Die Masterarbeit untersucht die Ursachen für öffentliches Interesse an bestimmten historischen Persönlichkeiten anhand der Häufigkeit der Recherche nach diesen Personen auf bestimmten Webseiten. Über eine quantitative Analyse mit Hilfe der Tools Google Trends und Wikipedia Pageviews wird ermittelt, wann das Interesse an welchen Persönlichkeiten, hoch war und warum die Anzahl der Abfragen zu bestimmten Zeitpunkten anstieg. Mit Hilfe dieser regional differenzierbaren Daten wird auf eine Prognose zukünftigen öffentlichen Interesses an historischen Persönlichkeiten gezielt. Die Auflösung dieses Popularitätserkennungsproblems soll Redaktionen Wissenschaftlicher Medien helfen, ihre Formate entsprechend des zu erwartenden öffentlichen Interesses auszurichten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theoretische Grundlagen
A. Historische Persönlichkeiten und kollektives Gedächtnis
B. Personalisierung und Personifizierung der historischen Narrative
C. Rankings historischer Persönlichkeiten
III. Top-15 populärste historische Persönlichkeiten bei den deutschen Internetnutzer*innen in den Jahren 2016-2020
A. Erstellungsprozess
B. Analyse der Ergebnisse
IV. Popularitätstreiber historischer Persönlichkeiten
A. Filme und Serien
B. Jahrestage und Jubiläen
C. Andere Popularitätstreiber
D. Beliebtheit historischer Persönlichkeiten nach deutschen Bundesländern
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Faktoren, die die Popularität historischer Persönlichkeiten bei deutschen Internetnutzern beeinflussen, wobei digitale Metriken aus Google Trends und Wikipedia Pageviews als Analyseinstrumente dienen. Ziel ist es, die Dynamik dieses Interesses zu verstehen und zu klären, warum bestimmte historische Figuren im digitalen Raum Aufmerksamkeit erfahren und wie sich diese Popularität über Zeit und Regionen hinweg durch externe Treiber wie Medienereignisse entwickelt.
- Analyse der Online-Popularität historischer Persönlichkeiten mittels Google Trends und Wikipedia.
- Untersuchung der Rolle von Personalisierung und kollektivem Gedächtnis.
- Identifikation von Popularitätstreibern wie Filmen, Serien und Jubiläen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Repräsentation von Geschichte im Internet.
- Analyse der regionalen Unterschiede in der Popularität historischer Figuren innerhalb Deutschlands.
Auszug aus dem Buch
B. Personalisierung und Personifizierung der historischen Narrative
Wenn ich über die Aufmerksamkeit des Internetpublikums auf historische Persönlichkeiten rede, berühre ich noch eine weitere wichtige theoretische Konstruktion – diesmal aus der Geschichtsdidaktik und Public History. Historische Persönlichkeiten spielen im kollektiven Gedächtnis verschiedener gesellschaftlicher Gruppen eine so wichtige Rolle, vor allem aufgrund eines Phänomens, das die Personalisierung der Geschichte heißt. Der Kern dieses Phänomens besteht darin, dass man aus der ganzen Masse der „Menschen der Vergangenheit“ sogenannte Großen Persönlichkeiten (in der Regel Politiker*innen, Heerführer*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen etc.) hervorhebt, die durch ihr Handeln angeblich am stärksten die „Wirklichkeit“ beeinflussten und den „Lauf der Geschichte“ bestimmten. Bis heute zu hörende Phrasen wie „Otto von Bismarck hat den Deutsch-Französischen Krieg gewonnen“, „Christoph Kolumbus hat Amerika entdeckt“ oder „Vladimir Lenin machte die Oktoberrevolution“ sind anschauliche Beispiele dafür, wie der Personalisierungsmechanismus funktioniert. Aufgrund der lange vorherrschenden Geschlechterdiskriminierung in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, auch in der westlichen Gesellschaft, sind die überwältigende Mehrheit der klassischen Großen Persönlichkeiten die Männer. Diese Tatsache, wie auch das Phänomen der Personalisierung selbst, wird durch den Satz des Historikers Heinrich von Treitschke (1834-1896) „Männer machen die Geschichte“ perfekt beschrieben.
