Schreibweisen des Ökonomischen in der deutschen Gegenwartsliteratur

Eine vergleichende Analyse der Romane "Das Jahr der Wunder" (2001) von Rainer Merkel und "Wenn wir sterben" (2002) von Ernst-Wilhelm Händler


Magisterarbeit, 2007

125 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Methodologie und Vorstellung der Romane
2.1 Methodologische Vorbemerkungen: Zum Verhältnis von Ökonomie und Literatur
2.2 Biographische Bezüge, Forschungsstand und Vorstellung der Romane

HAUPTTEIL

3 Wirtschaft als Erzählung und ökonomische Kodierung des Poetischen: Das dialektische Verhältnis von Ökonomie und Literatur auf der Ebene des Erzählten
3.1 Wirtschaft als Erzählung
3.1.1 Narrative Momente des Ökonomischen auf der inhaltlichen Ebene
3.1.2 Deirdre McCloskeys Storytelling in Economics
3.1.3 Fiktionalität von materieller und immaterieller Ökonomie
3.2 Ökonomische Kodierung des Poetischen
3.2.1 Werttheorie in Simmels Philosophie des Geldes und in der Neoklassik
3.2.2 Ökonomische Durchdringung literarischer Medien
3.2.2.1 Tagebuch und Subjektdiskurs
3.2.2.2 Zwischenmenschliche Kommunikation und Intersubjektivitätsdiskurs
3.2.3 Auswege aus der ökonomischen Logik? Gesellschaftlicher Ausstieg und Tod
3.2.3.1 Am Rand der Tanzfläche: Gesellschaftlicher Ausstieg
3.2.3.2 „Man fällt einfach fürs öffentliche Leben aus.“: Tod, Blut und Geld

4 Von Ökonomie erzählen: Poetische Verfahren
4.1 „[I]n der Luft gehen“: Poetische Aneignungsstrategien, monetäre Semiotik und literarische Selbstverzinsung in Händlers Roman Wenn wir sterben
4.1.1 Ökonomische, monetäre Strukturierung des Romanverfahrens
4.1.1.1 Metareflexive Aneignung verschiedener Sprachstile
4.1.1.2 Schlafender und Wächter zugleich: Erzähltheoretische Analyse der Instanz Wir
4.1.1.3 Poetische und pekuniäre Semiotik
4.1.2 Verschwendungslogik und Ästhetisierung der Wirtschaft
4.1.2.1 Umschlag der ökonomischen Aneignungsstrategie und monetären Semiotik in poetische Verschwendung
4.1.2.2 Der Leser als Ethnograph und die Ästhetisierung ökonomischer Diskurse
4.1.2.3 [G]rundsätzlich [hängt] alles von allem ab“: Die Theorie der rationalen Erwartung als Reflexionsmedium des dialektischen Romanverfahrens
4.2 „Saint-Exupèry und seine ganz spezielle märchenhafte Logik mit den Anforderungen von Lipinski [] verbinden“: Ironische Brechungen, Märchentopoi und Verschwendung in Merkels Roman Das Jahr der Wunder
4.2.1 Ökonomische, monetäre Strukturierung des Romanverfahrens
4.2.1.1 „Natürlich ist [das Konzept] auch ein bisschen ironisch gemeint“: Rollenprosa und ironische Brechungen
4.2.1.2 „Ich glaube, dass die Unterschiede nicht so groß [sind]“: Ästhetische und zeichentheoretische Implikationen der monetären Logik
4.2.2 Verschwendungslogik und Ästhetisierung der Wirtschaft
4.2.2.1 Der ethnographische Blick des Christian Schlier
4.2.2.2 Märchenhafte Logik und Geschichten für kleine Jungs: Intertextuelle Bezüge
4.2.2.3 Zu wenig Sekt und zu viel Trinkgeld: Das dialektische Verhältnis zwischen wirtschaftlicher Knappheit und maßloser Fülle
4.3 Die fiktionale Potentialität des Monetären: Simmels ‚Superadditum des Geldes’ und seine Implikationen für die literarischen Verfahren

5 Schluss-Bilanz und Forschungsausblick

6 Literaturangaben

Anhang

1 Einleitung

In der Gegenwartsliteratur lässt sich die Rückkehr eines Motivs verzeichnen, dessen Relevanz für die Poesie schon gänzlich verloren geglaubt war: Arbeitswelt und Ökonomie. In den sieb- ziger Jahren war es vor dem Horizont der marxistischen Kritik am wirtschaftlichen System des internationalen Kapitalismus ausgiebig durch die literarische Bearbeitung angeeignet und vor allem ‚von unten’, aus der Perspektive des Arbeiters präsentiert worden. Dessen Entfrem- dung und Dehumanisierung durch das Eingebundensein in die industrielle fordistische Pro- duktion stand damals im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Position der Literatur zum Bereich der Ökonomie schien damals klar umrissen: Die Literatur bildet den kulturkritischen Gegen- pol, das gesellschaftliche Gewissen, das die ökonomischen Mechanismen zu kritisieren und zu durchbrechen hat, das als Anwalt der Opfer dieses Systems genuin dem Wirtschaftlichen in seinem Prinzip des poetischen Überflusses und durch seine Funktion, ein utopisches Gegen- bild zu entwerfen, entgegensteht. In den achtziger Jahren erlischt das poetische Interesse an dem Komplex der wirtschaftlichen Realität und es zeichnet sich eine Krise der Beschreibbar- keit ökonomischer Zusammenhänge und besonders der Position des Literarischen zu diesen Phänomenen ab, die sich spätestens nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht mehr in der Terminologie des Klassenkampfes und der marxistischen Literaturtheorie fassen lassen.

Die Krise dieses literarischen Umgangs mit wirtschaftlichen Phänomenen scheint an ein Ende gelangt zu sein, tauchen doch in der Literaturlandschaft seit Mitte der neunziger Jahre Texte auf, die der Wirtschaftswelt und ihren Sprech- und Wahrnehmungsweisen neue Aufmerksam- keit schenken und auch literarisch-formal einen neuen Umgang mit dem ökonomischen Feld anstreben.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Austauschprozessen zwischen ökonomischen und literarischen Diskursen. Sie widmet sich vornehmlich zwei Fragestellun- gen, die sich dialektisch von zwei verschiedenen Perspektiven aus ergänzen: Inwiefern folgt einerseits die Funktionsweise der poetischen Sprache ökonomischen Prinzipien bzw. orientie- ren sich die literarischen Erzählverfahren der Romane an ökonomischen Modellen und Kon- zepten, die für die Poesie ästhetisch produktiv gemacht werden können? Und wie kann ande- rerseits das Ökonomische eine poetische, imaginative Komponente gewinnen?

Zwei Texte, die diese Determination von Wahrnehmung und Sprache durch die Eingebun- denheit in eine vom Ökonomischen durchdrungene Realität und die Anbindungen ökonomi- scher und sprachlich-literarischer Prozesse paradigmatisch vorführen, sind die Romane Das Jahr der Wunder (2001) von Rainer Merkel und Wenn wir sterben (2002) von Ernst-Wilhelm Händler. Das Besondere an ihrem Blick auf wirtschaftliche Phänomene ist die Einberechnung einer Ambivalenz, die an die literarischen Auseinandersetzungen der europäischen Gegen- wartsliteratur mit dem modernen Dienstleistungsbereich, der Werbebranche und Manage- mentwelt anschließt, wie sie etwa die Autoren Michel Houellebecq, Frédéric Beigbeder oder Bret Easton Ellis betreiben. Eine Form des Schreibens über Ökonomie und Arbeitswelt zeich- net sich ab, die die subtilen zwanghaften Mechanismen der Prozesse zum Vorschein bringt, sich aber ebenso fasziniert zeigt von den neuen Wahrnehmungsweisen, die mit dem Wirt- schaftlichen vor allem seit den neunziger Jahren einhergehen und durch die technologische Revolution des Internets, dem damit verbundenen Wandel in den Produktions- und Manage- mentprozessen, die Werbeindustrie und die Markenwaren hervorgebracht werden. Eine Poesie der Façon Händlers und Merkels arbeitet das ästhetische Moment des Ökonomischen jenseits jeder eindeutigen marxistischen oder kulturpessimistischen Kritik heraus und weiß darüber hinaus die wirtschaftlichen Neuerungen für das eigene literarische Verfahren ästhetisch pro- duktiv zu machen. Die heutige Beschäftigung mit dem Sujet nimmt eine Position ‚von oben’ und ‚von innen’ ein: Protagonisten sind Manager aus den Vorstandsetagen, Kreative in Wer- beagenturen – es sind die Gewinner des ökonomischen Systems. Die literarischen Figuren sind so eng eingebunden in wirtschaftliche Prozesse, dass diese ihre möglichen Weisen der Wahrnehmung und des Sprechens bis in die kleinsten Verästelungen hinein bestimmen. Durch die Integration dieses wirtschaftlichen Erkennens von Welt gelingt es den Romanen, eine Form von Mimesis gesellschaftlicher Realität zu verwirklichen, die es erlaubt, von einer neuen Welthaltigkeit der zeitgenössischen Literatur zu sprechen.

Der Vergleich der Romane ist nicht nur deshalb besonders reizvoll, weil sie sich beide mit dem Feld des Ökonomischen auseinandersetzen, sondern weil sie dieses poetologisch auf zwei vollkommenen verschiedene Arten tun. Daher können die Romane als Extrempunkte einer Skala betrachtet werden, die eine Bandbreite unterschiedlicher Poetiken des Ökonomi- schen umfasst. Die Texte nähern sich gleichsam ein und demselben Phänomen von zwei ent- gegengesetzten Seiten an und eröffnen somit ein Panorama des Umgangs mit und der Verbin- dung von Ökonomie und Ästhetik. Händler knüpft mit seinem sehr postmodernen, antinarrati- ven Text, der in der Aneignung verschiedener literarischer und ökonomischer Sprechweisen seine Figuren als Produkt dieser Diskurse hervortreten lässt, an die avantgardistische Roman- tradition an. Merkel bietet hingegen relativ traditionell aus der Perspektive eines etwas naiven Ich-Erzählers staunend, narrativ und mimetisch die Prozesse der neuen Medienwelt dar. Im Gegensatz zu Händlers Roman, in dessen Fokus der industriell produzierende, mittelständi- sche Konzern Voigtländer steht, spielt Merkels Text in der Werbeagentur GFPD, die sich als Teil der New Economy durch die Immaterialität ökonomischer Werte auszeichnet und so von vornherein wirtschaftliche Zusammenhänge in den Kontext des Ästhetischen rückt. Insgesamt nimmt Händlers Text neben der Sphäre der Fabrik andere ökonomische Arbeitsfelder und ihre Diskurse in den Blick, wie etwa Managementtheorie, die Werbeagentur von Angel und Drif- ter und den Immobilienmarkt, und eröffnet somit im Verhältnis zum Jahr der Wunder ein breiteres Spektrum des Ökonomischen. Und doch weisen beide Romane gemeinsame Topoi, Strukturen und literarische Verfahren auf, die für die gegenwärtige literarische Auseinander- setzung mit der wirtschaftlichen Lebenswelt charakteristisch erscheinen und sich an diesen paradigmatisch aufzeigen lassen.

