Ziele und Methoden der schwarzen Pädagogik. Welche Auswirkungen hat sie auf die kindliche Erfahrung?


Seminararbeit, 2019

9 Seiten, Note: 2

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Begriffserklärung

Erziehungsmethoden und -ziele in der Schwarzen Pädagogik
Erziehungsmethoden
Das Loben
Die Prügelstrafe
Die Demütigung
Erziehungsziele

Folgen der schwarzen Pädagogik

Conclusio

Literaturverzeichnis

Einleitung

Früher haben Prügel und Erniedrigungen zu einer ganz normalen Erziehungsmethode gehört, wenn Kinder sich nicht auf die Art und Weise verhalten haben, wie es den Vorstellungen der Eltern entsprochen hätte. Denn damals wurden Kinder und ihre Lebensäußerungen als etwas gesehen, das gebändigt und gezüchtet werden muss. Unter dem Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen! Heute sieht die Erziehung ganz anders aus. Dennoch gibt es manche Eltern, beziehungsweise Erzieher, die zur schwarzen Pädagogik greifen, um Kindern Angst einzujagen, damit sie sich entsprechend benehmen. Manche benutzen dafür zum Beispiel Geschichten, wie diese aus dem ,,Struwwelpeter", und andere versuchen es mit Erniedrigungen, Demütigungen und Beschimpfungen. Ein paar Erzieher greifen sogar zu handgreiflichen Maßnahmen, um die Kinder zum erwünschten Verhalten zu bringen. Vereinfacht gesagt, handelt es sich bei der schwarzen Pädagogik, um eine Form der Erziehung „die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“ (Miller, 1983, S.7) Also kurzgefasst: die totale Kontrolle über das Kind zu besitzen.

In dieser Proseminar-Arbeit werde ich im ersten Abschnitt die Bedeutung des Begriffes der "schwarzen Pädagogik" erläutern. Im darauffolgenden Abschnitt der Arbeit werde ich die Ziele beschreiben, welche die „Schwarze Pädagogik“ verfolgt.

Der wichtigste Teil meiner Arbeit behandelt die unterschiedlichen Methoden, welche angewendet werden beziehungsweise wurden und welche Konsequenzen dadurch entstehen. Meine Arbeit soll einen allgemeinen Einblick in die Erziehungsart „Schwarze Pädagogik“ darbieten.

Anschließend wird es eine Conclusio geben, welche die Arbeit nochmal kürzer und prägnanter wiedergibt.

Für eine bessere Lesbarkeit wird in der Arbeit das generische Maskulinum verwendet.

Begriffserklärung

Katharina Rutschkywar eine deutsche Publizistin und Soziologin, die den Begriff ,,Schwarze Pädagogik´´ durch ihr Buch „Schwarze Pädagogik – Quellen der Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung“ im Jahr 1977 prägte. Dabei handelt es sich um eine Textsammlung, in der über grausame und demütigende Erziehungspraktiken berichtet wird, vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, die durch pädagogische Theorien legimitiert werden.

Rutschky selber definiert den Begriff in ihrem Werk nicht, dennoch bezeichnet sie die schwarze Pädagogik als einen tendenziösen Versuch, die Folgen und Begleiterscheinungen der Aufmerksamkeit zu dokumentieren, der Heranwachsende seit dem 18. Jahrhundert ausgesetzt sind. (Rutschky, 1977, S.15). Die meisten Texte stammen dabei aus der Aufklärung und von den Philanthropen.

Eine weitere wichtige Vertreterin der schwarzen Pädagogik ist die polnisch-schweizerische Autorin und Psychologin Alice Miller. Alice Miller griff in vielen ihrer Werke den von Katharina Rutschky entwickelten Begriff der Schwarzen Pädagogik auf. Sie befasste sich tiefgründig mit der Thematik und erklärte ihre Erfahrungen in ihren Büchern. Miller verstand unter dieser Art von Erziehung eine die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen. Das Kind durch Machtausübung, Manipulation und Erpressung zu einem gehorsamen Untertanen zu machen. (Miller, 1983, S.7) Ihrer Meinung nach, war Gehorsam des Kindes gegenüber dem Erzieher, das höchste Prinzip in der Erziehung. Die Eltern sollen dem Kind schon in seinem zweiten und dritten Lebensjahr beibringen, ihnen zu gehorchen. Den Grund dafür sah sie, dass die Kinder dann, wenn sie älter sind, besser mit den Gesetzen und Regeln klarkommen. (Miller, 1983, S.27).

