Kinderarmut in Deutschland. Bedeutung, Ursachen und Auswirkungen


Hausarbeit, 2017

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Einleitung

1. Kinderarmut – Was bedeutet das?
1.1 Absolute Armut - Relative Armut
1.2 Ressourcenansatz
1.3 Definition

2. Ursachen und Auswirkungen von Kinderarmut
2.2 Alleinerziehende und Mehrkinderhaushalte
2.3 Bildung
2.4 Menschen mit Migrationshintergrund

3. Folgen und Auswirkungen
3.1 Materielle Situation
3.2 Gesundheit
3.3 Bildungssituation
3.4. Familiäre Auswirkungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In meinem zweiten Praktikum im Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut habe ich einen praktischen Einblick in die Arbeit gegen Kinderarmut erhalten können. Ich erarbeitete mit meiner Kollegin die aktuellen Zahlen zur Kinderarmutslage in Kiel. Dazu wertete ich den Kieler Sozialbericht 2017 aus. Die Zahlen machten mir bewusst, wie aktuell und präsent Kinderarmut bei uns ist.

Daher möchte ich in dieser Hausarbeit folgender Fragestellung nachgehen:

Was bedeutet Kinderarmut und welche Ursachen bzw. Auswirkungen hat Kinderarmut heutzutage?

Beginnen möchte ich im ersten Kapitel mit dem allgemeinen Verständnis von Armut und einen Definitionsversuch wagen. Im zweiten Kapitel werde ich auf die Ursachen von Kinderarmut in den verschiedenen Lebenslagen eines Kindes eingehen. Anschließend bezieht sich das dritte Kapitel auf die Auswirkungen von Armut auf Kinder. Hierbei spielen die materielle, kulturelle, soziale und gesundheitliche Lage eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern.

Die Hausarbeit endet mit einem Fazit, in dem die gesammelten Ergebnisse unter Berücksichtigung der einleitenden Fragestellung zusammengefasst werden.

Es sei darauf hingewiesen, dass in dieser Arbeit vorwiegend die männliche Schriftform verwendet wird, da die deutsche Sprache nicht über geschlechtsneutrale Begriffe verfügt. Es sei aber betont, dass damit keine Wertung verbunden ist und sich die weibliche Leserin mit meinend angesprochen fühlen darf.

1. Kinderarmut – Was bedeutet das?

Das Thema Kinderarmut ist ein aktuelles Thema, das durch die Bundestagswahlen 2017 wieder vermehrt in den Vordergrund getreten ist. Laut dem Statistischen Bundesamt waren 20% der Bevölkerung in Deutschland – das sind 16,1 Millionen Menschen – im Jahr 2015 von Armut bedroht.1 Auch im Hinblick auf die Kieler Stadtteile ist erkennbar das Kinderarmut in Kiel noch immer ein Thema ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2

Wenn von Armut gesprochen wird ist häufig die erste Assoziation ein hungerndes, trauriges, schmutziges Kind. Daher geht es zunächst um die Differenzierung zwischen absoluter und relativer Armut.

1.1 Absolute Armut - Relative Armut

Von Absoluter Armut wird gesprochen, wenn die psychische und physische Existenz des Menschen bedroht ist. Das bedeutet, wenn es Menschen an lebensnotwendigen Grundlagen wie z.B. Nahrung, Wohnsitz, Kleidung oder gesundheitlicher Versorgung mangelt.3 In Deutschland sind nur wenige von absoluter Armut betroffen, z.B. obdachlose Menschen oder Straßenkinder. Die Zahl der obdachlosen Menschen in Deutschland beliefen sich 2016 auf 355.000 (ein Plus von 35% im Vergleich zu 2010)4 und die Anzahl der Straßenkinder auf 37.000 Betroffene pro Jahr.5

Da existenzdrohende, absolute Armut in den meisten „entwickelten“ Industriestaaten kaum noch auftritt, wird in diesen Staaten die Definition der relativen Armut verwendet. Die relative Armut betrachtet die Unterversorgung von Menschen bzw. Haushalten bestimmter sozialer Schichten im Verhältnis zum Wohlstand der jeweiligen Gesellschaft.

Sie bemisst dich an der Teilhabe bzw. am Ausschuß vom durchschnittlichen Wohlstand innerhalb einer Gemeinschaft und bezeichnet Personen oder Familien (Haushalte), die über nur so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, daß sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in der BRD als unterste Grenze des Akzeptablen annehmbar ist. [6]

Als Grundlage dient das durchschnittliche Einkommen der jeweiligen Bevölkerung, das sogenannte Äquivalenzeinkommen7. Nach der EU-Definition befindet sich jemand in relativer Armut, wenn sein Einkommen weniger als 60% des Median-Äquivalenzeinkommens beträgt.8 Das Problem der relativen Armut ist, dass die Zusammenhänge komplexer sind und unter diesem Begriff verschiedene Armutsdefinitionen zusammengefasst werden. Alle Definitionen haben die Gemeinsamkeit, dass sie sich nicht nur auf das physische Existenzminimum beziehen (absolute Armut), sondern auch auf das soziokulturelle Existenzminimum, also auf die nicht Teilhabe an dem allgemeinen Gesellschaftlichen Leben.

