Von der Inquisition zu den Hexenprozessen


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung

2. Die Inquisition im Mittelalter
2.1. Die Ketzerverfolgungen
2.2. Die Ketzerprozesse

3. Die Hexenprozesse des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit
3.1. Der Ursprung des Hexensglaubens
3.2. Die Strafverfolgung der Hexen
3.3. Die Verurteilung und das Strafmaß in Hexenprozessen

4. Schluss:

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die Rolle des Sündenbocks hat der Mensch schon immer schwächeren oder ´ungeliebten´ Mitmenschen zugeschrieben. So auch im Falle der vermeintlichen Hexen, die von jeher für das Leid Anderer beschuldigt, angeklagt und letztendlich auch hingerichtet wurden. Auch wenn die Zahl der Hinrichtungen nicht in die Millionenhöhe gehen, wie in einschlägiger Literatur behauptet wird, so gilt es dennoch als erwiesen, dass die Tötungen aufgrund von Hexenprozessen alleine in Deutschland in die Zehntausende gehen.

Eng verbunden mit den Hexenprozessen, die Ende des 16. bis zum 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichten, sind die Ketzerprozesse. Doch die Tragweite beider Hetzjagden kann man nicht nur mit missgünstigem Denunziantentum erklären. Es sind mehrere Faktoren, die für den Auswuchs der Hexen- wie auch der Ketzerverfolgungen eine Rolle gespielt haben. Dementsprechend versucht diese Hausarbeit zu klären, welche Umstände es waren, die es ermöglichte Menschen in großer Zahl ohne Beweismittel zu verurteilen und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Dabei wird außerdem versucht, die Zusammenhänge zwischen den Ketzer- und den Hexenverfolgungen herauszuarbeiten.

Die Ergebnisse dieser Abhandlung sind auf neuere Forschungsliteratur zurückzuführen. Sie stützen sich vor allem auf die bearbeitete Fassung des Buches von Soldan und Heppe ´Geschichte der Hexenprozesse´, das einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Hexenglaubens gibt, sowie auf das ´Lexikon des Mittelalters´ Band 4 und 5.

Als weitere Grundlage wurde eine Analyse der Bamberger Hexenprozesse ´Wie löscht man eine Familie aus´ von Andrea Renczes hinzugezogen, die in ihrem Buch einen allgemeinen Überblick über das Hexenbild bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts gibt. Für die Ausarbeitung des Gliederungspunktes über die Hexenprozesse dienten die Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im alten Reich, zusammengetragen von Peter Oestmann in dem Buch ´Hexenprozesse am Reichskammergericht´. Als Basis des Gliederungspunktes ´Die Inquisition im Mittelalter´ dienten das Buch ´Die Anfänge der Inquisition im Mittelalter´ von Peter Segl und sein Aufsatz über die ´Einrichtung und Wirkungsweise der inquisitio haereticae pravitatis im mittelalterlichen Europa´ sowie das Buch ´Beschreibung des Christentums´ von Ernst Benz. Benz stellt hier u. a. die Einstellung des Christentums in der Vergangenheit gegenüber Häretikern dar.

Folgender Aufbau wurde für die Hausarbeit gewählt: Der erste Gliederungspunkt versucht die Entstehung der Inquisition im Mittelalter im Zusammenhang mit der Ketzerverfolgung und den Ketzerprozessen aufzuzeigen, wobei sich die Entstehung der Inquisition nicht unbedingt auf eine bestimmte Jahreszahl datieren lässt.

Die Ketzerverfolgungen im Mittelalter beschränken sich natürlich nicht nur auf eine bestimmte Gruppe, aber um den Rahmen dieser Seminararbeit nicht zu sprengen, kann hier nur auf die Religionsgemeinschaft der Katharer eingegangen werden.

Die Hexenprozesse werden im nächsten Abschnitt thematisiert. Zunächst soll geklärt werden, woher der Glaube an Hexen und die Hexerei stammt und wer oder was als solche betitelt wurde. Im Folgenden wird aufgezeigt, wer für die Strafverfolgung der Hexen verantwortlich war und welche Verbrechen ihnen angelastet wurden. Da durch das Werk ´ Malleus maleficarum ´ von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger eine neue Dimension der Hexenverfolgung eingeläutet wurde, werden weitere Hexentraktate wie etwa von Delrio oder Binsfeld hier nicht berücksichtigt. Vor dem Schlusskommentar wird geschildert, wie die Verurteilung erfolgte und welches Strafmaß bei Hexenprozessen angewendet wurde. Das Hauptaugenmerk beim Strafmaß der Hexenprozesse richtet sich auf den „Criminal Codex“ des ´ Malleus maleficarum ´. Auf die ´Constitutio Criminalis Bambergensis´ von 1507 sowie auf die ´Constitutio Criminalis Carolina´ von 1532 wird nicht eingegangen.

