler Bundesrat und Bundesverfassungsgericht faktisch ausgeschlossen werden kann.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Wahlen, Wahlfunktionen und -systeme

2.1 Funktionen von Wahlen

2.1.1 Repräsentationsfunktion

2.1.2 Prozessfunktion

2.1.3 Stabilitätsfunktion

2.2 Wahlsysteme

2.2.1 Verhältniswahlrecht

2.2.2 Mehrheitswahlrecht

2.3 Rahmenbedingungen Deutschland

2.3.1 Historischer Kontext

2.3.2 Personalisiertes Verhältniswahlrecht

2.3.3 Wahlrechtsreformen und Reformvorhaben

2.3.4 Fragmentierung des Parteiensystems und die Große Koalition

3 Die Mehrheitswahl als Alternative?

3.1 Volksparteien-Domäne Wahlkreismandate

3.2 Bundestagsmehrheiten - Regierung und Opposition

3.2.1 Projektion 1: Republikanische Formierung und Anpassung

3.2.2 Projektion 2: Dominanz und Omnipotenz der großen drei

3.2.3 Projektion 3: Zwischen politischer Wende und Jahrtausendwende

3.2.4 Projektion 4: Leichte Fragmentierung und abschwächende Dominanz

3.3 Wahlergebnisse im Vergleich der Wahlsysteme und Funktionsauswertung

3.4 Vetospieler und Realisierungschancen

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen eines theoretischen Wechsels vom personalisierten Verhältniswahlsystem hin zum Mehrheitswahlrecht auf die Regierungsbildung in Deutschland, basierend auf einer Projektion der Ergebnisse der vergangenen 20 Bundestagswahlen.

  • Analyse und Vergleich der idealtypischen Wahlsysteme (Verhältnis- vs. Mehrheitswahl).
  • Untersuchung der historischen Rahmenbedingungen des deutschen Wahlsystems.
  • Projektion der historischen Wahlergebnisse unter Annahme eines Mehrheitswahlsystems.
  • Evaluierung der Auswirkungen auf die Dominanz der großen Volksparteien und die Regierungsstabilität.
  • Bewertung von Realisierungschancen für eine solche Wahlsystemreform unter Berücksichtigung von institutionellen Vetospielern.

Auszug aus dem Buch

Die Mehrheitswahl als Alternative?

Aufbauend auf den theoretischen Ausführungen werden nachfolgend die zwanzig zurückliegenden Bundestagswahlgänge aus dem Blickwinkel des Mehrheitswahlsystems betrachtet. Hierbei sind die eingangs aufgestellten Fragestellungen zu berücksichtigen. Hätte die Mehrheitswahl aus sich heraus ein mehrheitsbildendes Wahlergebnis hervorgebracht? Würde sich damit die Bildung von Koalitionsregierungen und damit auch Große Koalitionen erübrigen? Ein zweiter Abschnitt gibt anschließend einen kurzen Ausblick auf Vetospieler und Realisierungschancen der Wahlsystemänderung.

Nachfolgend abgebildet werden mittels Projektion die Zusammensetzung des Bundestags unter dem Mehrheitswahlsystem in einer Längsschnittbetrachtung der Bundestagswahlen von 1949 bis einschließlich 2021. Hierdurch lassen sich die in Abschnitt 2.1. erläuterten Funktionen von Wahlen überprüfen. Hierzu zählen neben der Repräsentationsfunktion hinsichtlich der Auswirkungen auf die verschiedenen Parteienarten auch die Konzentration der Parteien im Parlament und die Prozessfunktion mit der Feststellung, ob aus der Wahl selbst eine parlamentarische Mehrheit für eine Partei hervorgeht und damit eine eindeutige Dichotomie zwischen Regierung- und Oppositionspartei entsteht. Als Datengrundlage werden die endgültigen Bundestagswahlergebnisse des Bundeswahlleiters genutzt.

Die Analysen sind hypothetischer Natur und können im Rahmen der vorgelegten Arbeit nicht alle Variablen berücksichtigen bzw. verlässliche Aussagen oder Annahmen zu diesen treffen. Nichtsdestotrotz sollen bestimmte Faktoren nicht unbenannt bleiben. Die Analyse blendet beispielsweise den Faktor des strategischen Wählens aus. Wahlberechtige stimmen in diesem Fall „für eine andere als die eigentlich bevorzugte Partei mit dem Ziel, das Wahlergebnis bestmöglich zu beeinflussen“ (Meffert & Gschwend, 2009, S. 107). Diese Tendenz findet vor allem bei der Verwendung der Erststimme in Deutschland Anwendung. Beispielsweise unterstützt ein FDP-Sympathisant mit seiner Erststimme eher eine CDU-Kandidatur, um seine Stimme bestmöglich zu verwerten, da die FDP letztmalig 1990 ein Direktmandat erringen konnte. Somit erhält die Stimme mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Gewicht, wenngleich sie zugunsten der größeren Partei gewertet wird und nicht für die eigentlich favorisierte Partei – in der Regel wird das Risiko eines Stimmenverfalles dadurch minimiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Hinführung zum Thema, Darstellung der Relevanz von Koalitionsregierungen und Einordnung der Fragestellung im Kontext historischer Wahlsystemdiskussionen.