Händlers Text scheint zunächst durch das ökonomische Austauschsystem determiniert zu sein. Er vollzieht durch die Aneignung und die Zirkulation literarischer Stile und ökonomi- scher Diskurse eine literarisch-ökonomische Verzinsung des vorhandenen diskursiven Kapi- tals und stellt explizit mannigfaltige wirtschaftliche Theorien und Argumentationsmuster aus. Seine Poetologie auf der Schwelle zwischen Literatur und Nicht-Literatur verbindet die Aus- stellung ökonomischer Diskurse mit poetologischer Reflexion. Merkels Text wirkt hingegen als Beleg für die These des New Economic Criticism, dass die Wirtschaft narrativen Mustern und poetischen Prinzipien folgt und ihr deshalb mit einer literaturwissenschaftlichen Metho- dik zu Leibe gerückt werden kann. Ein genauer Blick macht jedoch deutlich, dass sich die Romane nicht in die starre Dichotomie „Literatur funktioniert ökonomisch“ bei Händler und „Ökonomie ist nichts anderes als das Erzählen von Geschichten“ bei Merkel hineinzwängen lassen, sondern dass sie die gegenseitige Durchdringung beider Bereiche aufzeigen. Die Ver- einung dieser Elemente macht sie erst interessant. Einerseits scheint bei Händler die diskursi- ve Konstruktion des Ökonomischen sowie die ästhetische Produktivität gerade der industriel- len Prozesse durch, andererseits läuft bei Merkels Roman die monetäre und ökonomische Strukturierung der scheinbar rein ästhetischen und entpragmatisierten Agenturwelt ständig mit.

Im Folgenden möchte ich den Aufbau und die Vorgehensweise der Arbeit transparent ma- chen. In einem methodologischen Teil stelle ich zunächst die spezifische Herangehensweise der Arbeit heraus und grenze diese von bereits vorliegenden Untersuchungen ab. Dabei zeige ich, auf welcher methodologischen Grundlage Parallelen zwischen Narration, Metaphern und sprachlichen Zeichen einerseits und der Logik monetärer Zeichen, der Ökonomie und des Tausches andererseits ausgemacht werden können. Der literarische Text wird als ein aus öko- nomischen Diskursfäden gebildetes Gewebe erkennbar, das durch die Aneignung ökonomi- scher Sprechformationen und Theorien ein poetologisches Wissen über das Wirtschaftliche hervorbringt. Als theoretische Grundlage der Debatte dient der Forschungsansatz des New Economic Criticism, der als interdisziplinärer Zugang den Dialog zwischen Wirtschafts- und Literatur- bzw. Kulturwissenschaften befördert.

Nach den methodischen Vorbemerkungen wird die Verflechtung der Autoren mit dem Feld des Ökonomischen aufgezeigt, die Forschungssituation zu den literarischen Texten umrissen und jeder Roman kurz vorgestellt.

Im ersten Abschnitt des Hauptteils (3) arbeite ich die Dialektik zwischen der Präsentation von Wirtschaft als Erzählung und der ökonomischen Kodierung des Poetischen auf der inhaltli- chen Ebene der literarischen Texte heraus. Einerseits sollen die Romane in einer vergleichen- den Perspektive daraufhin betrachtet werden, inwiefern sie die literarischen, fiktionalen Kom- ponenten ihres wirtschaftlichen Gegenstandes herausstellen und inwiefern sie nicht nur der immateriellen, sondern auch der industriellen Ökonomie fiktionale Aspekte zuschreiben. Nach einem Exkurs zur Werttheorie in Simmels Philosophie des Geldes und in der Neoklas- sik findet andererseits die ökonomische Durchdringung literarischer Formen des Selbstaus- drucks sowie ihre Implikationen für den Subjekt- und Intersubjektivitätsdiskurs Beachtung. Darüber hinaus führen das Scheitern des Literarischen als Gegenmodell zu einer wirtschaft- lich determinierten Lebenswelt und das ökonomische Kalkül subjektiver und intersubjektiver Prozesse zu der Frage, welche Auswege aus dem ökonomischen System die Texte aufzeigen und inwiefern auch ihre eigene ästhetische Form sich einer monetären Verrechnungslogik bedient oder dieser entgegensteht.

Nach einer Skizzierung der ästhetischen Implikationen der relationalen Werttheorie soll des- halb im zweiten Abschnitt des Hauptteils (4) die Dialektik zwischen der monetären bzw. öko- nomischen Poetik der Texte und der durch literarische Verfahren ästhetisierten Ökonomie auf der formalen Ebene an den literarischen Texten getrennt herausgearbeitet werden. Dabei ste- hen zwei Fragen im Mittelpunkt: 1) Inwiefern beeinflusst die Auseinandersetzung mit dem wirtschaftlichen Diskurs in der Literatur das poetische Verfahren beider Texte und inwiefern können ökonomische Theorien und Konzepte für die Beschreibung der literarischen Strategi- en fruchtbar gemacht werden? 2) Wie werden im Gegenzug die Wirtschaftswelten der Roma- ne durch literarische Strategien ästhetisiert? Und inwiefern lässt die Poesie durch diese Ästhe- tisierung des Ökonomischen die fiktionale, imaginäre Potentialität der Wirtschaft und des Geldes hervortreten und produziert somit ein spezifisch literarisches Wissen über wirtschaftli- che Zusammenhänge?

Ich stelle dabei die These auf, dass gerade die monetäre, ökonomische Funktionsweise der Romanverfahren in beiden Texten zu einer Ästhetisierung der Wirtschaft und einer ökonomi- schen Verschwendungslogik führt und daher beide Aspekte als zwei Seiten einer Medaille ständig ineinander umschlagen.

Am Ende der Arbeit wird mit Simmels Begriff des Superadditiums abschließend der Frage nachgegangen, inwiefern wirtschaftlichen Phänomenen wie dem Geld über die Ästhetisierung im literarischen Medium hinaus nicht schon an sich eine imaginäre, fiktionale Potentialität zukommt, die sich in den literarischen Texten auf inhaltlicher und formaler Ebene widerspie- gelt.

2 Methodologie und Vorstellung der Romane

2.1 Methodologische Vorbemerkungen: Zum Verhältnis von Literatur und Ökonomie

Traditionell gelten die Wirtschafts- und Literaturwissenschaften als getrennte und voneinan- der unabhängige Bereiche, zumindest wenn es nach dem Selbstverständnis beider Disziplinen geht. Und wenn überhaupt ein Verhältnis zwischen beiden angenommen wird, so ist es meist das der Opposition. Die „Geisteswissenschaftler, die ja nicht umsonst so heißen wollen, [hal- ten es] lieber mit dem Geist als mit dem unfeinen, geistlosen, ja schnöden Mammon“1, um die Unabhängigkeit der Literatur von wirtschaftlichen Zwängen zu behaupten. Und Wirtschafts- wissenschaftler grenzen ihren eigenen, als pragmatisch, objektiv und positiv verstandenen Arbeitsbereich gern vom literarischen als einem schöngeistigen, beliebigen, unpragmatischen und unwissenschaftlichen ab.

Doch trotz dieser vermeintlichen Dichotomie häufen sich in den letzten Jahren in den Litera- turwissenschaften die Untersuchungen zu ökonomischen Aspekten in der Literatur.2 In dem Bewusstsein, dass auch die Trennung zwischen faktischem Wissen und Fiktionalem ihren konkreten historischen Ort hat, wird verstärkt versucht, beide Bereiche zusammen zu denken. Vor allem Texte aus dem Mittelalter3 sowie aus der Epoche der Klassik4 und der Romantik5

erfreuen sich bei den Interpreten von ökonomischen Phänomenen im Poetischen großer Be- liebtheit, allen voran Goethes Werke.6 Doch nicht nur in der Analyse literarischer Texte scheint die Wirtschaft eine zunehmende Rolle zu spielen, auch literatur- und kulturwissen- schaftliche Theorien bedienen sich immer häufiger einer ökonomischen Metaphorik, um äs- thetische Phänomene zu beschreiben. Es stellt sich daher die Frage, worin für die literaturwis- senschaftliche Beschäftigung mit der Poesie selbst der Mehrwert in der Verwendung einer wirtschaftlichen Bildlichkeit liegt und welche Zusammenhänge diese beschreiben kann, die zuvor, mit Metaphern aus anderen Bildbereichen, nicht deutlich gemacht werden konnten.

Auf eine detaillierte Darstellung und Typologisierung aller vorherrschenden theoretischen Ansätze zur Klärung des Verhältnisses zwischen Ökonomie und Literatur soll an dieser Stelle verzichtet werden.7 Vielmehr bezieht die Arbeit in den einzelnen Abschnitten ausgewählte Theorien ein, die für ihr spezielles Erkenntnisinteresse von Bedeutung sind. Deshalb soll im Folgenden die spezifische methodologische Herangehensweise der Arbeit herausgestellt und von bereits vorliegenden Untersuchungen abgegrenzt werden. Dabei steht die Frage im Mit- telpunkt, auf welcher methodologischen Grundlage Parallelen zwischen Narrativen, Meta- phern und sprachlichen Zeichen einerseits und der Logik monetärer Zeichen, Ökonomie und Tausch andererseits ausgemacht werden können.

Angesichts der zunehmenden Beschäftigung mit Ökonomie in der Literaturwissenschaft kann nicht mehr die Rede davon sein, dass die Beschäftigung mit ökonomischen Aspekten in der Poesie allein eine außergewöhnliche Erscheinung in der aktuellen Diskussion darstellt. Die vorliegende Arbeit unterscheidet sich jedoch deutlich von den bisherigen Ansätzen in zwei Punkten, die sich wechselseitig bedingen. Erstens untersucht sie mit den Romanen von Händ- ler und Merkel ausdrücklich zwei literarische Texte der Gegenwart, die, wie bereits herausge- stellt, mit ökonomischen Zusammenhängen deutlich anders umgehen als etwa die Literatur der siebziger Jahre. Zweitens ergeben sich aus dem gewählten literarischen Gegenstand me- thodische Konsequenzen für die literaturwissenschaftliche Analyse, da sich das ambivalente Verhältnis der zeitgenössischen Literatur zur Ökonomie, das zwischen Faszination und Kritik oszilliert, nicht mehr mit marxistischen Termini adäquat fassen lässt. Im Gegensatz dazu zeichnet sich in vielen Ansätzen ein literarisches Verständnis des Ökonomischen ab, das sich an der marxschen Arbeitswertlehre orientiert und auf die Entwicklung der wirtschaftswissen- schaftlichen Diskussion der letzten hundertfünfzig Jahre kaum eingeht. So bemerkt auch Deirdre McCloskey: „[T]he trouble with most literary critics who claim to do economic criti- cism is that their understanding of economics too often ends with Marx“8. Die Verwendung marxistischer Kategorien mag für die Betrachtung historisch ferner literarischer Texte ange- messen sein, in die der Diskurs des Marxismus explizit einging. Die Behandlung zeitgenössi- scher Literatur erfordert jedoch eine genaue Auseinandersetzung mit aktuellen ökonomischen Diskursen sowie mit deren poetischer Verarbeitung. Zwar soll es nicht darum gehen, die neo- klassische Theorie den Romanen aufzuoktroyieren und so zusätzliche alternative Bedeutungs- bereiche als abseitig auszuschließen, die gerade aus der spezifischen Transformation ins Poe- tische entstehen. Da Literatur gleichsam ein Reservoir bildet, in dem auch das Andere des Diskurses, das Abseitige und Ausgeschlossene bewahrt wird, können die literarischen Texte nicht als reine Abbildung und Darstellung der neusten ökonomischen Theorien betrachtet werden. Jedoch ist es „legitimate to ask […] about the relation of these formulations to the concepts and constructs of economic theory proper, or at least to what can be regarded as ‚of- ficial’ economic discourse“9, wird doch auch in diesen Diskursen spezifische Erkenntnis über wirtschaftliche Fragen gewonnen, die mit einer Poetologie des ökonomischen Wissens in ei- nem Austauschverhältnis steht. Anders als es der New Historicism jedoch selbst fordert, wer- den ökonomische Texte und Diskurse von Literaturwissenschaftlern meist gerade nicht in ihrer Partikularität betrachtet10, sondern die genaue Beschaffenheit dieser ökonomischen Sprechweisen als nebensächlich vernachlässigt. Um beurteilen zu können, ob es wichtig ist, die wirtschaftlichen Exkurse eines literarischen Textes inhaltlich zu verstehen und mit den aktuellen ökonomischen Diskursen zu konfrontieren, muss zunächst die Frage beantwortet werden, welche Funktion diesen Passagen zukommt. Sollen sie durch ihre dem Laien unzu- gängliche Terminologie nur auf die Geschlossenheit des Diskurses und die Leere und For- melhaftigkeit der Begriffe verweisen oder kommt ihnen vielmehr eine poetische Funktion zu, die die literarischen Texte erst durch den Einbezug dieser ökonomischen Diskurse realisieren können? Die Auffassung, in der Literatur werde nur die Hermetik wirtschaftlichen Sprechens ausgestellt, greift zu kurz. Sie ist das Ergebnis eines fehlenden Verständnisses der vielfältigen Beziehungen zwischen den Disziplinen der Literatur- und Wirtschaftswissenschaft, das es ja gerade zu überwinden gilt. Literaturwissenschaftler schließen etwa mythologische, psycho- analytische oder kunsthistorische Bezüge, die eine Verwandtschaft mit dem literaturwissen- schaftlichen Feld aufweisen, nicht mit der Begründung aus der Interpretation aus, dass sie für die Allgemeinheit nicht zugänglich und unverständlich sind. Ganz im Gegenteil machen sie sich in akribischen Lektüren die Mühe, diese Diskurse zunächst detailliert anhand von einzel- nen Texten herauszuarbeiten. Das Interessante scheint deshalb eher in der Frage zu liegen, warum die literaturwissenschaftliche Analyse dem ökonomischen Diskurs nicht auch von vornherein die gleiche Aufmerksamkeit schenkt, sondern dieser sofort mit Phrasenhaftigkeit, Rhetorik und einem inflationären Gebrauch von mehr oder minder bedeutungslosen Begriffen verbunden wird. In dieser Arbeit soll daher, dem Ansatz des New Economic Criticism fol- gend, die Perspektive beider Bereiche, der Ökonomie, verstanden als diskursive Wissenschaft, und der Literatur als Produzent von alternativem ökonomischen Wissen, eingenommen wer- den. So kann sowohl die literarische als auch die ökonomische Produktion von Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge berücksichtig werden.

