Die Arbeit soll Blame Deflection im Rahmen der Griechenland-Krise untersuchen. Der Begriff Blame Shifting wird als Synonym verwendet, da er in der Forschung ebenfalls geläufig ist. Zuerst sollen in Kürze bereits bestehende Werke zu Blame Shifting im europäischen Kontext zusammengetragen werden. Nach der Vorstellung eines wichtigen theoretischen Konzepts werden Reden von Alexis Tsipras analysiert, die sich im Zuge der Mobilisierung für das Bailout-Referendum direkt an das griechische Volk richteten. Anhand der Inhaltsanalysen soll die Blame Shifting Strategie Syrizas nachgezeichnet werden. Abschließend folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Blame Shifting in der EU und Griechenland
3. Im „wirtschaftlichen Würgegriff“
3.1 Theorie
3.2 Methode
3.3 Analyse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Mobilisierungsstrategie von Ministerpräsident Alexis Tsipras im Vorfeld des Bailout-Referendums im Juli 2015. Dabei wird analysiert, wie die Regierung gezielt Techniken des "Blame Shifting" (Schuldverschiebung) auf supranationale Akteure sowie vorherige Regierungsakteure anwandte, um Verantwortung für die wirtschaftliche Krise und die Austeritätspolitik von sich zu weisen.
- Anwendung des Konzepts der "Blame Avoidance" im Mehrebenensystem der EU.
- Analyse von Fernsehansprachen von Alexis Tsipras zur Mobilisierung des griechischen Volkes.
- Untersuchung der Rhetorik des Widerstands gegen die "Troika".
- Bewertung von "Blame Shifting" als Instrument der populistischen Legitimationssicherung.
Auszug aus dem Buch
Schuldzuweisungen
Regierungen können Vorwürfen ausweichen, indem sie internationale Akteure oder ehemalige Regierungsverantwortliche beschuldigen (Hinterleitner 2021, 11). Alexis Tsipras sieht in seinen Reden die sogenannten Memoranden ursächlich für die schwierige Verhandlungs- und Wirtschaftslage Griechenlands. Die Memoranden sind Verträge mit den Geldgebern, die für die Ausstellung von Hilfskrediten Bedingungen festlegten, unter anderem die Einhaltung einer strengen Sparpolitik. Syriza befinde sich nun in einer schwierigen Verhandlungsposition, für die jedoch Andere verantwortlich seien:
„In dieser ganzen Zeit der Verhandlungen wurde von uns verlangt, die Memoranden umzusetzen, die vorherigen Regierungen unterschrieben haben, obwohl diese bei den jüngsten Parlamentswahlen demonstrativ verurteilt wurden.“ (T1, 8-10)
Nicht Syriza, sondern die Regierungen vergangener Amtszeiten haben sich auf die Wirtschaftspolitik der Europäischen Union eingelassen. Er verurteilt die EU-Austeritätspolitik stark, betont dabei, dass er bereits als Europapolitiker die Position vertreten hat, die Memoranden seien kein nachhaltiger Weg aus der Krise. Durch die Parlamentswahlen, die ihn zum Ministerpräsidenten gemacht haben, habe sich das Volk auf seine Seite gestellt. Die Amtshandlungen vorheriger Regierungsmitglieder wurden abgewählt (T2, 65–71).
Die Austeritätspolitik der EU beschreibt Ministerpräsident Alexis Tsipras als „beispielslosen wirtschaftlichen Würgegriff“ (T1, 3), aus dem er das Land befreien will. Das Verhandlungsultimatum verurteil er an mehreren Stellen als erpresserisch, undemokratisch und autoritär (T1, 38-43; T2, 22-27, 39-41, 71-75). Damit widerspreche es den eigentlichen Grundwerten der europäischen Gemeinschaft (T1, 9-15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Ausgangslage der griechischen Staatsschuldenkrise ein und stellt die Relevanz der "Blame Shifting"-Strategien in der Kommunikation der Regierung Tsipras dar.
