Interkulturelle Kompetenz - erforderliche Kompetenz in der Jugendarbeit?


Seminararbeit, 2009

29 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Grundlegendes zur interkulturellen Handlungskompetenz
2.1 Erste Annäherung an interkulturelle Kompetenz
2.2 Abgrenzung des Gegenstandes (Definitionen)
2.3 Kompetenzerweiterung und Schlüsselqualifikation
2.4 Teilbereiche internationaler Kompetenz
2.4.1 Fachkompetenz
2.4.2 Soziale Kompetenz
2.4.3 Methodenkompetenz
2.4.4 Personale Kompetenz
2.5 Transformation der allgemeinen Handlungskompetenz auf interkulturelle Situationen

3. Die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland
3.1 Migration – Begriffserklärung
3.2 Bevölkerungsstrukturen in der Bundesrepublik Deutschland
3.3 Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
3.3.1 Kindergarten
3.3.2 Schule
3.3.3 Ausbildung

4. Erklärungsversuche von Ungleichheiten und interkulturelle Maßnahmen zur Förderung
4.1 Kulturkonflikthypothese
4.2 Humankapitalistischer Erklärungsansatz
4.3 Interkulturelle Maßnahmen

5. Schlussfolgerung

1. Einleitung

"Das Zeichen "Daumen hoch" bedeutet im Kulturkreis Aserbaidshans eine unanständige Geste. Schon ein kleines bisschen Wissen kann einen großen Unterschied ausmachen, wenn zwei verschiedene Kulturen aufeinander treffen."

Andrew T. Levine, President of Development Counselors, USA1

In Zeiten in denen das Wort ,Globalisierung“ zum alltäglichen Sprachgebrauch gehört, muss man sich zwangsläufig auch mit den unterschiedlichsten Kulturen auseinandersetzen. Täglich hört man fremde Sprachen, sieht Menschen aus fremden Ländern und spricht mit ihnen, trifft auf fremde Bräuche und Traditionen und es können sich Missverständnisse und Konflikte ergeben.

Gerade in Deutschland gibt es seit Generationen Einwanderer. Die dritte Generation spielt dabei eine besondere Rolle, da diese zumeist in Deutschland geboren und oft noch niemals in der Heimat ihrer Vorfahren gewesen ist. Diese Generation ist hin und her gerissen zwischen ihren, in der Familie gelebten, Bräuchen und Traditionen und der deutschen Kultur. Oft ergeben sich daraus für die spätere Zukunft schwerwiegende Problematiken, die bereits im Kindesalter beginnen und sich immer weiter vertiefen. Um diesen Missständen vorzubeugen, muss bereits frühzeitig damit begonnen werden, den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ihre eigene Kultur näherzubringen und zu verstehen, denn nur so können sie sich auch in einer für sie fremden Kultur zurechtfinden. Dazu bedarf es interkultureller Kompetenz.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst auf interkulturelle Kompetenz eingehen. Dazu werden einige Definitionen angeführt, um dann die einzelnen Komponenten zu erläutern. Danach werde ich auf die Bevölkerungsstruktur in Deutschland und den Bildungsweg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund angefangen im Kindergarten bis hin zur Ausbildung eingehen, um anschließend Erklärungsversuche für bestehende Ungleichheiten zu geben und interkulturelle Maßnahmen zu erläutern. In dem letzten Punkt folgt dann ein Resümee der Hausarbeit.

2. Grundlegendes zur interkulturellen Handlungskompetenz

2.1 Erste Annäherung an interkulturelle Kompetenz

In den letzen Jahren ist Kompetenz als berufliche Schlüsselqualifikation herausgestellt wurden. Vom Technologierat der Bundesregierung wird Kompetenz mit der Formel ,Wissen mal Erfahrung mal Urteilskraft‘ umschrieben:

Kompetenz = Wissen x Erfahrung x Urteilskraft

Diese drei Komponenten sind notwendige Voraussetzungen für Kompetenz, denn das Produkt würde Null ergeben, wenn auch nur ein Faktor den Wert Null annehmen würde.2