Zunächst möchte sich die Studie vom Ansatz und Erkenntnisinteresse der ideologiekritischen, soziologischen und marxistischen Literaturanalyse abgrenzen. Während sich die marxistische Literaturwissenschaft vornehmlich auf die Untersuchung von Produktion, Arbeit und Ware in literarischen Texten konzentriert und mit den zentralen Kategorien der Entfremdung und Ver- dinglichung arbeitet11, operiert die vorliegende Betrachtung mit dem Begriff des ‚Monetären’ nach Simmel und mit ökonomischen Modellen aus der neoklassischen Theoriebildung. Hier- bei handelt es sich jedoch nicht nur um unterschiedliche Gegenstände der Betrachtung, son- dern darüber hinaus auch um ein gewandeltes Verständnis der Repräsentation und der Bezie- hung zwischen Signifikant und Signifikat. Dieses ist im Kontext des Paradigmenwechsels im ökonomischen Diskurs von der Arbeitswertlehre zur subjektiven Wertlehre zu verorten. Wäh- rend erstere den Wert und damit auch den gerechten Preis eines Gutes an der Summe der in der Ware vergegenständlichten Arbeit bemisst und damit von einem absoluten individuellen Wert ausgeht, orientiert sich letztere an einem relationalen Wertbegriff, bei dem der Wert aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage gebildet wird. In der Neoklassik ergibt sich der Wert einer Ware demnach aus der individuellen Bedürfnisbefriedigung, die dem Individuum aus dem Konsum des Gutes erwächst, aus der Beziehung des Subjekts zum Produkt, und nicht etwa aus einem dem Wesen des Gutes inhärenten, unveränderlichen Wert. Des Weiteren wird ein Verständnis von Literatur als Phänomen des Überbaus abgelehnt, das nur die materiellen, wirtschaftlichen Verhältnisse des Unterbaus abbilden und widerspiegeln könne.12 Die Lektüre soll sich weniger an einem ideologiekritischen Erkenntnisinteresse ausrichten, das häufig die Gefahr in sich birgt, die Texte auf bestimmte politische Inhalte hin ‚abzuklopfen’, als viel- mehr ihre spezifische Literarizität und genaue literaturwissenschaftliche Analyse im Blick behalten. Daher werden die Romane nicht als bloße Zurschaustellung menschlicher Entfrem- dung durch das internationale kapitalistische Wirtschaftssystem begriffen, sondern das Au- genmerk richtet sich darauf, zu beobachten und zu beschreiben, in welchem Verhältnis ihr ökonomisches Sujet zur spezifisch ökonomischen Funktionsweise der Texte steht.

Eine gute Alternative zur ideologiekritischen Literaturanalyse bietet ein theoretisches Modell wie der New Historicism, der sich als Praxis literaturwissenschaftlicher Renaissance- Forschung meist auf textuell verfasste literarische und historische Gegenstände konzentriert. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit geht dabei von einer Fragestellung aus, die Moritz Baß- ler in Bezug auf die Formulierung einer Cultural Poetics gestellt hat: „[A]ls was, auf welcher Basis, auf welchem methodischen Tableau [können] solche ‚lebensweltlichen’ Bezüge [wie die des wirtschaftlichen Austausches und der Geldwirtschaft] denn Objekte wissenschaftlicher Analyse und vergleichender Betrachtung“13 werden und mit einem literarisch-fiktionalen Text in Beziehung gesetzt werden? Baßler beruft sich zur Lösung dieser Frage auf einen semioti- schen Kulturbegriff und versteht lebensweltliche, kulturelle und damit ökonomische Ereignis- se und Handlungen als Texte aus Signifikanten, die im System der Kultur Bedeutung tragen und hervorbringen. Also lautet die Antwort in Hinblick auf die vorliegende Arbeit, dass öko- nomische und literarische Phänomene auf einer textuellen Ebene des Vergleiches in Anleh- nung an das Verständnis des New Historicism gemeinsam betrachtet werden können. Der An- satz des New Historicism untersucht „die Herkunft der sprachlichen, inhaltlichen und rhetori- schen Elemente von Kunstwerken“ und verfolgt „die ‚Fäden’, die aus den unterschiedlichsten kulturellen Bereichen in einen Text hinein[] und auch wieder aus ihm hinaus[führen]“14. Der partikulare literarische Text wird dabei in den Bezug zu jeweils einzelnen geschichtlichen, philosophischen, ökonomischen und populären Texten gestellt, um verallgemeinernde, verein- fachende Metanarrationen über eine Epoche zu vermeiden, die problematische und abwei- chende Strömungen ausblenden. So erscheint das einst als autonom angenommene literarische Kunstwerk als Teil eines umfassenderen Textes der Kultur, als eingebunden in den Zusam- menhang eines Feldes synchroner Texte, die an dem Diskurs einer Zeitspanne partizipieren. Der Vorteil der literaturwissenschaftlichen Methode des New Historicism liegt durch seinen semiotischen Kulturbegriff vor allem in der Möglichkeit, auch den Diskurs populärer oder wissenschaftlicher Texte (z. B. der ökonomischen Theorie) in der Poesie aufzuspüren, die zuvor nicht im Zusammenhang mit Literatur gesehen wurden. Deshalb sollen in der vorlie- genden Arbeit ökonomische Theorien als Teile des Textes der Kultur begriffen werden, mit denen die Literatur in einem Austauschverhältnis steht.

So ergibt sich ein Dialog zwischen den Disziplinen, der für beide Seiten fruchtbar ist. Durch die ökonomische Neu-Kontextualisierung von Poesie kann nicht nur die Interpretation zu völ- lig neuen Lesarten gelangen, sondern auch die Partizipation der Literatur an gesellschaftlichen Diskursen, ja sogar deren Formung und Beeinflussung durch die poetische Reflexion offen gelegt werden.15 So sieht auch Greenblatt den Mehrwert einer solchen Lektüre in einer Aufla- dung literarischer Texte mit social energy und bedient sich selbst zur Beschreibung des Text- und Literaturbegriffs des New Historicism einer ökonomischen Metaphorik. Er begreift litera- rische Texte als „ein subtiles, schwer faßbares Ensemble von Tauschprozessen, ein Netzwerk von Wechselgeschäften, ein Gedränge konkurrierender Repräsentationen, eine Verhandlung zwischen Aktiengesellschaften“16. Gerade der ökonomische Diskurs, der in der Alltagswirk- lichkeit hochindustrialisierter, westlicher Nationen immer mehr an Bedeutung gewinnt, findet Eingang in poetische und literaturtheoretische Ausdrucksformen. Er bietet „a ready-made system of tropes and fictions about value, debt, money, and exchange that underpins not only its own practices and texts, but also literary discourses that are less obviously economic“17. So haben wirtschaftliche Diskurse Anteil an der ästhetischen Gestaltung literarischer und kultur- wissenschaftlicher Texte und laden diese mit kultureller Energie auf.

Unter diesen Voraussetzungen dient der poetische Text nicht nur als Schauplatz wirtschaftli- cher Diskursformationen, umgekehrt ist auch die Literatur als “Wissensspeicher“18 aktiv an der Produktion ökonomischen Wissens beteiligt: „Eine Literaturgeschichte, die als Problem- geschichte prozediert, wird nicht nur Wissen über Literatur, sondern das Wissen von und in Literatur versammeln.“19 In der Poesie können die moralischen, religiösen und mythischen Momente und Konnotationen wirtschaftlicher Begrifflichkeit hervortreten, die der scheinbar eindimensionale technische Terminus mittransportiert. So begreift auch Joseph Vogl in sei- nem Aufsatz Für eine Poetologie des Wissens den analytischen Begriff zum einen als diskon- tinuierlich in Hinblick „auf einen stets fluktuierenden Gegenstandsbereich, der keine Wis- sensvermehrung, keine asymptotische Annäherung an eine Wirklichkeit, sondern eine Wis- sensveränderung impliziert“, und zum zweiten als „ein Konglomerat aus verschiedenen Aus- sagen und Praktiken“20. Da das historische Faktum sich als Ergebnis einer kollektiven Pro- duktion konstituiere, die „allerdings weniger dem Modell intersubjektiver Verständigung als einem physikalischen Kraftfeld mit relativer Stabilität entspricht“21, könne auch die Produkti- on von außerliterarischer Erkenntnis als poetologischer Prozess verstanden werden. Die von Vogl konstatierte Poetologie des Wissens sucht deshalb, den „eigenen performativen Charak- ter, eigene Formen der Darstellung und der Inszenierung“22 jeder Wissensform, sei es die lite- rarische oder die ökonomische, zu erfassen. Da „[j]eder literarische Text [...] [somit] seine Poetologie des Wissens“ schreibe, müssen Vogl zufolge Wissenschaft und Poesie als gleich- berechtigte Formen der Wissensproduktion verstanden werden, die „in keiner vorhersagbaren und entschiedenen Relation“23 wie der von Text und Kontext, Stoff und Form oder gar der eines Abbildungsverhältnisses zueinander stehen.