2. Die Inquisition im Mittelalter

2.1. Die Ketzerverfolgungen

Die Katharer, in Frankreich auch Albigenser genannt, war das erste religiöse Kollektiv im Hochmittelalter, das als Ketzer verfolgt wurde. Sie waren eine der größten sonderkirchlichen Gemeinschaften, die sich Mitte des 12. Jahrhunderts vorwiegend in Süd- und Mitteleuropa ausbreiteten.[1] Die Katharer bezeichneten sich als die wahre Kirche, weil sie bestimmte Handlungen in Anlehnung an die Apostel ausübten, z.B. das Leben in Armut, was im Kontrast zur reichen katholischen Kirche stand und viele Menschen überzeugte. Die Verfolgung der Katharer, die auch Namensgeber für das deutsche Wort Ketzer waren, begann schon Anfang des 11. Jahrhunderts. In Orleans wurden ca. 1020 unter König Robert die ersten Katharer, die sich nicht von ihrem Glauben abwandten, als Gottlose verbrannt. Die katholische Kirche lastete den Katharern Unzucht, Teufelsanbetung und magische Praktiken an und bezichtigte sie der Häresie, aus Angst, eigene Anhänger an sie zu verlieren.[2] Die Verfolgung dieser Glaubensgemeinschaft führte schließlich zu deren Ausrottung.[3]

Als Ketzer, im Mittelalter mit Häretikern gleichgesetzt, wurden jene Menschen bezeichnet die sich nicht der gängigen Kirchenmeinung und –ordnung unterwarfen. Moralisch wurde das Abweichen als Sünde, dogmatisch als Irrtum und juristisch als Verbrechen aufgefasst.[4]

War man aber früher darin überein gekommen, dass nur „Ketzereien von großer Bedeutung“ mit Exkommunikation, also mit dem Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft, geahndet werden sollten und für die Verfolgung dieser Straffälligen die Bischöfe zuständig waren, änderte sich diese Handhabung Ende des 12. Jahrhunderts schlagartig. Im Jahr 1183 änderte sich das Verhalten der Kirche gegenüber den Ketzern schlagartig und es wurde jede Form von Ketzerei unter Todesstrafe gestellt, also alle Widerworte, die gegen die Kirche ausgesprochen wurden, bestraft. Bei den päpstlich autorisierten Ketzer-Inquisitionen wurden alle Verdammungsurteile, die gesprochen wurden, von weltlichen Gerichten in Todesurteile und Vollstreckungen umgewandelt. Mit den von Kaiser Friedrich II. erlassenen Ketzergesetzen von 1224 fanden Ketzer, die zum Tode verurteilt wurden, nur noch den Feuertod. Dies deutet schon auf die Verbindung mit den Hexenverbrennungen hin und macht die Zusammenarbeit der kirchlichen und weltlichen Macht gegen die Ketzer deutlich.

Die Bischöfe, die im altkirchlichen Gedanken für die Ketzerverfolgung zuständig waren, wurden anfangs mit der Aufspürung der Ketzer beauftragt. Sie wurden an verdächtige Orte entsandt, um die Menschen aufzufordern, mittels Eid vermeintliche Ketzer zu nennen. Diese Form der Ketzerverfolgung hatte aber wenig Erfolg und wurde deshalb fortan nicht mehr in die Hände der Bischöfe, sondern in die des Papstes gelegt. Es entstand 1232 unter Papst Gregor IX. in Südfrankreich, in Aragonien, in der Lombardei, in Österreich und in Deutschland ein päpstliches Institut zur Ketzerfahndung. Nicht aber der Papst selbst machte sich auf die Suche nach den Abtrünnigen, er beauftragte für die „Inquisitio haereticae pravitatis“ die Dominikaner, später dann auch die Franziskaner. Sie sorgten dafür, dass all jene die sich dem Vorwurf der Ketzerei ausgesetzt sahen, ihre irdische Strafe antraten. So waren diese Brüder der verlängerte Arm des Papstes zur Ausführung der grausamen Inquisition.

Wurden die Inquisitoren anfangs noch von der Gemeinde finanziell unterstützt, bekamen sie allmählich einen Teil des von ihnen eingezogenen Vermögens der Beschuldigten. Denn die vermeintlichen Ketzer mussten alle Habseligkeiten an ihre Häscher abgeben, was das Wirken der Inquisition noch fragwürdiger macht. Im 15. Jahrhundert fiel sogar der ganze Besitz der Angeklagten in die Hände der Inquisitoren.[5]

[...]


[1] Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, Spalte 1935-1936.

[2] Heppe, Henriette und Soldan, Wilhelm Gottlieb: Geschichte der Hexenprozesse, Bd.1, Essen 1986, S. 124 ff..

[3] Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, Spalte 1935-1936.

[4] Benz, Ernst: Beschreibung des Christentums, Stuttgart, 1993, S.79 f..

[5] Heppe und Soldan, S. 169 ff..

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Von der Inquisition zu den Hexenprozessen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Hexenliteratur
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V124720
ISBN (eBook)
9783640298464
ISBN (Buch)
9783640303649
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inquisition, Hexenprozessen, Hexenliteratur
Arbeit zitieren
Saskya Olympio (Autor), 2007, Von der Inquisition zu den Hexenprozessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124720

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