Doch schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Personalisierung zu einem der Haupttrends der westlichen Geschichtsschreibung wurde, tauchte auch die Kritik an der Personalisierung auf. Unter anderem argumentierte Friedrich Engels in den 1890er Jahren, dass die individuellen Handlungen von Individuen durch „die ökonomischen Notwendigkeiten“ verursacht werden, was als eine Art Widerlegung des Konzepts „Männer machen die Geschichte“ angesehen werden kann. Geschichte wird laut Engels eher nicht von Männern gemacht, sondern von objektiven ökonomischen Prozessen und materiellen Umständen. Karl Marx und Leopold von Ranke erkannten, dass nicht nur Große Persönlichkeiten Geschichte schaffen, sondern auch soziale Prozesse die Großen Persönlichkeiten ausmachen, mit anderen Worten, die beiden recht unterschiedlichen Geisteswissenschaftler stimmten der absoluten Rolle des Individuums in der Geschichte nicht zu.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Erfassung historischer Popularität in der Offline-Welt und motiviert die Nutzung von Online-Daten (Google und Wikipedia) zur Untersuchung kultureller Interessen.
II. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Konzepte des kollektiven Gedächtnisses und der Personalisierung von Geschichte, kritisiert das "Große-Männer"-Narrativ und führt alternative Ansätze wie die Personifizierung ein.
III. Top-15 populärste historische Persönlichkeiten bei den deutschen Internetnutzer*innen in den Jahren 2016-2020: Hier wird der methodische Ansatz zur Identifikation der Top-15 Persönlichkeiten anhand einer Kombination aus Wikipedia-Zugriffszahlen und Google-Trends-Daten detailliert dargelegt.
IV. Popularitätstreiber historischer Persönlichkeiten: Das Kapitel analysiert die wesentlichen Motoren für das Online-Interesse, insbesondere Filme, Serien und Jubiläen, und untersucht regionale Popularitätsunterschiede innerhalb deutscher Bundesländer.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Rolle nationaler Medien und internationaler Streaming-Dienste bei der Gestaltung des historischen Bewusstseins, während es gleichzeitig die Flüchtigkeit der Online-Popularität betont.
Schlüsselwörter
Google Trends, Wikipedia, kollektives Gedächtnis, Personalisierung, historische Persönlichkeiten, Popularität, Digital History, Public History, Jubiläen, audiovisuelle Geschichte, Geschichtsdidaktik, Internetnutzung, Deutschland, Narrative, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie sich die Popularität historischer Persönlichkeiten bei deutschen Internetnutzern über den Zeitraum 2016-2020 messen lässt und welche Faktoren diese Popularität im digitalen Raum steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft Konzepte der Geschichtsdidaktik und Erinnerungskultur (Personalisierung, kollektives Gedächtnis) mit quantitativen Analysen digitaler Daten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet: Was verursacht die Popularität historischer Persönlichkeiten bei den deutschen Internetnutzer*innen?
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Der Autor nutzt einen Algorithmus, der Wikipedia Topviews und Google Trends Daten kombiniert, um ein Ranking zu erstellen und Schwankungen im Interesse sowie deren Ursachen (z. B. Jubiläen, Filme) zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden eine Top-15-Liste der Persönlichkeiten erstellt, Popularitätstreiber wie Filme, Serien und Jahrestage detailliert untersucht und die regionale Verteilung der Popularität in Deutschland analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen digitaler Datenanalyse, Erinnerungskulturen und medialer Geschichtsvermittlung, charakterisiert durch Begriffe wie Popularitätstreiber, digitale Archive und Public History.
Warum sind Google Trends und Wikipedia Pageviews als Instrumente relevant?
Sie dienen als "visualisierte Datenbanken", die es ermöglichen, das Interesse an historischen Figuren zeitnah und regional zu verfolgen, was mit klassischen, zeitverzögerten Offline-Metriken kaum machbar wäre.
Wie erklären sich die regionalen Unterschiede der Popularität?
Die Unterschiede korrelieren häufig mit der lokalen Präsenz von Institutionen (Museen/Gedenkstätten), der regionalen Identität (z. B. Lutherstädte in Sachsen-Anhalt) oder demografischen sowie kulturellen Faktoren.
- Citation du texte
- Roman Smirnov (Auteur), 2022, Google Trends und Wikipedia Pageviews als Instrumente für die Analyse der Popularität historischer Persönlichkeiten im deutschsprachigen Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1246839