Um jedoch nicht nur das wirtschaftliche Handeln, sondern auch die Wirtschaftstheorie als Teil des kulturellen Kontextes begreifen zu können, muss die Ökonomie als diskursiv geformte Kulturwissenschaft verstanden werden, die durch Narrative, Rhetorik und Metaphorik Bedeu- tung erzeugt. Ein solches Verständnis von Ökonomie vertritt der sogenannte New Economic Criticism, der im Kontext der (anglo)amerikanischen kulturwissenschaftlichen Diskussion in den Literaturwissenschaften zu verorten ist. Dieser Ansatz wurde in der deutschen Literatur- wissenschaft, zumal für die Analyse zeitgenössischer Texte bisher kaum fruchtbar gemacht. Daher stellt die vorliegende Arbeit sowohl in methodischer Hinsicht als auch in Bezug auf den zeitgenössischen Gegenstand einen innovativen Impuls für die aktuelle literaturwissen- schaftliche Forschung dar. Es handelt sich beim New Economic Criticism um einen interdiszi- plinären Forschungsansatz, der von amerikanischen Ökonomen und Literaturwissenschaftlern im Jahr 1994 auf einer Konferenz mit dem Titel The New Economic Criticism: Studies at the Intersection of Literature and Economics begründet wurde. Die Notwendigkeit und Relevanz einer solchen Konferenz drängte sich den Veranstaltern aus beiden Disziplinen aufgrund zweier Beobachtungen in der heutigen Theorielandschaft auf: Auf der einen Seite lässt sich eine zunehmende Anzahl an literatur- und kulturwissenschaftlichen Theorien wahrnehmen, die sich auf ökonomische Paradigmen, Modelle und Metaphorik stützen. Auf der anderen Seite machen Ansätze innerhalb der Wirtschaftswissenschaften auf sich aufmerksam, die lite- rarische und rhetorische Methoden zur Analyse ökonomischer Theorien verwenden, um deren narrative und metaphorische Konstruiertheit aufzuzeigen und offen zu legen.24 Der New Eco- nomic Criticism verfolgt das Ziel, ein Forum für den interdisziplinären Austausch zwischen beiden Wissenschaften zu bieten, um gemeinsam “the existence and disclosure of parallels and analogies between linguistic and economic systems”25 herausarbeiten zu können und so gegenseitig voneinander zu profitieren.

Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften untersucht der New Economic Criticism unter Ver- wendung eines poststrukturellen Ansatzes „the use of metaphors in economic analysis“26 und identifiziert “dominant metaphors shaping economic arguments“27. Ziel ist die Dekonstrukti- on der ökonomischen Theorie, die Offenlegung ihrer Annahmen und die Akzeptanz der dis- kursiven Konstruktion der Wissenschaft im Gegensatz zu ihrem Selbstverständnis, dem zu- folge sie sich als positive, objektive Naturwissenschaft einstuft: „To claim that metaphors are fundamental to economic claims is trite [banal, abgedroschen, ACS] for those relatively few economists who think of knowledge as discursive.” Diese Vorgehensweise läuft dem Selbst- verständnis der Wirtschaftswissenschaft, der von ihr behaupteten Objektivität, dem Positivis- mus sowie ihrer angeblich mathematischen und statistischen Überprüfbarkeit diametral entge- gen. Noch immer herrscht die Überzeugung vor „that economists are convinced by facts (al- ways established by careful observation […]) and logic (reliable, unemotional, and often in- tricate)“. In Bezug auf ökonomische Metaphorik stimmen wohl die meisten Wirtschaftswis- senschaftler mit Hobbes überein, “that to use words metaphorically is to encourage deception, because we are thereby using words in senses different from what they really mean“28 und folgen der Annahme, dass sprachliche Bilder nur Ablenkungen von der soliden, wissenschaft- lichen Grundlage durch Logik und Fakten darstellen. Wie der Aufsatz von Browne und Quinn zu Dominant economic metaphors and the postmodern subversion of the subject zeigt, bedient sich die Ökonomie zur Erläuterung ihrer Theorie jedoch ausgiebig literarischer Metaphern. Das prägnanteste Beispiel stellt die Robinsonade dar, die bestimmte, literarisch erzeugte und ökonomisch umgewertete Bedeutungen transportiert und deren Aufschlüsselung implizite Annahmen und Argumentationsstrukturen der Ökonomie transparent machen könnte. Ein Dialog mit der Literaturwissenschaft kann somit – im besten, wenn auch noch hypothetischen Fall – ebenso der Volkswirtschaftslehre neue Erkenntnisse über ihre eigenen Verstehenshori- zonte und Denkweisen ermöglichen.

Als Vorreiterin des New Economic Criticism innerhalb der Wirtschaftswissenschaften gilt Deirdre McCloskey mit ihrem in den 80er Jahren begründeten wissenschaftstheoretischen Ansatz einer Rhetoric of Economics, der nach ihrem 1985 erschienenen gleichnamigen Buch benannt ist. In diesem beschreibt sie den ökonomischen Diskurs als „a language comprised of tropes, tales and other rhetorical devices that are literary and rhetorical rather than scientific or natural“29. Aufgrund dieser radikalen These wurde sie trotz ihrer neoklassisch-liberalen Posi- tion in den eigenen Reihen heftig kritisiert. Ihr Ziel ist jedoch nicht etwa die revolutionäre Aushebelung der ‚neoliberalen’ Wirtschaftstheorie, sondern ein eher reformistisches, ‚be- scheidenes’ Projekt, die ökonomische Disziplin durch eine literaturwissenschaftliche Metho- dik zu bereichern, um das Sprachbewusstsein der Wissenschaft zu stärken und die rhetori- schen und argumentativen Fähigkeiten ihrer Vertreter zu erhöhen: „The purpose of thinking about how economists converse with each other is to help the field mature as a science, not to attack it.“30 Da laut McCloskey sowohl ökonomische Theorie als auch die Alltagskommuni- kation der Wirtschaft aus Sprechakten bestehen, hat die Ökonomie auch immer eine litera- risch-ästhetische und rhetorische Dimension, die jedoch von der Neoklassik, der gegenwärtig vorherrschenden ökonomischen Denkschule, geleugnet wird. Dabei ist die Sprache der öko- nomischen Wissenschaft für die Theoretikerin nicht nur auf sprachliche Zeichen beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf andere Formen der Darstellung wie Nachfrage- und Ange- botskurven, mathematische Gleichungen sowie Kreislaufdiagramme und statistische Tabellen, deren metaphorischer Gehalt zu analysieren sei31: „[M]athematical models and statistical test and market arguments, which look alien to the literary eye [...] [,] may be seen as figures of speech – metaphors, analogies, and appeals to authority.“32 (iconic turn) Des Weiteren seien „[e]conomists [...] tellers of stories“33, da sie im Sinne des Formalismus ökonomische Ge- schichten mit gleichbleibenden Strukturelementen „as matters of beginnings, middles, and ends“34 erzählten, in denen ein gegebener Zustand durch ein Ereignis zu einer neuen Situation transformiert werde.35 (narrative turn) Die von McCloskey favorisierte Art der Wirtschafts- wissenschaft muss daher gemäß dem von ihr aufgestellten „rhetorischen Viereck“ Fakten und Logik sowie Narration und Metaphorik gleichermaßen einbeziehen: „Fact and logic also come into the economics in large doses. [...] But a serious argument in economics will use meta- phors and stories as well – not for ornament or teaching alone but for the very science.”36 McCloskeys Rhetoric of Economics erfährt durch neomarxistische Theoretiker wie Amariglio und Ruccio, die sich von der marxistischen Annahme eines ontologischen gegebenen Wert- kerns verabschiedet haben, eine Weiterentwicklung bzw. Modifikation und neue Zielset- zung.37 Diese kritisieren vor allem McCloskeys These, dass eine Untersuchung der narrativen, metaphorischen und rhetorischen Momente der ökonomischen Theorie zwar die Bewusstheit der eigenen Wissenschaft erhöhen und so zu einer ‚Verbesserung’ der Argumentationsweisen der Neoklassik führen könne, deren Axiome und Annahmen wie z. B. die des ‚methodologi- schen Individualismus’38 jedoch unangetastet lasse. Dementsprechend wird McCloskeys An- satz, obgleich für eine kritische Auseinandersetzung mit der Neoklassik bahnbrechend, als unzureichend eingestuft, da „it stresses only the form of argumentation while leaving the con- tent untouched“39. Amariglio und Ruccio zufolge hat eine Auseinandersetzung mit der diskur- siven Konstruiertheit der Wirtschaftswissenschaften auch unmittelbare Auswirkungen auf die Konstitution, die Annahmen und das Selbstverständnis dieser Disziplin. Eine konsequente Verfolgung der Auswirkungen eines diskursiven Ökonomieverständnisses impliziere folglich eine Infragestellung des positivistischen Wissenschaftsverständnisses, das durch den Begriff der ‚Überdetermination’, also der Vorstellung einer multikausalen Beeinflussung und Dialek- tik ökonomischer Phänomene ersetzt werden muss: „[S]ince all truths are plural and lack a definite essence, a full explanation for any circumstance, event or theory is impossible.“40

Als Kern der methodologischen Überlegungen lässt sich abschließend mit Kurt Heinzelman eine doppelseitige Relation festhalten, die changiert zwischen den poetischen, imaginativen Konzepten der Ökonomie (imaginative economics) und der Poesie, die den ökonomischen Diskurs als Strukturelement des Literarischen verwendet (poetic economics). Heinzelman definiert in seiner Studie The Economics of the Imagination den Begriff imaginative econom- ics als „the way in which economic systems are structured, by means of the imagination, upon what are essentially fictive concepts“41. Poetic economics beschreiben ihm zufolge entspre- chend „the way in which literary writers use this fictive economic discourse [...] as an order- ing principle in their own work”42. Diese dialektische Umschlagbewegung zwischen literari- schen Aspekten des Ökonomischen und ökonomischen Aspekten des Literarischen zeichnet sich in beiden literarischen Texten in jeweils unterschiedlicher Gewichtung ab und durchzieht die einzelnen Ebenen der narrativen und strukturellen Analyse.

Des weiteren stützt sich der vorliegende Text zur theoretischen Fundierung der ästhetischen, fiktionalen und imaginären Momente des Ökonomischen im Allgemeinen und des Monetären im Besonderen sowie der ökonomischen Codierung literarischer Verfahren auf die Thesen der Philosophie des Geldes von Simmel. Simmels Theorie besitzt gerade deshalb besondere Ak- tualität und Relevanz für den Ausgangspunkt dieser Arbeit, da sie, etwa im Gegensatz zu Luhmanns Systemtheorie, die Annahme einer Entdifferenzierung der gesellschaftlichen Sub- systeme aufstellt und sich durch diese Prämisse hervorragend mit dem Ansatz und Erkennt- nisinteresse des New Economic Criticism verbinden lässt. Zum einen besitzt das Poetische Simmel zufolge auch außerliterarische, diskursive Aspekte, für deren Betrachtung eine öko- nomische Perspektive relevant werden kann. Zum anderen begreift er die Nationalökonomie wie die postmoderne Bewegung innerhalb der Volkswirtschaftslehre nicht nur als Phänomen, das aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Blickwinkel heraus Beachtung verdient, sondern hebt ausdrücklich deren außerökonomische Elemente, wie das Ästhetische und Psychologi- sche, hervor:

[W]ie ein Gedicht nicht nur eine litteraturgeschichtliche Tatsache ist, sondern auch eine ästhe- tische, eine philologische, eine biographische; wie überhaupt der Standpunkt einer Wissen- schaft, die immer eine arbeitsteilige ist, niemals die Ganzheit einer Realität erschöpft – so ist, daß zwei Menschen ihre Produkte gegeneinander vertauschen, keineswegs nur eine national- ökonomische Tatsache; denn eine solche, d. h. eine, deren Inhalt mit ihrem nationalökonomi- schen Bilde erschöpft wäre, gibt es überhaupt nicht. Jener Tausch vielmehr kann ganz ebenso legitim als eine psychologische, als eine sittengeschichtliche, ja als eine ästhetische Tatsache behandelt werden.43

Darüber hinaus lässt sich Simmels wertrelativistischer Ansatz, der die Konstitution von Wert und Bedeutung in der Relation des Begehrens zwischen Subjekt und Objekt anstatt im Ding an sich verortet, trotz zahlreicher Unterschiede zur Grenznutzentheorie der Neoklassik deut- lich besser mit dieser vermitteln als etwa die marxistische Arbeitswertlehre.