2. Blame Shifting in der EU und Griechenland: Hier erfolgt eine theoretische Einbettung der Strategien zur Verantwortungsvermeidung durch Akteure im Mehrebenensystem, insbesondere im Kontext von Finanzkrisen.
3. Im „wirtschaftlichen Würgegriff“: Dieser Abschnitt kombiniert ein theoretisches Rahmenmodell zur Verantwortungszuweisung mit einer methodischen Analyse von Reden, um die politische Rhetorik von Syriza zu untersuchen.
3.1 Theorie: Es werden die von Markus Hinterleitner kategorisierten Formen der Verantwortungsvermeidung erläutert, die als Analyserahmen für die Untersuchung dienen.
3.2 Methode: Beschreibung des Forschungsdesigns, welches auf der inhaltlichen Analyse von zwei ausgewählten Fernsehansprachen von Alexis Tsipras basiert.
3.3 Analyse: Anwendung des theoretischen Modells auf das Redematerial, um spezifische Taktiken des Blame Shifting gegenüber internationalen und nationalen Akteuren zu identifizieren.
4. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, welche belegen, dass Tsipras das Referendum instrumentalisierte, um die Schuld für die wirtschaftliche Misere auf supranationale Institutionen und Vorgängerregierungen umzulenken.
Schlüsselwörter
Blame Shifting, Blame Avoidance, Griechenland-Krise, Alexis Tsipras, Syriza, Austeritätspolitik, Europäische Union, Referendum, Populismus, politische Rhetorik, Verantwortungsvermeidung, Memoranden, Mehrebenensystem, Schuldenkrise, Mobilisierungsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie die griechische Regierung unter Alexis Tsipras während der Staatsschuldenkrise 2015 populistische Kommunikationsstrategien nutzte, um die Verantwortung für harte Sparmaßnahmen auf externe Akteure, insbesondere die Europäische Union, zu verschieben.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Arbeit beleuchtet die Schnittstelle zwischen populistischen Regierungsstrategien, der Kommunikation in Mehrebenensystemen der EU und den theoretischen Konzepten der Verantwortungsvermeidung (Blame Avoidance).
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Tsipras durch das Bailout-Referendum eine "Blame Shifting"-Rhetorik einsetzte, um sich legitimatorisch von der Pflicht zur Umsetzung unpopulärer EU-Sparvorgaben zu distanzieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse zweier zentraler Fernsehansprachen von Alexis Tsipras durchgeführt, wobei als Analyserahmen die Kategorien von Blame-Avoidance-Strategien nach Markus Hinterleitner dienen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einleitung in Blame-Avoidance-Taktiken, eine methodische Darlegung der Quellenanalyse und eine detaillierte Untersuchung der Reden des Ministerpräsidenten unter Berücksichtigung von Schuldzuweisungen an Troika und Vorgängerregierungen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Blame Shifting, Austeritätspolitik, Souveränität, Populismus, Legitimationskrise und europäische Institutionen.
Wie bewertet der Autor das Referendum als Instrument?
Das Referendum wird als "Show of Resistance" interpretiert, das dem Ministerpräsidenten diente, den Verantwortungsdruck kurzfristig zu senken und die Bevölkerung symbolisch hinter seinem Konfrontationskurs zu einen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "internen" und "externen" Akteuren eine so große Rolle in der Analyse?
Die Analyse verdeutlicht, dass die Regierung Tsipras durch die Schuldzuweisung an externe Akteure (EU, Troika) und interne Akteure (frühere Regierungen) ihre eigene Handlungsfähigkeit als "gezwungen" darstellt, um sich selbst von der Verantwortung für Rentenkürzungen und Austeritätsmaßnahmen zu entlasten.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Blame Shifting als Mobilisierungs-Strategie der Tsipras-Regierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244960