Die vorliegende Hausarbeit wird sich nach einer Einführung in die historischen Umstände von Dienstmädchen im 19. Jahrhundert auf den Charakter Aurélie konzentrieren. Hierbei spielt die Beziehung der bürgerlichen Élisabeth und Aurélie ebenfalls eine große Rolle.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktion und Wirkung Aurélies in Kamouraska zu untersuchen, unter besonderer Betrachtung des Verhältnisses zu Élisabeth.
Anne Hébert gehört zu den wichtigsten und prägendsten frankophonen kanadischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Sie wurde am 1. August 1916 in Sainte-Catherine-de-Fossambault geboren und starb am 22. Januar 2000 in Montréal. Geboren und aufgewachsen in Québec, verbrachte sie ab 1954 einige Jahre in Paris, Frankreich und zog ab 1965 nach dem Tod ihrer Mutter endgültig dorthin. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet und gewürdigt.
Der Roman basiert auf historischen Ereignissen, welche in der gleichnamigen Region Kamouraska in Québec, Kanada, stattfanden. Die Zeit, in der sich der Roman abspielt, ist das Jahr 1839. Élisabeth d’Aulnières, eine bürgerliche Dame mittleren Alters, die in Sorel mit ihrer Mutter und drei Tanten aufwächst, und liebevoll „la Petite“ genannt wurde, stellt die Protagonistin in Kamouraska dar. Gemeinsam mit ihrem Liebhaber, dem auf dem Land lebenden Doktor George Nelson und ihrem Dienstmädchen, Aurélie Caron, plant sie einen Mord an ihrem ersten Ehemann Antoine Tassy. Dieser wurde Élisabeth gegenüber immer wieder gewalttätig, bis sie von Kamouraska nach Sorel floh, wo sie letztendlich George kennenlernte. Der Roman ist geprägt von Rückblenden, Halluzinationen und Albträumen, welche Élisabeth immer wieder heimsuchten. Geschrieben ist Kamouraska in Retrospektive, beginnend am Sterbebett Jérôme Rollands, zweiter Ehemann Élisabeths, wo sie sich an ihr Leben erinnert, und endend mit seinem Tod am selben Bett.
Die Figur Aurélie Caron ist eine der Hintergrundcharaktere in Kamouraska und spielt insofern eine bedeutende Rolle, als dass sie diejenige ist, die ebenfalls in den mörderischen Plänen an Antoine Tassy verwickelt ist und eine Strafe von zwei Jahren im Gefängnis büßt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Situation…
2.1 Hausangestellte in der kanadischen Literatur…
2.2 Dienstmädchen als Eindringlinge
3. Élisabeth als bürgerliche Dame…
4. Hausmädchen in Kamouraska
4.1 Die Figur Aurélie Caron
4.2 Aurélie und Élisabeth: Zwischen Abhängigkeit und Konkurrenz
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Funktion und Wirkung der Figur Aurélie Caron in Anne Héberts Roman Kamouraska (1970) unter besonderer Berücksichtigung der komplexen Beziehung zwischen ihr und der bürgerlichen Protagonistin Élisabeth d’Aulnières.
- Das literarische Bild des Dienstmädchens im 19. Jahrhundert.
- Die sozioökonomische Klassendistanz und deren Einfluss auf zwischenmenschliche Machtverhältnisse.
- Die Rolle von Aurélie Caron als Komplizin und komplementärer Charakter zu Élisabeth.
- Die Darstellung weiblicher Abhängigkeit und Konkurrenz im bürgerlichen Milieu.
- Themen wie Fremdbestimmung, soziale Ausgrenzung und der Kampf um den gesellschaftlichen Schein.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Figur Aurélie Caron
Aurélie Caron ist eine von mehreren Dienstmädchen, die im Hause Élisabeths beschäftigt sind. Mit ihr arbeiten zu ihrer Zeit unter anderem Justine Latour und Sophie Langlade im selben Haushalt (vgl. Hébert, A. 1970: 42). Sie ist im gleichen Alter wie ihre Herrin Élisabeth und dient ihr als Hebamme, Magd, sowie als ihr Kindermädchen. Aurélie wohnt bei ihrem Onkel, welcher jedoch nicht ihr Onkel ist, worauf im Roman nicht weiter eingegangen wird (vgl. ebd.: 63). Während eines Gesprächs zwischen Aurélie und Élisabeth konfrontiert Élisabeth sie mit dem Gerücht, Aurélie sei eine Hexe (vgl. ebd.), worauf diese auf eine gelassene Art antwortet, dass sie anhand eines salzigen Geschmacks der Haut erkennen kann, ob ein neugeborenes Baby am Leben bleibt oder stirbt.
