Häusliche Gewalt gegen Frauen. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit


Ausarbeitung, 2019

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gewalt gegen Frauen*
2.1 Begriffsdefinition: Hausliche Gewalt
2.2 Formen hauslicher Gewalt
2.2.1 korperliche Gewalt
2.2.2 psychische Gewalt
2.2.3 sexualisierte Gewalt
2.2.4 soziale & okologische Gewalt
2.3 Gesundheitliche Folgen von hauslicher Gewalt gegen Frauen

3. Handlungsmoglichkeiten Soz. Arbeit
3.1 Aktuelle Rechtslage
3.2 Pravention
3.2.1 Arbeit mit gewalttatigen Mannern
3.2.2 Aufklarung durch Jugendarbeit im Schul- und Workshopkontext ..
3.3 Intervention
3.3.1 Narrative Beratung nach White/Epston
3.3.2 Frauenhauser

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 2019 haben laut Bundesministerium fur Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) etwa 81% aller Frauen* in Deutschland bereits Gewalt, ausgehend vom Partner, erlebt. Jede vierte Frau war oder wird noch Opfer von korperlicher oder sexueller Gewalt durch den aktuellen oder einen ehemaligen Partner. Die Delikte, welche hierzu zahlen, reichen von vorsatzlicher, leichte bis gefahrliche Korperverletzung, uber Drohung, Stalking und Notigung, bis hin zu Freiheitsberaubung, so wie auch Todschlag und Mord.

Einen konkreten Straftatbestand bezuglich hauslicher Gewalt gibt es nicht, man kann lediglich die ublichen Straftaten der Korperverletzung et cetera zur Anzeige bringen. Ebenso unterscheidet man bei expliziten Frauenmorden in Deutschland bisher nicht ob es sich um geschlechtsspezifische Taten gegen Frauen handelte, sondern ordnet solche Falle dem Straftatbestand des Mordes zu. Allerdings fordern diverse feministische Gruppen und auch die Partei „Die Linke“ einen gesonderten Straftatbestand, der sich dieser Thematik annimmt. Femizide, also die geschlechtsspezifische Totung von Frauen, sollen in Deutschlands Gesetzgebung als eigene Delikte aufgenommen und nicht mehr als „Beziehungstaten“ oder „Trennungstotungen“ bezeichnet werden.

Am 25.November jeden Jahres ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Anlasslich dieses Tags habe ich die Thematik „Gewalt gegen Frauen“, konkretisiert auf hausliche Gewaltdelikte in Deutschland, aufgegriffen, um eine oftmals ungesehene Problematik zu thematisieren und sichtbar zu machen. Sichtbarmachung ist, meiner Meinung nach, der erste Schritt um das Ziel, welches der 25.November schon im Namen tragt, namlich die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, zu erreichen.

Hausliche Gewalt ist weiterhin ein Verbrechen dessen Dunkelziffer unheimlich hoch liegt und deren Betroffene von ihrem Peiniger abhangig und hilflos gemacht werden. Aufterdem ist es ein Verbrechen gegen die Menschenrechte. Im herkommlichen Verstandnis der Menschenrechte wirken diese nur zwischen Burgerin und Staat und begrenzen die Befugnisse des Staates und schutzen die Rechte der Burgerinnen gegen staatliche Eingriffe. Dass Gewalt gegen Frauen, auch im Kontext der hauslichen Gewalt, dennoch als Menschenrechtsverletzung begriffen wird liegt an einem Wandel des Menschenrechtsverstandnisses, welcher sich in den letzten Jahrzehnten ergeben hat. Zu dieser Weiterentwicklung des Verstandnisses hat die Frauenbewegung der 1970er maftgeblich beigetragen.

Obwohl sich seit den 1970er Jahren immer mehr Frauenrechtlerinnen und Feministinnen offen zu dieser Thematik auftern und die vorherrschenden Missstande aufzeigen und fur dessen Bekampfung eintreten, existiert diese Problematik, von der meisten Frauen betroffen sind, weiterhin in hohem Mafte.

In Deutschland werden gesellschaftliche Probleme und Missstande in der Regel mit Hilfe von Sozialarbeitern angegangen und versucht mit deren Hilfe eine Losung zu erarbeiten. Aufgrund dessen fallt das Verbrechen der hauslichen Gewalt gegen Frauen in das Aufgabengebiet der Sozialen Arbeit, egal ob es um Pravention oder Intervention geht. Ob um Tater- oder Opferzentrierte Ansatze, sie alle entspringen der Sozialen Arbeit. Deshalb muss sich die Soziale Arbeit auch mit hauslicher Gewalt gegen Frauen* befassen, dieser Lebensrealitat moglicher Klient*innen, auseinander setzen und Handlungs- und Hilfemoglichkeiten (weiter-)entwickeln.

Auch wenn Hausliche Gewalt weiterhin ein komplexes und heikles Thema ist, darf es nicht weiter „ungesehen“ und als „privat“ abgestempelt bleiben, denn auch heute gilt noch der Grundsatz „Das Private ist politisch“.

2. Gewalt gegen Frauen*

"Unter der Bezeichnung „Gewalt gegen Frauen“ wird eine Vielzahl von Formen und Auspragungen von Gewalt und Ubergriffen gegenuber Frauen in unterschiedlichen Lebenszusammenhangen thematisiert. Sie umfasst sexuelle Belastigung am Arbeitsplatz und in der Offentlichkeit ebenso wie sexuelle Gewalt innerhalb und aufterhalb von intimen Beziehungen bis hin zu korperlicher und psychischer Gewalt und Kontrolle durch Beziehungspartner im hauslichen Bereich." (Muller/Schrottle 2012)

Diese Arbeit widmet sich ausschlieftlich des Aspektes der hauslichen Gewalt gegen Frauen* deren Lebensraum sich in Deutschland befindet. Die Definitionen und Beispiele sind darauf zugeschnitten und nicht mit den Lebensrealitaten anderer Gruppen zu vergleichen.