Die „grenzüberschreitende[], ja synthetisierende Blickrichtung Simmel[s]“44 erweist sich als besonders geeignet für die literaturwissenschaftliche Forschung. Diese Perspektive erlaubt es, das durch die Poesie produzierte Wissen über das Ökonomische zu entschlüsseln und die Be- teiligung von Narration, Metaphorik und Rhetorik an der Konstitution des wirtschaftlichen Diskurses aufzuzeigen. Da in Anlehnung an Vogls Aufsatz (Wirtschafts-)Wissenschaft und Poesie als gleichberechtigte Formen der Wissensproduktion verstanden werden müssen, sind Händlers und Merkels Romane als Versuche zu interpretieren, eine Poetologie des ökonomi- schen Wissens zu schreiben, in der die verschiedenen, in der ökonomischen Disziplin ver- drängten Bedeutungsschichten wirtschaftlicher Konzepte aufgefächert werden.

2.2 Biographische Bezüge, Forschungsstand und Vorstellung der Romane

Die Romane Das Jahr der Wunder45 von Rainer Merkel (2001) und Wenn wir sterben46 von Ernst-Wilhelm Händler (2002) sind, wie in der Einleitung bereits erläutert, geradezu prädesti- niert für die Betrachtung des Zusammenhangs von Literatur und Ökonomie. Ihre hohe (öko- nomische) Welt- und Wirklichkeitshaltigkeit macht die Analyse der Werke besonders im Zu- sammenhang mit der aktuellen literaturwissenschaftlichen Debatte über das Verhältnis von Poesie und Kultur interessant, weil sie außerliterarisches, ökonomisches Wissen in ihr ästheti- sches Kalkül integrieren und es auf unterschiedliche Weise poetisieren.

Zwar ist es im Rahmen einer literaturwissenschaftlich-interpretatorischen Analyse durchaus unüblich, die biographischen Verflechtungen der Autoren mit dem diskursiven Feld der Öko- nomie aufzuzeigen. Jedoch erweist es sich aus einer diskursgeschichtlichen Perspektive her- aus als interessant, welche Position beide Schriftsteller an der Schnittstelle zwischen den Dis- kursen Literatur und Wirtschaft einnehmen. Deshalb sollen einige interessante Aspekte über Händlers und Merkels Verhältnis zum ökonomischen Raum an dieser Stelle hervorgehoben werden.

Der biographische Bezug ist vor allem bei Händler deshalb spannend, weil er als Schriftsteller und Unternehmer Literatur und Ökonomie als interdependente Bereiche anerkennt und diese Einsicht in sein literarisches Schaffen einbezieht. Nach seinem Studium der Wirtschaftswis- senschaften und Philosophie in München übernimmt Händler als Geschäftsführer in Regens- burg einen familieneigenen metallverarbeitenden Betrieb. Außerdem schreibt der Unterneh- mer seit 1995 sechs Romane, die in den Feuilletons der überregionalen Tageszeitungen „[v]ielbesprochen und hochgelobt“47 werden.48 Darüber hinaus hat Händler eine Doktorarbeit über die Logische Struktur und Referenz von mathematischen ökonomischen Theorien49 ver- fasst, in der er in Anlehnung an den Wissenssoziologen Kuhn einen diskursiven Ökonomie- begriff vertritt. Händlers darin ausgerückte Einsicht in die sprachliche Konstruktion wirt- schaftlicher Zusammenhänge bildet einen weiteren Anknüpfungspunkt zum New Economic Criticism und rückt so auch sein literarisches Werk und seine ästhetische Verarbeitung öko- nomischer Theorien in den Kontext dieses methodischen Ansatzes. Somit vereint Händler nicht nur in seinem Roman, sondern auch in seiner beruflichen Existenz die als unverbunden angenommenen Bereiche des Literarischen und des Ökonomischen.

Auch Merkel hat seine Erfahrungen mit der Arbeitswelt gesammelt. Nach dem Psychologie- Examen arbeitet er eineinhalb Jahre bei der renommierten Multimediaagentur Pixel Park, die während des New Economy-Booms der Neunziger in der Branche führend war und in kurzer Zeit stark expandierte, um dann zusammen mit der Börsenblase wenn nicht zu platzen, so doch zumindest wieder ‚zurechtzuschrumpfen’. Ein gewichtiger Unterschied zwischen den Autoren ist ihre Medienpräsenz. Während Merkel in Zeitung, Funk und Fernsehen, abgesehen von seiner Nominierung für den Ingeborg Bachmann-Preis 2001 durch Burkhard Spinnen, kaum präsent ist, spielt Händler nicht nur poetisch die Relation von Wirtschaft und Literatur durch, sondern weiß sich selbst als Experten für dieses Verhältnis medienwirksam zu insze- nieren. So bezieht er regelmäßig in überregionalen Zeitungen (meist im Feuilleton) und auf den Kulturkanälen Stellung zu ökonomischen und kulturellen Fragen der Gegenwart.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Das Jahr der Wunder und Wenn wir sterben, gerade in vergleichender Perspektive, steht noch aus. Bisher veröffentlichte Beiträge zu den Romanen beschränken sich fast ausschließlich auf Rezensionen in überregionalen Tageszei- tungen. Zu Merkels Roman existiert kein einziger wissenschaftlicher Aufsatz. Winkels eher feuilletonistisch anmutende, kurze Auseinandersetzung mit dem Text, dessen Lektüre sich ihm zufolge durch ein meditatives Gefühl der „Leere und zugleich der Leichtigkeit“50 aus- zeichnet und daher von Ellis’ und Beigbeders gewalttätigen, „zynisch[en] und hasser- füllt[en]“51 Verhandlungen der Werbewelt abgrenzt werden müsse, arbeitet nicht mit litera- turwissenschaftlichen Kategorien. Bei Händler ist einzig ein Sammelband mit dem Titel Lite- ratur als Passion52 erwähnenswert , der aus einem 2004 von Händlers Verleger Joachim Un- seld und Lutz Hagestedt veranstalteten Symposium hervorgegangen ist. Hinzu kommt ein Aufsatz von Sandra Pott mit dem Titel Wirtschaft in Literatur. ‚Ökonomische Wirtschaftssub- jekte’ im Wirtschaftsroman der Gegenwart53. Die meisten Aufsätze und Rezensionen zu bei- den Romanen konzentrieren sich jedoch vorwiegend auf eine am Inhalt orientierte Lektüre, die die narrativen, strukturellen sowie zeichentheoretischen Verbindungen zwischen Poesie und Ökonomie vernachlässigt. Weder werden detaillierte formale Analysen durchgeführt noch ökonomische Texte und Theorien konkret einbezogen. Die vorliegende Arbeit betritt somit nicht nur methodisches, sondern mit der Wahl der Werke auch literarisches Neuland. Es geht ihr (auch) darum, ein bisher wissenschaftlich noch kaum durchmessenes literarisches Gebiet, nämlich die an Ökonomie und Arbeitswelt interessierte Gegenwartsliteratur, zu erfor- schen. Zugleich müssen jedoch die methodischen Anforderungen ernst genommen werden, die der veränderte literarische Gegenstand durch seine ökonomische Welthaltigkeit an die Literaturwissenschaft stellt. Und vielleicht ist gerade das Fehlen einer Begrifflichkeit, mit der sich die Interaktion zwischen ökonomischen und literarischen Verfahren fassen ließe, ein Grund für die Forschungslücke, sträuben sich die Texte doch durch ihre Ambivalenz gegen rein marxistische Zugänge. Die vorliegende Arbeit sucht daher mit dem methodischen Ansatz des New Economic Criticism den Ansprüchen des literarischen Gegenstandes gerecht zu wer- den.

Doch worum geht es in den literarischen Texten, was passiert genau? Das ist in beiden Fällen aus unterschiedlichen Gründen nicht so genau zu sagen. In beiden Romanen stehen weniger die Handlung der Figuren oder die Entwicklung der Geschichte im Mittelpunkt, als vielmehr narrative Verfahren und Strukturen, die eine Paraphrasierung des Geschehens problematisch und wenig aussagekräftig werden lassen. Häufig ist auch der Status einer Passage (Imaginati- on oder Beschreibung von Geschehnissen) nicht genau zu klassifizieren. Dennoch soll zur besseren Orientierung der Versuch unternommen werden, den Plot der Romane kurz zu um- reißen.

Händlers Roman spielt Ende der neunziger Jahre in München. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen vier Frauen Mitte Vierzig, die als Führungspersönlichkeiten im industriellen Wirt- schaftssektor auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn angekommen sind. Die erfolg- reiche Managerin Charlotte will sich selbständig machen und erwirbt den mittelständischen Familienbetrieb Voigtländer, den sie zusammen mit der Vertriebsexpertin Stine und der Un- ternehmensplanerin Bär nach neusten betriebswirtschaftlichen Anforderungen an Manage- ment und Produktivität umgestalten und so konkurrenzfähig machen will. Stine wird zur Sprecherin des Konzerns ernannt, schnell jedoch von der neuen Macht korrumpiert: Sie will nun selbst die Firma besitzen und Charlottes Posten an sich reißen. Deshalb plant sie mit ih- rem Lebensgefährten Egin, Charlotte durch ein verlustreiches Immobiliengeschäft derart zu schädigen, dass sie die Firma aus finanziellen Gründen an Stine verkaufen muss. Stines Intri- ge geht auf, Charlotte steht vor dem persönlichen und finanziellen Ruin. Anschließend wird Bär nach einem Mitarbeiterseminar entlassen, da sie sich Stine zufolge nicht mehr in das in- novationsorientierte Unternehmenskonzept integrieren lässt. Doch mit dem Besitz der Firma gibt sich Stine noch nicht zufrieden. Nach einem Besuch im Münchner Haus der Kunst be- schließt sie, den ‚Global Breaker’, eine hochmoderne Schalttechnik zu entwickeln, durch die die Firma global expandieren könnte. Ein Joint Venture54 mit dem internationalen Konzern D’Wolf, deren Chefin Milla Stine auf einer Industriemesse kennen lernt, soll Kapital für die Produktion zugänglich machen und dem neuen Schalter sowie Voigtländer den Zugang zum Weltmarkt eröffnen. Die Topmanagerin Milla geht auf Stines Vorschlag ein, jedoch hegen beide Zweifel an der Richtigkeit ihres Unternehmenszusammenschlusses und misstrauen ein- ander. Als Milla erfährt, dass Stines Freund Egin zwei ihrer Mitarbeiter mit dem Kauf einer wertlosen Ladenkette betrogen hat, beschließt sie, das Joint Venture und damit auch Stines Firma, ebenfalls durch einen Immobilienkomplott, in ihren Besitz zu bringen. Auf dem Grundstück, auf dem die Fertigungshalle des Joint Ventures errichtet werden soll und das Stine laut Vertrag in die Firma einbringen muss, liegen noch rechtmäßige Ansprüche früherer jüdischer Eigentümer, die auf Millas Empfehlung hin ihre Rechtsansprüche geltend machen. Der Beginn der Produktion verzögert sich um unbestimmte Zeit und Stine verstößt gegen den im Vertrag vereinbarten Zeitplan. So erhält Milla das Recht, vom Joint Venture zurückzutre- ten und Stine bleibt mit nicht gedeckten Kosten zurück, die sie zum Verkauf von Voigtländer an D’Wolf zwingen. Milla erreicht ihr Ziel, Stine ereilt ein ähnliches Schicksal wie zuvor Charlotte und Bär, das ökonomische Rad dreht sich weiter und weiter und weiter. Nur der Makler, auch Cool Killer genannt, der durch sein berufliches Handeln alle drei Immobilien- betrüge ermöglicht hat, bleibt am Ende unbeschadet zurück.