Unter interkultureller Kompetenz wird i.w.S. die Fähigkeit verstanden, mit anderen Menschen erfolgreich zu kommunizieren. Menschen entwickeln ihr eigenes Leben, haben eine eigene Geschichte und somit auch eine eigene Kultur. In zwischenmenschlicher Beziehung äußert sich dies bezgl. Menschen aus anderen Kulturkreisen, Ländern oder Kontinenten, aber auch aus anderen Unternehmen, dem anderen Geschlecht oder mit Minderheiten. Interkulturelle Kompetenz i.e.S. ist somit die Fähigkeit zum beidseitig zufrieden stellenden Umgang mit

Menschen aus anderen Kulturen, i.w.S. jedoch zum Umgang mit allen anderen Menschen.3

Eine weitere Definition von interkultureller Kompetenz geht auf Dr. Darla K. Deardorff zurück. Diese Definition unterscheidet sich dahingehend von anderen Definitionen, als dass sie erstmalig auf die Wirkung von interkultureller Kompetenz eingeht: „Interkulturelle Kompetenz beschreibt die Kompetenz, auf Grundlage bestimmter Haltungen und Einstellungen sowie besonderer Handlungs- und Reflexionsfähigkeiten in interkulturellen Situationen effektiv und angemessen zu interagieren.“4

2.2 Abgrenzung des Gegenstandes

Kultur wird definiert als „Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Äußerungen einer Gemeinschaft, eines Volkes“, eine „gepflegte, kultivierte Lebensweise“ oder auch „angebaute, junge Pflanzen resp. gezüchtete Mikroorganismen oder Gewebszellen“5.

Gemeinsam in allen bekannten Definitionen von Kultur ist die während einer bestimmten Zeit geschaffene Gemeinsamkeit.

Laut Delikan (2000) gibt es über 200 Definitionen für dieses Wort. Für seine Forschungsarbeit im Bereich des interkulturellen Managements hat er eine Definition verfasst, die eine Verknüpfung von vielen bestehenden Auslegungen darstellt:

"Kultur besteht aus Sitten und Bräuchen, Gepflogenheiten und sprachlichen Ausdrucksweisen, Denkmustern und Wertvorstellungen, die ursprünglich einer Integrationsleistung entspringen, die das Funktionieren einer größeren Gesellschaft ermöglicht."6

Diese Definition ist besonders geeignet, da sie auf den Erklärungen einiger der wichtigsten Autoren im Bereich Kulturtheorien beruht (bspw. Hofstede und Ferraro) und eigens für eine Arbeit aus dem Bereich Management verfasst wurde. Außerdem beinhaltet sie den Aspekt der Integrationsleistung, welcher für die interkulturelle Zusammenarbeit besonders wichtig ist.

Eine gesamtheitliche Darstellung der Kultur kann sich nicht nur an Weltreligionen oder Kulturkreisen orientieren, sondern muss alle ethnologisch-sozialen Bereiche mit einbeziehen.7 Kultur stellt somit in äußerst vertracktes Konstrukt dar, das Wissen und dessen Anwendung, Kunst, Moral, Glaubensvorstellungen, Gesetze, Rituale sowie alle Befähigungen und Eigenschaften, die sich Menschen als Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft aneignen und wodurch sie sich von anderen Gruppierungen unterscheiden, einschließt.8

In Zusammenhang mit der interkulturellen Kompetenz kann Kultur auch definiert werden als „kollektive Bewusstseinsprogrammierung, die die Mitglieder einer Gruppe von denen einer anderen unterscheidet“, sowie als „explizite und implizite Muster von und für Verhaltensweisen einer Gesellschaft“. Sie entstehen aus traditionellen Ideen, Werten, aus ethnischen, geografischen und politischen Gegebenheiten und aus oft unerklärlichen Zufällen.