Relative Armut wird hauptsächlich durch zwei Ansätze beschrieben, erstens den Ressourcenansatz, der sich wiederrum aufteilt in die relative Einkommensarmut und den Sozialhilfebezug, bzw. den Bezug von staatlicher Transferleistung und zweitens den Lebenslagenansatz.9

Folgend werde ich den Ressourcenansatz kurz erläutern, da die komplette Erläuterung der dargestellten Thematik den Rahmen dieser Hausarbeit nicht gerecht werden würde.

1.2 Ressourcenansatz

Der Ressourcenansatz geht bei der relativen Einkommensarmut wie auch beim Bezug von Transferleistungen davon aus, dass ein Mangel an ökonomischen und soziokulturellen Kapital vorliegt. Das Zusammenspiel dieser Kapitale definiert das Existenzminimum einer Person oder eines Haushalts im Bezug zur jeweiligen Referenzgesellschaft. Dies bedeutet, dass man als Armut bezeichnen kann, wenn ein Mangel an ökonomischen Kapital, sowie eine Einschränkung der soziokulturellen Teilhabe gegeben ist. Da das ökonomische Kapital den Vorteil der empirischen Überprüfbarkeit mitbringt, rückt beim Ressourcenansatz der Aspekt der soziokulturellen Teilhabe in den Hintergrund.10

Das heißt, dass bei der relativen Einkommensarmut das ökonomische Kapital einer Person oder eines Haushalts überprüft werden. Dabei wird die Person oder der Haushalt als arm bezeichnet, deren oder dessen Äquivalenzeinkommen 60% oder weniger des Median-Äquivalenzeinkommens beträgt. Bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland bedeutet dies, dass jene Haushalte oder Personen in Armut leben, die Sozialhilfe beziehen, weil ihr Nettoäquivalenzeinkommen, überwiegend Einkommen aus Sozialhilfe, nahe der 50%-Grenze liegt.

Laut Kieler Sozialbericht 2017 steigt die Zahl der Sozialgeldberechtigten Kinder um 5,7 Prozent auf 8.773 Kinder unter 15 Jahre .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten11

Das Äquivalenzeinkommen wird auf der Basis der 1994 entwickelten, Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) berechnet. Nach dieser wird der ersten erwachsenen Person im Haushalt das Bedarfsgewicht 1 zugeordnet, für die weiteren Haushaltsmitglieder werden kleinere Gewichte eingesetzt (0,5 für weitere Personen im Alter von 14 und mehr Jahren und 0,3 für jedes Kind im Alter von unter 14 Jahren), weil angenommen wird, dass sich durch gemeinsames Wirtschaften Einsparungen erreichen lassen. 12

Beispiel:

In einer fünfköpfigen Familie hat der Vater 3000 Euro und die Mutter 2000 Euro Nettoeinkommen im Monat. Ihre Kinder sind sechs, acht und 15. Jahre alt. Das Nettoäquivalenzeinkommen beträgt:

5000 Euro / (1,0 + 0,5 + 0,5 + 0,3 +0,3) = 1923 Euro 2014 lag die Armutsrisikogrenze in Deutschland für einen Haushalt mit einer erwachsenen Person bei 985 Euro im Monat. Eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind unter 14 Jahren galt als relativ arm, wenn sie weniger als 1192 Euro netto zur Verfügung hatte und ein Ehepaar mit zwei Kindern unter 14 Jahren weniger als 1926 Euro.13

[...]


1 Vgl. (Statistische Bundesamt, 2016)

2 (Birte Rassmus, 06.2017) S.25

3 Vgl. (Klocke, Kinder und Jugendliche in Armut. Umfang, Auswirkungen und Konsequenzen., 2001) S.4

4 Vgl. (Sozialstatisik, 2016)

5 Vgl. (www.offfroadkids.de, 2017)

6 (Toppe & Dallmann, 2000) S.130

7 Definition: Äquivalenzeinkommen à Das Äquivalenzeinkommen ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied, das ermittelt wird, indem das Haushaltsnettoeinkommen durch die Summe der Bedarfsgewichte der im Haushalt lebenden Personen geteilt wird. Nach EU-Standard wird zur Bedarfsgewichtung die neue OECD-Skala verwendet.

8 Vgl. (Gerull, 2006)

9 Vgl. (Toppe & Dallmann, 2000)S. 130; (Klocke & Lampert, Armut bei Kindern und Jugendlichen, 2005) S.7

10 Vgl. (Meier, Preuße, & Sunnus, 2003) S.22 f. (Zimmermann, 2000) S.65

11 (Birte Rassmus, 06.2017) S.23f.

12 Vgl. (Proksch, 2017)

13 Vgl. (Thomsen, 2017)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Kinderarmut in Deutschland. Bedeutung, Ursachen und Auswirkungen
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V1247053
ISBN (Buch)
9783346681423
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderarmut, relative Armut, absolute Armut, Ursachen und Auswirkungen
Arbeit zitieren
Debby Detlefsen (Autor:in), 2017, Kinderarmut in Deutschland. Bedeutung, Ursachen und Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247053

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