Erziehungsmethoden und -ziele in der Schwarzen Pädagogik

Erziehungsmethoden

Mit verschiedenen Erziehungsmitteln wurde versucht das Kind zu ,,züchtigen‘‘. Dabei ist folgende Unterscheidung vorzunehmen: Auf der einen Seite, gibt es die körperliche strafende, repressive und missbrauchende Erziehung mit Schlägen und Misshandlungen und auf der anderen Seite, die Erziehung mit der psychischen Gewalt durch zum Beispiel Bedrohungen, Beleidigungen, Bloßstellung und Herabwürdigung. (Hafeneger, 2011, S.14)

Es zählt das Kind nicht zu verwöhnen, sondern zu stärken, es abzuhärten. Da bleibt nicht viel Platz übrig für Liebe und Zuneigung. Gerade junge Kinder hatten unter diesen Erziehungspraktiken zu leiden, denn es herrschte der Glaube, dass je früher man begonnen hat das Kind zu strafen, desto schneller würden sie vergessen, was ihnen angetan wurde.

,,Diese ersten Jahre haben unter andern auch den Vorteil, daß man da Gewalt und Zwang brauchen kann. Die Kinder vergessen mit den Jahren alles, was ihnen in der ersten Kindheit begegnet ist.‘‘ (Miller, 1983, S. 28)

Die größte Befürchtung der Erzieher des 16. und 17. Jahrhunderts ist der Eigensinn des Kindes. Dieser muss auf einer mechanischen Weise aufjedenfall vertrieben werden, und hierfür gibt es kein Mittel außer, dass man dem Kind mit Ernsthaftigkeit gegenüber tritt.

“Sind aber die Eltern so glücklich, dass sie ihnen gleich anfangs durch ernstliches Schelten und durch die Rute den Eigensinn vertrieben, so bekommen sie gehorsame, biegsame und gute Kinder,” (Rutschky, 1977, S.137)

In den folgenden Unterkapiteln werden drei verschiedene Erziehungsmittel präsentiert, die sich durch die schwarze Pädagogik ziehen.

Das Loben

Ein wichtiges Erziehungsmittel in der heutigen Erziehung sind das Lob und die Belohnung. Wenn Kinder sich gut verhalten, dann werden sie von den Erziehern gelobt oder belohnt. Das dient dazu, dass das Kind dann das erwünschte Verhalten häufiger zeigt bzw erlernt.

In der Schwarzen Pädagogik jedoch hat das Loben eine andere Auffassung. Anfang des 19. Jahrhunderts galt die Einstellung, dass Kinder nicht für Pflicht und Schuldigkeit belohnt werden, sondern nur für außerordentliche Anstrengungen, für Auszeichnungen ihres Fleißes, ihrer Ordnungsliebe, ihrer edleren Gutmütigkeit.“ (Rutschky, 1977, S.35)

Und auch das wäre ein ausreichender Lob, wenn man das Kind nicht schlägt. Man hat geglaubt, dass zu viel Lob die Selbstsucht und die Eitelkeit des Kindes fördere.

Das Kind wurde sowieso als absichtlich böse angesehen. Man hat behauptet sie seien von Natur aus selbstsüchtig. Sie sehen zum Beispiel ,,Geschenke machen‘‘ als Pflicht der Eltern nicht als eine Belohnung. Um dem vorzubeugen wurde den Eltern empfohlen, keine verdienten Geschenke zu überreichen. (Rutschky, 1977, S.36)

Aus der heutigen Sichtweise sind Lob und Belohnung, wie bereits erwähnt, sehr wichtig. Da es dem Kind eine positive Rückmeldung und Selbstzweifel entgegenwirkt. Durch Lob wird das Selbstbewusstsein gestärkt, dadurch gewinnt das Kind an Selbstvertrauen und Sicherheit.

