1 Einleitung
Am 01.01.1990 trat das Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) in Kraft. Durch diese Einführung ergibt sich ein wesentlich verbesserter Verbraucherschutz und somit eine Haftungsverschärfung für den Hersteller. Dies bedeutet, dass der Hersteller eines Produktes für Personen- oder Sachschäden unabhängig davon haftet, ob ihn hinsichtlich des Fehlers ein Verschulden trifft oder nicht. Zu den Herstellern zählen nach dem ProdHaftG auch die Importeure aus Nicht-EU-Ländern, die Quasihersteller und die Händler. Mögliche Ansprüche von Geschädigten scheitern im Zuge dieses Gesetzes nicht mehr daran, dass zwar der Händler, nicht aber der eigentliche Hersteller ausfindig gemacht werden kann.1 Das Produktrecht ist für Nichtjuristen unübersichtlich. Voraussetzungen und Regelungen sind nicht allein im ProdHaftG zu finden, sondern auch in Verbindung mit anderen Gesetzestexten, wie dem Futtermittelgesetz, Arzneimittelgesetz und an verschiedenen Stellen des
BGB.2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die vier allgemeinen Anspruchsgrundlagen der Produkthaftung
2.1 Zusicherungshaftung
2.2 Haftung wegen schuldhafter Vertragsverletzung
2.3 Deliktsrechtliche Produkthaftung (§ 823 Abs. 1 BGB)
2.4 Produkthaftungsgesetz
3 Haftungstatbestand des ProdHaftG
3.1 Haftungsadressat
3.1.1 Tatsächlicher Hersteller
3.1.2 Quasi-Hersteller
3.1.3 Importeur
3.1.4 Lieferant
3.2 Produkt
3.3 Fehler
3.4 Ersatzfähige Schäden
3.5 Kausalität
4 Haftungsausschlüsse des ProdHaftG
4.1 Endprodukt-Hersteller
4.2 Teilprodukt-/Grundstoffhersteller
5 Unabdingbarkeit der Haftung, Verjährung und Erlöschen von Ansprüchen aus dem ProdHaftG
5.1 Beweislast
5.2 Unabdingbarkeit der Haftung
5.3 Verjährung und Erlöschen
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenbereiche
Die Arbeit gibt eine fundierte Einführung in das Produkthaftungsrecht in Deutschland. Ziel ist es, die komplexen Anspruchsgrundlagen aufzuzeigen, die durch die Einführung des Produkthaftungsgesetzes (ProdHaftG) erheblich verschärft wurden und den Verbraucherschutz stärken.
- Systematik der vier zentralen Anspruchsgrundlagen der Produkthaftung
- Detaillierte Analyse des Haftungstatbestands gemäß Produkthaftungsgesetz
- Definition von Haftungsadressaten wie Hersteller, Quasi-Hersteller und Importeure
- Untersuchung von Haftungsausschlüssen und Entlastungsmöglichkeiten
- Gegenüberstellung von Beweislast und Verjährungsregeln im Vergleich zu anderen Rechtsnormen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Quasi-Hersteller
Nach § 4 Abs. 1 S. 2 ProdHaftG gilt auch als Hersteller, wer „sich durch das Anbringung seines Namens, seiner Marke oder eines anderen unterscheidungskräftigen Kennzeichens als Hersteller ausgibt.“ Ein Quasi-Hersteller haftet jedoch nach Rechtsprechung des BGH lediglich wie ein Händler, es sei denn, er hätte mit seinem Namen bewusst besonderes Vertrauen in die Qualität des Produktes suggeriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung des Produkthaftungsgesetzes von 1990 für den Verbraucherschutz und die rechtliche Einordnung innerhalb des Produktrechts.
2 Die vier allgemeinen Anspruchsgrundlagen der Produkthaftung: Dieses Kapitel stellt die vier Säulen der Produkthaftung dar, bestehend aus Zusicherungshaftung, Vertragsverletzung, deliktsrechtlicher Haftung und dem ProdHaftG.
3 Haftungstatbestand des ProdHaftG: Hier werden die Voraussetzungen für den Haftungstatbestand analysiert, insbesondere wer als Haftungsadressat gilt und was als fehlerhaftes Produkt definiert ist.
4 Haftungsausschlüsse des ProdHaftG: Dieses Kapitel erläutert, unter welchen spezifischen Bedingungen ein Hersteller von seiner Ersatzpflicht befreit werden kann.
5 Unabdingbarkeit der Haftung, Verjährung und Erlöschen von Ansprüchen aus dem ProdHaftG: Die abschließenden rechtlichen Rahmenbedingungen bezüglich Beweislast, Unabdingbarkeit und zeitlicher Begrenzung von Ansprüchen werden hier behandelt.
7 Schlussbemerkung: Ein Fazit zur Entwicklung des Produkthaftungsrechts und zur Einschätzung möglicher "amerikanischer Verhältnisse" in Deutschland.
Schlüsselwörter
Produkthaftung, ProdHaftG, Herstellerhaftung, Verbraucherschutz, Haftungstatbestand, Quasi-Hersteller, Importeur, Produktfehler, Beweislast, deliktsrechtliche Haftung, Schadensersatz, Produkthaftungsgesetz, Haftungsausschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Produkthaftung in Deutschland, insbesondere unter Einbeziehung des Produkthaftungsgesetzes (ProdHaftG).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Anspruchsgrundlagen, die Definition von Herstellern, die Voraussetzungen für Haftungsfehler sowie die Möglichkeiten der Haftungsbefreiung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen Überblick über die verschärfte Haftungssituation für Hersteller seit Einführung des ProdHaftG im Jahr 1990 zu verschaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse, die sich auf Gesetzestexte, die einschlägige Rechtsprechung des BGH sowie juristische Fachliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Haftungssubjekte, den Begriff des Produktfehlers, die Kausalitätsfrage sowie die spezifischen Haftungsausschlüsse für Endprodukt- und Teilprodukthersteller.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Produkthaftungsgesetz, Herstellerhaftung, Schadensersatz, Beweislast und Fehlerhaftigkeit eines Produkts.
Was unterscheidet den Quasi-Hersteller vom tatsächlichen Hersteller?
Ein Quasi-Hersteller ist ein Akteur, der lediglich seinen Namen oder seine Marke auf einem Produkt anbringt, ohne es selbst gefertigt zu haben; er haftet jedoch unter bestimmten Voraussetzungen ähnlich streng wie der echte Hersteller.
Warum ist das ProdHaftG vorteilhafter für Geschädigte?
Der entscheidende Vorteil für Geschädigte ist, dass das ProdHaftG eine verschuldensunabhängige Haftung vorsieht, was die Beweislast im Vergleich zur deliktsrechtlichen Haftung nach dem BGB erheblich erleichtert.
- Quote paper
- Thomas Knappe (Author), 2002, Einführung in die Produkthaftung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12466