Das Jahr der Wunder ist ebenfalls Ende der neunziger, zur Zeit des New Economy-Booms in der Metropole Berlin angesiedelt. Protagonist ist Christian Schlier, der nach einem gescheiter- ten Medizinstudium durch seinen Freund Titus einen Job in der rätselhaften Werbeagentur GFPD erhält. Er bekommt von seinen Vorgesetzten Steinfeld und Wosch den Auftrag, ein kreatives CD-ROM-Konzept für die schwäbische Bausparkasse Weissenburg zu entwickeln. Die zwölf Monate, in denen Christian in der Agentur Tag und Nacht an dem Konzept arbeitet, erscheinen als einzige Wiederholung eines unendlichen Aufschubs, als schwebender, trance- artiger Zustand, den die Figur in der faszinierenden, Grenzen verschwimmen lassenden Ar- beitswelt durchlebt: Von der Entwicklung eines Grobkonzepts, über den Kick-off-Termin des Projekts mit dem Bausparkassenvertreter Lipinski, bis hin zu unendlichen, ineffizienten Teambesprechungen und Diskussionen über Christians kreative Leistung; von der ständigen Verschiebung und Verzögerung der Deadline über die anschließende Entwicklung eines com- putertechnisch umsetzbaren Feinkonzepts, bis hin zur scheinbar endgültigen Präsentation in Stuttgart, zu der er mit seiner Kollegin Gudula reist. Grassi, Christians philosophisch und psychologisch geschulter Mentor, eröffnet ihm durch lange Gespräche neue Freiräume. Zwei Aspekte prägen dabei den gesamten Roman: Erstens reflektiert Christian aus Unsicherheit ständig über das hierarchische Verhältnis seiner Kollegen zueinander, über den Eindruck, den er durch sein Verhalten vermittelt, sowie über eine angemessene Lohnhöhe für seine so un- greifbare Tätigkeit. Und zweitens durchziehen den Roman Erinnerungsszenen an Christians Freundin Sonja, an seine Kindheit und seine Zivildienstzeit mit Titus. Am Ende des Romans zerplatzen jedoch die regressionsgefärbten Träume sowohl in Hinblick auf die Rückkehr in eine verlorene Kindheit als auch auf die hermetisch von der äußeren Welt getrennte Werbe- agentur. Der internationale Konkurrent Fogg übernimmt einen Teil der Agentur, und das nicht zuletzt, weil Christian ein Fax mit scheinbar wichtigen Informationen zurückgehalten hat. Das Klima wird rauer, neue klare Strukturierungen werden etabliert, sein Freund Titus steigt in der Hierarchie auf, obwohl er noch vor kurzem ganz aus dem Agenturbetrieb aussteigen und sich aufs Land zurückziehen wollte. Trotz der erfolgreichen Präsentation in Stuttgart platzt durch das Joint Venture der Auftrag mit Weissenburg wider erwarten, Christian wird für neue Auf- gaben freigesetzt und alles beginnt noch einmal von vorn.

HAUPTTEIL:

3 Wirtschaft als Erzählung und ökonomische Kodierung des Poetischen: Das dialektische Verhältnis von Ökonomie und Literatur auf der Ebene des Erzählten

Zunächst sollen die Textcorpora einander gegenübergestellt und inhaltlich daraufhin unter- sucht werden, inwiefern sie die literarischen, fiktionalen Komponenten ihres wirtschaftlichen Gegenstandes herausstellen und damit auf McCloskeys Theorie einer rhetoric of economics Bezug nehmen, die ökonomische Theorien als narrativ und rhetorisch konstruiert begreift. Anschließend wird im Gegenzug die ökonomische Kodierung der Romanwelt herausgearbei- tet. Durch diese werden literarische Formen des Selbstausdrucks als Mittel eines internalisier- ten, ökonomischen Optimierungskalküls präsentiert, dem die Subjekte und ihre Beziehungen zueinander unterworfen sind.

3.1 Wirtschaft als Erzählung

3.1.1 Narrative Momente des Ökonomischen auf der inhaltlichen Ebene

Da Merkels Roman in einer Werbeagentur spielt, die sich als Teil des Dienstleistungssektors hauptsächlich durch die Immaterialität des Ökonomischen und seiner Werte auszeichnet, scheint der Text von vornherein eine Nähe zwischen Literatur bzw. Ästhetik einerseits und der innovationsorientierten Ideens- bzw. Wissensökonomie55 andererseits zu konstruieren und diese Bereiche bis zur Ununterscheidbarkeit verschwimmen zu lassen. Der Think-Tank der Agentur stellt nicht im traditionellen Sinn der Industrieproduktion durch maschinelle, fabrik- mäßige Prozesse eine Ware, ein handgreifliches Produkt her, sondern erzählt durch Präsenta- tionen, Konzepte und Bilder Geschichten, entwickelt Ideen und bringt Bedeutungen hervor:

„‚Es ist an sich unser Kapital’, sagt Grassi, ‚Ideen zu haben.’“ (JdW, 193) Die Arbeit in der Advertising Agency GFPD besteht in der Narration, lässt wie die Literatur Visionen einer anderen potentiellen Welt entstehen und zeigt die Relativität und Variabilität dieser Wirklich- keitskonstruktionen auf. So erlangt Christian nicht etwa Zugang zur Agentur durch ein profes- sionelles Einstellungsgespräch oder durch eine herausragende Bewerbungsmappe, die Aus- kunft über seine besondere Eignung für den Beruf des Werbers gibt. GFPD ist „keine Agen- tur [...], bei der man sich einfach bewirbt“ (JdW, 9). Statt dessen wird Christian aufgrund sei- ner erzählerischen, literarischen Versuche, der „Notizbuchgeschichten“, angestellt: „’Willst du mir etwa sagen, du wärst nicht kreativ?’, hat [Titus] triumphierend gefragt, nachdem er meine Notizbuchgeschichten gelesen hatte, die ich beim Taxifahren probeweise verfasst habe und die er dann gleich Molsberger, dem Geschäftsführer, gezeigt hat.“ (JdW, 9) Ebenso ist das Bewerbungsgespräch von den literarischen, rhetorischen Verfahren des Zitats, der Wie- derholung, der Paraphrasierung und der repetierenden Variation durchzogen, die Christian anwendet, um den „Eindruck“ (JdW, 11) von Glaubwürdigkeit zu suggerieren sowie Über- zeugungskraft herzustellen: „Manchmal wiederhole ich einfach das, was Wosch oder Stein- feld gesagt haben. Ich zitiere sie oder gebe das, was sie sagen, in Zusammenfassungen wieder oder versuche, mit geschickten Wiederholungen dem Gesagten eine neue Wendung zu ge- ben.“ (JdW, 11f.) Christians Wahl bestimmter rhetorischer Strategien dient damit der Evoka- tion einer dezidierten Vorstellung bzw. Wirkung bei den Rezipienten Wosch und Steinfeld, die sie von seiner ökonomischen Kompetenz überzeugen soll. Entsprechend übt der Erzähler Kritik an den mangelnden rhetorischen Fähigkeiten Woschs, der im Gegensatz zu Christian tatsächlich über handfestes wirtschaftliches Know-How verfügt und die Abteilung am Ende des Romans über die neuen unternehmenspolitischen Entwicklungen, nämlich den Kauf von Anteilen an GFPD durch Fogg, sowie über die damit verbundenen Einschnitte informiert:

„Seine Stimme ist dünn. Er ist keineswegs brillant oder visionär. Seine Sprache ist einfach und kunstlos. Wie er ‚sensationell’ sagt. Er ist nicht gerade ein begnadeter Redner. Er sagt es so nebenbei. Als wäre es nicht der Rede wert.“ (JdW, 275) Der Agenturalltag erweckt aller- dings den Eindruck, als fielen Woschs wirtschaftliche ‚Skills’ eher wenig ins Gewicht, scheint es doch bei GFPD nicht vorrangig auf das Verstehen vorgegebener ökonomischer Prozesse und firmeninterner Abläufe anzukommen, sondern auf Kreativität, Vorstellungsvermögen und Flexibilität. So erklärt Titus: „’Du sollst dich überhaupt nicht festlegen. Es ist so, als hättest du von alledem hier […] keine Ahnung. Du stellst es dir einfach vor.“ (JdW, 13) Die Nutzung der Einbildungskraft offenbart sich damit als Aktivität, die die Wirklichkeit der ökonomi- schen Agenturwelt erst hervorbringt und gestaltet: „Man überlässt alles der Imagination.“ (JdW, 102) Auch das Verfassen des Konzepts für die Bausparkasse Weissenburg, das wie ein guter literarischer Text intentional, notwendig und motiviert zu gestalten ist und dessen Ideen „zwingend“ (JdW, 32) sein sollen, verlangt von Christian die poetische, narrative und imagi- native Befähigung eines Schriftstellers: „Das Konzept darf keinen überflüssigen Gedanken enthalten, wie es überhaupt, wie ich glaube, keinen Gedanken, sondern nur Ideen enthalten darf. Allein eine Idee, ein Detail kann für den Gesamteindruck von großer Wichtigkeit sein.“ (JdW, 31) Jedes Element hat eine bestimmte Funktion in der Gesamtkomposition und Wir- kung des Konzepts zu übernehmen. Indes erweist sich die ästhetische Qualität seines Manu- skripts und nicht etwa die fachliche Kompetenz, die in diesem zur Geltung kommt, für den Erfolg des Projekts als von entscheidender Bedeutung, denn die Idee „muss [vor allem] ein- fach und trotzdem schön sein“ (JdW, 32). Christian beabsichtigt nicht, Werbung für die Bau- sparkasse zu produzieren, sondern Kunst zu machen, „ohne Kennzeichnung, ohne Konzern- oder Produktnamen“ (JdW, 102). Entsprechend skizziert der Ich-Erzähler das Wirtschaftssub- jekt Konsument als eine „einzige große, überdimensionale fiktive Figur“, als Protagonisten einer ökonomischen Erzählung, der „unsichtbar“ (JdW, 81) bleibt. Die Agentur fungiert im Gegenzug als Institution des ökonomischen Geschichtenerzählens, deren Aufgabe es ist, den Kunden als literarischen Akteur entstehen zu lassen. Entsprechend versucht der Protagonist die Strategie, „Geschichten [zu] erzähl[en]“ (JdW, 148), die er in der Zivildienstzeit erfolg- reich angewandt hat, um die von ihm betreuten Kinder zum Schlafen zu bewegen, auf die Situation der Konzeptbesprechung mit Arne und Tatjana zu übertragen, um diese zu besch- wichtigen und die angespannte Situation aufzulösen:

Es waren Geschichten von Phantasiefiguren, die Aufgaben lösen mussten, und die Kinder glaubten mir alles, obwohl ich sie oft belog. Wenn mir gar nichts mehr einfiel, ließ ich die Ge- schichte einfach im flüssigen Wachs der Kerze beginnen, die vor mir stand, und die Augen der Kinder begannen sofort zu leuchten. (JdW, 148f.)