2 Wahlen, Wahlfunktionen und -systeme: Theoretische Grundlegung mit Definition von Wahlfunktionen (Repräsentation, Prozess, Stabilität) sowie Klassifizierung und Vergleich von Verhältnis- und Mehrheitswahlsystemen.

3 Die Mehrheitswahl als Alternative?: Praktische Anwendung der Theorie durch Projektion der vergangenen 20 Bundestagswahlen auf ein Mehrheitswahlsystem sowie eine Analyse der institutionellen Hürden für eine Reform.

4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, wonach ein Mehrheitswahlrecht Koalitionen zwar minimieren, aber nicht gänzlich ausschließen würde, und Feststellung der geringen Realisierungschancen für eine solche Reform.

Schlüsselwörter

Bundestagswahl, Mehrheitswahlrecht, Verhältniswahlrecht, Große Koalition, Regierungsbildung, Parlamentarismus, Wahlsystemreform, Direktmandate, Parteienfragmentierung, Vetospieler, Bundesverfassungsgericht, politische Stabilität, Demokratie, Zweitstimme, Erststimme.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie sich das Regierungs- und Parteiensystem in Deutschland verändert hätte, wenn bei den vergangenen 20 Bundestagswahlen ein Mehrheitswahlrecht anstelle des personalisierten Verhältniswahlrechts angewandt worden wäre.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Funktionen von Wahlen, die Funktionsweise und Auswirkungen verschiedener Wahlsysteme, die historische Entwicklung des deutschen Parteiensystems sowie die politische Umsetzbarkeit einer radikalen Wahlsystemänderung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, auf Basis historischer Daten zu prüfen, ob ein Mehrheitswahlsystem aus sich heraus mehrheitsbildende Wahlergebnisse für eine einzelne Partei erzeugt hätte und ob dies die Notwendigkeit von Koalitionsregierungen, insbesondere Großen Koalitionen, überflüssig gemacht hätte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine projektive, hypothetische Analyse. Dabei werden vergangene Wahlergebnisse auf ein Mehrheitswahlsystem übertragen, um die theoretischen Folgen auf die Sitzverteilung und Regierungsbildung zu simulieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Wahlfunktionen, eine historische Einordnung des deutschen Wahlrechts und eine detaillierte Projektionsanalyse (unterteilt in vier historische Phasen), gefolgt von einer Untersuchung der politischen Hürden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern zählen Bundestagswahl, Mehrheitswahlrecht, Verhältniswahlrecht, Regierungsbildung, Parteienfragmentierung, Wahlsystemreform und Vetospieler.

Welche Erkenntnis ergibt sich aus der Projektion zu den Großen Koalitionen?

Die Projektion zeigt, dass Große Koalitionen zwischen den stärksten Parteien (CDU/CSU und SPD) unter den Bedingungen eines Mehrheitswahlsystems bei den 20 betrachteten Wahlen faktisch ausgeschlossen gewesen wären, da das System eine eindeutige Mehrheit für eine Partei begünstigt.

Welche Rolle spielen 'institutionelle Vetospieler'?

Institutionelle Vetospieler wie das Bundesverfassungsgericht und der Bundesrat stellen hohe Hürden für eine grundlegende Reform dar. Eine Änderung des Wahlsystems erfordert rechtliche Konformität und Zustimmung; der Bundesrat könnte aufgrund der Regierungsbeteiligungen kleinerer Parteien als effektive Sperrmajorität fungieren.

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Detalles

Título
Die Große Koalition und das Mehrheitswahlrecht
Subtítulo
Eine Analyse unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Bundestagswahl 2021
Universidad
( European University of Applied Sciences Hamburg )
Calificación
1,0
Autor
Patrick Deligas (Autor)
Año de publicación
2022
Páginas
59
No. de catálogo
V1244693
ISBN (Ebook)
9783346669292
ISBN (Libro)
9783346669308
Idioma
Alemán
Etiqueta
Große Koalition BRD Wahlsystem SPD CDU Wahlrecht Mehrheitswahl Verhältniswahl Bundestagswahl
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Patrick Deligas (Autor), 2022, Die Große Koalition und das Mehrheitswahlrecht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244693
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