Im Alter von 15 Jahren beschreibt Élisabeth Aurélies Aussehen folgendermaßen:
„Sa jupe mince lui colle aux jambes. Ses pieds nus sont pleins de glaise séchée. Deux longues nattes de cheveux crépus lui battent le dos, deux espèces de lanières noires, auréolées d’épines roussies dans le soleil. Son visage, son cou, ses bras nus sont d’une blancheur livide de champignons frais.“ (Hébert, A. 1970: 61).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Leben der Autorin Anne Hébert und den historischen sowie narrativen Kontext ihres Romans Kamouraska ein und definiert das Forschungsziel der Arbeit.
2. Historische Situation…: Das Kapitel beleuchtet die Rolle von Hausangestellten im 19. Jahrhundert und analysiert diese literarisch als gesellschaftliche Minderheit sowie als „Eindringlinge“ in private bürgerliche Räume.
3. Élisabeth als bürgerliche Dame…: Hier wird der Charakter der Protagonistin Élisabeth d’Aulnières untersucht, insbesondere ihre Einschränkungen durch den bürgerlichen Verhaltenskodex und ihre Abhängigkeit von der Ordnung im Herrenhaus.
4. Hausmädchen in Kamouraska: Dieser Abschnitt fokussiert auf die Rolle von Aurélie Caron, beleuchtet ihre Identität und analysiert ihre zwiespältige soziale und emotionale Bindung zu Élisabeth.
5. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst zusammen, dass Élisabeth die Dynamik mit Aurélie durch ihren höheren sozialen Status dominiert, während Aurélie durch ihre Authentizität paradoxerweise Élisabeths Glaubwürdigkeit entlarvt.
Schlüsselwörter
Anne Hébert, Kamouraska, Dienstmädchen, Aurélie Caron, Élisabeth d’Aulnières, kanadische Literatur, Klassendistanz, weibliche Macht, soziales Milieu, Frauenliteratur, Abhängigkeit, Konkurrenz, 19. Jahrhundert, Identität, Rollenbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Dienstmädchen in Anne Héberts Roman Kamouraska und fokussiert dabei spezifisch auf die Figur der Aurélie Caron im Kontext ihrer Beziehung zur Protagonistin Élisabeth.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die soziokulturelle Stellung von Hausangestellten im 19. Jahrhundert, Macht- und Abhängigkeitsdynamiken in Frauenbeziehungen sowie die Konstruktion von Rollenbildern innerhalb des Bürgertums.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Analyse?
Das Hauptziel ist es, die Funktion und Wirkung von Aurélies Charakter im Roman zu untersuchen, wobei besonders die Ambivalenz zwischen Abhängigkeit und Konkurrenz gegenüber Élisabeth hervorgehoben wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im Kontext historischer Gegebenheiten und unter Anwendung von Sekundärliteratur (insb. Rimstead, R.) auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Rolle von Hausmädchen, die Untersuchung der Rolle von Élisabeth als bürgerliche Dame und die detaillierte Figurenanalyse von Aurélie Caron.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Klassendistanz, weibliche Abhängigkeit, soziale Ausgrenzung, bürgerliche Moral und literarische Identitätskonstruktion charakterisieren.
Warum wird Aurélie Caron im Prozess zur Komplizin?
Aurélie wird manipuliert und durch emotionale Erpressung von Élisabeth und ihrem Liebhaber George Nelson in das Mordvorhaben verwickelt, da diese sie als Bauernopfer benutzen wollen.
Inwieweit spielt die soziale Herkunft von Aurélie eine Rolle?
Die Herkunft als Mulattin und ihr untergeordneter Status führen dazu, dass Aurélie im Strafprozess diskriminiert wird und für das Verbrechen die gesamte Schuld übernimmt, während die Elite Élisabeth stützt.
- Citar trabajo
- Frida Gastler (Autor), 2021, Das literarische Bild des Dienstmädchens in Anne Héberts Roman "Kamouraska" anhand des Charakters Aurélie Caron, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247338