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"Der Intellektuelle" in der Kulturpolitik der DDR

Kritische Auseinandersetzung mit Werner Mittenzwei

Title: "Der Intellektuelle" in der Kulturpolitik der DDR

Term Paper , 2006 , 31 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Magistra Artium Hannah Kohn (Author)

Politics - History of Political Systems
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Summary Excerpt Details

Gab es in der DDR Intellektuelle, die der Definition Werner Mittenzweis gerecht
wurden? Wie ist Mittenzwei – als ehemaliges Parteimitglied und im wiedervereinigten
Deutschland schreibender Autor - zu lesen? Unterscheiden sich seine Darstellungen intellektuellen Lebens in der DDR relevant
von denen westdeutscher Autoren? Diese Fragen sollen anhand einer Analyse des
Verhältnisses von 'Intellektuellen' und Kulturpolitik der DDR bis zur Wandlung in eine geschlossene
Gesellschaft, bis zum Bau der Mauer, Antworten finden. Einer Vorstellung dieser
Periode bei Mittenzwei folgt somit zunächst eine kritische Betrachtung seiner Darstellung aus
Sicht einiger exemplarischer westlicher Autoren. Die Arbeit schließt mit einer Einordnung des Werkes von Mittenzwei in die deutsche Aufbereitung des Themenkomplexes "Intellektuelle in der DDR".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: „Der Intellektuelle“ bei Mittenzwei

2. Entwicklung der Lebensumstände der Intellektuellen in der SBZ und DDR 1945 – 1961 nach Mittenzwei

2.1 Antifaschistisch-demokratische Erneuerung, 1945–1949

2.2 Von den Staatsgründungen zur Formalismus-Diskussion, 1949–1954

2.3 Philosophische Kontroversen und intellektuelle Opposition, 1953–1957

2.4 Auf dem Weg in eine geschlossene Gesellschaft, 1959–1961

3. Kritische Betrachtung der Darstellung bei Mittenzwei

3.1 Zur Situation der Intellektuellen in der DDR

3.2 Zum Umgang der Partei mit der Intelligenz

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Verhältnis von Intellektuellen zur Kulturpolitik der DDR im Zeitraum von 1945 bis 1961, basierend auf einer kritischen Analyse der Darstellung durch Werner Mittenzwei. Ziel ist es, die Entwicklung der Lebensbedingungen sowie die politische Einflussnahme auf die literarische Intelligenz zu beleuchten und Diskrepanzen in der fachwissenschaftlichen Darstellung aufzuzeigen.

  • Die Definition des Begriffs "Intellektueller" im Kontext der DDR-Geschichte.
  • Phasen der DDR-Kulturpolitik von der Antifaschismus-Doktrin bis zur "geschlossenen Gesellschaft".
  • Die Rolle zentraler Institutionen und Akteure im kulturpolitischen Machtgefüge.
  • Intellektuelle Opposition und der Umgang der SED-Führung mit Dissens.
  • Vergleich der Darstellung Mittenzweis mit anderen zeitgenössischen Forschungsansätzen.

Auszug aus dem Buch

2.4 Auf dem Weg in eine geschlossene Gesellschaft, 1959–1961

Ab Ende der Fünfziger Jahre erlebte die DDR-Intelligenz einen Generationenwechsel. Die prägenden Gestalten der ostdeutschen Nachkriegsliteratur, die Emigrantengeneration, starben aus. Sie erlebten ihre letzten Jahre im Bewusstsein, ihre Vorstellungen von einem deutschen Sozialismus nicht erreicht zu haben. In der „Propagandakulisse“ der Partei hatte sich ein kritischer Marxismus nicht etablieren können. Ihre vorgenommenen politischen Zugeständnisse gegenüber dem Staat gingen Hand in Hand mit einem künstlerischen Verlust. Die zurückgekehrten Emigranten waren enttäuscht, dass sie, trotz der deutlich besseren Bedingungen in der DDR, ihr im Exil erreichtes künstlerisches Niveau nicht fortsetzen konnten: Sie hatten ihren Landsleuten geholfen den über die Literatur den Faschismus zu überwinden und hatten die DDR-Literatur bis zu ihrem Tode geprägt. Ihre Werke aber wurden zwar von offizieller Seite gewürdigt, der angestrebte Neuansatz fand jedoch nicht statt.

Stattdessen proklamierte Ulbricht am 24. Mai 1959 den 'Bitterfelder Weg'. Dieser war zwar ein 'deutscher' Weg, da er sich nicht an einem sowjetischen Vorbild orientierte, er wirkte aber auf die Künstler, als solle die literarische Intelligenz eliminiert werden. Geistesschaffende wurden mit dem Ziel, Künstler und Werktätige zusammenzuführen, in Betrieben literarische bzw. künstlerische Zirkel anleiten, um den Arbeitern Kunst zu lehren und die Entstehung einer eigenen DDR-Literatur zu fördern. Durch diese neue Richtung der Kulturpolitik erhoffte sich Ulbricht, dass die Produktion das Weltbild der Schriftsteller so ändern würde, dass diese ihre politischen Ansprüche vernachlässigten. Außerdem sollte eine neue Generation der Intelligenz auf 'das Positive' ausgerichtet werden und, so motiviert, ihren Rezipienten entsprechende Identifikationsfiguren liefern. Diese 'neuen' Schriftsteller – z. B. Kurt Barthel, der der Parteilinie treu war und seine „Verheißungspoesie“ verbreitend keine Selbstständigkeit der Dichtung duldete – erfuhren in den Sechziger Jahren zunehmend als Wortführer Beachtung. Vom einsetzenden Mauerbau erhofften sich viele Vertreter dieser literarischen Generation größere künstlerische Freiheit, da durch die Schließung nach Westen nicht länger befürchtet werden musste, die 'gegnerische Seite' könne kritische Äußerungen der Ost-Intelligenz benutzen oder missbrauchen. Dies erwies sich aber als fundamentaler Irrtum. Tatsächlich baute das MfS seinen Einfluss zunehmend auch im Bereich der Literatur weiter aus und die Überprüfung von Druckerzeugnissen aus der BRD wurde strikter. Die Ost-Intelligenz lebte nun endgültig in einer geschlossenen Gesellschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: „Der Intellektuelle“ bei Mittenzwei: Das Kapitel definiert den Begriff des Intellektuellen und analysiert Mittenzweis Ansatz, der Literatur und Politik als miteinander verwobene Felder betrachtet.