Sogar die protestantische Arbeitsmoral des schwäbischen Bausparkassenangestellten Lipinski, die sich auf messbare ökonomische Leistung, klare Hierarchien und Zuständigkeiten sowie harte körperliche Arbeit und Anstrengung stützt, bietet sich an der Wand im Büro des Ange- stellten auf einem „Haiku-Kalender“ (JdW, 243) als japanisches Gedicht dar. Dieses ent- spricht zwar mit jeweils fünf Silben pro Verszeile nicht ganz der lyrischen Form des Haikus56, besitzt aber dennoch durch „bildhafte Verdichtung, gedankliche Konzentration und Gefühls- tiefe“ sowie durch „äußerste Verknappung des sprachlichen Ausdrucks“ das Charakteristikum der asiatischen Lyrik, „[i]n seiner höchsten Form […] im eng begrenzten Ausschnitt die E- piphanie des allgegenwärtigen Ganzen“57 zu evozieren: „Schlummernd hörte ich / heut der Bauern Lied / und schämte mich“ (JdW, 243).

Gleichwohl stellt sich die Immaterialität und Fiktionalität der wirtschaftlichen Leistungen und Werte im Roman nicht als neues, mit der virtuellen Computer- und Internetökonomie entstan- denes Phänomen heraus, sondern gründet dem philosophisch gebildeten Mentor des Protago- nisten Grassi zufolge in der Abstraktion ökonomischer Vorgänge von ihren Produkten durch das Aktiengeschäft. Die unternehmerische Aktivität an der Börse nehme den Charakter einer von materiellen, realen Gegebenheiten unabhängigen Spekulation an: „Noch im 19. Jahrhun- dert, erzählt Grassi, hätten die Unternehmer ihre Tätigkeit als Glücksspiel empfunden und manchmal gar nicht gewusst, ob die Unternehmen, die an der Börse gehandelt wurden, über- haupt existierten oder am Ende nicht alle erfunden waren.“ (JdW, 85) Die ideelle Dimension des Wirtschaftlichen bildet allerdings keinen Gegensatz mehr zu lebensweltlichen ökonomi- schen Prozessen, da sich wirtschaftliche Werte selbst durch Börsenspekulationen und seit Neustem durch virtuelle Ökonomien in Computerwelten („Second Life“58), die auf die ‚rea- len’ ökonomischen Entwicklungen Einfluss nehmen, fortwährend virtualisieren und einen imaginären Charakter annehmen.

[...]


1 Jochen Hörisch: Kopf oder Zahl. Die Poesie des Geldes. Frankfurt am Main 1996, S. 22.

2 Als klares Anzeichen für das neue Interesse der Literaturwissenschaft an der Interaktionen von Literatur und Ökonomie muss die Häufung von Tagungen und Konferenzen zum Thema gedeutet werden: Vgl. u.a. „Denn wovon lebt der Mensch?“ Literatur und Wirtschaft – eine Bestandsaufnahme. Öffentliche Vortragsreihe, 10.04.2007 - 10.07.2007, Universität Hamburg. Und: Literarische Kritik der ökonomischen Kultur. Zur Rück- kehr der Arbeitswelt in die Gegenwartsliteratur. Literaturtage des Zentrums für Literaturforschung (ZfL) Berlin in Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin, 27. und 28. Januar 2006 im Literaturhaus Berlin.

3 Vgl. z.B. Udo Friedrich: Trieb und Ökonomie. Serialität und Kombinatorik in mittelalterlichen Kurzerzählun- gen, in: Mark Chinca (Hg.): Mittelalterliche Novellistik im europäischen Kontext. Kulturwissenschaftliche Per- spektiven. Berlin 2006, 48-75. Oder: Jan-Dirk Müller: Gottfried von Straßburg Tristan. Transgression und Öko- nomie, in: Gerhard Neumann (Hg.): Transgressionen. Literatur als Ethnographie. Freiburg im Breisgau 2003, S. 213-242.

4 Steffen Martus: Verbrechen lohnt sich. Die Ökonomie der Literatur in Schillers Verbrecher aus Infamie, in: Euphorion 99 (2005), H. 1/2, S. 243-271. Oder: Thomas Wegmann: Tauschverhältnisse. Zur Ökonomie des Literarischen und zum Ökonomischen in der Literatur von Gellert bis Goethe. Würzburg 2002. Oder: Margrit Fiederer: „Wenn die Herzen im Preise steigen“. Ökonomische Motive in Schillers Kabale und Liebe, in: Lenka Vanková/ Pavla Zajícová (Hg.): Aspekte der Textgestaltung. Referate der Internationalen Germanistischen Kon- ferenz Ostrava 15.-16.Februar 2001. Ostrava 2001, S. 353-364. Oder: Heiner Weidmann: Ökonomie der „Groß- muth“. Geldwirtschaft in Lessings Minna von Barnhelm und Nathan dem Weisen, in: Deutsche Vierteljahrs- schrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 68 (1994), H.3, S. 447-461.

5 Sebastian Gießmann: Die Romantik und das Unendliche. Grenzgänge zwischen Ästhetik und Ökonomie, in: Weimarer Beiträge 52 (2006), H. 2, 165-190. Oder: Christian Becker: Ökonomie und Natur in der Romantik. Das Denken von Novalis, Wordsworth und Thoreau als Grundlegung der ökologischen Ökonomik. Marburg 2003. Oder: Maren Jochimsen: Poesie und Ökonomie im mittelalterlichen „Zwielicht“. Die Bedeutung der Mit- telalterrezeption im Heinrich von Ofterdingen von Novalis für den Umgang mit der Natur in der Ökonomie heu- te, in: Ulrich Müller und Kathleen Verduin (Hg.): General Conference on Medievalism. Gesammelte Vorträge des 5. Salzburger Symposiums (Burg Kaprun, 1990). Göppingen 1996, 83-94.

6 Norbert Christian Wolf: Gegen den Markt. Goethes Etablierung der „doppelten Ökonomie“, in: Thomas Weg- mann (Hg.): Markt - literarisch. Bern 2005, S. 59-74. Oder: Mathias Mayer: Ökonomie und Verschwendung in der klassischen Lyrik Goethes. Episteln und Amyntas, in: Goethe-Jahrbuch 122 (2005), 62-75. Oder: Joseph Vogl: Nomos der Ökonomie. Steuerungen in Goethes Wahlverwandtschaften, in: MLN 114 (1999), N.3, S. 503- 527.

7 Eine umfangreiche, teils chronologische, teils systematische Aufarbeitung des Forschungsstandes findet sich bei Bernd Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit bei Musil, Joyce, Svevo, Unamuno und Céline. München 2004, S. 37-106. Des Weiteren bietet die Einleitung des Sammelbandes zum New Economic Criticism. einen guten Überblick über verschiedene Zugänge zum Thema: Martha Woodmansee/ Marc Osteen: Taking account of the New Economic Criticism. An historical introduction, in: Martha Woodmansee/ Marc Osteen (Hg.): The New Economic Criticism. Studies at the Intersection of Literature and Economics. London 1999, S. 3-50.

8 Jack Amariglio/ David F. Ruccio: Literary/ Cultural „Economies“, Economic Discourse, and the Question of Marxism, in: Martha Woodmansee/ Marc Osteen (Hg.): The New Economic Criticism. Studies at the Intersec- tion of Literature and Economics. London 1999, S. 381-400, hier S. 382.

9 Amariglio/ Ruccio: Literary/ Cultural „Economies“, S. 381.

10 Zum Begriff der Partikularität im New Historicism und dem Verständnis von Kultur als Text vgl. Louis A. Montrose: Die Renaissance behaupten. Poetik und Politik der Kultur, in: Moritz Baßler (Hg.): New Historicism. Literaturgeschichte als Poetik der Kultur. 2., aktualisierte Aufl. Frankfurt am Main 2001, S. 60-93.

11 Vgl. Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit, S. 42.

12 Vgl. ebd. zu Lukács, S. 43f.

13 Moritz Baßler: New Historicism, Cultural Materialism und Cultural Studies, in: Konzepte der Kulturwissen- schaften. Theoretische Grundlagen – Ansätze – Perspektiven. Hrsg. von Ansgar Nünning und Vera Nünning. Stuttgart 2003, S. 132-155, hier S. 148.

14 Baßler: New Historicism, S. 134.

15 Vgl. ebd., S. 136.

16 Stephen Greenblatt: Verhandlungen mit Shakespeare. Innenansichten der englischen Renaissance. Berlin 1990, S. 12.

17 Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 14.

18 Hörisch: Kopf oder Zahl, S. 47.

19 Ebd., S. 48.

20 Joseph Vogl: Für eine Poetologie des Wissens, in: Karl Richter/ Jörg Schönert/ Michael Titzmann (Hg.): Die Literatur und die Wissenschaften 1770 – 1930. Stuttgart 1997, S. 107-127, hier S. 114.

21 Vogl: Für eine Poetologie des Wissens, 115.

22 Ebd., S. 121.

23 Ebd., S. 124.

24 Vgl. Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 3.

25 Ebd., S. 14.

26 M. Neil Browne/ J. Kevin Quinn: Dominant Economic Metaphors and the Postmodern Subversion of the Sub- ject, in: Martha Woodmansee/ Marc Osteen (Hg.): The New Economic Criticism. Studies at the Intersection of Literature and Economics. London 1999, S. 131-149, hier S. 131.

27 Browne/ Quinn: Dominant Economic Metaphors, S. 134.

28 Ebd., S. 133.

29 Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 22.

30 Deirdre N. McCloskey: The Rhetoric of Economics. 2. Aufl. Madison/ London 1998, S. xx.

31 Vgl. zu dieser Argumentation auch Horst Bredekamps Beiträge zum iconic turn und zur metaphorischen Funk- tion von Diagrammen in Texten: Diagramme und bildtextile Ordnungen. Berlin 2005. Oder: Visuelle Argumen- tationen. Die Mysterien der Repräsentation und die Berechenbarkeit der Welt. München 2006.

32 McCloskey: The Rhetoric of Economics, S. xix.

33 Deirdre McCloskey: Storytelling in Economics, in: Dies.: Measurement and Meaning in Economics. The Es- sential Deirdre McCloskey. Hg. v. Stephan Thomas Ziliak. Cheltenham/ Northampton 2001, S. 204-221, hier S. 204.

34 McCloskey: Storytelling in Economics, S. 212.

35 Diese These findet ihren Vorläufer in Hayden Whites geschichtswissenschaftlichem Ansatz, die Darstellung von historischen Zusammenhängen als immer auch durch poetologische Strukturen geformt zu begreifen. Vgl.: Hayden White: Das Problem der Erzählung in der modernen Geschichtstheorie, in: Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung. Frankfurt am Main 1987. Oder: The Content of the Form. Narrative Dis- course and Historical Representation, Baltimore [u.a.] 1987. dt. Die Bedeutung der Form. Frankfurt am Main 1990. Oder: Tropics of Discourse. Essays in Cultural Criticism, Baltimore 1978. dt. „Auch Klio dichtet“ oder die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses. Stuttgart 1991.

36 McCloskey: The Rhetoric of Economics, S. 19. Ihre Annahme, dass die Verwendung von Metaphern und Narrativen im Sinne der aristotelischen Rhetorik zu einer moralisch ‚guten’ Wissenschaft führe und damit nicht nur als Technik der Überzeugungskraft, sondern darüber hinaus „als wissenschaftstheoretische Grundlagendiszi- plin [verstanden werden kann], die in der Instanz des ethos auch noch den moralischen Charakter der Person betrifft“ (Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit, S. 390f.) und ‚gute’ Menschen auch ‚gut’ sprechen lässt, halte ich allerdings für eher problematisch. Mit einer solchen Annahme ist m. E. eine moralische Wertung verbunden, die in Widerspruch zu McCloskeys konstruktivistischer, diskursiver Theorie steht.