Sie ist, „was man wissen oder glauben muss, damit man so handeln kann, dass es für ihre Mitglieder akzeptabel ist“.9

2.3 Kompetenzerweiterung und Schlüsselqualifikation

Die ständigen Veränderungen in der im täglichen Leben, aber auch in der Berufswelt, fordern einerseits Selbstverantwortung und Selbständigkeit, andererseits Kooperations- und Teamfähigkeit. Neben den grundlegenden fachlichen Kompetenzen sind auch Kompetenzen im methodischen, personellen und sozialen Bereichen erforderlich. Diese Kompetenzen müssen ständig erweitert werden, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.10

„Kompetenzerweiterung und die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen stellen die Grundlage der überfachlichen beruflichen Bildung dar, wobei Kompetenzen sich eher auf die allgemeine individuelle Befähigung beziehen und Schlüsselqualifikationen als überfachliche leistungsbezogene Merkmale hinsichtlich des Erschließens einer konkreten Aufgabe definiert werden können.“11

Kompetenzerweiterung und Schlüsselqualifikationen stellen den Rahmen der überfachlichen Qualifizierung dar, um aktuellen und künftigen Anforderungen der Berufswelt gerecht zu werden. Die Ausgestaltung der Kompetenzerweiterung und Schlüsselqualifikationen mündet bei den konkreten Anwendern im praktischen Gebrauch innerhalb einer Bildungsmaßnahme. Orientierungsschemata, die als Basis zur konkreten Ausgestaltung eines Anforderungskatalogs für ein Berufsfeld dienen können, sind in der Literatur zur Personalentwicklung veröffentlicht worden. Als Beispiel kann die Auflistung von FRIEDRICH (l996) genannt werden, die den kompetenztheoretischen Ansatz mit der konkreten Bezeichnung von Schlüsselqualifikationen verbindet:12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Teilbereiche internationaler Kompetenz

2.4.1 Fachkompetenz

Bei der fachlichen Kompetenz handelt es sich um die Fähigkeit Arbeitshandlungen und Anforderungen sachlich einwandfrei zu erfüllen. Im Kern geht es um die Realisierung der Sachaufgabe.13

2.4.2 Soziale Kompetenz

Die soziale Kompetenz ist dann gegeben, wenn eine Person in der Lage ist mit anderen Personen zu kommunizieren, zusammen Aufgaben zu erledigen und zwischenmenschliches Feingefühl zu äußern.14

2.4.3 Methodenkompetenz

Methodische Kompetenz bedeutet die Fähigkeit zur eigenständigen Erarbeitung von Lösungswegen zur Erfüllung der Sachaufgabe. Hierbei gibt es zur Unterstützung verschieden Techniken und Instrumente. Kerngedanke der Methodenkompetenz ist somit die hohe Prozessorientierung im Zusammenhang mit der Verwirklichung der Sachaufgabe.15

2.4.4 Personale Kompetenz

„Mitwirkungs- oder Personale Kompetenz besitzt derjenige, der seinen Arbeitsplatz und darüber hinaus seine Arbeitsumgebung konstruktiv mitgestalten kann, dispositiv zu organisieren und entscheiden vermag und zur Verantwortungsübernahme bereit ist.“16

[...]


1 New World, Das Siemens Magazin, 4/2001, S.7

2 Vgl. Altenmüller, S. 113-117.

3 Vgl. Baumer, S. 77.

4 O.V. (2006): Interkulturelle Kompetenz – Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts?, Thesenpapier der Bertelsmann Stiftung auf Basis der Interkulturellen-Kompetenz-Modelle von Dr. Darla K. Deardorff, Gütersloh 2006, S. 5.

5 Duden.

6 Delikan, S. 29.

7 Vgl. Stavenhagen, S. 63ff..

8 Vgl. Baumer, S. 77.

9 Keesing, S. 77.

10 Vgl. Kiel, S. 12.

11 Kiel, S. 12.

12 Kiel, S. 22.

13 Vgl. Geistmann, S. 3-29.

14 Vgl. Bunk, S. 9ff..

15 Vgl. Geistmann. S. 3-34.

16 Bunk, S. 9ff..

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz - erforderliche Kompetenz in der Jugendarbeit?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Seminar für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Interkulturelles Kompetenztraining für Wirtschafts-und Sozialwissenschaftler
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V124706
ISBN (eBook)
9783640298426
ISBN (Buch)
9783640303625
Dateigröße
794 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle, Kompetenz, Jugendarbeit, Interkulturelles, Kompetenztraining, Wirtschafts-und, Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler, Migranten, Einwanderer, Sozialarbeit, Migrationshintergrund, Jugendliche, Schulbildung, Ausbildung, Kindergarten
Arbeit zitieren
Annika Jaeger (Autor), 2009, Interkulturelle Kompetenz - erforderliche Kompetenz in der Jugendarbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124706

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