2. Entwicklung der Lebensumstände der Intellektuellen in der SBZ und DDR 1945 – 1961 nach Mittenzwei: Dieser Abschnitt beschreibt chronologisch den Wandel der kulturpolitischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die literarische Intelligenz.

2.1 Antifaschistisch-demokratische Erneuerung, 1945–1949: Untersuchung der Nachkriegsphase, die durch den Wiederaufbau und den Versuch geprägt war, Intellektuelle für den neuen Staat zu gewinnen.

2.2 Von den Staatsgründungen zur Formalismus-Diskussion, 1949–1954: Darstellung der zunehmenden politischen Kontrolle durch die SED und den ideologischen Druck, der zur Formalismus-Debatte führte.

2.3 Philosophische Kontroversen und intellektuelle Opposition, 1953–1957: Analyse der Reaktionen der Intelligenz auf politische Ereignisse wie den Aufstand vom 17. Juni und die Entstalinisierung.

2.4 Auf dem Weg in eine geschlossene Gesellschaft, 1959–1961: Beleuchtung der zunehmenden ideologischen Einengung durch den "Bitterfelder Weg" bis hin zur faktischen Abkapselung.

3. Kritische Betrachtung der Darstellung bei Mittenzwei: Dieses Kapitel hinterfragt die historische Genauigkeit und den Fokus von Mittenzweis Werk im Kontext weiterer Forschungsliteratur.

3.1 Zur Situation der Intellektuellen in der DDR: Diskussion über die widersprüchliche Rolle der Intellektuellen zwischen staatlicher Privilegierung und ideologischer Bevormundung.

3.2 Zum Umgang der Partei mit der Intelligenz: Untersuchung der parteipolitischen Steuerungsinstrumente und der Versuche, die Intelligenz konform zu gestalten.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der kulturpolitischen Entwicklung und der Position Mittenzweis als Zeitzeuge und Historiker.

Schlüsselwörter

DDR-Kulturpolitik, Intellektuelle, Werner Mittenzwei, SED, Formalismus-Debatte, Bitterfelder Weg, literarische Intelligenz, Antifaschismus, politische Opposition, Kulturstaat, DDR-Geschichte, 1945-1961, Ideologie, Staatssicherheit, Kulturfunktionäre

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis von Intellektuellen zur Kulturpolitik der DDR zwischen 1945 und 1961 unter besonderer Berücksichtigung der Darstellung durch den Autor Werner Mittenzwei.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Entwicklung kulturpolitischer Leitlinien, die Rolle der literarischen Intelligenz im System der DDR sowie deren intellektuelle Opposition gegen parteistaatliche Vorgaben.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Evaluierung von Mittenzweis Werk hinsichtlich seiner Darstellung der Lebensumstände der Intellektuellen und die Einordnung der kulturpolitischen Machtmechanismen der SED.

Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, bei der sie Mittenzweis Thesen mit weiteren Forschungsquellen vergleicht und in einen historischen Kontext einbettet.

Welche Aspekte werden im Hauptteil fokussiert?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische historische Untersuchung der DDR-Kulturpolitik sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Positionierung Mittenzweis zu den betroffenen Akteuren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wichtige Schlagworte sind DDR-Kulturpolitik, Intellektuelle, SED, Formalismus, Bitterfelder Weg, Opposition und kulturpolitische Machtstrukturen.

Warum spielt die Person Johannes R. Becher eine zentrale Rolle für das Verständnis dieser Zeit?

Becher fungierte als Schlüsselfigur, die als Kunstminister und Funktionär den Versuch unternahm, die deutsche Intelligenz bündnispolitisch an den neuen Staat zu binden, wobei er selbst in einen tiefen inneren Konflikt zwischen seiner Rolle als Dichter und Parteikader geriet.

Inwiefern hat der Mauerbau 1961 das intellektuelle Klima in der DDR dauerhaft verändert?

Der Mauerbau besiegelte den Übergang zu einer "geschlossenen Gesellschaft", in der die Fluchtmöglichkeit in den Westen entfiel und der politische Druck auf die Intelligenz durch verstärkte staatliche Überwachung und ideologische Disziplinierung massiv zunahm.

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Details

Title
"Der Intellektuelle" in der Kulturpolitik der DDR
Subtitle
Kritische Auseinandersetzung mit Werner Mittenzwei
College
University of Lüneburg  (Sozial- und Kulturgeschichte)
Course
Kultur und Politik in der DDR – Film, Literatur, Musik, Malerei im Spannungsfeld von SED-Herrschaft und künstlerischem Eigensinn
Grade
1,7
Author
Magistra Artium Hannah Kohn (Author)
Publication Year
2006
Pages
31
Catalog Number
V124490
ISBN (eBook)
9783640297276
ISBN (Book)
9783640302697
Language
German
Tags
Intellektuelle Kulturpolitik Kultur Politik Film Literatur Musik Malerei Spannungsfeld SED-Herrschaft Eigensinn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Hannah Kohn (Author), 2006, "Der Intellektuelle" in der Kulturpolitik der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124490
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