2.1 Begriffsdefinition: Hausliche Gewalt

Die Begrifflichkeit „hausliche Gewalt“ leitet sich aus dem angloamerikanischen Terminus Domestic Violence ab und bezog sich lange Zeit auf Gewalt gegen Frauen in heterosexuellen Paarbeziehungen. Heute wird der Begriff umfassender fur Gewalt gegen beide Geschlechter und unterschiedlicher sexueller Orientierung verwendet. Er umfasst jegliche Formen der korperlichen, sexuellen, psychischen, sozialen und okonomischen Gewalt, die zwischen erwachsenen Menschen geschieht, welche in (nahen) Beziehungen zueinander stehen oder gestanden haben. Zumeist sind dies Personen in Lebensgemeinschaften oder Verwandtschaftsbeziehungen. (Muller/Schrottle 2012) (Schwander 2003)

In dieser Arbeit wird ausschlieftlich von betroffenen Frauen* berichtet, wodurch sich der Fokus hierbei auf die Gewalt gegen diese innerhalb ihrer Lebensraume richtet. Der Begriff der hauslichen Gewalt wird hierbei enger betrachtet als in der heutzutage aktuellen, umfangreichen Definition.

2.2 Formen hauslicher Gewalt

Oftmals ist hausliche Gewalt ein Komplex aus verschiedenen Formen von Gewalt, sie bedingen sich meist gegenseitig und/oder steigern sich im Laufe der Zeit. Die Form ist stark vom Tater und dessen Vorstellungen und Absichten abhangig. Allgemein lasst sich aber eine Tendenz erkennen, welche aufzeigt, dass korperliche und sexualisierte Gewalt meist von mannlichen Tatern ausgeht und auch vehementer durchgefuhrt werden. Weibliche Tater sind haufiger in der psychischen Gewalt angesiedelt und nutzen meist Beleidigungen und Vorwurfe, um dem Opfer gezielt psychisch zu schaden. (Bundeskriminalamt 2019)

2.2.1 korperliche Gewalt

Alle Angriffe auf die korperliche Unversehrtheit einer Person, gelten als korperliche beziehungsweise physische Gewalt. (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe)

Eine Besonderheit gibt es hierbei, wenn sich die korperliche Gewalt gegen nahestehende Personen, Haustiere oder Sachen des eigentlichen Opfers richtet. Dies zahlt zur korperlichen Gewalt, obwohl dem Opfer selbst auf psychischer Ebene geschadet wird.

Diese Form der Gewalt unterliegt in der Regel gesellschaftlichen Normen, was bedeutet, dass die Reaktionen der Gesellschaft die Toleranzgrenze der ausgeubten Gewalt bedeutet.

Einzelne Forscher*innen unterscheiden bei physischer Gewalt auch noch zwischen leichteren und schwereren Formen der Korperverletzung. Bei den so genannten leichteren Formen handelt sich um Gewalthandlungen, die teilweise noch gesellschaftlich toleriert und als „normal“ akzeptiert werden. Dazu zahlen Ohrfeigen, Stolen, Festhalten. (Gewalt Info Wien 2019) Schwere korperliche Misshandlungen zeigen meist sichtbare Zeichen wie Bruche, Verbrennungen, Schnitte, Stiche, Quetschungen, innere Blutungen. Sie bedurfen meist einer medizinischen Behandlung und werden von der Gesellschaft kaum toleriert. Dies fuhrt wiederum dazu, dass viele Personen ein falsches Bild von „(hauslicher) Gewalt“ haben was der „Sichtbarmachung“ dieser Gewaltform auch heute noch entgegensteht.

2.2.2 psychische Gewalt

Vorweg ist zu sagen, dass seelische, auf emotionaler Ebene zugefugte Gewalt schwieriger von auften zu identifizieren ist als beispielsweise korperliche Gewalt, weil korperliche Anzeigen oft erst nach langer psychischer Misshandlung sichtbar auftreten.

Psychische Gewalt beschreibt alle Formen der emotionalen Schadigung und Verletzung einer Person, zu denen Einschuchterung, Anschreien, Verleumdungen, Drohungen, Manipulation und Demutigung als Waffe angewandt werden. Im Kontext hauslicher Gewalt wird den Opfern oft eingeredet, dass sie aufterhalb des eigenen Lebensraums sowieso keine Daseinsberechtigung hatten, niemand aufter der Partner sie lieben konne und dass Fehler immer bei sich selbst zu suchen sein. Aber auch die Begrifflichkeit „Psychoterror“ fallt in diese Kategorie der Gewalt. Hierrunter fallen Tatigkeiten wie Stalking, standige Anrufe oder Textnachrichten mit verschiedenen Inhalten von Drohungen bis hin zu Liebesbekundungen. Von dieser Form der Gewalt sind Frauen* statistisch gesehen besonders stark betroffen. (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe)

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Häusliche Gewalt gegen Frauen. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V1245779
ISBN (Buch)
9783346675415
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Femizide, Gewalt gegen Frauen
Arbeit zitieren
Alica Haslbeck (Autor:in), 2019, Häusliche Gewalt gegen Frauen. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245779

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