37 Zu Amariglios und Ruccios These eines postmodernen Shifts in den Wirtschaftswissenschaften siehe: Jack Amariglio/ David F. Ruccio: Postmodern Moments in Modern Economics. Princeton/ Oxford 2003. Und: Jack Amariglio/ Stephen Cullenberg/ David F. Ruccio (Hg.): Postmodernism, Economics and Knowledge. London/ New York 2001.

38 Der methodologische Individualismus geht vom anthropologischen Modell eines rationalen, seine eigenen Interessen verfolgenden, Nutzen maximierenden Individuums aus und sucht, soziales Handeln vorwiegend als Ergebnis der Handlungen des Einzelnen zu erklären. Die wichtigsten Vertreter dieses Konzepts sind Popper und Hayek. Vgl. [Art.:] Methodologischer Individualismus, in: Gabler Wirtschaftslexikon. 16., vollständig überarbei- tete und aktualisierte Auflage. Bd. 3 K – R. Wiesbaden 2004, S. 2041f.

39 Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 26.

40 Ebd., S. 26.

41 Kurt Heinzelman: The Economics of the Imagination. Amherst 1980, S. 11.

42 Heinzelman: The Economics of the Imagination, S. 11f.

43 Georg Simmel: Philosophie des Geldes (1900). Gesamtausgabe Bd. 6. Hrsg. von David P. Frisby und Klaus Christian Köhnke. Frankfurt am Main 1989, S. 11.

44 Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit, S. 98.

45 Rainer Merkel: Das Jahr der Wunder. Frankfurt am Main 2001. Im Nachfolgenden wird aus dem Roman im fortlaufenden Text unter Nennung von (JdW, Seitenzahl) zitiert.

46 Ernst-Wilhelm Händler: Wenn wir sterben. Frankfurt am Main 2002. Im Nachfolgenden wird aus dem Roman im fortlaufenden Text unter Nennung von (WWS, Seitenzahl) zitiert.

47 Rolf Thym: Wie die Sprachwelten eines Unternehmers die Feuilletons erobern. Das Doppelleben des Ernst- Wilhelm Händler: Tagsüber leitet er eine Firma, nachts schreibt er Romane, in: Süddeutsche Zeitung (15./16.05.1999), S. 64.

48 Vgl. Joachim Unseld: Ernst-Wilhelm Händler. Einführung in eine „Grammatik der vollkommenen Klarheit“, in: Lutz Hagestedt/ Joachim Unseld (Hg.): Literatur als Passion. Zum Werk von Ernst-Wilhelm Händler. Frank- furt am Main 2006, S. 7-31, hier S. 7.

49 Ernst-Wilhelm Händler: Logische Struktur und Referenz von mathematischen ökonomischen Theorien. Mün- chen 1980, S. I.

50 Hubert Winkels: Friede den Tischen. Rainer Merkels Roman Das Jahr der Wunder, in: Ders.: Gute Zeichen. Deutsche Literatur 1995-2005. Köln 2005, S. 280-287, hier S. 286.

51 Winkels: Friede den Tischen, S. 281. Winkels Behauptung, die Gewalttätigkeit des ökonomischen Systems spiele in Merkels Roman keine Rolle, lässt sich m. E. angesichts der militärischen, kämpferischen Metaphorik am Ende des Textes (vgl. JdW, 270-283) nicht aufrechterhalten. Vielmehr umreißt der Roman die wirtschaftli- chen Kontrollmechanismen äußerst subtil und psychologisch feinfühlig und gesteht der Faszination für Ökono- mie und für ihre imaginäre Kraft mehr Raum zu als dem desillusionierenden Zynismus.

52 Lutz Hagestedt/ Joachim Unseld (Hg.): Literatur als Passion. Zum Werk von Ernst-Wilhelm Händler. Frank- furt am Main 2006.

53 Sandra Pott: Wirtschaft in Literatur. ‚Ökonomische Subjekte’ im Wirtschaftsroman der Gegenwart, in: Kul- turPoetik. Zeitschrift für kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft 4 (2004), H. 2, S. 202-217.

54 Ein Joint Venture ist eine „Kooperationsform selbständig bleibender Unternehmen […] zur Betreibung eines gemeinsamen Geschäftes“. Die Partner müssen ihre unterschiedlichen Beteiligungen, die sie in das Joint Venture einbringen, wie Kapital, Know-How oder Arbeitskräfte, sowie „ihre individuellen Ziele und Interessen vertrag- lich aufeinander abstimmen, da J[ointventures] nicht von einer Vertragspartei beherrschbar“ sind. ([Art.:] Joint Ventures, in: Wirtschaftslexikon. Hg. v. Dr. Dr. h. c. Artur Woll. 8., überarbeitete Aufl. München/ Wien 1996, S. 367.) Die Höhe der Kapitalbeteiligung beeinflusst das Ausmaß der Entscheidungsbefugnis der beteiligten Unter- nehmen im Joint Venture und damit auch die Machtverhältnisse innerhalb des Unternehmenszusammenschlus- ses. (Vgl. [Art.:] Joint Venture, in: Gabler Wirtschaftslexikon. 16., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Bd. 2 E – J. Wiesbaden 2004, S. 1616f.) Joint Ventures bieten eine Möglichkeit für Unternehmen, eine hohe Kontrolle über firmeninterne Prozesse zu behalten, „[to] ’unbundle’ the package of resources that accrues from […] investment“ und „[to enjoy] the benefits accruing from the import of capital and the transfer of mana- gerial skills and technology […] without any loss of control of productive resources” (Nigel Grimwade: Interna- tional Trade. New Patterns of Trade, Production & Investment. 2. Aufl. London/ New York 1990, S. 181.). Der unternehmerische Anreiz für die Gründung eines Joint Ventures liegt vor allem „in der Aufteilung des unter- nehmerischen Risikos auf zwei oder mehrere Partnerunternehmen“ sowie in der „Realisierung von Synergieef- fekten und Wettbewerbsvorteilen“ ([Art.:] Joint Venture, in: Gabler. Bd. 2, S. 1617) durch die Zusammenfüh- rung des Know-Hows beider Konzerne.

55 Der Innovationswettbewerb bezeichnet eine Form des „wirtschaftliche[n] Leistungswettstreit[s] zwischen Wirtschaftssubjekten [meist Konzernen] am Markt auf der Grundlage des Hervorbringens und der Diffusion von Innovationen“ ([Art.:] Innovationswettbewerb, in: Gabler. Bd. 2, S. 1502.). Der Innovationsgrad ist ein Indikator für den technologischen Fortschritt und damit das Wachstum einer Volkswirtschaft. Die Innovation drückt sich in der Entwicklung neuer Produkte (Produktinnovation) oder neuer Produktionsverfahren (Prozessinnovation) aus. (Vgl. [Art.:] Innovation, in: Wirtschaftslexikon, S. 338.) Innovationsprodukte sind heterogene, differenzierte Güter wie z.B. technologische Markenprodukte oder Markenbekleidung. Aber auch ‚immaterielle’ Leistungen, die rein auf Ideen beruhen, wie die Invention einer neuen Dienstleistung oder einer organisatorischen Innovation wie eines Unternehmensnetzwerks gelten als Innovationen. (Vgl. [Art.:] Innovationswettbewerb, in: Gabler. Bd. 2, S. 1500) Deshalb bekommt Wissen und Bildung, das als Humankapital, anders als bei traditionellen Produkti- onsfaktoren, meist an konkrete Personen gebunden ist, für die wirtschaftliche Wertschöpfung eine immer höhere Bedeutung. Kennzeichen eines intensiven Innovationswettbewerbs ist die „Präsentation von neuen Produkten in immer kürzeren Zeitabständen“ ([Art.:] Innovationswettbewerb, in: Gabler. Bd. 2, S. 1502.), deren realer Grad der Innovation meist eher gering ist. Das Gegenmodell zum Innovationswettbewerbs in der strategischen Unter- nehmenskonkurrenz stellt der so genannte Preiswettbewerb dar, der von der Annahme homogener Güter ausgeht. Dieser setzt also voraus, dass „Konsumenten bei der Wahl zwischen zwei Produkten nur die Preise vergleichen, weil keine sachlichen, zeitlichen oder örtlichen Präferenzen für das Angebot eines Unternehmens existieren“ (Wilhelm Pfähler u. Harald Wiese: Unternehmensstrategien im Wettbewerb. Eine spieltheoretische Analyse. Zweite, vollst. überarb. Aufl. Berlin/Heidelberg 2006, S. 64.). Die Unternehmen konkurrieren somit vor allem durch das gegenseitige Unterbieten in den Preisen miteinander, durch einen „aggressiver Preiskampf“ (Pfähler/ Weise, S. 90), und suchen durch Rationalisierung der Produktionsprozesse, durch Verlagerung der Produktion ins Ausland, etc. die Kosten der Produktion zu reduzieren. (Vgl. Pfähler/ Wiese: Unternehmensstrategien, S. 64f.) Ein ausschließlicher Preiswettbewerb herrscht meist bei weniger entwickelten Ländern und undifferenzier- ten Gütern (z.B. landwirtschaftliche Erzeugnisse) vor.

56 Vgl. Otto Knörrich: [Art.:] Haiku, in: Ders.: Lexikon lyrischer Formen. Stuttgart 1992, S. 85f. Das Haiku besteht üblicherweise aus drei Verszeilen von jeweils fünf, sieben und nochmals fünf Silben, also aus insgesamt 17 Silben.

57 Knörrich: [Art.:] Haiku, S. 86.

58 Vgl. u.a. Götz Hamann u. Jens Uehle>Die nächste Kolonie des Kapitalismus . In einer Computerwelt na- mens Second Life schaffen sich Millionen einen virtuellen Kontinent - und eine neue Volkswirtschaft, in: Die Zeit (04.01.2007, Nr. 02). Holger Schmid: Second Life. Echtes Geld für die virtuelle Welt, in: Frankfurter All- gemeine Zeitung (24.02.2007, Nr. 47), S. 14. Holger Schmidt: Second Life. Ein Wachstum nicht von dieser Welt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (19.02.2007). Detlev Brechtel: Virtuelle Welt. Spielwiese für Marken, in: WirtschaftsWoche (11.03.2007, Nr. 11).

Ende der Leseprobe aus 125 Seiten

Details

Titel
Schreibweisen des Ökonomischen in der deutschen Gegenwartsliteratur
Untertitel
Eine vergleichende Analyse der Romane "Das Jahr der Wunder" (2001) von Rainer Merkel und "Wenn wir sterben" (2002) von Ernst-Wilhelm Händler
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Deutsches Seminar der Neuphilologischen Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
125
Katalognummer
V124727
ISBN (eBook)
9783640298495
ISBN (Buch)
9783640303663
Dateigröße
1325 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft und Literatur, Rainer Merkel, Das Jahr der Wunder, Ernst-Wilhelm Händler, Wenn wir sterben, Georg Simmel, Philosophie des Geldes, New Economic Criticism, Deirdre McCloskey, Rhetoric of Economics, Storytelling, Grenznutzentheorie, Wertrelativismus, Arbeitswertlehre, rational choice, Superadditum des Geldes, ethnographischer Blick, Postmoderne, Ökonomie, Wirtschaft, Literatur, Poesie, Arbeitswelt, Merkel, Händler, Simmel, McCloskey
Arbeit zitieren
Anne-Christin Sievers (Autor), 2007, Schreibweisen des Ökonomischen in der deutschen Gegenwartsliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124727

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