Die Prügelstrafe

In der schwarzen Pädagogik ist die Prügelstrafe bzw. die körperliche Züchtigung kein seltenes Erziehungsmittel. Im 20. Jahrhundert galt die Prügelstrafe in der Ratgeberliteratur unter den wiederholt formulierten Begründungen und Grundsätzen als unverzichtbar und notwendig. Sie war für die meisten Erzieher die letzte und härteste Strafform. Autoren versprachen eine ,,heilsame Wirkung´´. (Hafeneger, 2011, S.60) Aus Angst auf weitere Schläge und körperliche Qualen gehorchten die Kinder den Wünschen ihrer Erzieher.

Das Kind soll Gebote und Verbote internalisieren und daher begreifen, dass alles auf Wunsch oder Befehl der Erziehungsperson geschieht. (Hafeneger, 2011, S.61)

Salzmann, schildert in seinem Text ,,Die Urszene der Pädagogik‘‘, der im Jahr 1796 veröffentlicht wurde, eine typische Situation, in welche ein kleiner Junge, die Puppe eines Mädchens nicht zurückgeben will. Der Junge wird immer und immer wieder von seinem Vater ermahnt die Puppe zurückzugeben. Als der Junge nach wiederholter Aufforderung des Vaters die Puppe vor die Füße des Mädchens wirft, schlägt der Vater ihn mit der Rute. Der Vater fordert ihn auf die Puppe aufzuheben, der Junge weigert sich aber. Daraufhin schlägt der Vater ihn erneut mit der Rute, aber diesmal fester. Der Junge wird solange geschlagen bis er sich dem Willen des Vaters beugt und schlussendlich die Puppe aufhebt.

Der Vater hat daraufhin ein schlechtes Gewissen und sucht beim Pfarrer Rat. Dieser vergewissert ihn richtig gehandelt zu haben und unterstützt seine Tat. Der Vater hat die Zustimmung erhalten, sein Kind zu züchtigen. Seine Tat wurde somit legitimiert. (Rutschky, 1977, S.159)

Die Demütigung

Ein weitere Erziehungstaktik der schwarzen Pädagogik ist die „Demütigung“. Dabei handelt es sich um eine Vorgehensweise, welche Eltern zur Bestrafung verwenden oder ihre Macht gegenüber ihres Kindes zeigen möchten.

Die Eltern haben ihre Kinder dann „gedemütigt“, wenn ihre Ermahnungen an das Kind nicht ausreichend waren. Dabei wird das Kind nicht mit Worten konfrontiert, sondern in eine unbequeme Lage gebracht (Rutschky, 1977, S.413). Eines von vielen Beispielen für eine Demütigung kann man im Text von J. Heusinger, „ Wie das Laster des Lügens zu behandeln ist“, finden. Dabei handelt es sich um ein Elternpaar, dessen Tochter sehr oft beim Lügen erwischt wurde. Damit die Tochter das Lügen reduziert oder abstellt, geben die Eltern ihr ein weißes Band, welches das Mädchen in ihren Haaren tragen muss. Das weiße Band soll die Unschuld und Reinheit darstellen. Wenn die Tochter wieder Lügen erzählt, wird ihr das weiße Band durch ein schwarzes Band ersetzt, welches die Schuld und „beschmutzte Seele“ darstellen soll. Dadurch, dass die Eltern die Bänder für andere Menschen sichtbar machen, wird die Tochter beim Tragen des Schwarzen Bandes in eine unangenehme Situation gebracht und somit vor den anderen als Lügnerin gezeigt. Diese Form von Demütigung entkräftet das Selbstbewusstsein des Kindes und bringt es in eine unsichere Persönlichkeit. (Miller, 1983, S.37ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Ziele und Methoden der schwarzen Pädagogik. Welche Auswirkungen hat sie auf die kindliche Erfahrung?
Hochschule
Universität Wien
Note
2
Jahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V1245412
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ziele, methoden, pädagogik, welche, auswirkungen, erfahrung
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Ziele und Methoden der schwarzen Pädagogik. Welche Auswirkungen hat sie auf die kindliche Erfahrung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245412

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ziele und Methoden der schwarzen Pädagogik. Welche Auswirkungen hat sie auf die kindliche Erfahrung?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden